Schlussendliche Franken-Abwertung in Sicht? Euro vor Wende

Es fehlt nur noch ein Hauch, dann wird ein Kaufsignal ausgelöst. Die Schweizer Sturheit mit allen Mitteln einen Rückgang des Euros unter 1,20 Franken zu verteidigen, scheint aufzugehen. Der EUR/CHF-Kurs hat so viel Dynamik wie zuletzt an Jahresbeginn. Damals stieg der Kurs auf 1,2395.

Charttechnik und fundamentale Vorgaben ziehen derzeit an einem Strang. So sprang der Euro in der Vorwoche plötzlich über 1,21 Franken, nachdem die SNB über niedrige Zinsen spekulierte. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) seien Negativzinsen eine Möglichkeit, hatte SNB-Direktionsmitglied Thomas Moser gegenüber dem "Wall Street Journal" gesagt.


Daraufhin kletterte der Euro von 1,2065 auf 1,2118 Franken. Bei dem Anstieg handelte es sich nicht um eine Eintagsfliege. Aktuell notiert der Euro bei 1,2115.

Sollte er die bei 1,2120 entlang verlaufende 50-Tage-Linie überspringen, könnte es zu einem Durchmarsch bis zur 200-Tage-Linie kommen. Sie befindet sich momentan bei 1,2180. Die Euro-Bären übernehmen bei einem mehrtägigen Taucher unter 1,2070 Franken wieder das Kommando.

Der Euro-Franken Kurs befindet sich seit mehr als einem Jahr in einer Abwärtsbewegung. Er sank von 1,2650 am 22. Mai 2013 auf 1,2043 am 4. September 2014 (-4,8 Prozent).

Euro schnuppert vor Großereignissen Höhenluft

Die nächsten 48 Stunden haben es in sich. Für den Euro-Franken-Kurs werden Notenbanksitzungen sowie der Schrei der Schotten nach Unabhängigkeit zur Nagelprobe. Kann der Euro seine Kursgewinne gegenüber dem Schweizer Franken verteidigen? Oder geht es wieder Richtung Mindestkurs bei 1,2000?

Aktuell notiert der Euro mit 1,2114 Franken so hoch wie seit einer Woche nicht mehr. Das EUR/CHF-Paar profitiere von dem steigenden Wechselkurs des US-Dollars zum Franken, sagen Marktbeobachter. Hintergrund sei die mit Spannung erwartete Sitzung der US-Notenbank Fed.

Die Märkte spekulieren, dass Fed-Chefin Janet Yellen das Versprechen, die Zinsen für einen ausgedehnten Zeitraum auf Rekordtiefs zu belassen, aus dem Statement des Offenmarktauschusses (FOMC) streichen werde. Daraufhin könnte der derzeit bei 0,9340 Franken liegende Dollar einen Satz über 0,94 machen. Der plötzliche Anstieg würde auf den EUR/CHF abfärben, den es bis zum nächsten Widerstand bei 1,2170 tragen könnte.

Wenn die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstagmorgen ihre vierteljährliche Sitzung abhält, dürfte sie versuchen mit Worten den Euro-Franken-Kurs nach oben zu reden. Einige Beobachter rechnen gar mit der Einführung eines Negativzinses auf Bankeinlagen. Konsens ist jedoch, dass sich die SNB diese Maßnahme aufspart, bis sie mehr über das von der EZB angekündigte Anleihekaufprogramm erfährt.

SNB-Chef Thomas Jordan dürfte daher versuchen über eine deutliche Senkung der Wachstums- und Inflationsprognosen den Schweizer Franken abzuschwächen. Dies könnte sich wenige Stunden später schon wieder als hinfällig erweisen. Sollten sich die Schotten für eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich entscheiden, wäre der Franken als sicherer Hafen wieder gefragt.

Wettbüros und Buchmachern zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Abspaltung bei ca 20 Prozent. Wer auf einen Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich wettet, bekommt im Erfolgsfall für 10 Euro Einsatz 30 Euro Gewinn ausbezahlt.

Wie stark tritt die Nationalbank den Fuß aufs Gaspedal?

Der Euro steht kurz davor auf 1,23 Franken katapultiert zu werden. Vielleicht wird sogar das Hoch vom Januar 2014 bei 1,2395 getestet. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte sich die Gelegenheit zur Abschwächung des Frankens nicht nehmen lassen.

