Schweizer-Franken.eu - Eurokurs Prognosen 2017/18

3 Triebfedern des EUR/CHF-Anstiegs auf 1,09

Die Nachrichten überschlagen sich kurz vor dem Ende der ersten Jahreshälfte. Plötzlich hat der Euro wieder die Oberhand und steht bei 1,09 Franken. Am Ende der letzten Woche signalisierte die Price Action noch einen Rückgang auf 1,07. Nun gilt es die Neuigkeiten auf ihre Relevanz für den EUR/CHF-Kurs abzuklopfen:

EUR/CHF-Ausblick 2018: Was führende Experten erwarten

"Das Tapering der EZB und die Aussicht auf wieder steigende Leitzinsen im Euro-Raum werden den Euro gegenüber dem Franken zudem kaum stärken", meint die Bayerische Landesbank und prognostiziert EUR/CHF auf 1,04. Die Landesbank Hessen-Thüringen spricht von einer "massiven Überbewertung" des Frankens und sieht die Devisennotierung bei 1,10. Die Deka Bank rechnet wegen einer robusten Konjunktur in der Eurozone mit 1,11.

Aktuell notiert der Euro bei 1,0850 Franken. Die Schweizer Franken Prognose der BayernLB trifft ins Schwarze, wenn sich der Euro in den nächsten zwölf Monaten um gut 4% abschwächt. Die Landesbank schwimmt gegen den Strom (Contrarian). Im Gegensatz zur UBS und vielen anderen Devisenexperten sagt sie: Ein Ende der EZB-Anleihekäufe, mit dem inzwischen sogar Italiens Finanzminister rechnet, werde keine EUR/CHF-Aufwärtsbewegung nach sich ziehen.

Pier Carlo Padoan erwartet, dass sein Landsmann Mario Draghi die Käufe von Staatsanleihen zurückfahren und schließlich einstellen wird. "Das ist offensichtlich ein sehr wichtiger Aspekt für ein Land mit hohen Staatsschulen wie Italien. Offensichtlich muss Italien vorbereitet sein", so der Kassenwart, der den dritthöchsten Schuldenberg der Welt in den Griff bekommen muss (Bloomberg-Meldung).


Der Franken sei nach wie vor "massiv überbewertet". Reale Wechselkursindizes und Kaufkraftparitäten belegten dies, erläutert die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Der Euro dürfte erst einmal weiter in einem Bereich von 1,08 bis 1,10 verharren. "Für die Ewigkeit ist dieses Kursband aber nicht angelegt", sagt die Helaba. Sie signalisiert damit, dass sie sich ab Mitte 2018 auch einen EUR/CHF-Kurs über 1,10 vorstellen kann.

"Der Schweizer Franken dürfte auch in den Jahren 2017-2018 gesucht und überbewertet bleiben", warnt die Deka Bank. Wenn die EU die politischen Hürden bewältige und die wirtschaftliche Erholung Eurolands voranschreite, sollte der Franken allerdings leichter werden. Und so liegt das Kursziel der Deka Bank bei 1,11.

Ist der Euro mit seinem Latein am Ende?

Der Euro gibt die Gewinne der Vorwoche wieder ab, und so sinkt der EUR/CHF-Wechselkurs von 1,0901 auf 1,0849. Zwischenzeitlich geht es runter auf 1,0832 - den tiefsten Stand seit Anfang Mai. Dem Devisenpaar fehlt eine wichtige Information über das künftige Wachstum der Eurozone. Eine Konjunkturverlangsamung wäre Wasser auf die Mühlen der Franken-Fans und Dr. Doom.


Für die Wirtschaft in der Eurozone wachsen die Bäume nicht in den Himmel. "Frankreichs und Deutschlands Wachstumsrate schwächte sich im Juni auf ein 5- bzw. 4-Monatstief ab, hauptsächlich wegen der Abkühlung in den jeweiligen Servicesektoren", berichtet IHS Markit bezugnehmend auf die aktuellen Einkaufsmanager-Daten.

Die seit fünf Wochen ununterbrochen fallenden Ölpreise könnten ein Indiz dafür sein, dass sich die Weltwirtschaft abkühlt und infolge weniger Öl nachfragt. Gegen diese Theorie spricht ein recht deutlicher Anstieg des Kupferpreises. Das Industriemetall wird in der Bauwirtschaft und dem Produzierenden Gewerbe benötigt. Es gilt als weltweiter Konjunkturindikator.

Dem EUR/CHF-Kurs fehlen wichtige Informationen. Er möchte wissen, ob die Eurozone im zweiten Halbjahr:
  1. beim Wachstum noch eins draufsetzt,
  2. das aktuelle Wachstumstempo von knapp 2% beibehält,
  3. oder die Rate auf 1,5% sinkt.

