Schweizer Franken aktuell - Eurokurs Prognosen 2015/16

Kein Passierschein: Warum der EUR/CHF nicht unter 1,04 darf

Weil sich die Konjunktur nach der Mindestkurs-Aufgabe schneller erholt als erwartet, muss die Schweizerische Nationalbank (SNB) eingreifen. Es geht darum einer zu starken Aufwertung des Frankens vorzugreifen. Die magische Hand der Notenbanker ist dringend erforderlich, wirkt doch der Wechselkursschock erst mit einer Verzögerung von gut einem halben Jahr auf die Realwirtschaft.

Die Sichtguthaben der Schweizer Banken bei der Schweizerischen Nationalbank sind zum ersten Mal seit über einem Monat wieder gestiegen. Die Entwicklung gilt als Indiz dafür, ob und wie stark die SNB Euro-Stützungskäufe zur Verteidigung eines geheimen Mindestkurses durchführt. Die neue Untergrenze dürfte bei einem Euro-Franken-Kurs von 1,04 liegen.

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In der Woche zum 23. März 2015 stiegen die Sichtguthaben auf 379,35 Milliarden Franken nach 376,50 Milliarden Franken in der Vorwoche. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass die SNB etwas unternimmt, um ein Abrutschen des Eurokurses unter die technische Unterstützung bei 1,0400 Franken zu verhindern.

Die Schweizer Notenbanker sind mit allen Wassern gewaschen, und so könnte man vergangenen Donnerstag und Freitag, als der Euro-Franken-Kurs drohte unter 1,04 abzurutschen, noch stärker interveniert haben, als der Anstieg der Sichtguthaben um knapp drei Milliarden Franken andeutet. Ursache: Wenn die SNB Euros gegen Franken einwechselt, werden solche Transaktionen erst zwei Handelstage später abgerechnet, so dass die Transaktionen vom Donnerstag und Freitag erst in der Statistik zu den Sichtguthaben per 3. April 2015 auftauchen.

Das Konjunkturbarometer für die Schweiz kletterte im März leicht um 0,5 Punkte auf 90,8 Zähler, wie die Konjunkturforschungsstelle (KOF) heute in Zürich mitteilte. "Der leichte Anstieg des Barometers im März ist durch eine Erholung der Stimmung bei Indikatoren mit Bezug zum inländischen Konsum, zur Industrie und zur Exportwirtschaft getrieben", schreibt die KOF.

Es hat den Anschein, dass die Schweizer Wirtschaft mit Euro-Franken-Kursen über 1,04 gut zurecht kommen kann. Das Interesse der SNB muss nun darin bestehen, den Eurokurs bis zum Jahresende über diesem Niveau zu stabilisieren, um die Planungssicherheit der Unternehmen zu erhöhen. Gemäß einer KOF-Studie hat eine Veränderung des Wechselkurses nach etwas sechs bis neun Monaten den stärksten Einfluss auf die Realwirtschaft.

Darüber hinaus hat die Schweizerische Nationalbank ein davon losgelöstes Interesse den Euro-Franken-Kurs nicht weiter abstürzen zu lassen, damit sich die mit der Mindestkurs-Aufgabe angesammelten Wechselkursverluste, die in ihrer Bilanz schlummern, nicht vergrößern. Das ist insofern ein Faktor, weil es Stimmen aus der Schweizer Politik gibt, die die Notenbank stärker kontrollieren wollen. Im Falle eines Milliardenverlustes der SNB könnten sie die Oberhand gewinnen.

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Ruppiger EUR/CHF: Geht es über Ostern wieder tief her?

In den vergangenen Jahren kam es an Ostern immer wieder zu Kapriolen. Der Handel über die Feiertage ging regelmäßig zu Lasten der Gemeinschaftswährung. Am markantesten sank der Euro über Ostern 2012, als er den damals gültigen Mindestkurs bei 1,20 Franken brach. Die Devisenmärkte haben den Auslöser für eine neuerliche Talfahrt des Eurokurses bereits ausgemacht.

