Schweizer Franken aktuell - Eurokurs Prognosen 2015/16
+++ Euro steigt mit 1,0670 Franken auf höchsten Stand seit einer Woche. Frisches 5-Monatshoch jenseits von 1,07 greifbar. +++

Deutsche Bank rechnet mit Euro-Anstieg auf 1,11 Franken

Die Währungsexperten der Deutschen Bank rechnen mit einem Anstieg des Euros auf 1,11 Schweizer Franken. Ausgangspunkt dieser Prognose ist das Wirtschaftswachstum in der Eurozone. Die Schweizer Konjunktur hinkt hinterher, sie gibt sich aber noch nicht geschlagen. Ferner ist die Wechselkursprognose von Deutschlands größtem Geldhaus nicht ganz frei von Risiken, wie ein Blick auf Mario Draghis EZB zeigt.

Was haben die Euroländer Deutschland, Niederlande, Belgien, Spanien und Portugal gemein? Sie werden im laufenden Jahr stärker wachsen als die Schweiz. Hintergrund ist der Frankenschock. Wegen der plötzlichen Abschaffung des Mindestkurses haben es eidgenössische Exporteure schwer ihre Waren im Euroraum abzusetzen. Vor einem Jahr sah es noch freundlicher für die Firmen aus, weil die Euro-Stützgrenze bei 1,20 Franken galt.

Die Wirtschaft im Euroraum werde 2015 ein Wachstum von 1,4 Prozent auf die Beine stellen. In der Schweiz werde sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 0,8 Prozent erhöhen, prognostizieren die Volkswirte der Deutschen Bank. 2016 dürfte sich die Wachstumskluft zwischen den Währungsräumen schließen. Der Euroraum soll im nächsten Jahr 1,6 Prozent und die Schweiz um 1,2 Prozent wachsen.


Gemäß den Prognosen der Deutschen Bank wird der Eurokurs auf
  • 1,07 Franken steigen bis September 2015,
  • 1,10 Franken steigen bis März 2016 und
  • 1,11 Franken bis Juni 2016.

"Die Europäische Zentralbank (EZB) ist weiterhin entschlossen, ihr QE-Programm wie geplant bis September 2016 fortzuführen. EZB-Präsident Draghi hat mehrmals darauf hingewiesen, dass eine Ausweitung des Programms wahrscheinlicher als eine vorzeitige Begrenzung ist", berichtet die Deutsche Bank.

Mit dieser Beobachtung untergraben die Deutsche-Bank-Experten ihre eigenen Schweizer Franken Prognosen. Bisher haben die Devisenmärkte eingepreist, dass die EZB ihre Bilanzsumme (aktuell: 2,5 Billionen Euro) durch die Anleihekäufe auf drei Billionen Euro erhöht. Sollte Draghi mehr Geld drucken, dürfte es der Euro wegen des Verwässerungseffektes noch schwerer haben Wechselkurse jenseits von 1,10 Franken zu erreichen.

Das Anstiegsfenster für den Euro ist nicht ewig geöffnet

Das Pokerspiel zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken geht in die entscheidende Runde. Der Euro hat die besseren Karten auf der Hand, wie ein Vergleich aktueller Konjunkturdaten zeigt. Allerdings muss sich der Eurokurs sputen mit dem in der Luft liegenden Anstieg auf 1,10-1,20 Franken. Wartet er zu lange, findet die Schweizer Wirtschaft vom Krebsgang auf den Wachstumspfad zurück.

Der Euro notiert nach einer Achterbahnfahrt bei 1,0620 Franken. In der vergangenen Woche kletterte der EUR/CHF-Wechselkurs zunächst auf ein Viermonatshoch bei 1,0790, um danach auf 1,0530 abzusacken. Es folgte eine Stabilisierung in letzter Sekunde. Charttechniker atmen auf, nachdem der Euro den Sprung über 1,06 schaffte. Dank des Wochenschlusskurs über der wichtigen Unterstützung bei 1,0570 bleibt der Aufwärtstrend intakt.

"Vor dem Hintergrund der griechischen Schuldenkrise hat sich der Eurozone-Industriesektor im Juli wacker gehalten", kommentiert Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson den Einkaufsmanagerindex (PMI) für das produzierende Gewerbe. Der Index lag mit 52,4 Punkten komfortabel über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.


