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🗲 Die Gier steigt - der Franken fällt

Mittwochabend: Es geht aufwärts

Nach seinem Rückfall zu Wochenbeginn auf 1,03 Franken hat der Euro inzwischen eine ganze Stelle zugelegt. 1,04 muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Die Frankenstärke sei am bröckeln, meint die St.Galler Kantonalbank. Zu einem anderen Ergebnis kommen die Devisenexperten von Société Générale. Sie warnen vor einem Rückfall des Euro auf 1,02 Franken.

Unterdessen kommt die Risikobereitschaft - das so genannte Gier-Level - wieder in Gang. Die Aktienmärkte erholen sich nach den starken Verlusten der letzten Tage.

Infolge wird der defensive Schweizer Franken von den ersten Anlegern wieder abgestoßen. Kommt der Stein ins Rollen, könnte sich der Euro bis zum Wochenende auf mindestens 1,0430 Franken vortasten.


Dienstagvormittag: Euro muss kühlen Kopf bewahren

Der Euro hat sich nach einem extremen Handelstag an den Finanzmärkten gegenüber dem Schweizer Franken stabilisiert, und so steigt der EUR/CHF-Kurs auf 1,0350. Zuvor sank er kurz auf 1,0300 (7-Jahrestief).

Als es dann der Wall Street gelang trotz zwischenzeitlicher hoher Verluste mit einem kleinen Tagesgewinn aus dem Handel zu gehen, legte auch der Euro zu. Im Vergleich zum defensiven Schweizer Franken ist er eine Risikowährung.

Damit der Euro die Verluste der letzten zwei Wochen komplett wegmacht, gilt es auf 1,05 Franken zu steigen. Dafür müssen wiederum die Börsianer risikobereit werden und Aktien kaufen.

Bisher haben diese so genannten Buy-the-Dip-Käufer noch jedes Mal die Aktienmärkte zurück nach oben gebracht. Allerdings gab es der Vergangenheit nie das Problem einer überhöhten Inflation.

Charttechnisch sind die Voraussetzungen für einen Anstieg des Euro nach der Bildung eines tieferen Tiefs (TT) bei 1,0300 Franken erfüllt. Alsbald sich die aus Amerika kommende Hysterie abschwächt, dürfte EUR/CHF daher Richtung 1,05 steigen.


Montagnachmittag: Wird der Euro für die Schweizer noch billiger?

Die Börsenschwäche und ein Anstieg des Euro sind zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Der Schweizer Franken drückt den Eurokurs auf 1,0300.  Das ist der tiefste Stand seit Juni 2015.

EUR/CHF-Wechselkursdiagramm 7-Jahrestief

"Die aktuelle Verunsicherung der Anleger sorgte dafür, dass die Aktienkurse diesseits des Atlantiks zu Wochenbeginn deutlich nachgaben. Entsprechend greifen Investoren bei dem als sicher geltenden Franken zu", kommentiert awp Finanznachrichten.

Geopolitische Spannungen sind für den Schweizer Franken nichts Neues, und so wertet er auch wegen der sich zuspitzenden Ukraine-Krise auf. Möglicherweise ruft das die Schweizerische Nationalbank (SNB) auf den Plan.

Sie hat es bisher abgelehnt die Euro-Franken-Rate zu stützen. Gleichwohl könnte es Sinn machen dem Euro jetzt unter die Arme zu greifen, zumindest bis sich die Lage beruhigt hat.

Anschließend könnte der auf eigenen Beinen stehen. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft der Eurozone hat einen einen unterwartet guten Jahresauftakt erwischt.

Der Schweizer Franken hat genug aufgewertet

Der Euro kam erneut unter Druck. Nutznießer war wieder einmal der Schweizer Franken, und so sank die Euro-Franken-Rate auf 1,03 (7-Jahrestief). Das Schlimmste dürfte damit für den Euro überstanden sein. Die Schweizer werden sich einige Monate gedulden müsse, ehe ihre Währung wieder am Drücker ist.

An den Finanzmärkten dominiert Unsicherheit. Für Nervosität sorgt die absehbar restriktivere US-Geldpolitik sowie die Ukraine-Krise. Devisenhändler greifen in diesem Umfeld zu sicheren Alternativen wie dem Schweizer Franken.

Der Euro ist nur ein halber Sichere Hafen. Gegenüber den schwankungsanfälligen und daher als riskant geltenden Rohstoffwährungen wie dem Australischen und Kanadischen Dollar punktet zwar auch er. Aufs Podest der sichersten Häfen schafft er es aber nicht. Dort stehen Schweizer Franken, Japanischer Yen und US-Dollar.

