Schweizer Franken aktuell - Eurokurs Prognosen 2015/16

Devisen-DAX und SMI-CHF: UBS sieht Euro bei 1,03 Franken

Der Euro-Franken-Kurs findet in dem Schweizer Aktienindex (SMI) einen Taktgeber. Wenn der SMI sinkt, sinkt auch der Euro-Franken-Kurs. Noch ist der Zusammenhang nicht so stark ausgeprägt wie im Januar 2015, als Wechselkurs und Aktienindex massiv einbrachen. Die größte Bank der Schweiz schraubt ihre Wechselkursprognose für das laufende Jahr vorsichtshalber nach unten.

Für den Euro-Franken-Kurs ging es seit der letzten Woche von 1,0525 auf 1,0345 (-1,71 Prozent) bergab. Der SMI fiel im selben Zeitraum von 9.349 Punkte auf 8.969 Zähler (-4,06 Prozent). Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs aufhob, sank der Euro auf Schlusskursbasis von 1,2010 auf 1,0130 (-15,65 Prozent), während der SMI von 9.198 Punkte auf 7.900 Zähler (-14,12 Prozent) einbrach.

"Nach Aufgabe des Euro-Mindestkurses Mitte Januar sind Warenexporte und Konjunkturindikatoren unter Druck gekommen. Eine deutliche Wachstumsverlangsamung scheint unausweichlich. Im ersten Halbjahr 2015 ist auch eine leichte Rezession möglich", resümiert der UBS-Ökonom Bernd Aumann in dem aktuellen "Outlook Schweiz" der Bank.

Devisen-Dax

Fällt der Euro-Franken-Kurs, trüben sich die Exportperspektiven für Schweizer Unternehmen ein, was wiederum zu einem Rückgang des Schweizer Aktienindex führt. Dass es auch in die andere Richtung gehen kann, zeigt der "Devisen-Dax". Der mit Exportschwergewichten gespickte deutsche Blue-Chip-Index kletterte angetrieben von einem sehr schwachen Euro-Dollar-Kurs auf Rekordstände jenseits von 12.000 Punkten.

Im Februar 2015 ging man bei der UBS noch von einem durchschnittlichen Eurokurs für das laufende Jahr bei 1,05 Franken aus. Diese Prognose staucht die Bank nun auf 1,03 zusammen. Kurzfristig müsse wegen Griechenland davon ausgegangen werden, dass der Wechselkurs eher Richtung Parität (1 Euro = 1 Schweizer Franken) handeln werde, erläutert die Bank.

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Athen findet wunden Punkt in Rettungsarchitektur

Alexis Tsipras hat es geschafft! Bald kann der griechische Ministerpräsident eine Krawatte tragen. Grund: Der Internationale Währungsfonds (IWF) drängt die Euroländer zu einem Schuldenschnitt. Der Schweizer Franken wertet wieder auf. 1 Euro ist 1,0385 Franken wert - nach 1,0525 in der Vorwoche.

Die griechische Wirtschaft werde in diesem Jahr nicht um 2,5 Prozent, sondern lediglich um 0,5 Prozent wachsen. Darüber hinaus senkt die EU-Kommission die für die Gläubiger so wichtige Budgetprognose. Statt einem Haushaltsüberschusses von 1,1 Prozent werde es demnach ein Defizit von 2,1 Prozent geben.


Der wieder sinkende Euro-Franken-Kurs ist ein Indiz dafür, dass die griechische Regierung den wunden Punkt in der Rettungsarchitektur der Euroländer gefunden hat. Es läuft nämlich am Ende auf das Gleiche heraus: Entweder Athen erwirtschaftet Haushaltsüberschüsse, um den Schuldendienst zu leisten, oder es macht Defizite und bekommt einen Schuldenschnitt.

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Der IWF droht gegenüber den Euro-Finanzministern nun damit, seinen Anteil der nächsten Tranche über 7,2 Milliarden Euro an Griechenland zurückzuhalten, sollten die europäischen Geldgeber den Griechen nicht zumindest einen Teil ihrer Schulden erlassen.

Es sieht danach aus, dass Alexis Tsipras seinen Schuldenschnitt bekommen wird, den er als Voraussetzung für das Tragen einer Krawatte gemacht hat.

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Die Vollkaskomentalität der Schweizer Notenbank

Die Schweizer haben eine Mitschuld an der Frankenstärke. Das sagte der aus seinem Amt als Vizepräsident der Schweizerische Nationalbank (SNB) scheidende Jean-Pierre Danthine außerhalb des Protokolls. Es ist einer der wenigen Einblicke in das Innere der SNB. Ist die Suche nach einem Schuldigen gar ein Manöver, um den Schweizer Wähler auf noch sehr viel größere Verluste seiner Notenbank einzustimmen?

Die Frankenstärke habe auch damit zu tun, dass Schweizer Investoren sich im Ausland überdurchschnittlich mit Investitionen zurückhielten, erläuterte Danthine in der vergangenen Woche in Lausanne. Einlassungen wie: Seit der Lehman-Pleite 2008 ließen die Schweizer ihre Gelder zu Hause, weshalb die SNB durch massiven Kauf ausländischer Devisen als Lückenfüller einspringen musste, sollte der SNB-Vize laut Mauskript eigentlich nicht sagen, zumal er über den Immobilienmarkt referierte.