Diesmal geht es an Gründonnerstag, Karfreitag und Ostermontag für den Eurokurs um die Marke bei 1,04 Franken. Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) wird nachgesagt, dass sie Wechselkurse darunter als Bedrohung für ihre finanzielle Gesundheit und Risiko für die Schweizer Volkswirtschaft ansieht.

Für die einen sind es kreative Bemerkungen aus dem Vokabular eines Notenbankers. Die anderen sprechen vom Lügen, bis sich die Balken biegen. Die Rede ist von der SNB. Sie versucht seit kurzem mit Worten und unfundierten Prognosen den Euro-Franken-Kurs zu einem Anstieg zu verführen.

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Aktuell notiert der Euro-Franken-Kurs mit 1,0465 für seine Verhältnisse bereits recht deutlich unter dem Hoch vom Februar 2015 bei 1,0812. Die monotone Talfahrt des Devisenpaares könnte sich über Ostern beschleunigen. Griechenland droht, seine Schulden nicht mehr zu bezahlen.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras legt den Gläubigern nun seine Reformliste (sog. full list) vor. Das Strickmuster der geplanten Reformen ist vergleichbar mit der Agenda von Giorgos Papandreou, der die deutsche Kanzlerin Angela Merkel einst brüskierte.

Tsipras will durch Einnahmeerhöhungen den Haushalt in Ordnung bringen. Etwas ähnliches versuchte bereits Papandreou. Er wollte mit Steuererhöhungen das Ruder herum reißen, und scheiterte kläglich. Daher sind die Chancen hoch, dass auch diesmal die versprochenen Einnahmen ausbleiben werden.

Die Geldgeber fordern Ausgabenkürzungen. Der Staatsapparat soll verschlankt werden. Ein erneuter Streit zwischen Griechenland und der Eurogruppe ist vorprogrammiert. Alexis Tsipras wird damit zum Garanten dafür, dass es die Gemeinschaftswährung über Ostern wieder einmal schwer haben dürfte.

Sollte die Unterstützung bei 1,0400-1,0410 nicht halten, droht dem Euro-Franken-Kurs ein Abstieg auf 1,0150.

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Wer badet diesmal die Verluste aus?

Der Euro-Franken-Kurs ist nicht da, wo ihn die Schweizerische Nationalbank (SNB) gerne haben möchte. Die Devisenexperten von der Barclays Bank (drittgrößter Währungshändler der Welt) sagen, es gebe viele Gerüchte über einen inoffiziellen Euro-Mindestkurs ab 1,05 Franken. Um den Euro darüber zu hieven, bedient sich die SNB ihrer bewährten Nebelkerzen-Aktion.

Am Dienstag sank der Eurokurs mit 1,4020 Franken auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,0460. Das Unbehagen in Zürich über die jüngste Kursentwicklung ist augenscheinlich so groß, dass man die Märkte in den letzten Tagen mit einer Stellungsnahmen-Lawine zum Frankenkurs regelrecht flutete.

Mit ihrem Quartalsheft, Geschäftsbericht und zwei Redebeiträgen aus dem Direktorium versuchte die SNB verbal gegen zu steuern. Der Erfolg dieser Maßnahmen will sich jedoch nicht einstellen, und so bleibt der Euro unter 1,05 Franken. Hintergrund ist ein massiver Glaubwürdigkeitsverlust der Schweizerischen Nationalbank.

Wenn SNB-Direkor Fritz Zurbrügg gestern erklärt, der Schweizer Franken sei insgesamt deutlich überbewertet und sollte sich über die Zeit abschwächen, dann erinnert das daran, was sein Kollege Jean Pierre-Pierre Danthine drei Tage vor der Mindestkurs-Aufgabe sagte:

"Der Mindestkurs bleibt der Eckpfeiler der Geldpolitik."
Jean-Pierre Danthine, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank, Radio Télévision Suisse, 12.01.2015.

