Schweizer-Franken.eu - Eurokurs Prognosen 2016/17
+++ Euro am Montagnachmittag etwas leichter bei 1,0935 CHF +++
TTIP-Zankerei schadet der Eurozone...>

EUR/CHF ist so gefestigt, dass er TTIP-Scheitern abschüttelt

Die Konsequenzen des Brexit lassen sich nicht verniedlichen. Nachdem sich in Deutschland und Frankreich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe eingetrübt hat, verschlechtert sich nun auch die Lage in Italien. Der deutsche Vizekanzler erklärt das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA für gescheitert. Auch das ist nicht hilfreich. Der Euro sinkt zwar von 1,0960 auf 1,0925 Franken. Es gibt aber auch ein sehr ermutigendes Signal für den Wechselkurs.

"Die Verhandlungen mit den USA sind de facto gescheitert, weil wir uns den amerikanischen Forderungen natürlich als Europäer nicht unterwerfen dürfen."

So äußert sich Sigmar Gabriel, der nach Angela Merkel zweitwichtigsten Figur in der deutschen Politik, im Fernsehsender ZDF.

Für die Wirtschaft Eurozone wird es aus 3 Gründen eng:
  1. Großbritannien geht aus der EU. Das hat negative Konsequenzen für die Eurozone, weil die britische Wirtschaft nach Deutschland die zweitgrößte Europas ist. Die pragmatische Herangehensweise der Briten in wirtschaftlichen Angelegenheiten wird man in der EU sträflich vermissen. Die EU wird ein Ort sein, wo es wieder mehr um solche Sachen wie Agrarsubventionen geht.

  2. Kommt TTIP nicht, ist das eine Art Rückfall in Protektionismus (Stillstand ist Rückschritt). Die USA hätten von TTIP gemäß Studien von Forschungsinstituten in puncto Wachstum zwar stärker profitiert. Allerdings hätte mit TTIP mehr Wettbewerb in der EU Einzug erhalten und es wären neue Arbeitsplätze entstanden. Die lateinischen Euroländer hätten sich etwas mehr anstrengen müssen, um von wirtschaftlich erfolgreichen Ländern wie Tschechien und den baltischen Staaten, die weitaus weniger EU-Fördergelder bekamen, nicht abgehängt zu werden.

  3. EU und USA werden wohl künftig öfter aneinander geraten, da die Briten nicht mehr zwischen beiden vermitteln. Momentan gibt es Reibereien, weil die EU-Kommission von der Firma Apple womöglich Steuernachzahlungen von bis zu 17 Milliarden Euro fordert. Nachdem sich die Amerikaner mit ihrer Finanzjustiz europäische Banken vorgeknöpft haben, könnten sie als nächstes Europas Automobilindustrie und deren Zulieferer, die wegen ihres Technologievorsprungs gutes Geld in den USA verdienen, gezielt abschwächen.

Am Optionsmarkt hat sich derweil die Stimmung gegenüber dem Euro verbessert und zum Schweizer Franken etwas eingetrübt. Das sogenannte 25-Delta Risk Reversal für einmonatige EUR/CHF-Optionen klettert von -1,25% auf -1,15%. Es ist der erste Anstieg seit vielen Wochen. Zwar ist ein positiver Wert, der anzeigen würde, dass das Sentiment zugunsten des Euros gedreht hat, noch recht weit entfernt. Allerdings sollte der Euro-Franken-Kurs dennoch steigen, vorausgesetzt das Minus verkleinert sich weiter.

Während das Sentiment dem Euro zuträglicher wird, bereitet die Charttechnik etwas Kummer. Der Eurokurs hat zwar durch seinen Anstieg am Freitag auf 1,0960 Franken nach mehreren Anläufen den hartnäckigen Widerstand bei 1,0940 Franken geknackt. Nun muss er aber unter Beweis stellen, dass es sich nicht um eine Eintagsfliege handelt. In den nächsten Tagen geht es darum über 1,0940 zu bleiben.

Muss Deutschland Verzicht üben, um die Eurozone zu retten?

Der Schlagabtausch zwischen Deutschland auf der einen, und der EZB und beinahe dem ganzen Rest der Eurozone auf der anderen Seite, geht in die nächste Runde. Niedrigzinsen sind schädlich, sagt Wolfgang Schäuble. An die supertiefen Zinsen sollte sich Deutschland besser gewöhnen. Denn die werde man künftig immer wieder einsetzen, kontert Mario Draghis rechte Hand, EZB-Direktor Benoit Coeure.