Anders sieht es in der Schweiz aus, wo der wichtige PMI-Frühindikator um 1,3 Punkte auf 48,7 Zähler fällt. Auf kurze Sicht sei eine Entspannung nicht in Sicht. Der Franken habe sich zwar jüngst gegenüber dem Euro abgewertet. Die Abwertung sei aber zu gering, als dass eine rasche Trendwende der Industriekonjunktur realistisch wäre, erläutert die Credit Suisse. "Der Krebsgang in der Industrie dürfte damit noch länger andauern", sagt  die Bank.

Solange sich die Schweizer Wirtschaft im Krebsgang befindet und die Konjunktur in der Eurozone expandiert, ist das Anstiegsfenster für den Euro geöffnet. Die Chancen stehen gut, dass für den EUR/CHF-Kurs bei 1,0790 Franken das Ende der Fahnenstange nicht erreicht ist. Sollte sich die Schweizer Wirtschaft schneller auf den starken Franken einstellen, als das viele bisher denken, wird es gefährlich. Die Eidgenossen würden auf dem Wachstumspfad zurückkehren, was den Euro auf 1,00-1,05 Franken zurückwerfen könnte.

Auguren ermutigen Franken-Kreditnehmer zum Aussitzen

Weil sich der Euro trotz widrigem Marktumfeld über 1,06 Franken behauptet, stehen die Chancen gut für neue Jahreshochs. Im Lager der Banken-Auguren herrscht große Einigkeit darin, dass das Devisenpaar auf 1,10 steigt. Wann es soweit ist, darüber zanken sich die Wechselkursprognostiker. Nichtsdestotrotz dürfte es sich für die meisten Franken-Kreditnehmer am Ende ausgehen.

"Langfristig sollte der Euro wieder auf ein Niveau von etwa 1,10 Schweizer Franken steigen", prognostiziert die DZ Privatbank. Mit "langfristig" meint das in Zürich ansässige Geldhaus innerhalb eines Jahres.

Die Raiffeisen Zentralbank drückt auf die Bremse. Sie sagt: "Wir gehen davon aus, dass die Marktkräfte auch in den kommenden Monaten keine deutliche Abschwächung des Franken bewirken werden." Schlussendlich werde es aber zu einer Abwertung des Schweizer Franken kommen, meinen die Devisenexperten. Sie kalkulieren mit einem Anstieg des Euros bis Juni 2016 auf 1,10 Franken.

Dass es sehr viel rascher nach oben gehen wird, sagt die Landesbank Hessen-Thüringen. Sie sieht den Euro in den kommenden zwei Monaten auf 1,10 Franken steigen. Anders als eine andere große deutsche Landesbank rechnet sie nicht mit einem Rücksetzer im Jahr 2016, sondern einer stabilen Kursentwicklung bei 1,10.

Die Bayerische Landesbank sieht den Euro bis Oktober 2015 auf 1,09 Franken steigen, gefolgt von einem Rückgang auf 1,07 Franken. Begrenzt werde das Anstiegspotential des EUR/CHF-Kurses von einem Grexit, den die Bank für das Winterhalbjahr erwartet. Hinzu kämen die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB), die stärker und länger ausfallen sollen als erwartet.

Abreifungsspitze

Ob der Anstieg des Euro-Franken-Kurses bereits in den nächsten Monaten oder erst im nächsten Jahr kommt, spielt für die meisten Franken-Kreditnehmer eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass die Aufholjagd bis zum Jahr 2020 abgeschlossen ist.

In Österreich werden die meisten Franken-Kredite gemäß den Daten der Finanzmarktaufsicht (FMA) in Wien zwischen 2020 und 2025 fällig (Abreifungsspitze). Bis dahin könnte der Euro sogar auf 1,30 Franken klettern. Das wäre der Mittelkurs zwischen dem Hoch vom Oktober 2007 bei 1,68 und dem Tief vom Januar 2015 bei 0,92.

