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Erste sieht nicht so steinigen Weg für CHF-Schuldner

Franken-Kreditnehmer müssen sich den Wechselkursprognosen der Erste Group zufolge keine Sorgen machen. Österreichs größtes Geldhaus erwartet ein Anstieg des Euros von aktuell 1,08 auf 1,13 Franken. Kommt es dazu, hätte ein Bankkunde mit einem Franken-Darlehen im Gegenwert von 150.000 Euro 10.000 Euro weniger zurückzuzahlen.

Die schrittweise Erholung der Eurozone werde sich in den kommenden Monaten fortsetzen. "In diesem Umfeld erwarten wir eine graduelle Abschwächung des Franken zum Euro", schreibt die Erste in ihrem neuen Quartalsheft Global Strategy. "Nach unserer Einschätzung liegt der Wert des Franken zum Euro basierend auf Kaufkraftparitäten derzeit in einer Bandbreite von rd. 1,14 bis 1,16."

Laut Erste Group wird sich der Euro bis Jahresende nur leicht auf 1,09 Franken verbessern. Der Prognosepfad für das nächste Jahr ist steiler:
  • 1,10 Franken im März 2021,
  • 1,12 Franken im Juni 2021 und
  • 1,13 Franken im September 2021.

Für ein Bankkunden, der 2006 ein Franken-Kredit im Gegenwert von 150.000 Euro aufnahm, stellt sich die Situation folgendermaßen da: Der damalige Euro-Franken-Kurs war 1,55, womit seine Kreditschuld bei 232.500 Franken liegt. Zum aktuellen Wechselkurs von 1,08 muss er 215.278 Euro zurückzahlen. Würde der Euro auf 1,13 Franken steigen, wären es 205.752 Euro, also knapp 10.000 Euro weniger.

Diagramm zur Entwicklung des Wechselkursverlustes eines Franken-Fremdwährungskredits in Österreich

EUR/CHF-Ausblick: Nächste Woche Anstieg

Der Euro legt eine positive Handelswoche hin, und so befestigt sich der EUR/CHF-Kurs bei 1,08. Weil es bereits der zweite Wochenanstieg in Folge ist, liegt nun ein Aufwärtstrend vor. Der signalisiert bis Anfang Oktober eine Bewegung auf 1,0850.

"Der EUR verliert gegen den USD weiter und gewinnt gegenüber dem CHF. Die Nationalbank nutzt das Momentum, wie es scheint." So kommentiert die St.Galler Kantonalbank das aktuelle Geschehen am Devisenmarkt.

Banken vertreten oft den Standpunkt, dass es einen stärkeren Euro zum Dollar braucht, damit der EUR/CHF-Kurs steigt. So sieht man bei Raiffeisen Research den Euro-Dollar-Kurs im nächsten Jahr bei 1,19, den Euro-Franken-Kurs bei 1,10. Die Landesbank Hessen-Thüringen sagt 1,20 und 1,10.

Die jüngsten Kursentwicklungen konterkarieren das: Der Euro purzelte in den letzten zwei Wochen von 1,19 US-Dollar auf 1,16 Dollar. Gegenüber dem Schweizer Franken konnte er hingegen von 1,07 auf 1,08 zulegen.

Seitwärtsentwicklung des EUR/CHF-Kurses im September 2020 grafisch dargestellt mit Ausblick für Oktober 2020

Forschere Haltung der Schweiz am Devisenmarkt

Der Franken verliert wegen einer Transparenz-Offensive der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an Anziehungskraft. Der Euro nutzt das aus, und so steigt der EUR/CHF-Kurs auf ein 3-Wochenhoch bei 1,0820. SNB-Präsident Thomas Jordan verpasst dem aus seiner Sicht zu starken Schweizer Franken dann gleich noch einen Seitenhieb über die Inflationsschiene.