"Auf Dauer sind die Folgen von Niedrigzinsen oder gar negativen Zinsen schädlich - etwa bei der Vorsorge fürs Alter", so Deutschland Finanzminister in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint man dieser Sorge einigermaßen gleichgültig gegenüber zu stehen. Ein Blick auf die Entwicklung der Wirtschaftsleistung zeigt warum.

Deutschlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) eilt davon: Bei etwa 3,9 Billionen US-Dollar liegt das deutsche BIP inzwischen. Dahinter kommt lange Zeit nichts. Frankreich ist weit abgeschlagen auf Platz 2 mit 2,7 Billionen US-Dollar. Italien liegt bei 2,1 Billionen Dollar. Die deutsche Wirtschaft ist knapp 50% größer als die französische und beinahe doppelt so groß wie die italienische.


Dass die EZB nun ihre Aufgabe darin sieht den Abstand zu verkleinern, kann man nachvollziehen. Und so sagt Coeure auch, dass man künftig immer wieder die Zinsen an das untere Ende drücken werde. Würde die EZB das nicht machen, bekämen Frankreich und Italien mit ihren Schuldenbergen Probleme, und fielen infolge beim Wachstum noch weiter hinter Deutschland zurück.

Aus der Sicht der EZB wäre es das Beste, hätte Deutschland eine so träge Wirtschaft wie in der ersten Hälfte der 00er-Jahre. Doch danach sieht es nicht aus, auch weil die Kriegskasse von Schäuble prall gefüllt ist. Er kann gegen etwaige konjunkturelle Abschwünge mit den berühmten Konjunkturprogrammen auf Pump (wie Kurzarbeitergeld) sehr viel entschiedener vorgehen als das hochverschuldete Frankreich und Italien.

Schäuble sagte bezüglich dem Fetisch der Finanzmärkte auf Wirtschaftswachstum zuletzt einen bemerkenswerten Satz: "Eigentlich brauche Europa nicht mehr so viel Wachstum", so der Finanzminister in der "Der Zeit". Damit signalisiert er, dass Deutschland zum Verzicht bereit ist, um die Eurozone zusammenzuhalten.

Die Regierenden in Frankreich und Italien sind allerdings mit ihrem verklärten Verständnis, wie man zu mehr Arbeitsplätzen und Wachstum kommt, inzwischen zu weit herausgerudert. Sie können selbst diese Steilvorlage nicht nutzen, um endlich aufzuholen. Aus ihrer Sicht ist es gemütlicher die EZB vor den Karren zu spannen.

Devisenmarkt verrät wie der EUR/CHF durchstartet

Der Euro steigt mit 1,0960 Franken auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Am Devisenmarkt schwenkt der Kurs auf "Alles wird wieder gut" um. Nach acht Jahren ultralockerer Geldpolitik möchte man dieses Kapitel schließen. Amerika geht voran und demonstriert Leadership. Es geht um die Frage: Geläuterte Notenbanker oder Zauberlehrlinge? Das sei mal wieder so eine typische Yellen-Ente, sagen jene, die den Interventionisten nicht über den Weg trauen. Wohin es mit dem Euro-Franken-Kurs geht, wird aber ganz woanders entschieden.

Jetzt ist der Weg nach oben frei: Der Euro knackt 1,0940 Franken und legt sogar einen Wochenschlusskurs über diesem hartnäckigen Widerstand hin. Dazu kommt es, nachdem Janet Yellen auf der geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole unterstreicht, dass ihre Fed auf eine zweite Zinserhöhung zusteuert.

Die Symbolik des Ortes ist nicht zu unterschätzen. Hier schwor der frühere Fed-Chef Ben Bernanke die Märkte einst auf QE3, dem bisher umfangreichsten Wertpapierkaufprogramm in der Geschichte der USA, ein. Draghi kündigte hier vor zwei Jahren den Burgfrieden mit Angela Merkel auf, als er Konjunkturprogramme auf Pump forderte. Seitdem versucht die EZB-Technokratie aus dem deutschen Parlament Konjunkturprogramme herauszupressen.

Vor Yellens Auftritt in Jackson Hole galt:
Die Fed tut so, als ob sie die Zinsen erhöhen könnte. Tatsächlich heckt sie jedoch die nächsten Lockerungen aus. Man behauptet, dass es der US-Wirtschaft besser geht, als es tatsächlich der Fall ist. In ein paar Monaten, wenn es womöglich die ersten Jobverluste gibt, muss die Fed dann einräumen, dass sich die Konjunktur abkühlt. Das ist dann die erste massive, verbale Lockerung der Geldpolitik.

