Schweizer Franken aktuell - Eurokurs Prognosen 2016/17
+++ Euro sinkt auf 1,0955 Franken - tiefster Stand seit über einer Woche +++

Euro lehnt Avancen aus Paris und Rom ab

Kommt die Genesung der französischen Wirtschaft für den Euro zu spät? Weil die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas spürbar an Wachstumsdynamik hinzugewinnt, wäre ein Anstieg des Euros auf 1,12 Franken angebracht. Stattdessen sinkt der Euro-Franken-Kurs mit 1,0955 auf den tiefsten Stand seit anderthalb Wochen. Auch die italienische Politik hat ihrem Land einen Bärendienst erwiesen.

Neben Frankreich, das im ersten Vierteljahr ein robustes Wachstum von 0,5% auf die Beine stellte und damit die Erwartungen übertraf, kommen gute Nachrichten aus Österreich, Spanien und Italien. Die österreichischen Wirtschaft hat sich ebenfalls belebt. Hier lag das Wachstum bei 0,4%. Das ohne handlungsfähige Regierung dastehende Spanien kommt auf 0,8%. In Italien sinken Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit stärker als erwartet.

Die US-Wirtschaft hinkt weit abgeschlagen hinterher. Sie schaffte in den ersten drei Monaten nach europäischer Berechnungsart lediglich ein Wachstum von 0,125% (0,5% aufs Jahr hochgerechnet). Aus den USA dürfte auch ein Teil des Ungemachs für den Euro-Franken-Kurs kommen. Der US-Dollar sackt gegenüber dem Schweizer Franken immer tiefer unter die Parität, was den Euro-Franken-Kurs, trotz der guten Vorgaben aus dem Euroraum, mit nach unten zieht.


Frankreich und Italien werden jetzt dafür bestraft, dass sie sich extrem viel Zeit ließen, ihre Volkswirtschaften nach der Finanzkrise und der Euro-Schuldenkrise umzubauen. Italiens Politik hatte bis zum letzen Moment versucht Bürgschaften und Umverteilungen herauszupressen. Der von weiten Teilen der Bevölkerung seinerzeit unterstütze Berlusconi ließ die Zinsen auf zehnjährigen Staatsanleihen seinerzeit auf 7% steigen, bevor man eingestand, doch etwas ändern zu müssen.

Die französische Regierung verschenkte drei Jahre, bevor sie umsteuerte. Wäre man in Paris und Rom ein wenig flotter gewesen, hätte man ein größeres Stück von dem seinerzeit noch recht großen globalen Wachstumskuchen abbekommen. Beide Länder könnten heute einigermaßen akzeptable Arbeitslosenraten von 8-9% haben, wären Politiker mit Weitblick am Werk gewesen.

Franken-Kreditnehmer liebäugeln mit Tilgungsträger-Gewinnen

Viel Zeit bleibt nicht, damit der Euro wie von der Bremer Landesbank prognostiziert bis zur Jahresmitte noch auf 1,13 Franken steigt. Auch für den von der britischen Bank HSBC in Aussicht gestellten Rückfall auf 1,05 scheint es sich nicht auszugehen. Franken-Kreditnehmer schauen derzeit weniger auf den Wechselkurs, als vielmehr auf ein mögliches Aktienkaufprogramm der EZB. Dadurch ließe sich die schlechte Performance vieler Tilgungsträger aufpolieren.

Banken-Auguren haben es schwer. Sie geben einen Wechselkursprognose ab, wenig später kommt eine Notenbank und wirft die oft auf sauberen Analysen basierenden Vorhersagen über den Haufen. Das einzige was momentan Hochkonjunktur hat, sind Redebeiträge von Draghi, Yellen und ihren Gefolgsleuten auf Konferenzen und in Fernsehstudios von Finanzsendern.

Bis Jahresende rechnet die Bremer Landesbank mit einem Anstieg des Euros auf 1,16 Franken, während HSBC einen Absturz auf 1,02 Franken prognostiziert. Was sich in diesem Fall anbietet, um die Richtung des Euro-Franken-Kurs abzuschätzen, ist die Bildung eines Mittelwertes. Es würde demzufolge auf einen Eurokurs von 1,09 Franken hinauslaufen.


