Schweizer-Franken.eu - Prognosen EUR/CHF-Kurs

Euro hält Anstiegstempo zum Franken aufrecht

Der Euro klettert mit 1,1475 Franken auf ein 6-Monatshoch. Was vor wenigen Wochen noch undenkbar war, ist nun zum Greifen nah. Durchbricht die Gemeinschaftswährung eine hartnäckige Unterstützung bei 1,1480, wäre Platz auf 1,17. Ein Devisenexperte der französischen Großbank Crédit Agricole rechnet mit einem Anstieg des Euro-Franken-Kurses auf knapp 1,20

"Sollte sich das exportsensible Verarbeitende Gewerbe zusammen mit dem Risikoappetit erholen, so wie wir es erwarten, wird der Euro sowohl vom besseren Risikoappetit als auch von denen mit dem Handel zusammenhängenden Kapitalflüssen profitieren", zitiert Bloomberg den Devisenexperten Manuel Oliveri von Crédit Agricole. Er sieht den EUR/CHF-Kurs bis 2020 auf 1,1950 steigen.

Ende März kostete der Euro lediglich 1,1160 Franken. Seitdem hat er um 3% zugelegt. Damit es in diesem Tempo weiter geht, darf nichts dazwischen kommen:
  • In Italien sind die Zinsen seit Ende März am steigen. Aktuell rentieren die 10-jährigen bei 2,64%. Es gibt ein Risiko, dass etwas Ähnliches passiert wie vor einem Jahr. Damals kam es zu einem steilen Zinsanstieg, was mit dazu führte, dass der Euro zwischen Mitte April und Ende Mai 2018 von 1,20 auf 1,14 Franken runterrasselte.
  • Im EZB-Rat gebe es eine "signifikante Minderheit" von Notenbankern, die den EZB-Wachstumsausblick für die Eurozone als zu optimistisch einstufen, berichtet Reuters. Einige hätten auf die Ungenauigkeit der Vorhersagemodelle und deren chronische Anfälligkeit für Abwärtsrevisionen hingewiesen.

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EUR/CHF-Ausblick 2020: Was führende Experten erwarten

"Die Risikoaversion der Investoren ist für den Schweizer Franken unverändert ein wichtiger Kurstreiber. Seit Anfang 2019 ging diese etwas zurück", was dazu geführt habe, dass sich der Franken zum Euro abgeschwächt habe. Auf der anderen Seite stehe die EZB, die eine Leitzinswende frühestens 2021 einleiten dürfte, sagt das Bankhaus Lampe und macht folgende Prognose: "Aufgrund unserer veränderten Leitzinserwartungen für die EZB erwarten wir EUR-CHF nunmehr auf 12M-Sicht bei 1,15 (vorher 1,18)."

"...das zögerliche Vorgehen der EZB bei der geldpolitischen Wende steht einer deutlichen Abwertung des Franken gegenüber dem Euro entgegen", meint die Deka Bank. "Zwar erwarten wir langfristig eine schwächere schweizerische Währung. Die Abwertung dürfte aber schleppend und volatil verlaufen, da die Schweiz mit ihrer politischen Neutralität und der soliden Wirtschaft als sicherer Hafen gefragt bleiben wird." Das Geldhaus rechnet binnen Jahresfrist mit einem EUR/CHF-Kurs von 1,16.

"Auf Sicht der kommenden zwölf Monate sehen wir für den Euro wenig Potenzial – weder in die eine, noch in die andere Richtung", stellt die Postbank fest. Gleichwohl hat sich das Geldhaus mit Euro-Franken-Prognosen von 1,15-1,16 am oberen Ende des Vorhersagespektrums angesiedelt. Ein Grund dafür: Man rechnet mit einer nachlassenden Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen. Infolge soll es zu einem Zinsanstieg bei den Zehnjährigen auf 0,40% (aktuell: 0,02%) kommen.

Warum es den Euro nach oben zieht

Der Euro lässt sich von seinem Höhenflug nicht abbringen, und so notiert der EUR/CHF-Wechselkurs am Ostermontag stabil bei 1,14. Rückenwind kommt ausnahmsweise einmal von der EZB. Darüber hinaus ist die Stimmung am Devisenoptionsmarkt so eurofreundlich wie das letzte Mal vor knapp einem Jahr. Der maue Wachstumsausblick für die Eurozone wird ignoriert.

EZB-Chef Mario Draghi hat signalisiert, das Negativ-Instrument umbauen zu wollen. Sein EZB-Rat ist von dieser Idee nicht angetan. Die Einführung einer Zinsstaffelung würde dazu führen, dass Teile der Überschussreserven der Banken nicht vom Strafzins (-0,4%) befreit wären. Viele EZB-Mitglieder lehnten diese Idee ab, berichtet Bloomberg.

Damit ist eine kleine Kuh für den EUR/CHF-Kurs erst einmal vom Eis. Denn eine Zinsstaffelung gilt als Vorbedingung, um bei einer noch schärferen Konjunkturabkühlung neue Zinssenkungen vornehmen zu können. Es ist aber zu früh, um Entwarnung zu geben. Die Situation im EZB-Rat erinnert an ein Gezeter um die Höhe der monatlichen Anleihenkäufe.

Wegen Konjunktursorgen wollte Draghi Ende 2015 die monatlichen Anleihenkäufe um 20 Milliarden auf 80 Milliarden Euro aufstocken. Der EZB-Rat verweigerte ihm seinerzeit die Gefolgschaft. Der Euro schoss hoch. Nur wenige Monate später lenkten die EZB-Mitglieder ein und kam es doch zur Ausweitung der Staatsanleihen-Käufe.