Zum Thema:
Reinverlust-Rechnung eines typischen Franken-Kreditnehmers

Im Haifischbecken mit Hedgefonds

Der Eurokurs purzelt von 1,0670 auf 1,0530 Franken (-1,31 Prozent). Gestern lagen die Chancen für einen Anstieg auf 1,08-1,10 noch bei über 50 Prozent. Das hat sich nun schlagartig geändert. Die aktuelle Talfahrt wird flankiert von einem Riesenverlust der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Für die SNB wird es im Haifischbecken mit Hedgefonds ungemütlich.

Weil dem Euro eine wichtige Unterstützung bei 1,0570 Franken wegbricht, hat sich das Blatt in den vergangenen 24 Stunden gewendet. Dem seichten Aufwärtstrend droht ein jähes Ende. Es gibt allerdings noch ein Fünkchen Hoffnung. Der Schlusskurs am Ende des heutigen Handelstages muss unter 1,0570 liegen. Erst dann wird der Bruch der Unterstützung bestätigt und ein Verkaufsignal für den EUR/CHF-Kurs ausgelöst.

Wegen der Aufhebung der Euro-Stützgrenze bei 1,20 Franken hat die Schweizerische Nationalbank im ersten Halbjahr einen Verlust von 50 Milliarden Franken erlitten, wie die Notenbank heute mitteilt. Die SNB hat momentan Euros im Gegenwert von 216 Milliarden Franken in ihren Tresoren liegen. Vor sieben Monaten, als die SNB dafür Sorge trug, dass der Euro nicht unter 1,20 Franken sinken konnte, war dieser "Euro-Batzen" noch etwa 244 Milliarden Franken wert.

Hinzu kommen Verluste auf die Dollarreserven. Denn auch die amerikanische Leitwährung hat im Zuge der Mindestkurs-Aufhebung deutlich gegenüber dem Schweizer Franken verloren. Der USD/CHF-Kurs sank seit dem 15. Januar 2015 (Schwarzer Donnerstag) von 1,02 auf aktuell 0,96.

Tropfen Blut im Wasser

Die Schweizerische Nationalbank läuft Gefahr zum Spekulationsobjekt zu werden. Noch einmal einen Verlust von 50 Milliarden Franken wird sie sich kaum leisten können, ohne in der Schweizer Öffentlichkeit Stürme der Entrüstung auszulösen. Notenbankchef Thomas Jordan wird daher weiterhin bedacht sein, den Eurokurs nicht unter 1,03 Franken fallen zu lassen.

Weiterlesen: EUR/CHF-Kurs gerät ins Fadenkreuz von Spekulanten

Die wie Haie agierenden Hedgefonds haben den von der SNB vergossenen Tropfen Blut im Wasser längst gerochen. Noch haben sie aber keine Positionen auf einen fallenden EUR/CHF-Kurs aufgebaut, mit denen sie bei einer Aufhebung des inoffiziellen Euro-Mindestkurses bei 1,03 Franken und einem Rückgang des Euro auf 0,90-1,00 Franken Milliarden scheffeln könnten.

Dies dürfte vor allen an der konjunkturellen Erholung im Euroraum liegen. Hedgefonds attackieren keine starken Gegner. Sollte die Eurozone vom Wachstumspfad abweichen und der Euro Gegenwind bekommen, dürfte das schon anders aussehen.

Zur aktuellen Lage des EUR/CHF: Anstieg auf 1,10 möglich

Der Euro nähert sich mit Siebenmeilenstiefeln der Marke bei 1,10 Franken. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es wieder aufwärts. Das Geschäftsklima überrascht positiv. Die ausgelassene Stimmung der Manager ist ein weiteres Indiz dafür, dass das Wachstum in der Eurozone stärker anzieht, als viele denken. Aktuell notiert der Eurokurs bei 1,0670 Franken. Der Schweizer Franken kostet 0,9372 Euro.

Mit einem so kräftigen Anstieg haben die Analysten nicht gerechnet: Der Business Climate Indicator (BCI) für den Euroraum klettert im Juli auf 0,39 Punkte von 0,14 Punkten im Vormonat, wie die EU-Kommission mitteilt. Der Index erhöht sich fünfmal so stark wie von Volkswirten erwartet. Die befürchteten negativen Einwirkungen von der Griechenland-Krise bleiben aus. Die Wachstumsampeln stehen auf grün. Wenn es so weiter geht, könnte die Wirtschaft in den Eurozone im laufenden Jahr knapp zwei Prozent wachsen, anstatt der bisher prognostizierten 1,5 Prozent.