Als nächstes auf der Einkaufsliste von EZB-Chef Mario Draghi dürften Aktien stehen, sagen die Experten von JPMorgan. "Es ist der logische nächste Schritt", zitiert Bloomberg Nikolaos Panigirtzoglou von der Londoner Niederlassung der größten Bank der USA. 2017 könnte die Europäische Zentralbank gemäß JPMorgan loslegen, Papiere aus Dax, Euro Stoxx 50 und Co. anzukaufen.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Notenbank Aktien kauft. Die Bank von Japan macht das seit Jahren. Ein EZB-Aktienkaufprogramm wäre wiederum eine prima Sache für Franken-Kreditnehmer, die einen mit Aktien gefüllten Tilgungsträger besparen. Ein über die Notenpresse finanziertes Kaufprogramm würde Aktienkursen einen Schub geben und wäre ein weiterer Grund an einem Franken-Kredit in seiner ursprünglichen Form festzuhalten.

Der für viele wichtigste Grund ist der, dass viele wegen den Negativzinsen in der Schweiz derzeit keine Zinsen zahlen. Würden sie in einen Euro-Kredit konvertieren, wäre ist es so sicher wie das Amen in der Kirche, dass ihnen die Banken Zinsen in Rechnung stellten. Erwähnenswert ist ferner, dass die EZB mit ihrer ultralockeren Geldpolitik die Preise für Anwesen und Liegenschaften befeuert. Hauseigentümer dürften somit in den kommenden Jahren einen steten Wertzuwachs haben. Das ist allerdings unabhängig davon, ob man in Euro oder Franken finanziert hat.

Notenbanken-Quartett: Wer hat das ramponierteste Image?

Die Zeiten, in denen Notenbanken mit purer Plauderei das Geschehen an den Finanzmärkten lenken konnten, sind vorbei. Fed und Bank von Japan enttäuschen von ihnen umworbene Großanleger-Groupies. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) als halboffizieller Hedgefonds scheffelt Milliarden für ihre Devisenmarkt-Kriegskasse. Die EZB versucht, sich mit Forderungen nach mehr Regulierungen für den Finanzsektor in der deutschen Öffentlichkeit einzuschleimen.

Die US-Notenbank (Fed) trommelt kraftstrotzend auf der Brust: Man werde trotz einer leichten Abschwächung der US-Wirtschaft bald die Zinsen erhöhen, behauptet Notenbankchefin Janet Yellen. Wann es soweit ist, sagt sie nicht. Die Mär von steigenden US-Zinsen wird langsam peinlich für die Währungshüter. Es ist nur allzu offensichtlich, dass die Fed einzig und allein über höhere Zinsen redet, um bei internationalen Investoren nicht in Ungnade zu fallen.

Großanleger kommen an den USA nicht vorbei, weil in Japan und Europa die Zinsen abgeschafft wurden. Insofern muss sich Yellen keine Sorgen machen. Derweil beließen es die japanischen Währungshüter trotz eines starken Yens beim Status quo. Die Finanzmärkte hatten mit einer Lockerung der Geldpolitik gerechnet. Weil die nicht kommt, trübt sich die Stimmung ein, was vor allem die Aktienmärkte zu spüren bekommen. Gold, Silber und der Schweizer Franken profitieren hingegen.

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"Makroprudenzielle Aufsicht": Mit diesem Vorstoß lässt sich vielleicht das ramponierte Image in Deutschland etwas aufpolieren, denkt sich die Europäische Zentralbank (EZB). Die EZB will Banken zum Vorhalten höhere Kapitalpuffer zwingen und Vermögensverwalter (z. B. Investmentfonds) mit einem Verbot zu tief in die Verschuldung zu gehen belegen. Verbote und Regulierungen dürften in der in Deutschland weit verbreiteten Verbotsmentalität gut ankommen, gerade wenn es um den Finanzsektor geht.

In der Fachwelt ist der von EZB-Vizechef Vitor Constancio vorgebrachte Vorstoß umstritten. Die eine Hälfte der Ökonomen sagt, dass "makropudenzielle Aufsicht" die Risiken von Finanzblasen infolge niedriger Zinsen verkleinere. Die anderen Hälfte ist der Meinung, nur mit Leitzinserhöhungen, die in allen Ritzen des Finanzmarktes wirken, sei das möglich.

