"Die Schweizerische Nationalbank wird Guthaben auf ihren Girokonten mit einem Zins in Höhe von −0,25% belasten."
(SNB, 18.12.14)

Franken-Lawine kommt 2015 ins Rollen

Wenn es nach den Experten von Economiesuisse geht, war der jüngste Anstieg des Euros auf 1,21 Franken erst der Anfang. Bei 1 Euro = 1,29 Franken sieht der Schweizer Wirtschaftsverband den fairen Wechselkurs, also jenen, der realwirtschaftlich gerechtfertigt wäre. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verspricht, dass die Wirkung der Negativzinsen mit der Zeit immer stärker wird.

Die erste Reaktion des Euro-Franken-Kurses auf die Einführung von negativen Zinsen kam einer Enttäuschung gleich. Zwar schoss der Eurokurs von 1,2006 auf 1,2095 Franken nach oben. Anschließend ging es allerdings wieder sukzessive bergab. Zur Stunde notiert das Devisenpaar bei EUR/CHF 1,2036.

"Ich glaube nicht dass die Nationalbank das Pulver zu früh verschossen hat", sagte SNB-Chef Thomas Jordan bezugnehmend auf den Negativzins. "Ich glaube auch, dass viele Marktteilnehmer noch nicht genau diese Maßnahmen begriffen haben. Wie stark sie wirken werden, wie einschneidend sie wirken werden, wie belastend sie auch wirken für große Konteninhaber", fügte Jordan an.

EUR/CHF steigt, aber erst 2015

Demnach dürfte es noch gut einen Monat dauern, bis es zu den massiven Kapitalabflüssen aus der Schweiz kommt, die letztendlich auch den Schweizer Franken gegenüber dem Euro entscheidend abschwächen würden. Der Negativzins gilt erst ab dem 22. Januar 2015. Bis dahin dürften viele Investoren ihr Geld in der Schweiz lassen.

"Die SNB ist der EZB ausgeliefert und bereitet sich mit allen Mitteln auf den Euro-Sturm vor", zitiert der Finanzdienst Bloomberg sagt Janwillem Acket, Chefökonom bei Julius Bär. "Dass die SNB den 22. Januar gewählt hat, zeigt mir, dass sie gerne gewartet hätte, aber wegen Russland unter Druck war."

Die Einschätzung von Economiesuisse, wonach der Euro auf 1,29 Franken steigen müsste, um fair bewertet zu sein, teilen die Devisenexperten der Banken nicht. Sie sind der Meinung, dass bei knapp 1,23 Schluss ist, wie ein aktuelle Auflistung von 25 Bankenprognosen zeigt. 

Jetzt knistert es: Eurokurs steigt auf 1,21 Franken

Der Euro steigt gegen den Schweizer Franken so stark wie seit neun Monaten nicht mehr. Antriebsfeder ist eine überraschende Lockerung der Geldpolitik. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird künftig Guthaben mit einem Negativzins belasten. Kommt als nächstes die Anhebung des Euro-Mindestkurses auf 1,25 Franken?

Vor der Negativzins-Ankündigung war 1 Euro mit 1,2006 Franken so wenig wert gewesen wie zuletzt im August 2012. Danach waren es plötzlich 1,2095. Nachdem das Anstiegsgewitter abgezogen ist, beginnt der Euro wieder zu sinken. Aktuell notiert das Devisenpaar bei EUR/CHF 1,2039.


Wegen des putschartigen Überfalls der SNB reiben sich Marktbeobachter die Augen. Sie fragen sich: "Warum hat die Notenbank nicht vor einer Woche, als sie ihre turnusmäßige Sitzung abhielt, die Geldpolitik gelockert?" Jedoch beließ es die SNB seinerzeit bei einem Leitzinskorridor von 0%-0,25%.

Nun heißt es: "Die Schweizerische Nationalbank wird Guthaben auf ihren Girokonten mit einem Zins in Höhe von -0,25% belasten. Deshalb dehnt sie das Zielband für den Dreimonats-Libor auf -0,75% bis 0,25% aus."

Der unorthodoxe Vollzug der Schweizer Geldpolitik wirft Fragen auf. Im Gegensatz zu Mario Draghis EZB ist man solche Manöver von Thomas Jordans SNB nicht gewohnt.

Der Euro könnte nun neuen Mut fassen. Die überraschende Lockerung der Geldpolitik in der Schweiz dürfte dazu führen, dass die Märkte eine Anhebung des Mindestkurses auf 1,25 stärker einpreisen.