Kommt es anschließend in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zu Rückgängen der US-Wirtschaftsleistung, senkt die Fed den Leitzins wieder auf 0,00%. Ferner kündigt sie Wertpapierkäufe an und setzt QE4 wenige Monate später in die Tat um. Die Fed muss es in erster Linie mit Ankündigungen richten. Als die US-Konjunktur vor zwei Jahren wirklich stark war, versäumte man es die Zinsen zu erhöhen. Deswegen hat die Fed nun kaum Spielraum mit klassischen Zinssenkungen gegen eine Rezession anzugehen.

Nach Yellens Auftritt in Jackson Hole: Wird wieder alles gut?
Es kommt zu einer Normalisierung der US-Geldpolitik. In einem ersten Schritt schwächt sich der Schweizer Franken gegen den US-Dollar wegen höheren Zinsen in den USA ab. Danach beginnt die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer Normalisierung (Auslaufen der Anleihekäufe), so dass der Franken auch zum Euro schwächer wird. Die SNB kann an ihrer expansiven Geldpolitik am längsten fest, weil die Inflation in der Schweiz am tiefsten ist. Infolge schwächt sich der Franken auf 1,20, 1,30 oder 1,40 per 1 Euro ab.

Um einzuschätzen, ob es auf das Szenario "Alles wird wieder gut" hinausläuft, gilt es EUR/CHF-Devisenoptionen zu verfolgen. Noch sind Devisenoptionen für einen Schweizer Pharmariesen, der in die Eurozone exportiert, einen Zahlungseingang in Euro erwartet und sich gegen einen Rückfall des Euro-Franken-Kurses absichern will, recht teuer. Optionen für einen deutschen Autobauer, der in die Schweiz exportiert, einen Zahlungseingang in Franken erwartet und sich gegen einem steilen Anstieg des Euro-Franken-Kurses absichern will, sind hingegen deutlich billiger.

Der Euro-Franken-Kurs hätte grünes Licht für einen Anstieg, wenn der Schweizer Pharmariese für den Erwerb von Absicherungsoptionen mehr bezahlen müsste, als der deutsche Autobauer. Das war das letzte Mal im Februar 2016, als das Wachstum in der Eurozone deutlich höher war als in der Schweiz und 1 Euro bis zu 1,12 Franken wert war, der Fall.

Overshooting: So nimmt der Euro die Treppe zum Himmel

Kommt da noch etwas? Der Euro steigt mit 1,0925 Franken auf den höchsten Stand seit zwei Wochen. Es ist kein Geheimnis, dass die Währungshüter wie das Kaninchen auf die Schlange auf die Kreditvergabe starren. Von da kommen jetzt ermutigende Signale. Läuft es auf ein Überschießen (einem Phänomen, das es immer wieder am Devisenmarkt gibt) des Euros über 1,12 Franken hinaus?

Die Kreditvergabe an den Privatsektor erhöhte sich im Juli 2016 um 1,7% - nach 1,5% im Juni 2016, teilt die Europäische Zentralbank (EZB) mit. Klammert man Banken und Finanzdienstleister aus, stieg die die Kreditvergabe sogar um 1,9%. Das ist genau das, was Draghis Interventionisten sehen wollen.

Auf der nächsten EZB-Sitzung in knapp zwei Wochen dürften die Interventionisten demzufolge nicht in die Gruselkiste greifen. Man wird einen noch tieferen Einlagenzins von -0,50%, eine Verlängerung der Wertpapierkäufe um ein halbes Jahr und eine Aufstockung dieser um 10 Milliarden auf 90 Milliarden Euro pro Monat vorerst nicht herauszuholen.


Für den Euro-Franken-Kurs ergeben sich zwei Szenarien:
  1. Der Euro steigt über eine hartnäckige Widerstandszone bei 1,0925-1,0940 Franken, an der er seit dem Brexit bereits viermal zurückprallte. Danach zieht er auf 1,12 Franken (Hoch vom Februar 2016) durch und knackt schließlich aus diese Marke (Überschießen).

  2. Mehr als ein Anstieg auf 1,10-1,11 ist als Reaktion darauf, dass die EZB im September etwas vom Gaspedal geht, nicht drin. Man darf sich einigermaßen vor der Reaktion der Finanzmärkte fürchten, wenn ihnen klar wird, dass sie von Draghi vorübergehend auf Entzug gesetzt wurden.

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