Ein Blick in Praxis zeigt, dass Constancios Gerede über "makropudenzielle Aufsicht" viele heiße Luft ist. Die EZB dürfte kaum die Banken, die sie mit ihrem Negativzins an die Wand drückt, weiter belasten. Blieben in der Finanzbranche tätige, sogenannte Nicht-Banken. Und hier gilt: Ein paar neue Regeln für Investmentfonds wären ein Tropfen auf den heißen Stein, zumal es Anzeichen von Überhitzungen auf den Immobilienmärkten gibt, auf denen die Banken - seit neuesten auch die französischen - kräftig mitmischen.


Der Anstieg des Goldpreises hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) im ersten Vierteljahr ein Gewinn von 5,7 Milliarden Franken ausweisen konnte. Die SNB hat nun knapp 67 Milliarden Franken in ihrer Kriegskasse. Damit könnte sie einen Rückfall des Euros unter 1,00 Franken verkraften, ohne pleite zu gehen.

Die Gefahr für die wegen ihrer hohen Gewinn- und Verlustausschläge an einen Hedgefonds mit schlechtem Risiko-Management erinnernde SNB ist aber nicht vom Tisch. Käme es neben einem Wechselkursverlust zu einem Kurseinbruch bei denen von der SNB gehaltenen Aktien und Anleihen, wären die 67 Milliarden Franken schneller weg, als die SNB mit ihrer Notenpresse neue Franken drucken könnte.

CHF-Kredite: Das zweischneidige Schwert Negativzinsen

Negativzinsen entschädigen Franken-Kreditnehmer für den Wechselkursverlust. Sie müssen keine Zinsen mehr auf ihre Kredite zahlen. Nachdem die Zinsen bereits verschwunden sind, wird nun auch der 500-Euro-Schein abgeschafft. Investoren schäumen vor Wut. Die, die wirklich mit Geld umgehen können, sprechen von einem Horror. Franken-Kreditnehmer sind in der Regel Schuldner und Anleger zugleich, weshalb Strafzinsen für sie einem zweischneidigen Schwert gleichkommen.

"Negative Zinsen sind ein Horror. Sie sind die dümmste Idee, die ich je gesehen habe", sagt Jeffrey Gundlach im Gespräch mit der Schweizer Zeitung "Finanz und Wirtschaft". Gundlach gehört zu denen, die sich um die private Altersvorsorge für die breite Masse der Bevölkerung kümmern. Anleger haben ihm 95 Milliarden US-Dollar (85 Milliarden Euro) anvertraut. Gundlach ist Amerikas derzeitiger "Bond-König".

Im Hintergrund ziehen Notenbanker und Finanzindustrie die Daumenschrauben an. Am 4. Mai werde die Europäischen Zentralbank (EZB) darüber entscheiden, wie die Abschaffung des 500-Euro-Scheins vollzogen wird, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Banken behaupten, sie gäben Negativzinsen nicht an Privatkunden weiter. Sie tun das aber de facto schon, weil viele Geldhäuser die Gebühren für die Kontoführung erhöhen.

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Die Finanzarchitektur sei nicht dafür ausgelegt mit negativen Zinsen zu arbeiten, sagt Mohamed El-Erian, Chefberater für Volkswirtschaft bei Allianz Global Investors. "Zentralbanken sind wie Ärzte, sie bleiben immer beim Patienten. Obwohl sie die falsche Medizin haben, verschreiben sie immer weiter", erläutert El-Erian im Gespräch im CNBC.


Für Franken-Kreditnehmer sind negative Zinsen auf den ersten Blick erfreulich. Sind sie doch der Grund, warum man den Zinsdienst einstellen konnte. Die meisten haben neben dem Kredit einen Tilgungsträger mit Aktien und/oder Anleihen am laufen. Die Ansparprodukte halten nicht das, was versprochen wurde. Es werden kaum Zinserträge gutgeschrieben. Darüber hinaus führen negative Zinsen zu sinkenden Aktienkursen.

"Als sie (die EZB) letztes Jahr in die Offensive ging, lautete der Konsens, US-Aktien zu verkaufen und in europäische Titel zu investieren. Diese Strategie hat sich jedoch als katastrophal herausgestellt", streicht Gundlach heraus. Negative Zinsen führen somit dazu, dass im Tilgungsträger weniger angespart wird. Die zumeist endfälligen Franken-Kredite können (auch wegen des Wechselkursverlustes) nicht zur Gänze mit dem angesparten Geld zurückbezahlt werden. Es entstehen Deckungslücken.

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Mit dem Tilgungsträger durchs Tal der Tränen
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