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Euro steigt auf 1,15 Franken, sagt Erste Group

Der längerfristige Ausblick für den EUR/CHF-Kurs zeigt steil nach oben. Österreichs größte Bank, die zugleich einer der größten Verleiher von Franken-Krediten ist, rechnet mit einem Anstieg des Euro auf 1,15 Franken.

"Der globale Konjunkturoptimismus dämpft die Nachfrage nach „Sicheren Hafen“-Veranlagungen. Wir rechnen daher mit einer graduellen Abschwächung des CHF zum EUR", heißt es im neuen Quartalsheft Global Strategy der Erste Group.

Aktuell steht der Eurokurs bei 1,10 Franken. Er ist damit 2% höher als zu Jahresbeginn. Es war aber auch schon einmal mehr: Anfang März 2021 kletterte der EUR/CHF-Kurs auf 1,1150.

Linienchart EUR/CHF-Kurs mit Prognosen Erste Group bis 2022

Euro unter 1,10 Franken: Ein Daueraufenthalt?

Ade sagt der Euro zur Marke von 1,10 Franken, nachdem die deutsche Kanzlerin Merkel die dritte Corona-Welle als die "vielleicht härteste" bezeichnet. Mit 1,0975 sinkt der EUR/CHF-Kurs auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen.

"Der CHF (gilt als sicherer Hafen für Anleger) wird seit einigen Tagen wieder gefragt", stellt die Schweizer Privatbank Maerki Baumann fest.

Wien und München sind nur zwei Beispiele: Vielerorts wurden die Lockdowns verschärft. Daraufhin kam es zu einer "kleinen Flucht in den Franken". Seit dem Beginn des zweiten Quartals ist der EUR/CHF-Kurs tagtäglich am sinken.

Fallender EUR/CHF-Kursverlauf im April 2021

Die Schweiz wird sträflich unterschätzt

Die Schweiz ist auf einem gesunden Wachstumspfad, und so gibt es die Notwendigkeit für einen starken Franken. Die Konjunkturprognosen unterliegen politischen Einflüssen. Das birgt Abwärtsrisiken für den EUR/CHF-Kurs ab kommenden Herbst.

2020 schrumpfte die Wirtschaftsleistung der Eurozone um 6,6%. Die Schweiz kam mit einem Minus von 2,9% vergleichsweise glimpflich davon. 2021 rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit 4,4% Wachstum (Eurozone) und 3,5% (Schweiz).

Geht man davon aus, dass die Wirtschaftsleistung der Eurozone und der Schweiz Ende 2019 bei jeweils 100 lag, wird das Ausmaß deutlich:
  • Die Eurozone wird Anfang 2022 auf 97,5 kommen und damit merklich unter dem Vorkrisenniveau bleiben.
  • Die Schweiz wird hingegen mit einem Wert von 100,5 den von der Corona-Krise angerichteten wirtschaftlichen Schaden zur Gänze überwunden haben.
Der Euro-Franken-Kurs wird sich diesen ökonomischen Realitäten stellen müssen. Nicht auszuschließen: Die Schweiz hat in diesem Jahr ein höheres Wachstum als die Eurozone. Der IWF hat seit Jahren den Hang die Wachstumsprognosen für die Eurozone zu hoch und für die Schweiz zu tief anzusetzen.

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Hintergrund: Glühende Verfechter des Euro und der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen dem Internationalen Währungsfonds vor. Würden sie das Wachstum der Schweiz höher prognostizieren, müssten sie sich ungemütlichen Fragen stellen:

Wie kann es eigentlich sein, dass die Schweiz trotz vermeintlicher Deflationsrisiken (die Teuerung liegt seit Jahren bei 0%) ein stärkeres Wachstum hat als die Eurozone? Aus der Sicht der EZB ist die Schweizer Inflation von 0% doch brandgefährlich für die Wirtschaft.

Solche tiefen Inflationsraten führten doch dazu, dass Verbraucher und Unternehmen sich in Kaufzurückhaltung übten und es akute Rezessionsgefahren gibt. So hatten EZB-Offizielle Anfang 2015, als sie in den großangelegten Ankauf von Staatsanleihen eingestiegen waren, gewarnt.

Wenn sich im Herbst wieder einmal herausstellt, dass die Schweiz besser und die Eurozone schlechter abgeschnitten hat, wird das der zentrale Beweggrund für eine dauerhafte Rückkehr des Euro-Franken-Kurses unter 1,10 sein.

Zum Thema:
EUR/CHF-Ausblick 2025-2030