Die Schweizerische Nationalbank versucht derzeit erneut eine Legende vom überbewerteten Schweizer Franken zu schaffen. Marktakteure sollen dazu bewegt werden, auf einen steigenden Euro-Franken-Kurs zu setzen. Dahinter steckt ein perfider Plan.

Während der Mindestkurs-Phase betonten die eidgenössischen Währungshüter unentwegt, der Schweizer Franken wäre überbewertet. Schließlich zog man Marktakteuren, die seinerzeit von einem Anstieg des Euros auf 1,25 Franken oder 1,30 Franken ausgingen, mit der Mindestkurs-Aufgabe den Boden unter den Füßen weg.

Schweizer Notenbanker mit Latein am Ende

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) geht in die Offensive. Augenscheinlich ist man in Zürich enttäuscht darüber, dass der Eurokurs unlängst seinen Anstieg bei 1,08 Franken abbrach. Statt auf 1,10 zu klettern, segelt der Wechselkurs des Euros derzeit Richtung 1,04 Franken.

"Der Franken ist insgesamt deutlich überbewertet und sollte sich über die Zeit abschwächen", sagte SNB-Direktor Fritz Zurbrügg am Donnerstagabend am Geldmarkt-Apéro in Zürich. Zum Zeitpunkt seiner Einlassungen notierte der Euro-Franken-Kurs zwischen 1,0450 und 1,0500. Die SNB werde bei Bedarf auch künftig am Devisenmarkt aktiv sein, so Zurbrügg.

Von einer "erheblichen Überbewertung" des Frankens sprach dann das stellvertretende Direktoriumsmitglied der SNB, Dewet Moser. Wie sein Vorgesetzter Zurbrügg lieferte Moser eine Prognose mit: "Wir erwarten, dass sich der Franken über die Zeit deutlich abschwächen wird."

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Dass die SNB mitunter lügt, bis sich die Balken biegen, ist spätestens seit der Aufgabe Mindestkurses bekannt. Die Wahrscheinlichkeit ist somit hoch, dass bei Zurbrüggs und Mosers prognostizierter Franken-Abwertung der Wunsch der Vater des Gedanken war.

Eine alte Binsenweisheit von Börsenlegende Jim Rogers könnte sich wieder einmal bewahrheiten:

"Wer auf die Analysen und Prognosen einer Zentralbank vertraut, wird früher oder später pleite gehen."

Die Schweizerische Nationalbank versucht den Euro-Franken-Kurs anzuheben, weil sich mit der Aufgabe des Mindestkurses der Wert ihrer Euro-Devisenreserven um etwa 20-30 Milliarden Franken verringert hat. Den Verlust will sie bis zum Ende des Jahres unbedingt aus den Büchern haben. Fast jedes Mittel scheint recht, um dieses Ziel zu erreichen.

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Euro-Stützungskäufe bahnen sich an

Die Achterbahnfahrt des Euro-Franken-Kurses geht in die nächste Runde. Der Eurokurs sinkt unter 1,05 Franken, während die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Geheimnis der plötzlichen Mindestkurs-Aufhebung lüftet. Wer sich Hoffnung auf einen neuen Stützkurs macht, muss den Kopf nicht in den Sand stecken. Die SNB steht schon bereit.

Der Eurokurs sank zu Wochenbeginn von 1,0601 Franken auf 1,0423 Franken. Es folgte eine Erholung auf 1,0545 sowie der aktuelle Rückgang mit einem vorläufigen Tief bei 1,0463. Entscheidend ist die Zone bei 1,0400-1,0410. Sollte diese charttechnische Unterstützung reißen, wäre Platz bis auf 1,0150.


"Ein Hinauszögern des Aufhebens des Mindestkurses wäre nur auf Kosten einer unkontrollierbaren Ausdehnung der Bilanz um mehrere 100 Mrd. Franken – potenziell um ein Mehrfaches des schweizerischen Bruttoinlandprodukts – möglich gewesen", begründet die SNB in ihrem Quartalsheft die plötzliche Franken-Freigabe.

