Schweizer-Franken.eu - Prognosen EUR/CHF-Kurs

Warum der Euro im August unter 1,10 Franken fällt

Der Euro schwebt unter 1,11 Franken in der Gefahrenzone. Im Fokus steht aktuell die Marke bei 1,1055. Bisher hält sie. Nach einem ersten Test Ende Juni kam es in dieser Woche zu einem zweiten Test dieses 2-Jahrestiefs. Zwar besteht der Euro den Test. Es ist aber nicht überzeugend, was er abliefert. Dem Zurückpraller fehlt es wie den Konjunkturdaten an Aufwärtsdynamik.

Die Konjunkturerwartungen für Deutschland und auch für die Eurozone haben sich Juli weiter eingetrübt. "Insbesondere die Fortsetzung des Negativtrends bei den Auftragseingängen der deutschen Industrie dürfte die Finanzmarktexperten/-innen in ihrem Konjunkturpessimismus bestätigt haben", berichtet das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Der US-Dollar sei um 6-12% überwertet, wohingegen der Außenwert des Euros mit den Fundamentaldaten verankert sei, sagt der Internationale Währungsfonds (IWF). Damit steigt die Gefahr, dass der Schweizer Franken auch künftig gegen den US-Dollar stärker aufwertet als der Euro gegen den Dollar. Das Ergebnis einer solchen Entwicklung wäre ein weiter sinkender Euro-Franken-Kurs.

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Diese Studie birgt Zündstoff für den EUR/CHF-Kurs

Die Schweiz habe das meiste Potenzial für Wirtschaftswachstum. Kein anderes Land könne ihre das Wasser reichen, sagt die Beratungsgesellschaft KPMG. Weil Wechselkurse Wachstum spiegeln, ist das ein weiteres Indiz dafür, dass der Schweizer Franken auf kurz oder lang unter 1,10 und schließlich auf die Parität sinken dürfte.

Weil das EU-Parlament die Deutsche Ursula von der Leyen zur neuen Kommissions-Chefin, gibt es nun auch keine Zweifel mehr darüber, dass Christine Lagarde nächste EZB-Präsidentin wird. Der Deal zwischen Deutschland und Frankreich über die neue Besetzung der EU-Spitzenposten hat damit Bestand.

Die Europäische Zentralbank (EZB) werde den Einlagenzins (aktuell: -0,40%) im September auf -0,50% senken, prognostiziert der Ökonom Anatoli Annenkov von der Bank Société Générale. Bis Juni 2020 werde der Einlagenzins dann auf -0,70% verringert und ein neues Wertpapierkaufprogramm mit monatlichem Kaufvolumen von 40 Milliarden Euro lanciert, erwartet der Experte.

Brexit-Falle kurz vorm Zuschnappen

Eine gefährliche Brexit-Vorfestlegung der beiden britischen Premierminister-Anwärter geht zu Lasten des Euros. "Erst wenn sich die Situation nach dem Brexit, also nach dem 31. Oktober, entspannt, sollte der Euro wieder etwas zulegen", sagt die Erste Group. Tatsächlich deuten die jüngsten Entwicklungen daraufhin, dass es im Herbst kracht.

Die EU müsse signifikante Zugeständnisse bei der irischen Grenzfrage machen. Den so genannten Backstop (Auffanglösung) werde man nicht akzeptieren, erklären Boris Johnson und Jeremy Hunt. In Brüssel gibt es allerdings keine Bereitschaft, die Austrittsvereinbarung aufzuschnüren und neu zu verhandeln, so wie sich das die beiden wünschen.

Ein Blick auf den Euro-Pfund-Kurs zeigt, dass die EU am längeren Hebel sitzt. Obwohl die EZB weitere Lockerungen angekündigt hat, ist der Euro gegenüber dem Pfund auf dem höchsten Stand seit einem halben Jahr. Ursache ist die Brexit-Unsicherheit. Das Vereinigte Königreich ist wegen seinem Handelsbilanzdefizit und denen nicht gerade niedrigen Staatsschulden auf Geld vom Kontinent angewiesen.