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Das neue Projektionsziel für den Euro ist 1,13 Franken

Der Euro ist stärker gefragt, und so steigt der EUR/CHF-Kurs auf 1,10. "In der Eurozone sehen die Konjunkturaussichten wieder etwas optimistischer aus", sagt die Thurgauer Kantonalbank. Das Projektionsziel für den Euro steigt auf 1,13 Franken.

Ein erster Versuch zurück über 1,10 zu gelangen, scheiterte in der letzten Woche. Nun läuft der zweite Versuch. Tatsächlich geht es aktuell nicht so sehr um die Marke 1,10.

Euro Franken Kurs Aufwärtstrend 2021 mit Projektionsziel EUR/CHF 1,13

EUR/CHF-Ausblick: Vom Regen in die Traufe

Es ist das alte Spiel beim EUR/CHF-Ausblick: Die Abwägung von kurzfristigen Kurssteigerungseffekten herrührend aus schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen und der düstere Langfristausblick.

Seit einem Jahr dominieren erstgenannte Effekte. Der EUR/CHF-Kurs kletterte zwischen Mai 2020 und März 2021 von 1,05 auf 1,1150 (+6,2%). Anschließend kam er etwas zurück. Aktuell notiert der Kurs bei 1,0950.

Linienchart EUR/CHF-Kurs lange Talfahrt kurzer Anstieg

Davor hatte der düstere Langfristausblick den Euro von 1,20 auf 1,05 Franken absacken lassen. Bei zentralen Wirtschaftsdaten wie Wachstum, Schulden, Innovationskraft, Arbeitslosigkeit ist die Schweiz deutlich besser als die Eurozone.

Wie grottenschlecht weite Teile der Eurozone positioniert sind, offenbart ein Blick auf die nationalen Aktienmärkte. Frankreichs vom Staat hofierte Großunternehmen haben kläglich versagt den Wert ihrer Firmen zu steigern.

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Der französische Leitindex CAC 40 ist aktuell genauso hoch wie Anfang 2000. Italien und Spanien sind sogar im Minus. Der Dax stieg hingegen um 100%, der ATX und S&P 500 kletterten jeweils um 200%. Der Schweizer SMI legte 45% zu.

Trio Infernale


Es handelt sich um ein vernichtendes Anlegerurteil über die wirtschaftliche Ausrichtung Frankreichs, Italiens und Spaniens. Deutschland, die Niederlande und Österreich verhinderten bisher eine noch raschere Abschwächung des Euros.

Die Kohlen aus dem Feuer holen können auch sie nicht. Anfang 2000 kostete 1 Euro 1,60 Franken. Aktuell sind es knapp 1,10. Es gibt keinen Silberstreifen am Horizont. Der EUR/CHF-Kurs wird nach dem Post-Corona-Aufschwung weiter sinken.

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Merkels Machtvakuum: Euro wird Risikowährung

Die Kursverluste des Euro sind die größten seit einem Jahr. Die Käufer des Schweizer Franken übernehmen die Oberhand, zumal eine Schonfrist für den Euro im August 2021 abläuft. Dann ist er wieder Risikowährung – und er bleibt es, weil die deutsche Kanzlerin Merkel abtritt. Das Machtvakuum werden Macron und Draghi nutzen, um dem Euro auch seine letzten Hartwährungsambitionen auszutreiben.

Zwischen Februar und Anfang März 2021 schoss der Eurokurs von 1,08 auf 1,1150 Franken hoch. Es folgte bis Mitte Mai eine Talfahrt auf 1,0930. Der Euro hat damit zwei Drittel seiner Kursgewinne wieder eingebüßt.

Der Euro-Franken-Kurs werde wieder in den Anstiegsmodus wechseln, sagt die Graubündner Kantonalbank. Die Zeichen stünden auf wirtschaftliche Erholung. Sichere Häfen wie der Schweizer Franken seien in diesem Umfeld weniger gefragt.

Acht von zehn Banken, die Devisenprognosen für den Euro-Franken-Kurs treffen, sehen das ähnlich. Ihnen zufolge wird der Wechselkurs über 1,10 steigen. Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank rechnen mit 1,12. Die UBS erwartet 1,11.

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Am Devisenoptionsmarkt teilt man diese Meinung nicht. Zwar sind bis August 2021 die Prämien für den Euro und Schweizer Franken ausgeglichen. Danach wird der Euro aber zur Risikowährung mit Abwertungscharakter.

Linienchart sinkender EUR/CHF-Wechselkurs 2007-2021