EUR/CHF-Prognosen: Auf der Suche nach dem roten Faden

Ausgehend von einem Eurokurs bei 1,04 Schweizer Franken im Februar 2015 prognostizieren die Banken bis Ostern im Mittel einen Rückgang auf EUR/CHF 1,00. Für Weihnachten liegen die Vorhersagen bei EUR/CHF 1,05.

1) Bayerische Landesbank (BayernLB):
Die Schweizer Franken Prognose der BayernLB sieht den EUR/CHF-Kurs bis April 2015 bei 1,04 stagnieren. In den darauf folgenden acht Monaten soll es zu einem Anstieg auf 1,10 kommen.

2) Commerzbank:
Deutschlands zweitgrößte Bank kalkuliert mit einem Wechselkurs von EUR/CHF 1,01 (Ostern 2015) und 0,98 (Weihnachten 2015).

3) DekaBank:
Das Spitzeninstitut der deutschen Sparkassen sieht einen kleinen Anstieg des Euros auf 1,05 Franken, gefolgt von einem großen Anstieg des Euros auf 1,10 Franken.

4) Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba):
Die Landesbank ist sehr skeptisch, wenn es darum geht, wie viel Franken 1 Euro zukünftig wert sein wird. Ihre Prognosen sehen den Umrechnungskurs bei EUR/CHF 0,95 und 1,00.

5) Morgan Stanley:
Hier erwartet man zunächst ein Nachgeben des Euros um drei Rappen auf 1,01 Franken. Anschließend soll es auf 1,10 Franken nach oben gehen.

6) Oberbank:
Die Zielkurse der Linzer Oberbank liegen bei EUR/CHF 0,95 (März 2015) und EUR/CHF 1,00 (Dezember 2015)

Ergebnis:
Die Schweizer Franken Prognosen der Banken haben keinen roten Faden. Einige Institute rechnen nach der plötzlichen Aufgabe des Mindestkurse mit einer raschen Erholung der Gemeinschaftswährung auf 1,10 Franken. Die anderen erwarten einen dauerhaften Aufenthalt des Euros um 1,00 Franken.

Taucht der EUR/CHF-Kurs wegen einer EU-Krise unter 1,00?

Der Eurokurs sinkt von 1,0523 auf 1,0368 Franken, nachdem der griechische Finanzminister Varoufakis ("Was immer die Deutschen sagen, am Ende werden sie immer zahlen.") mit einem breiten Grinsen die Zusammenarbeit mit der Geldgeber-Troika aufkündigt. Die Schweiz Franken erfreut sich wegen der auf Konfrontationskurs gehenden Regierung in Athen und der gefährlichen Lage in der Ukraine großer Beliebtheit.

Nachdem der Januar 2015 mit dem plötzlichen Ende des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken und dem Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) 1,14 Billionen Euro für Staatsanleihen auszugeben der Monat der Zentralbanken war, könnte im Februar 2015 die Politik die erste Geige spielen. Im Fokus stehen Wien, Brüssel, Athen, und Moskau.

Wien:
Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat sich gegen eine staatliche Hilfe für Franken-Kreditnehmer ausgesprochen. Er sehe jedoch in kritischen Fällen, wie bei den Stopp-Loss-Aufträgen, die Banken in der Pflicht. Bei tiefen Wechselkursen konvertierte Franken-Kredite könnten auf Druck von Juristen und des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) wieder eingesetzt werden, was das Auf und Ab des EUR/CHF-Kurse erhöhen würde.

Moskau:
Russland kann sich vorstellen, Griechenlands Regierung Geld zu leihen, das nicht an Reformauflagen geknüpft ist. Eine entsprechende Bitte an die russische Regierung "würden wir definitiv prüfen", versprach Finanzminister Anton Siluanow. Sollte es Moskau gelingen auf diese Weise die Handlungsfähigkeit der EU zu untergraben, wäre das zweifelsfrei negativ für den Euro.

Athen:
Tsipras versucht die Euro-Südstaaten auf seine Seite zu ziehen, was wiederum die Eurozone spalten könnte. Gleichzeitig geht ihm das Geld aus. Mit den Auszahlungen der griechischen Renten im März könne es knapp werden, sagte Griechenlands neuer Arbeits- und Sozialmister. Sollte die EZB dann noch den Geldhahn für griechische Banken zudrehen, kämen keine Euro-Scheine mehr aus den Geldautomaten. Bilder von wütenden Kunden vor Banken würde die Nachfrage nach Schweizer Franken erhöhen.