In ihrem ebenfalls heute veröffentlichten Geschäftsbericht für 2014 heißt es: "Bei einer späteren Aufhebung des Mindestkurses nach massiven zusätzlichen Interventionen wären die Verwerfungen an den Finanzmärkten nicht weniger heftig und die Verluste in der Bilanz der Nationalbank exorbitant gewesen."

"Die Kosten eines weiteren Festhaltens am Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro wären in keinem Verhältnis zu dessen Nutzen für die Wirtschaft gestanden", schlussfolgert die SNB.

Wenn der Nutzen für die Schweizer Wirtschaft wieder größer ist, könnte es demzufolge zu erneuten Devisenmarktinterventionen kommen. Es wird bereits darüber spekuliert, dass die SNB ein Absinken des Euros unter 1,04 Franken nicht zulassen wird. Die Schadwirkung für die Schweizer Wirtschaft wäre bei Überschreiten dieses Punktes zu groß.

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Hat der Euro bei 1,0420 Franken seine Krise überstanden?

Angetrieben von einem robusten Wirtschaftsaufschwung in Deutschland und besseren Konjunkturdaten aus Frankreich klettert der Euro über 1,05 Franken. Das Sechswochentief vom Vortag rückt auch in die Ferne, weil sich die Lage im Schweizer Einzelhandel wegem verstärktem Einkaufstourismus verschlechtert. Schuld ist die Aufgabe des Euro-Mindestkurses bei 1,20. Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt derweil der griechischen Regierung, wo es lang geht.

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich den fünften Monat in Folge verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte von 106,8 Punkte im Februar auf 107,9 Zähler im März, wie das Forschungsinstitut in München mitteilte. Volkswirte hatten den Index, der auf einer Umfrage unter 7.000 Unternehmen beruht, bei 107,4 Punkten erwartet. Vieles spricht dafür, dass die deutsche Wirtschaft, anders als in den Vorjahren, auch im zweiten Quartal kräftig wachsen dürfte.

Auch in Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas, verbessern sich die Wachstumsperspektiven. Ein von Analysten eng verfolgter Indikator für das Geschäftsvertrauen französischer Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe hat sich verbessert. Der Aufschwung geht allerdings langsamer vonstatten als in Deutschland.

EUR/CHF-Kurs

Am Devisenmark klettert der EUR/CHF-Wechselkurs auf 1,0510, nachdem er zuvor durch einen Rückfall auf 1,0420 das Nervenkostüm von Franken-Kreditnehmern und der Schweizerische Nationalbank (SNB) testete. Forciert wird der Anstieg von einem Aufwärtsdrang des EUR/USD-Wechselkurs, den es auf 1,10 zieht - nach 1,0460 vor zwei Wochen.

"Die schlechtere Stimmung der Detailhändler nach Aufgabe des Mindestkurses erweist sich als Last", berichtet die UBS. "Wahrscheinlich drückt die Frankenaufwertung nach Aufgabe der EUR/CHF-Untergrenze den Detailhändlern aufs Gemüt. Um einem verstärkten Einkaufstourismus ins Ausland entgegenzusteuern, haben viele Detailhändler Rabattaktionen eingeführt." Neben dem Exportindustrie und dem Tourismus leidet der Schweizer Einzelhandel am stärksten unter der Frankenstärke.

Indes weist die bei der Europäische Zentralbank (EZB) angesiedelte Bankenaufsicht die griechischen Geschäftsbanken an, keine weiteren Staatsanleihen zu zeichnen, die von der Tsipras-Regierung ausgegeben werden. Damit wächst der Druck auf Athen eine Vereinbarung mit den in der Eurogruppe versammelten Geldgebern zu finden. Neuesten Meldungen zufolge soll Athen noch bis zum 20. April ohne Hilfsgelder über die Runden kommen.