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EUR/CHF-Ausblick 2023

Der Euro hat sich 2,3% gegenüber dem Schweizer Franken abgeschwächt. Am 1. Juli 2021 notierte der EUR/CHF-Wechselkurs bei 1,0990. Am 2. August 2021 bei 1,0740. Ist das Tief erreicht? Oder behalten die Euro-Verkäufer die Oberhand und drücken den Wechselkurs weiter runter?

Eine erneute Franken-Stärke dürfte der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kaum schmecken, skizzierte das Devisen-Research der Deutschen Bank vor gut einem Monat. Nun ist die Frankenstärke da. Es gibt allerdings bisher keine Anzeichen für Euro-Stützungskäufe seitens der SNB.

Der Euro ist trotz seiner Verluste immer noch im Soll. Anfang 2021 notierte er bei 1,0810 Franken und war damit um 0,6% stärker als aktuell. Im Durchschnitt schwächt sich der Euro jedes Jahr um 1,5-2% zum Schweizer Franken ab. Daher liegt es nahe, dass die SNB erst bei 1,06 beginnt zu intervenieren.

Die Inflationsrate in der Schweiz sei weiterhin zu niedrig, schreibt die DZ Privatbank. Tatsächlich stiegen die Verbraucherpreise zuletzt um 0,8%. Die SNB hält ihr Inflationsziel erreicht, wenn das Preisniveau pro Jahr zwischen 0 und 2% ansteigt.

"Unser geldpolitisches Konzept ist eine Erfolgsgeschichte", sagte SNB-Präsident Thomas Jordan erst kürzlich im Gespräch mit der "Neuen Zürcher Zeitung". Jordan hat bereits mehrmals klargestellt, dass er der EZB nicht nacheifern wird, in dem er das Inflationsziel aufweicht.

Der Verweis auf eine zu niedrige Inflation in der Schweiz ist somit nicht korrekt. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass die meisten Banken-Auguren mit ihren Euro-Franken-Prognosen oft im Dunkeln tappen.

EUR/CHF-Kerzenchart 2018-2021 mit eingezeichneter Prognose bis 2023

Ein Blick auf die monatliche EUR/CHF-Kursentwicklung (eine Kerze bildet den Zeitraum eines Monats ab) zeigt, dass für den Euro etwas kaputtgegangen ist. Wie sich nun herausgestellt hat, war sein Anstieg von 1,05 auf 1,1150 Franken zwischen Mai 2020 und März 2021 eine bärische Flagge.

Sie signalisiert eine Fortsetzung des Abwärtstrends, der bei 1,20 im April 2018 begonnen hatte. Bis Anfang 2023 muss man mit einem Rückgang des Euro-Franken-Kurses auf 1,04 Franken rechnen. Der Euro läge damit im Soll seiner durchschnittlichen jährlichen Abwertung von 1,5-2%.

Starkem Schweizer Franken ist Tür und Tor geöffnet

Niemand ahnte, dass sich der Anstieg des EUR/CHF-Kurses auf 1,1150 als Jahreshoch herausstellen würde. Als der Euro im März 2021 nach oben kletterte, planten Devisenexperten für den Sommer Kurse von bis zu 1,16 ein. Nun steht der Euro vor einem Scherbenhaufen. Für ihn gibt es aktuell nurmehr 1,0750 Franken.

Wie es nach der Talfahrt des Euro auf 1,0745 CHF weitergeht

Der Euro hat eine rabenschwarze Woche hinter sich, und so ist der EUR/CHF-Kurs von 1,0830 auf 1,0745 (-0,8%) gefallen. Viermal negativere Realzinsen machen den Euro weich. "Zum Franken kommt der Euro weiter nicht auf Trab. Charttechnisch sieht es düster aus", sagt die St.Galler Kantonalbank.

Das Wirtschaftswachstum in Frankreich, Italien und Spanien war im zweiten Quartal höher als erwartet. Der Talfahrt des Euro-Franken-Kurs tut das allerdings kein Abbruch. Im laufenden dritten Quartal könnte das Pendel wegen der Ausbreitung der Delta-Variante wieder in die andere Richtung auszuschlagen.

Ein Blick auf die Zinsen zeigt, warum der Euro dem Schweizer Franken unterlegen ist. Die Referenzanleihen der Eurozone, 10-jährige deutsche Bundesanleihen, rentieren mit -0,46% tief im Minus. Ihre Schweizer Pendants sind bei -0,40%.

Vom kurzen Ende der Zinskurve kommt noch mehr Druck auf den Euro. Die Renditen der Zweijährigen aus Deutschland purzelten in den letzten Wochen von -0,65% auf -0,77%. Bei den Kurzläufern der Schweiz war die Abnahme nur halb so stark.

Realzins-Wahnsinn


In der Schweiz beträgt der jährliche Geldentwertung momentan knapp 1%. In der Eurozone ist die Inflation auf 2,2%, in Deutschland sogar auf 3,8%, gestiegen. Der Realzins auf eine 10-jährige Bundesanleihe liegt damit aktuell bei -4,6%.

Das freut den deutschen Finanzminister, schadet aber dem Euro. In der Schweiz werden Anleger nicht so sehr geschröpft. Hier liegt der Realzins bei -1,2% und damit beinahe viermal niedriger. Das Ergebnis dieses Realzins-Wahnsinns ist ein stärkerer Schweizer Franken.

EUR/CHF-Kurs grafisch dargestellt im Verkaufsklimax