Seichter Aufwärtstrend

Devisenexperten konzentrieren sich auf die Charttechnik. Sie dürfte in den kommenden Wochen die zuverlässigste Prognosemethode sein, wenn es darum geht, die Kursentwicklung des Euros gegenüber dem Schweizer Franken vorauszusagen. Charttechniker sind seit der Aufhebung der Euro-Stützgrenze bei 1,20 Franken gefragt. Während der Mindestkurs-Phase wurde ihre Arbeit und die Zuverlässigkeit ihrer Prognosen aufgrund der manipulativen Wechselkurseingriffe seitens der Schweizerische Nationalbank (SNB) extrem erschwert.

Der Euro-Franken-Kurs befindet sich aktuell in einem seichten Aufwärtstrend, nachdem das Devisenpaar einen hartnäckigen Widerstand bei 1,0570, an dem es mehrere Male zurückgeprallt war, übersprang. Dadurch wird aus dem Widerstand eine Unterstützung. Sollte der Euro sinken, stehen die Chancen gut, dass er bei 1,0570 Franken wieder in den Anstiegsmodus wechselt.

Im Fokus steht momentan ein Widerstand bei 1,0812. Knackt der Euro auch diesen Widerstand, würde sich die Stoßkraft des seichten Aufwärtstrends erhöhen. Der Weg wäre frei für einen Anstieg auf 1,10. Gefährlich wird es für den Euro, sollte er entgegen aktueller Anzeichen die Unterstützung bei 1,0570 reißen. Aus dem seichten Aufwärtstrend würde eine pendelnde Seitwärtsbewegung, die den Euro auf 1,03 Franken zurückwerfen könnte.

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Der Eurokurs hält sich wacker bei 1,0645 Franken. Das zu Wochenbeginn bei 1,0690 erklommene Viermonatshoch ist in Reichweite, obgleich die Stoßkraft des Euro derzeit etwas zu wünschen übrig lässt. Denn die Schweizer Wirtschaft nimmt Fahrt auf. Damit der Euro weiter auf und der Franken weiter abwertet, ist aber nach Ansicht der Credit Suisse eine konjunkturelle Verlangsamung erforderlich.

"Obwohl wir den Franken auf dem aktuellen Niveau für überbewertet halten, ist das Potenzial für eine signifikante Abschwächung gegenüber dem Euro unseres Erachtens ohne akutere Anzeichen für eine wirtschaftliche Verlangsamung in der Schweiz immer noch eingeschränkt", heißt es in einem aktuellen Tageskommentar der Credit Suisse.

Die von der zweitgrößten Bank der Schweiz angemahnte "wirtschaftliche Verlangsamung" ist nicht in Sicht. Ein vom Branchenprimus UBS für die Schweiz herausgegebener Konsumindikator kletterte im Juni von 1,62 Punkte auf 1,68 Punkte, wurde heute bekannt. Es ist bereits der dritte monatliche Anstieg in Folge. Die UBS spricht von einem "soliden Wachstum des Privatkonsums".

Aus charttechnischer Sicht hat der Euro-Franken-Kurs derzeit keinen Anlass auf die 3-Monats-Prognose der Credit Suisse, die das Devisenpaar im Mittel bei 1,03 sieht, einzuschwenken. Denn der Euro macht keinerlei Anstalten unter ein wichtiges Unterstützungsniveau bei 1,0570 zurückzufallen. Das nächste Ziel kann daher eigentlich nur das Hoch vom Februar 2015 bei 1,0812 sein.

Die Credit Suisse rechnet erst in zwölf Monate mit einem dauerhaften Euro-Anstieg auf 1,06-1,10 Franken. Allerdings sind Wechselkursprognosen von Banken nicht in Stein gemeißelt. Sollte der Euro die in den letzten Tagen erzielten Kursgewinne verteidigen, wäre man bei der Credit Suisse sicherlich bereit die Prognose vorzuverlegen.

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