Brüssel:
Am 12. Februar 2015 treffen sich die Staats- und Regierungschef der EU zu einem Gipfel in Brüssel. Alexis Tsipras könnte für einen Eklat sorgen, in dem er die Geldgeber-Troika mit Begriffen wie "Financial Waterboarding" brüskiert. Denn einen Schuldenschnitt, den er seinen Wählern versprochen hat, wird es wohl nicht geben. Dies bekräftigte nun noch einmal Angela Merkel.

Deutschland profitiert vom weichen Euro, Österreich kaum

Der Eurokurs kommt gegenüber dem Schweizer Franken immer besser in Fahrt, und so überschreitet der Wechselkurs EUR/CHF 1,05. Die deutsche Wirtschaft zieht an. Dreimal so stark wie Österreich werde Deutschland im laufenden Jahr wachsen. Die Kirsche auf der Torte für Europas größte Volkswirtschaft ist der weicher Euro.

Aus dem Blickwinkel der deutschen Wirtschaft ist der aktuelle Anstieg des Euros auf 1,0523 Franken bereits etwas zu viel des Guten. Besser wäre es, wenn der Euro wieder unter die Parität fiele. Schweizer Einkaufstouristen ließen bei Einzelhändlern in Konstanz und Umgebung noch stärker die Kasse klingeln, Schweizer Unternehmen würden noch mehr Produkte in Baden-Württemberg kaufen. Der Außenhandel der Schweiz mit dem "Ländle" ist etwa so hoch wie mit den USA.


Das Wirtschaftswachstum werde im laufenden Jahr bei 1,5 Prozent liegen, teilte Vizekanzler Sigmar Gabriel in dieser Woche mit. Berlin hebt die Prognose für 2015 um 0,2 Prozent an. Die Korrektur könnte sich als zu zaghaft erweisen, weil die Prognose auf EUR/USD-Wechselkursen bei 1,20 beruht. Sollte der Euro im Zuge der EZB-Geldschwemme auf 1,00 Dollar sinken, könnte die exportorientierte deutsche Wirtschaft ein Wachstum von zwei Prozent schaffen.

Österreich hängt hinterher. Mit lediglich 0,5 Prozent Wachstum rechnet das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO. Der österreichischen Wirtschaft hilft zwar auch der schwache Euro. Allerdings profitiert man deutlich weniger als der nördliche Nachbar, weil der Anteil der Exporte, die in den Euroraum gehen, größer ist. Darüber hinaus schmälern die gerade verlängerten Wirtschaftssanktionen gegen Russland das Wachstum.

Noch düsterer sieht es für die Schweiz aus. Sie wird wegen der plötzlichen Aufgabe des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken in diesem Jahr um 0,2 Prozent schrumpfen, prognostiziert das Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel. Die Forscher sprechen von einem "Anpassungsschock" für die schweizerische Volkswirtschaft.

Wohin segelt der Euro? Auf 1,10 CHF, sagen diese Banken

Der EUR/CHF-Kurs wird von aktuell 1,0450 auf 1,10 steigen. Zu dieser Schlussfolgerung kommt man sowohl bei Morgan Stanley als auch bei der Bayerischen Landesbank. Antriebsfeder des Anstiegs soll die Schweizerische Nationalbank (SNB) werden. Sie muss nach der plötzlichen Mindestkurs-Aufgabe aufgrund von akuten Deflationsgefahren neue Wege gehen.

Gemäß den aktuellen Schweizer Franken Prognosen von Morgan Stanley wird der EUR/CHF-Kurs bis zum Jahresende 2015 auf 1,10 steigen. Die Vorhersage fußt auf der Annahme, dass die SNB Maßnahmen ergreifen wird. Hintergrund ist die mit dem Mindestkurs-Aufgabe einhergehende drastische Aufwertung des Frankens um 15 Prozent auf handelsgewichteter Basis.

Bei Morgan Stanley ist man der Meinung, dass dies zu einer Deflation führt, was wiederum Gift für die Schweizer Volkswirtschaft ist. Daher "ist es wahrscheinlich, dass die SNB ein neues geldpolitisches Rahmenwerk installieren wird, um eine weitere CHF-Aufwertung zu verhindern", meinen die Devisenexperten.

Zum Franken rauf, zum Dollar runter

"Wir erwarten zwar keine Rückkehr des Frankens auf das Mindestkurs-Niveau, rechnen aber dennoch mit einer spürbaren Abschwächung des Frankens in einem Jahr, da die abrupte Franken-Aufwertung die Schweizer Wirtschaft stark belasten und für eine merklich negative Inflation sorgen dürfte", schreibt die Bayerische Landesbank.

Die Landesbank prognostiziert Senkungen des negativen Einlagenzinses als Antwort der SNB "für eine merklich negative Inflation". Die Zinssenkungen sollen offenbar dazu beitragen, dass der Euro in den kommenden zwölf Monaten auf 1,10 Franken steigt.

