Rettet die Inflation den Euro über die Runden?
+++ Euro mit Tiefstmarke bei 1,1410 Franken +++
Tücken des deutschen Wahlergebnis für den EUR/CHF-Kurs...>
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Rettet die Inflation den Euro über die Runden?

Der Euro stieg in den vergangenen drei Monaten von 1,0870 auf 1,1460 Franken. Inzwischen ist die Inflation auf dem Vormarsch. Laut der Schweizerische Nationalbank (SNB) ist ihr Franken "hoch bewertet". Im Juni hatte die SNB gesagt, er sei "deutlich überbewertet". Die neue Konstellation hat gravierende Folgen:
  • Bei einer "hoch bewerteten" Währung gibt es für die SNB keinen Grund zu intervenieren. Sie hält sich raus, wie die stagnierende Entwicklung ihrer Devisenreserven zeigt. Damit ist das Rückfallpotenzial des EUR/CHF-Kurses größer.

  • Als der Euro bei 1,09 Franken stand, wusste der Devisenmarkt, dass spätestens bei 1,06-1,07 die SNB mit Käufen stützt. Aktuell bei knapp 1,15 kann der Euro bis 1,07 Franken abwärtsrollen, ohne dass ihm die SNB Steine in den Weg legt.

  • SNB-Chef Thomas Jordan unterstreicht, dass er im Gegensatz zu Mario Draghi mit der Notenpresse vorsichtig umgeht. Dies konnte man bereits bei der Aufhebung des Mindestkurses sehen. Wäre Jordan ein Eurozonler, hätte er genauso geringe Chancen auf den EZB-Chefsessel wie Bundesbankchef Jens Weidmann.

Bei der Inflation knistert es etwas, was die Notenbanken auf den Plan ruft. In Deutschland kletterten die Verbraucherpreise zuletzt mit einem Tempo von 1,8%. In Großbritannien lagen sie gar um 2,9% höher als vor einem Jahr. Die US-Inflationsrate war ebenfalls über den Konsensschätzungen der Analysten.

Tschechiens Notenbank wird aller Voraussicht nach im September oder im November bereits zum zweien Mal in diesem Jahr den Leitzins erhöhen. Die Bank von England steht ebenfalls in den Startlöchern für eine Schlüsselzins-Anhebung im Herbst, während die Chancen für eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) für Dezember steigen.

Die EZB ist von einer Leitzinserhöhung 1-2 Jahre entfernt. Es gilt zunächst die Subventionierung der Euro-Finanzminister mit Geld aus der Notenpresse herunterzufahren. Das bringt die Eurozone in eine unkomfortable Situation: Wenn die anderen die Zinsen erhöhen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Wirtschaftsabkühlung, die dann auch die Eurozone erwischt, obwohl hier die Zinsen nicht steigen.

Ausblick:
Die EZB wird im Oktober etwas geldpolitische Straffung liefern müssen, um nicht ein halbes Jahrzehnt "Behind the Curve" zu sein. Der Euro wird es dennoch schwer haben, weil es mit Mario Draghi eine Roadmap zur Normalisierung der Geldpolitik nicht geben wird. Diese Unsicherheit zusammen mit einer Konjunkturabkkühlung, die irgendwann kommen wird, limitiert das Aufwärtspotenzial des EUR/CHF-Kurses.