"Ich würde EUR/CHF vermeiden", zitiert Reuters den Währungsstrategen John Hardy von der Saxo Bank. Aktuell notiert das Devisenpaar bei 1,2105. Die Kursentwicklung befindet sich am oberen Ende einer Handelsspanne, die durch das das 22-Monatstief vom 04.09.14 bei 1,2043 sowie dem Hoch der Vorwoche bei 1,2118 repräsentiert wird.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat zwei Möglichkeiten auf ihrer vierteljährlichen Sitzung am Donnerstag den Franken gegenüber dem Euro abzuschwächen:

1. Negative Zinsen
Käme es zu der  Einführung negativer Zinsen auf Einlagen der Banken, wäre das eine Überraschung. Der EUR/CHF-Kurs würde einen Satz nach oben machen. "Wegen der beträchtlichen Einlagen die bei der SNB gehalten werden, hätte ein solcher Schritt einen besonders starke Auswirkung auf die Schweiz", sagt Valentin Marinov, Devisenexperte bei der Citigroup.

2. Übertriebener Pessimismus
Die Nationalbank hat ein weiteres Ass im Ärmel. Sie könnte ihre Wachstums- und Inflationsprognose sehr viel stärker eindampfen als bislang erwartet. Dies könnte zu einer heftigen Abwertungsreaktion des Schweizer Frankens gegenüber dem Dollar führen, die sodann auf das EUR/CHF-Paar abfärben würde.

Aus strategischer Sicht wäre es für SNB-Präsident Thomas Jordan ratsamer die zweite Möglichkeit zu wählen. Die Einführung negativer Zinsen könnte er sich für die Zeit des von der Europäischen Zentralbank angekündigten Ankaufprogramms von ABS-Papieren und Pfandbriefen aufsparen (voraussichtlich ab Oktober 2014).

Schweiz spielt mit dem Feuer: Vorgeschmack auf 1,20er Bruch


Die Währungsreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) stiegen zuletzt auf 454 Milliarden Franken. Das sind 80 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsproduktes (BIP). Bei einem Abtauchen des Euros auf 1,2000 Franken würde sich der Fremdwährungsbestand weiter erhöhen. Das über die Notenpresse geschöpfte Geld ist ein gewaltiges Klumpenrisiko.

Von Wien bis Wuppertal: Das große Zocken mit Franken-Krediten

Österreich ist Deutschland dieser Tage einen Schritt voraus. Während österreichische Franken-Kreditnehmer konsequent aus den einst so beliebten Fremdwährungskrediten aussteigen, setzt man im Revier auf die Aussitzen-Strategie. Die Städte im Ruhrgebiet merken nicht, dass sie die nächste, hochriskante Devisenwette eingehen.

Franken-Schuldner ziehen die Reißleine. Das Ausmaß von Fremdwährungskrediten sank in den zurückliegenden vier Jahren von 46,5 Milliarden Euro auf 26,3 Milliarden, wie die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) am Mittwoch in Wien mitteilte. Österreichische Kreditnehmer wechseln in Euro-Darlehen,
  • um sich schlussendlich vom Wechselkursrisiko loszusagen. Der Eurokurs dümpelt derzeit bei 1,2080 Franken. Die Chance für einen Absturz unter EUR/CHF 1,20 hat sich gemäß den Devisenexperten der Saxo Bank verdreifacht.
  • weil die Zinsen im Euroraum nach der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank noch einmal gefallen sind. Umschuldungen sind attraktiv wie nie.

"Wir können nur warten, bis sich der Kurs eines Tages zu unseren Gunsten ändert", zitiert die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) Bochums Kämmerer Manfred Busch. Große Städte wie Essen, Bochum und Gelsenkirchen haben Kredite in Schweizer Franken aufgenommen, die früher oder später zum Millionengrab für den Steuerzahler werden.

Die klammen Städte im Ruhrgebiet können nicht in Euro umschulden, weil damit aus Buchverlusten richtige Verluste werden. Riesige Löcher in den Etats entstünden, welche die Kämmerer durch die Anhebung kommunaler Steuern stopfen müssten. Mehr Schulden zu machen ist wegen der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse schlichtweg nicht möglich.

So schreiben die Städte des Ruhrgebietes die Franken-Schulden weiter fort, und begeben sich damit auf immer dünneres Eis. Der Euro-Mindestkurs bei 1,2000 Franken ist nach Aussagen des Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Thomas Jordan "nicht für die Ewigkeit".

Wenn sich die Schweizer Wirtschaft für einen starken Franken neu aufgestellt hat, dürften die Eidgenossen aufhören ihre Währung und Geldpolitik sklavisch an die Eurozone zu ketten. Der Euro könnte mit Erlaubnis der SNB sodann auf 1,10 Franken oder darunter sinken und die Städte im Ruhrgebiet an den Rand eines Finanzkollaps bringen.