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Börsenprofis sehen fairen Wert des Euros bei 1,00-1,19 CHF

Der faire Wert des Euros liege unter 1,20 Franken, sagen immer mehr Experten. Sie lassen sich von den Aussagen der Schweizerischen Nationalbank (SNB), wonach der Franken hoch bewertet bleibe, nicht länger blenden. Die aktuelle Kursentwicklung gibt ihnen recht. Die EUR/CHF-Devisennotierung taucht auf ein 28-Monatstief bei 1,2004.

In einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Credit Suisse haben 21 Prozent gesagt, dass der faire Wert des Euros zwischen 1,10 und 1,20 Franken liege. 9 Prozent sind gar der Meinung, die Gemeinschaftswährung gehöre unter 1,10 Franken. Damit widerspricht ein Sperrminorität von 30 Prozent der Finanzmarktprofis der Schweizerischen Nationalbank.


"...der Franken bleibt nach wie vor hoch bewertet", schreibt die SNB in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 11. Dezember 2014. "Die Nationalbank wird deshalb den Mindestkurs weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen. Zu diesem Zweck ist sie bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen", heißt es weiter.

Vor zwei Jahren hatte die SNB mit ihrer Wechselkurseinschätzung bei den Finanzmarktprofis noch bessere Karten. Damals sagten lediglich 18 Prozent, dass der faire Wert des Euros bei 1,00-1,19 Franken liege.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht spricht das stärkere Wirtschaftswachstum der Schweiz sowie die niedrigere Geldentwertung für eine Aufwertung des Frankens. Die Schweiz, allen voran die Nationalbank sowie die politische Elite in Bern, will das nicht gelten lassen. Man sieht sich als Opfer ungerechtfertigter Kapitalzuflüsse.

Der Schweizer Franken habe einen natürlichen Drang aufzuwerten, weil er als sicherste Hafen der Welt eingestuft wird. Jedes Mal, wenn es auf dem Globus kriselt, müsse das die Schweiz durch eine Aufwertung ihrer Landeswährung ausbaden. Aktuell sei es die Rubel-Krise in Russland, die zu einer ungerechtfertigten Aufwertung des Frankens führe, sagen die Befürworter der Mindestkurspolitik.

Mit Schweizer Negativzins steigt der Euro nur auf 1,22 CHF

Der Druck auf den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken wächst. Den zweiten Monat in Folge klebt die Gemeinschaftswährung an der Untergrenze. Ein Ende ist nicht in Sicht. Gemäß einer Bloomberg-Umfrage rechnen inzwischen 90 Prozent der Ökonomen mit dem Kauf von Staatsanleihen durch die Europäischen Zentralbank (EZB). Angela Merkels Schwesterpartei wettert bereits gegen ein solches Kaufprogramm.

"Die EZB darf nicht die Bad Bank Europas werden", heißt es in einem am Freitag vom CSU-Parteitag in Nürnberg beschlossenen Leitantrag. "Eine Finanzierung von Krisenstaaten über die Notenpresse oder die Sanierung von Banken über den Ankauf von Ramschpapieren lehnen wir entschieden ab."

Notenbankchef Mario Draghi nebst seiner südeuropäischen Mehrheit dürfte sich von dem Geplänkel aus Bayern allerdings nicht aufhalten lassen.

Waren es im November nur 57 Prozent der Befragten, die mit dem Kauf von Staatsanleihen rechneten, sind es inzwischen 90 Prozent. Die zuletzt noch weiter in den Keller rauschenden Ölpreise dürfte sich Draghi nicht entgehen lassen, wenn es darum geht, seinen "Case" für das im Fachjargon genannte QE (Quantitative Easing) zu konstruieren.

"Wenn der Druck auf den Franken wieder unerträglich wird, dürfte die SNB eine duale Antwort in Form von Währungsinterventionen und eines negativen Einlagenzinses entwickeln", sagt der Ökonom Bernard Yaros von Moody’s Analytics. "Beide Maßnahmen bergen Risiken, jedoch hat die SNB nicht viele andere Möglichkeiten, um den Währungsdeckel zu verteidigen."

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Eine weitere Bloomberg-Umfrage zeigt, dass inzwischen 63 Prozent erwarten, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) einen Negativzins einführt. Damit stellt sich zugleich die Gretchenfrage: "Ist die von einem negativen Einlagenzins ausgehende Lockerung der Geldpolitik stark genug, um den Franken gegenüber dem Euro abwerten zu lassen?" Die Antwort der Devisenexperten lautet: "Nur ein wenig."

