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Aufbaufonds und Kursfeuerwerk: Das konnte nicht gutgehen

Deutschland ist zur gemeinsamen Schuldenaufnahme mit Italien und Co. bereit. Der Euro klettert steil von 1,05 auf 1,09 Franken. Knapp ein halbes Jahr später wird der EUR/CHF-Kurs von den Folgen eingeholt. Plötzlich gibt es einen Zinsvorteil für die Schweiz. Der Euro hat das Nachsehen.

Der EU-Aufbaufonds zusammen mit einem massiv ausgeweiteten Staatsanleihen-Käufen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Zinsen an den Anleihemärkten ad absurdum geführt.

Deutschlands zehnjährige Bundesanleihen rentieren aktuell bei -0,58%. Schweizer Bundesobligationen bei -0,53%. Damit ist die Schweizer Zinsabschreckung, mit der die Frankenstärke im Zaum gehalten werden soll, hinüber.

Vor einem Jahr lagen die Zinssätze bei -0,40% (Deutschland) und -0,60% (Schweiz). Der Zinsnachteil der Schweiz gegenüber Deutschland war ein wichtiger Grund, warum der Euro seinerzeit mit 1,10 Franken recht hoch stand.

Zinsen auf 10-jährige Staatsanleihen ausgewählter Euroländer und der Schweiz per Geokarte dargestellt

EUR/CHF-Ausblick: Nochmal runter auf 1,05

Der Euro hat wegen der sich zuspitzende Corona-Lage das Nachsehen gegenüber dem Schweizer Franken. Kommt es zur zweiten Rezessionwelle (Double Dip) und damit auch zum zweiten Rückfall des Euro-Franken-Kurses auf 1,05?

"Angesichts des neuerlichen Wachstumsrückgangs im Oktober infolge der zweiten Corona-Infektionswelle steigt das Risiko, dass die Eurozone wieder in die Rezession abrutscht." Das sagt der Chefvolkswirt Chris Williamson von IHS Markit über die im Oktober eingetrübten Einkaufsmanager-Daten.

Im Frühjahr sank der Euro auf 1,05 Franken. Er wäre noch tiefer gefallen, hätte die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht eingegriffen. Sie gab in der ersten Jahreshälfte 90 Milliarden Franken per Devisenmarktinterventionen aus. Hätte sie das bleibengelassen, wäre der Euro-Franken-Kurs deutlich unter 1,05 abgetaucht.

Aktuell gibt es für 1 Euro 1,07 Franken. Die SNB hat also noch ein Polster von zwei Rappen bis zum Tief der ersten Corona-Welle. Die Lage hat sich in den letzen beiden Wochen zugespitzt. Der Euro ist nicht länger in dem schützenden Seitwärtskanal.

"Der EUR leidet unter der zweiten Corona-Welle", stellt die St.Galler Kantonalbank fest. "Die hohe Zahl der Neuinfektionen in der Eurozone belastet den Euro", sagt die Thurgauer Kantonalbank.

Euro-Franken-Kursentwicklung während der ersten und zweiten Corona-Welle

Der Schweizer Franken ist eine Klasse für sich

Der Schweizer Franken ist die beste Sichere-Hafen-Währung der Welt. Seine Konkurrenten – Euro, US-Dollar und Japanischer Yen – können nicht mithalten. Gelingt dem Trio ein Comeback? Vor allem der Euro meldet gerade Ambitionen an. Oder steigt die kleine Schweiz mit ihrem Franken in den kommenden Jahren zur Währungs-Supermacht auf?

"Es gibt einen neuen Gorilla auf dem Anleihemarkt", heißt es in der New York Times. Die Europäische Kommission hat sich gerade 17 Milliarden Euro per Anleihemmission am Fremdkapitalmarkt besorgt. Das ist erst der Anfang. Der EU-Aufbaufonds hat ein Finanzvolumen von 750 Milliarden Euro.

Mit den Anleihen der Kommission, für die die bonitätsstarken Euroländer Deutschland, Niederlande und Österreich bürgen, wird der Euro ein Stück weit sicherer. Die Fragmentierungsrisiken und die Gefahr eines Auseinanderbrechens sinken aufgrund der gemeinsamen Schuldenaufnahme.