Für die Schweiz ist die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukt (BIP) besser vorhersagbar. Hier läuft es gemäß der Berner Regierung auf einen BIP-Anstieg von 1,4% hinaus. Aufgrund der Wachstumskluft zu Gunsten der Eurozone müsste der Euro also gegen den Franken stärker werden. Dass er es nicht tut, deutet darauf hin, dass vieles im Währungsraum auf Sand gebaut ist.

Der bekannte Schweizer Börsenexperte Marc Faber (Dr. Doom) sagte unlängst auf CNBC, dass sich die Konjunktur in Europa scheinbar erhole. Dies allerdings vor dem Hintergrund, dass es in allen Anlageklassen Finanzblasen gebe und die globalen Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung 30-40 Prozent höher sind als 2007.

🔗 Marc 'Dr. Doom' Faber says ‘we have a bubble in everything’

Euro am purzeln - Macron-Schub wird rückabgewickelt

Die EZB sieht Licht am Ende des Tunnels, trotzdem sinkt der EUR/CHF-Kurs auf 1,0833. So günstig konnten Schweizer Einkaufstouristen zuletzt Anfang Mai in Deutschland und Österreich zuschlagen. An den Aktienmärkten wartet man auf neue Rekordhochs. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Irgendwann beginnt die Panik und es heißt: Rette sich wer kann.

Der EUR/CHF-Kurs unternimmt den nächsten Tauchversuch, um unter 1,0830 zu gehen. An der Unterstützung ist er seit dem Macron-Schub bereits dreimal nach oben zurückgeprallt. Diesmal ist die Price Action jedoch stärker nach unten gerichtet als die die letzen Male, weshalb es eng wird. Eine allerletzte Verteidigungslinie liegt bei 1,0810. Sollte auch die nicht halten, wäre wohl ein Rückfall auf 1,07 unvermeidbar.


"Wenn der Tag kommt, werden wir auf die Inflation schauen und entsprechend handeln - egal, ob sich Regierungen deswegen beschweren", sagt EZB-Chefvolkswirt Peter Praet dem Magazin "Der Spiegel". Die breite Konjunkturerholung werde dazu beitragen, eine Wende in der Geldpolitik einzuleiten, prophezeit der in Deutschland geborene Belgier.

"Notenbanker, trotz all ihre Fehler, sind auch nicht doof." Ihnen graue es vor der nächsten Rezession, weshalb sie Geld drucken und laufend intervenieren, heißt es in einem interessanten Artikel über die explosive Gemengelage 🔗 "Stock-market bulls are playing with fire". Wer den Artikel liest, erfährt, warum ein Engagement am Aktienmarkt gefährlich ist. Ziehe man die Aufblähung ihrer Bilanzsumme heran, sei die EZB verrückt geworden, heißt es ferner.

Davon will Praet nichts wissen. Er behauptet keck: Die EZB sei nicht dazu da, Regierungen günstige Finanzierungsbedingungen zu sichern. Praet hat auch einmal von sich in einem Interview gesagt, er sei ein Falke, also ein Verfechter einer straffen Geldpolitik. Seitdem er allerdings EZB-Chefvolkswirt ist, hat er Entscheidungen herbeigeführt, die Bilanzsumme der EZB von 2,7 auf 4,2 Billionen Euro (+55,6%) zu erhöhen.

Damit geht das Rätselraten über die wahren Motive der Notenbanker weiter:
  • SNB-Chef Jordan und Praet sind Volkswirtschafts-Professoren mit Lehrauftrag. Sie glauben womöglich, ihnen könne niemand das Wasser reichen.

  • EZB-Chef Draghi ist ein geschmeidiger Autokrat. Für diese These sprechen zwei Beobachtungen: Nachdem die EZB vor knapp zweieinhalb Jahren auf einer denkwürdigen Notenbanksitzung beschloss, Staatsanleihen aufzukaufen, erteilte Draghi Bundesbankchef Weidmann einen Maulkorb. Weidmann wollte an jenem Donnerstag im ZDF heute journal seinen Landsleuten den denkwürdigen Schritt erklären und womöglich auch kritisieren. Er musste das Interview auf Druck von Draghi absagen. Ferner soll Draghi jedwede Diskussion innerhalb der EZB über eine Verringerung der Anleihekäufe (Tapering) verboten haben.

  • Europäische Notenbanker sind empfindliche Bürokraten: Werden die EZB-Direktoren kritisiert, behaupten sie gerne, dass dies die Unabhängigkeit der Notenbank beschädige.

  • Für Draghi, Jordan und Co. ist es besser bis zum Ende ihrer Amtszeiten zur Vermeidung eines Börsenbebens kräftig Geld zu drucken. Die Schuld an den unvermeidbaren späteren Finanzcrashs lässt sich so leichter den Nachfolgern in die Schuhe schieben.