Gemäß den aktuellen Schweizer Franken Prognosen von 25 Banken wird der Wechselkurs zur Jahresmitte 2015 bei EUR/CHF 1,2182 notieren. Das wäre 1,5 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Euro-Mohikaner senkt Prognose von EUR/CHF 1,31 auf 1,23

Der Euro ist auf dem tiefsten Stand seit 27 Monaten. Händler sind nur noch bereit 1,2008 Schweizer Franken für die europäische Gemeinschaftswährung auf den Tisch zu legen. Wegen der trüben Aussichten streicht einer der letzten Euro-Mohikaner seine Prognose für 2015 rigoros zusammen.


Während der Eurokurs sehr nahe an die Interventionsgrenze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) heranrückt, wirft Morgan Stanley seine EUR/CHF Prognose über Bord. Vor zwei Wochen prognostizierten die Devisenexperten noch, dass der Euro bis Ende 2015 auf 1,31 Franken steigen würde. Nun dampft man die Vorhersage auf 1,23 ein.

26.11.2014

04.12.2014

Viele österreichische Fremdwährungskreditnehmer dürften die Lage des Wechselkurses nun wieder ein wenig genauer beobachten. Sie atmeten kurz auf, nachdem das Schweizer Stimmvolk die den Mindestkurs gefährdende Goldinitiative ablehnte. Darüber hinaus hielt die SNB auf ihrer vierteljährlichen Sitzung an der Untergrenze bei 1,20 fest.

Der Eurokurs schaffte es in Folge der beiden Entscheide kurz auf 1,2046 Franken und 1,2037 Franken zu klettern. Er fiel anschließend jedoch wieder zurück. Wo der nächste Anstieg herkommen soll, ist wegen der Herabwertung des Euros durch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht absehbar.

Daher könnte sich die bereits von Morgan Stanley auf 1,23 Franken zusammen gestutzte Schweizer Franken Prognose als zu hoch gegriffen herausstellen. Immer mehr Banken erwarten, dass der Eurokurs 2015 bei 1,20-1,21 Franken kleben bleiben wird.

CHF Prognosen der Banken sahen Euro-Schwäche nicht kommen

Der Euro kratzt am Mindestkurs und so befinden sich viele Banken mit ihren Schweizer Franken Prognosen auf der Verliererstraße. Dass die Gemeinschaftswährung im Jahr 2014 so unter die Räder kommen würde, haben die Wenigsten vorausgesagt. Aktuell steht der Euro-Franken-Kurs bei 1,2008. Grenzüberquerer bekommen für 1 Franken umgerechnet 83,28 Euro-Cents.

Bis zum September 2014 würde der Euro auf 1,34 Franken und bis zum Dezember 2014 auf 1,35 Franken steigen. Das sind die Science-Fiction-Prognosen von Morgan Stanley aus dem letzten Jahr. Die Realität: Der Eurokurs fiel im Prognosezeitraum von 1,2376 Franken auf 1,2008 Franken (-2,97 Prozent).

Kreide gefressen

Die Devisenexperten von Morgan Stanley waren auch in diesem Jahr zunächst nicht müde fulminante Vorhersagen rauszuhauen. Noch in der zweiten Novemberhälfte 2014 prognostizierte man für das Jahr 2015 einen Anstieg der Gemeinschaftswährung auf 1,31 Franken. Inzwischen dampfte man die Prognose auf 1,23 ein (Stand: 04.12.2014).

Nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat sich auch Österreichs Raiffeisen Zentralbank. Sie sagte genau vor einem Jahr, als der Euro bei 1,2240 Franken notierte, einen Anstieg auf 1,29 voraus. Daraus wurde freilich nichts. Die Schweizer Franken Prognose für Dezember 2015 sieht den Euro nun bei 1,22 (Stand: 11.12.2014).

Made in Suisse

Die UBS liegt mit ihren Vorhersagen besser im Rennen. Zwar stellte sich auch ihre bei 1,23 liegende EUR/CHF-Prognose als zu hoch angesetzt heraus. Allerdings ist der Fehlerbereich deutlich geringer als bei den anderen Banken. Für 2015 hält der Schweiz Branchenprimus derweil an der 1,23er-Prognose fest.

Die Credit Suisse lag beim letzten Mal mit einem vorausgesagten Kursniveau von 1,25 weiter daneben als die UBS. Für die kommenden zwölf Monaten könnte die zweitgrößte Bank der Schweiz jedoch eine bessere EUR/CHF-Prognose abliefern. Bei der Credit Suisse rechnet man für 2015 mit einem Eurokurs von 1,2150 Franken.

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