In einer neuen Studie analysiert Morgan Stanley, dass die Schweizer Wirtschaft auf Gedeih und Verderb einen schwachen Franken benötige. Die Schweiz sei bei weitem die offensten Volkswirtschaft unter den Industriestaaten. Damit sei sie am stärksten abhängig von einer weichen Währung, die nicht nur vonnöten sei, um die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure hoch zu halten. Ferner brauche es einen schwachen Franken, um Inflation aus dem Rest der Welt in die Schweiz zu importieren (Abwehr einer Deflationsspirale).

Morgan Stanley erwartet eine massive Abwertung des Schweizer Frankens. Sollte dies nicht passieren, werde die SNB in erster Linie mit noch negativeren Zinsen anstatt Devisenmarktinterventionen gegenhalten. Die Devisenexperten prognostizieren Euro-Franken-Kurse von 1,10 (Ende 2015) und 1,20 (Ende 2016).

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Denn der Schuss für die Schweiz kann nach hinten losgehen. Das weiß offenbar auch Danthine. War der Rekordverlust von 30 Milliarden Franken erst der Anfang? Die Notenbank hat so viele Vermögenswerte und Risiken in ihrer Bilanz, die zusammen ein komplexes Gesamtgebilde ergeben, dessen Wertentwicklung nahezu unmöglich ist vorherzusagen.

Das mit Abstand größte Risiko ist ein fallender Euro-Franken-Kurs. Grob überschlagen kann man sagen, dass die SNB für jeden Rappen, den der Franken zum Euro aufwertet, etwa 1 Milliarde Franken Miese macht. Auch hat sich die SNB mit Aktien vollgesogen. Eine Korrektur käme sie daher teuer zu stehen.

Dann wäre da noch die Kursrallye bei deutschen Bundesanleihen, mit denen die SNB die massiven Wechselkursverluste zuletzt etwas ausgleichen konnte. Inzwischen spricht die ganze Finanzwelt von einem Blase bei deutschen Staatsanleihen. Das Wolfgang Schäuble Zinsen bekommt, anstatt welche zu zahlen, ist ganz gewiss kein Zustand für die Ewigkeit. Die Renditen sind wegen der Kursrallye ins Negative gerutscht. Sollte die Blase der Bundesanleihen platzen, wäre die SNB mit einem dicken Verlust mit von der Partie.

Frankreich für EUR/CHF-Kurs Klotz am Bein

Der Euro verabschiedet sich auf Raten von der Marke bei 1,05 Franken. Die wirtschaftliche Erholung des Euroraum ist inzwischen in die Devisennotierung eingepreist. Gleichwohl gibt es nach wie vor große Probleme, vor allem in Frankreich. Indes nimmt die österreichische Wirtschaft Fahrt auf, während Schweizer Unternehmen mit dem hohen Frankenkurs besser klar kommen als gedacht.

Am Devisenmarkt notiert der Eurokurs aktuell mit fallender Tendenz bei 1,0423 Franken, nachdem er in der vergangenen Woche ein Hoch bei 1,0525 markierte. Aus charttechnischer Sicht ist in einem ersten Schritt Platz für einen Rückgang auf 1,0315. Danach käme eine Unterstützung bei 1,0230 ins Spiel. Auch der Euro-Dollar-Kurs befindet sich auf dem absteigenden Ast. Er sinkt von 1,1290 auf 1,1127.

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Die Lage in der französischen Industrie wird immer bedrückender. Ein von dem Datendienstleister Markit erhobener Einkaufsmanagerindex (PMI) sinkt auf 48 Punkten - nach 48,4 Zähler im Vormonat. Damit entfernt sich das von vielen Analysten mit Argusaugen beobachtete Barometer noch weiter von der bei 50 Zähler liegenden Wachstumsschwelle.

Anders sieht die Lage in der Schweiz aus. Zwar liegt der PMI-Index ebenfalls mit 47,9 Punkten unter der Wachstumsschwelle. Allerdings gingen Ökonomen wegen der Frankenstärke von einem Rückgang auf 47,7 Punkte aus. Dies ist ein Indiz dafür, dass die eidgenössischen Unternehmen mit dem Wechselkursnachteil besser zurecht kommen als erwartet.

Die französische Industrie profitiert hingegen nicht von dem Wechselkursvorteil, der besonders eklatant an dem in den in den letzten zwölf Monaten von 1,40 Dollar auf 1,11 Dollar gesunkenen Eurokurs sichtbar wird. Das produzierende Gewerbe in der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas steckt in einer Strukturkrise, aus der ihr die Politik mit Reformen nicht heraus hilft.

"In besonders bemerkenswerter Weise verbessert sich im Mai der Gesamtindex für Österreich. Er signalisiert nach Monaten der Schwäche nun einen Aufschwung für die Alpenrepublik. Ein gewichtiger Grund hierfür dürfte die Entspannung im Ukraine-Konflikt sein, schreibt das Forschungsinstitut Sentix.