Interessant sind auch die EUR/USD-Prognosen der beiden Geldhäuser für Ende 2015/Anfang 2016. Morgan Stanley erwartet, dass der aktuell bei 1,13 Dollar liegende Euro auf 1,05 Dollar fallen wird. Die Bayerischen Landesbank ist nicht so pessimistisch. Sie rechnet wie beim EUR/CHF mit einem Kursniveau beim EUR/USD von 1,10.

EZB sieht die Wende, EUR/CHF nicht


Der Euro-Franken-Kurs klettert auf ein 2-Wochenhoch bei 1,0448, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) einen Silberstreif am Horizont ausmacht. Noch ist unklar, ob es sich bei dem steilen Anstiegs des Euros um eine Eintagsfliege oder etwas Substanzielles handelt. Der Kapitalzufluss in die Schweiz ist laut Medienberichten ungebrochen hoch.

Beim Kreditwachstum und der Geldmenge sei im Euroraum ein "klarer Wendepunkt" erreicht, sagt EZB-Chefvolkswirt Peter Praet bei einer Veranstaltung in Luxemburg. Von "ermutigenden Signalen" spricht der Belgier, der als glühender Verfechter des Ankaufs von Staatsanleihen gilt. Die Inflation dürfte noch für einige Monate negativ bleiben, und dann ab dem dritten Quartal 2015 wieder steigen.

Das rosige Konjunkturbild Praet's, der als Chefvolkswirt nach Mario Draghi den zweitwichtigsten Posten bei der EZB inne hat, hilft dem Euro verlorenen Boden gutzumachen. Der Euro-Franken-Kurs braucht aber offenbar mehr Fakten, um weiter zu steigen, zumal viele amerikanische und europäische Top-Ökonomen sagen, dass die Anleihekäufe der EZB nicht viel bringen werden.

Am Devisenmarkt fällt der Eurokurs nach einem kurzen Ausflug auf 1,0448 Franken auf 1,0353 zurück. Händlern zufolge sei die Gefahr groß, dass sich die Schuldenkrise wegen Griechenlands neuer Regierung wieder verschärfe. Mit einem möglichen Veto gegen die Sanktionen gegen Russland weite sich die Krise zu einer EU-Krise aus.

EUR/CHF-Kurs im Bann hellenischer Hasardeure

Der Euro-Franken-Kurs duckt sich nach der Sitzung der amerikanischen Notenbank (Fed) weg. Die Gemeinschaftswährung schafft es nur noch mit Ach und Krach über 1,02 Franken. Dies liegt auch daran, dass sich der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder nach unten bewegt. Die Verluste färben auf den EUR/CHF ab. Im Fokus stehen aber derzeit Alexis Tsipras und die hellenischen Hasardeure.

Fed-Chefin Janet Yellen macht gute Mine zur bösen Desinflation. Deflationsgefahren, wie sie der streitbare EZB-Chef Mario Draghi für den Euroraum diagnostiziert, gibt es in den USA wegen der guten Konjunktur freilich nicht. Jedoch ist die Fed meilenweit von ihrem Ziel einer Inflation von zwei Prozent entfernt. "Es wird erwartet, dass die Inflation auf kurze Sicht weiter sinkt", heißt es in der Lagebeurteilung des Offenmarktausschusses (FOMC).

Im Gegensatz zu den Geschehnissen in Europa war die Fed-Sitzung für die Finanzmärkte nebensächlich. Griechenlands neue Regierung kennt keine Gnade mit den europäischen Partnern. Reformen, die Griechenland durchführte um im Gegenzug 278 Milliarden Euro an Hilfsgeldern von den anderen Euroländern zu erhalten, werden rückgängig gemacht. Darüber hinaus ist man in der EU entsetzt über den Schulterschluss mit Russland.

Die mit Verschwörungsfanatikern, Deutschland-Hassern und Spieltheoretikern gespickte Regierungstruppe dürfte noch mit ganz anderen Dingen die EU ins Erstaunen versetzen. Normalerweise finanzieren Politiker wie Tsipras die praktische Umsetzung ihrer Ideologien über die Notenpresse. Dieser Weg ist ihnen wegen den Euro-Verträgen grundsätzlich untersagt.

Griechenlands neuem Finanzminister Giannis Varoufakis ("Was immer die Deutschen sagen, am Ende werden sie immer zahlen.") wäre aber durchaus zuzutrauen, dass er Staatsanleihen begibt, die er dann unter Androhung von Zwang an die griechische Notenbank verkauft. Auch Geschäftsbanken könnten verstaatlicht werden. Die Tsipras-Regierung braucht so schnell wie möglich Geld.

Zum Thema:
Euro braucht keine deutsche Verbotsmentalität und Filialdenken