In den USA ist das ein Thema, weil die Kommissionsanleihen das Zeug haben US-Staatsanleihen herauszufordern. Treasuries sind der Schmierstoff des weltweiten Finanzsystems. Geschäftsbanken können sie bei fast allen Zentralbanken hinterlegen, um an frische Liquidität zu gelangen.

Schulden schaden mehr


Ist damit der Weg zu einem Sicheren-Hafen-Euro frei? Heutzutage braucht eine Sichere-Hafen-Währung nicht notwendigerweise niedrige Schuldenstände. Die besten Beispiele dafür sind US-Dollar und Japanischer Yen. Die hinter den beiden Währungen stehenden Staaten sind Schuldenweltmeister. Gleichwohl haben ihre Währungen den Status Sicherer Häfen.

Die Vereinigten Staaten und Japan kommen zusammen auf eine Staatsverschuldung von etwa 40 Billionen US-Dollar. Das ist zehnmal so viel wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Deutschland, das weltweit immerhin die viertgrößte Volkswirtschaft unterhält.

Weil die US-Notenbank und die Bank von Japan ihren Regierungen inzwischen in einem fast schon unerträglichem Ausmaß mit Geld aus der Notenpresse unter die Arme greifen, leidet der Sichere-Hafen-Status. Die Staatsschulden der Euroländer belaufen sich zusammen auf 13 Billionen Euro. Auch das ist kein Pappenstiel. Die Schweiz liegt bei ca. 300 Milliarden Franken.

Die besten Währungen der Welt auf einer Geokarte grafisch dargestellt

Die Exportüberschüsse sprechen für den Aufstieg des Euro zu einem Sicheren Hafen. Der Euroraum exportiert mehr in den Rest der Welt als er von ihr importiert. Die USA haben ein dickes Defizit. Japan steht beim Handel besser da. Überdies schlägt der Yen den Dollar, da japanische Haushalte über enorme Ersparnis von rund sechs Billionen Dollar verfügen.

Der Schweizer Franken ist in allen Belangen, die eine Sichere-Hafen-Währung auszeichnen, besser als Dollar, Yen und Euro. Das Britische Pfund sei in diesem Zusammenhang nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Es war, ist und wird keine Sichere-Hafen-Währung. Australischer Dollar und Kanadischer Dollar sind schwankungsanfällige Rohstoffwährungen.

Der Vorsprung des Franken wird in den kommenden Jahren noch größer. Man muss sich das so vorstellen: Nachdem Dollar, Yen und Euro den halben Berg hinaufgewandert sind, haben sie erschöpft aufgegeben und sind schon wieder unterwegs nach unten. Der Franken klettert hingegen weiter an die Spitze.

Ambitionen des Euro in die Liga der Sicheren Häfen aufzusteigen, sind zum Scheitern verurteilt. Das liegt an Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. So wie diese Länder mit ihren eigenen Währungen in der Vergangenheit umgegangen sind bzw. mit dem Euro heute umgehen, ist aus dem kollektiven Gedächtnis des Devisenmarktes nicht rauszubekommen. Es ist daher unmöglich für den Euro ein dem Franken ebenbürtiger Sicherer Hafen zu werden.

Fazit und Ausblick


Das Feld unter den Papiergeldwährungen lichtet sich. Der Euro hat nicht das Zeug zum vollwertigen Sicheren Hafen. Er wird wegen den EU-Anleihen zwar etwas sicherer. Das geht aber auf Kosten des US-Dollar. Hier hackt eine Krähe der anderen ein Auge aus.

Der US-Dollar ist zusammen mit dem Yen auf dem absteigenden Ast. Der Schweizer Franken bleibt auf der Überholspur. Das einzige, was ihn bremst: Die Schweiz ist im Vergleich zu ihren Konkurrenten ein sehr kleiner Währungsraum. Es wird Jahre dauern, bis die vielen Anleger, die in die Schweiz wollen, die kleine Eingangstür passiert haben.