Die verunsicherte Wall Street und der auf sich warten lassende Einsatz des Fed Put* nehmen guten Konjunkturdaten aus Europa den Wind aus den Segeln. Der jüngste Anstieg des Euro von 1,03 auf knapp 1,04 Franken zeigt allerdings, dass sich der Euroraum dabei ist von den USA zu emanzipieren.

Fazit

Die um dreieinhalb Prozent höhere Inflation in der Eurozone im Vergleich zur Schweiz wurde mit dem Rückgang des Euro von 1,09 auf 1,03 Franken fürs Erste zur Genüge eingepreist. Für den Euro hat sich damit bis etwa Mitte 2022 ein Zeitfenster aufgestoßen, um gegen den Schweizer Franken zuzulegen.

Weiterlesen: Steiniger Weg auf 1,08, sieht Erste Group

Balkendiagramm Kursentwicklung Euro Schweizer Franken

*Fed-Put: Die US-Notenbank (Fed) reagiert immer wieder gezielt auf schwache Phasen am Aktienmarkt und stützt damit die Kurse.

EUR/CHF-Ausblick: Das Beste kommt noch

Wegen der Börsenschwäche blüht der Schweizer Franken als Fluchtwährung auf. Alles nicht so schlimm! Letzten Freitag war großer Verfallstag mit riesigen Handelsumsätzen. Dann kam noch die Angst vor einer Invasion der Ukraine seitens Russland hinzu. Die Märkte und damit auch der EUR/CHF-Kurs waren bereits angeknackst und das gab beiden vor dem Wochenende dann den Rest. Übertrieben, sagen die Optimisten.

Am Devisenmarkt sinkt der Euro auf 1,0335 Franken. Für ein 7-Jahrestief geht es sich bisher nicht aus. Dafür müsste der Kurs 1,0325 reißen. Das wird er auch bald tun. Die Panikstimmung an den Börsen ist längst nicht vorbei, warnen die Pessimisten. Portfoliomanager werden in jede leichte Erholungsphase an den Börsen rigoros reinverkaufen und die Erlöse in den sicheren Franken mit seiner niedrigen Geldentwertung stecken.

Was passiert beim EUR/CHF?

"Auch der Schweizer Franken könnte angesichts politischer Risiken im 1Q weiter auf relativ festen Niveaus notieren", zeigt sich die Erste Group alarmiert. Zum Geschummel der Notenbanken bei der Inflation ("Alles nur vorübergehend😏") und der sich aktuell breitmachenden Angst vor einer harten US-Zinswende, kommt die Frankreich-Wahl. Das Land ist Schulden-Europameister. Nirgendswo sonst sind die Verbindlichkeiten des Staates, der Unternehmen und Privathaushalte höher. Auch nicht in Italien.

"Umso besser radikale Kandidaten wie Marine LePen in den laufenden Umfragen abschneiden, desto höher ist das Risiko für einen festeren Franken", analysiert die Erste Group. Trotz der vielen Warnungen rechnen die Devisenexperten von Österreichs größter Bank nicht mit einer Aufwertung des Schweizer Franken. Bis Jahresmitte sieht man den Euro auf 1,06 Franken steigen, bis Jahresende auf 1,08.

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In der Praxis ist es müßig die oben genannten fundamentalen Einflussfaktoren abzuwägen und daraus versuchen die Entwicklung der Euro zum Schweizer Franken in der mittleren Sicht (3-12 Monate) herzuleiten. Das kommt einem Herumgestochere gleich. In der langen Sicht (>1 Jahr) wird die Euro-Franken-Rate von der niedrigen Geldentwertung in der Schweiz runtergedrückt. In der kurzen Sicht (<3 Monate) schlagen Prognosen basierend auf Charttechnik und Price Action mit einer Trefferquote von 8 aus 10 jeden Banken-Devisenexperten.

EUR/CHF Linienchart Abwärtskanal Januar 2022

Seit zwei Wochen ist der Euro in einem Abwärtskanal. Dieser führte ihn von 1,0510 auf 1,0335 Franken runter. Aktuell gibt es zwei Anzeichen einer bevorstehenden Bodenbildung:

  1. Der Euro hat eine Unterstützungszone bei 1,0320-1,0340 Franken erreicht. Dort war er zum Jahreswechsel deutlich hochgeprallt. Hier ist also eine Zone, an denen die Händler den Euro akkumulieren, wie Charttechniker gerne sagen.

  2. Bei den drei Stößen nach unten könnte es sich um ein Wedge-Bottom (Wedge-Reversal) handeln. Genaueres wird man erst wissen, sollte der Kurs aus dem Abwärtskanal ausbrechen und danach ein höheres Tief (HT) bilden. Gelingt das, ginge es rasch zurück auf 1,05.