Schweizer-Franken.eu ⑇ EUR/CHF-Kurs, Entwicklung, Prognosen

EUR/CHF-Kurs über oder unter 1,08? Ein Pro und Contra

Die von Experten anvisierte Aufwertung des Euro gegenüber dem Franken will sich nicht einstellen. Ein Grund dafür ist das Gepansche mit Staatsanleihen der Euroländer, sagen die einen. Das Gegenteil sei der Fall, meinen die anderen. Durch das Ausschalten der Break-Up-Risiken wird der Euro bei Anlegern attraktiver.

EUR/CHF-Kurs bleibt deutlich hinter Erwartungen zurück

Die Risikobereitschaft der Anleger steigt nach starken Konjunkturdaten aus der Eurozone und dem Machtwechsel im Weißen Haus ins Unermessliche. Die Börsen verzeichnen Spitzenwerte. Der Euro-Franken-Kurs kommt nicht auf Trapp. Er notiert unter 1,08. Eine Enttäuschung.

"Die Erwartungen der Finanzmarktexperten und Finanzmarktexpertinnen an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone steigen", berichtet das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Das ist angesichts der Lockdowns eine positive Überraschung. Analysten hatten mit einer Stagnation der Erwartungen gerechnet.

Weder die guten Vorgaben aus der Eurozone noch dem Euro aktuell sehr gewogene Börsenumfeld können den EUR/CHF-Kurs aktuell über 1,08 bringen. Tatsächlich ist die Price Action nach oben so schwach ausgeprägt, dass ein Anstieg auf 1,10 fast schon unmöglich erscheint.

EUR/CHF-Kurs Entwicklung und Euro Stoxx 50 übereinander gelegt

Auch ein Neubeginn der politischen Beziehungen zwischen der EU und den USA lockt den Eurokurs nicht aus der Reserve. In den vergangenen Jahren konnte der EUR/CHF-Kurs während Börsen-Haussen oft merklich steigen. Dieses Mal muss sich das Devisenpaar mit Pralinen-Kursgewinnen zufrieden geben:
  • Der Euro Stoxx 50, der Aktienindex, der die 50 größten Unternehmen der Eurozone beinhaltet, kletterte seit Anfang November 2020 um 23%.
  • Der Euro-Franken-Kurs schaffte im gleichen Zeitraum nur einen Anstieg von 1,0710 auf 1,0780 (+0,65%).

Die Schweiz wird den Euro nicht ewig stützen wollen

In der Schweiz werden die Rufe nach einem Ende der frankenschwächenden Währungspolitik lauter. Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sei eine Sicherung durchgebrannt, sagt der frühere Chefvolkswirt der UBS. Setzt sich der seit einem halben Jahr unterbrochene Abwärtstrend des EUR/CHF-Kurses fort?

"Aus ökonomischer Sicht gibt es da wenig Interpretationsspielraum: Das nennt sich auch im Lehrbuch Währungsmanipulation." So stuft Ex-UBS-Chefökonom Klaus Wellershoff die Währungspolitik der SNB ein. Die SNB greife in einer Weise in den Markt ein, die nicht für ein Gleichgewicht sorge, sagt er der Neuen Zürcher Zeitung.

Die Talfahrt des Euro von 1,20 Franken im April 2018 auf 1,05 Franken im April 2020 blenden viele aus. Man stellt sich das Devisendiagramm so ein, dass es nur die letzten zwölf Monate abbildet. Zusammen mit dem sich abzeichnenden Konjunkturaufschwung werden dann hohe EUR/CHF-Prognosen getroffen.

Weiterlesen: Bank-Austria-Mutter sieht Euro auf 1,14 Franken steigen

Oft wird vergessen: Dass sich der Euro bei 1,05 Franken stabilisieren konnte, geht zur Gänze auf das Konto der SNB. Sie hat am Devisenmarkt mit mehr als 100 Milliarden Franken fremde Währungen (hauptsächlich Euros) gekauft, um die Talfahrt des EUR/CHF-Kurses zu stoppen.

Linienchart Talfahrt Euro-Franken-Kurs 2018 bis 2021