Der Sentix-Konjunkturindex für den Euroraum sinkt im Mai um 0,4 Punkte auf 19,6 Zähler. Zwar werde die Lage des Aufschwungs von Investoren als stabil bewertet. Allerdings scheint es so zu sein, dass die Wachstumsdynamik nicht mehr weiter zunehmen kann. Genau das sei aber erforderlich, um den Euro-Franken-Kurs auf 1,10 zu schieben, sagen Devisenexperten.

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Euro sinkt auf 1,04 CHF: SNB-Schmerzgrenze im Fokus

Der Euro sinkt von 1,0525 Franken auf 1,0439 Franken (-0,82 Prozent). Damit gibt er einen Teil seiner Gewinne wieder ab. Der Wechselkurs befindet sich allerdings nach wie vor recht deutlich über einem vor zwei Wochen markierten 3-Monatstief bei 1,0232. Das dürfte sich bald ändern, sagen die Devisenexperten der Sparkasse Oberösterreich.

Am Gängelband des Euro-Dollar-Kurs hängt der Euro-Franken-Kurs. Zuletzt schlug das Pendel nach unten aus. Der Euro sank am 1. Mai nach der Bekanntgabe einer ordentlichen Konjunkturstimmung im produzierenden Gewerbe der USA von 1,1290 Dollar auf 1,1175 Dollar. Der ISM-Einkaufsmanagerindex signalisiert eine Erholung der US-Wirtschaft, die im ersten Quartal 2015 so gut wie nicht wachsen konnte.


"Einem erneuten Kursrückgang von EUR/CHF steht aus unserer Sicht vorerst die Interventionsbereitschaft im Wege", heißt es in einem aktuellen Währungskommentar der HSH Nordbank. Gemäß den Prognosen der norddeutschen Bank wird der Eurokurs in einem Jahr bei 1,05-1,07 Franken liegen.

Mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Rücken, die trotz eines Mega-Verlustes von 30 Milliarden Franken weiterhin bereit ist am Devisenmarkt zu intervenieren, könnte es dem Euro gelingen erneut über das für Charttechniker wichtige Niveau bei 1,05 Franken zu klettern.

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Trotz der Interventionsbereitschaft werde der Euro-Franken-Kurs sinken. Von einem Austesten der Schmerzgrenze der SNB spricht die Sparkasse Oberösterreich in diesen Zusammenhang. Sie rechnet damit, dass es zu einer Seitwärtsentwicklung des Euros um 1,00 Franken kommen wird.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist Anstieg auf 1,11 möglich

"Wir sind immer noch der Ansicht, dass das Währungspaar EURCHF die Parität testen und die SNB dann sichtbar eingreifen wird. Wir sehen unsere Prognose einer Kursspanne von 1,00 bis 1,05 für EURCHF weiterhin als gültig an", sagen die Devisenexperten der UBS. Die Chancen, dass sich diese Vorhersage bewahrheitet, haben sich zuletzt wieder erhöht. Gleichwohl ist auch ein Anstieg auf 1,11 möglich.

Aktuell notiert der Eurokurs mit fallender Tendenz bei 1,0475 Schweizer Franken, nachdem er am Vortag bis auf 1,0525 kletterte. Indes steigt der Euro-Dollar-Kurs munter weiter. Für die Gemeinschaftswährung werden zum Monatsauftakt knapp 1,13 US-Dollar bezahlt. Das ist so viel wie seit Ende Februar 2015 nicht mehr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte Griechenland erlauben sich über die Ausgabe von kurzläufigen Staatsanleihen zu finanzieren, sagte EZB-Direktor Benoît Coeuré auf einem Treffen der Finanzminister auf der Ebene der Staatsminister am Mittwoch in Brüssel. Voraussetzung dafür sei eine absehbare Vereinbarung zwischen Griechenland und seinen Euro-Partnern. Damit könnte ein Zahlungsausfall abgewendet werden.


Auf ein Einlenken der griechischen Regierung deutet derzeit die Entwicklung des Aktienindex in Athen hin. Der ASE kletterte seit dem 21. April 2015 von 704,74 Punkte auf aktuell 822,88 Zähler (+16,76 Prozent). Damit notiert das Börsenbarometer wieder auf dem Niveau von Ende Januar 2015, als Alexis Tsipras die Regierungsgeschäfte übernahm.

"Im Falle von weiteren Geldzuflüssen in den Franken als sichere Anlage wird die SNB unseres Erachtens erneut, und diesmal in größerem Umfang, am Devisenmarkt intervenieren, um die Währung zu schwächen", meinen die Devisenexperten der UBS.

Sollte sich Griechenland mit den Euro-Partnern einigen und die geopolitische Lage auf der Welt - insbesondere in der Ukraine - einigermaßen ruhig bleiben, käme es wahrscheinlich nicht zu weiteren Geldzuflüssen. Ein von der Erste Group angeführtes Lager der Optimisten, das den Euro bis Ende 2015 auf bis zu 1,11 Franken steigen sieht, könnte dann recht behalten.