Schweizer-Franken.eu - Eurokurs Prognosen 2017/18
+++ Eurokurs aktuell bei 1,0720 Franken +++
Euro nie wieder über 1,30 Franken?

Konvertieren in Euro wegen Zinsfalle besser unterlassen?

Franken-Kreditnehmer in Österreich und die Schweizerische Nationalbank (SNB) verfolgen die gleichen Interessen. Das gilt weniger für den EUR/CHF-Kurs, den die SNB trotz redlicher Stabilisierungsbemühungen von 1,12 im Februar 2016 auf 1,07 im Januar 2017 nach unten begleitet hat. Bei den Zinsen ist auf die Schweizer mehr Verlass.

"Es ist für uns wichtig, eine Zinsdifferenz zu den Euro-Zinssätzen beibehalten zu können", sagt SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg im Gespräch mit "NZZ am Sonntag". Dass heißt: CHF 1-Monats und 3-Monats-Libor, an die in der Regel die Zinsen von Franken-Fremdwährungskrediten gekoppelt sind, dürften niedriger bleiben als der 3-Monats-Euribor.

Aktuell liegt der CHF 3-Monats-Libor bei -0,73%, der 3-Monats-Euribor bei -0,33%. Der Zinsvorteil eines Franken-Kredits ist in den letzten drei Jahren größer geworden. Das lag vor allem an der Mindestkurs-Aufhebung, die die SNB zwang, den Franken stärker über die Negativzins-Schiene vor einer übermäßigen Aufwertung zu bewahren.


Anfang 2014 lag der CHF 3-Monats-Libor bei 0,05% und der 3-Monats-Euribor bei 0,30%. Die Geldmarktzinsen waren in der Schweiz seinerzeit 0,25% niedriger als in der Eurozone. Anfang 2017 sind es 0,40%. Damit ist der Anreiz, in einen Euro-Kredit zu konvertieren, gesunken. Es gibt einen weiteren Grund im Franken zu bleiben.

Banken versäumten es in die Franken-Altverträge zu schreiben, dass man auch Zinsen kassiert, sollten sich Marge und Negativzins ausgleichen. Diesen Riesenfehler, der die Banken in Österreich noch Milliarden kosten könnte, wird ihnen bei Umschuldungen in Euro-Finanzierungen gewiss nicht noch einmal unterlaufen.

Wer konvertiert, dürfte also im jeden Fall die Marge zahlen, die in der Regel bei 0,60-1,20% liegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der 3-Monats-Euribor nun bei -0,33% ist oder noch tiefer fällt. Eine Verrechnung von negativen Zinsen mit der Marge ist für die Geldhäuser ein ziemlich unrentables Geschäft.

Banken tun einfach so, als gäbe es kein Negativzins. Sie erfinden einen Indikator 0, der gilt, solange der Euribor negativ ist. Damit kommen sie möglicherweise beim Obersten Gerichtshof durch. Letztendlich ist aber der Europäische Gerichtshof zuständig. Und der hat gerade in Spanien, wo Banken bei Hypothekenkrediten mit den Zinsen getrickst hatten, zugunsten der Kreditnehmer entschieden.

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Beim Wechselkurs halten sich die Schweizer bedeckt. "Wir intervenieren, wenn wir das für geldpolitisch sinnvoll erachten", sagt Zurbrügg. Das kann heißen, dass man den Euro erst einmal bei 1,07 Franken hält. Es kann aber auch bedeuten, ihn weiter nach unten zu begleiten. Im zweiten Fall dürfte es die SNB als ihre Hauptaufgabe ansehen, dass die Abwärtsbewegung einigermaßen langsam und geordnet vonstatten geht.

EUR/CHF-Ausblick 2019

Den Wechselkursprognosen von zwei Großbanken zufolge wird der Euro gegenüber dem Schweizer Franken in den nächsten zwei Jahren deutlich steigen. ABN Amro rechnet bis Anfang 2019 mit einem EUR/CHF-Kurs bei 1,15. Die Scotiabank sagt 1,13 voraus. Gemessen am aktuellen Kursniveau von 1,07 hat die Gemeinschaftswährung demzufolge Potenzial 6% stärker zu werden.

Was für einen stärkeren Euro spricht:
  • Ein fairer EUR/CHF-Kurs basierend auf der Kaufkraftparität liegt gemäß den Berechnungen der UBS bei 1,25. Der Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sieht den Euro die gleiche Kaufkraft entfalten wie den Franken bei einem Kurs von 1,23. Er würde sich nach eigenen Aussagen aber bereits mit 1,15 zufrieden geben.

  • Wer dem Euro treu bleibt, bekommt zwar mickrige Zinsen, in der Schweiz gibt es aber gar nichts. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) werde auch zukünftig sicher gehen wollen, dass der Schweizer Geldmarktsatz tiefer läge als der Geldmarktsatz in der Eurozone, sagt die St.Galler Kantonalbank.

  • 2016, als knapp eine Million Arbeitsplätze in der Eurozone entstanden, war vielleicht erst der Anfang. Das Wirtschaftswachstum des Währungsblocks könnte in den kommenden Jahren nahe 2% bleiben. Dadurch verschwänden alle Probleme. Beim Beschäftigungsaufbau ist noch viel Platz nach oben. Die Arbeitslosenrate in der Eurozone würde von aktuell 10% auf das Niveau von vor 2008 bei 8% sinken.


Eine Rückkehr des Euro auf 1,33 Franken, der Mitte zwischen dem Hoch vom Oktober 2007 bei 1,68 Franken und dem Tief vom Januar 2015 bei 0,98 Franken, hält kein Devisenexperte für möglich. Das liegt auch daran, dass der Euro und seine Vorgängerwährungen auf Sicht von Jahrzehnten dazu tendieren gegen den Franken schwächer zu werden.

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