"Euro fällt auf 1,0845 US-Dollar. Tiefster Stand seit elfeinhalb Jahren" (06.03.2015)

Magische Hand hält Euro über 1,06 Franken

Ein ausgezeichneter US-Arbeitsmarktbericht wirbelt den Devisenmarkt durcheinander. Der Eurokurs sinkt auf ein Rekordtief bei 1,0860 Dollar. Die Lage gegenüber dem Schweizer Franken stellt sich für die Gemeinschaftswährung sehr viel entspannter da. Eine magische Hand lässt es nicht zu, dass sich der Euro-Franken-Kurs in einer Abwärtsspirale verfängt.

Nach einen kurzen Rücksetzer von 1,0760 Franken auf 1,0640 Franken orientiert sich der Euro wieder nach oben. Aktuell notiert das Devisenpaar bei 1,0680. Es fließen offenbar weiterhin hohe Summen aus der Schweiz in den Euroraum. Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass für den Euro-Franken-Kurs derzeit ein Abrutschen unter 1,06 nicht in Frage kommt.

In den USA wurden im Februar 2015 außerhalb der Landwirtschaft 295.000 neue Jobs geschaffen. Das waren deutlich mehr als die von Volkswirten erwarteten 240.000. Die Arbeitslosenrate sank um 0,2 Prozent auf 5,5 Prozent. Die guten Vorgaben der US-Wirtschaft nutzt der Dollar um gegenüber dem Schweizer Franken aufzuwerten. Der USD/CHF-Kurs steigt auf 0,9830.


Neue Inflationszahlen ermutigen den Euro-Franken-Kurs die mit der Mindestkurs-Aufhebung erlittenen Verluste aufzuholen. Die jährliche Inflationsrate der Schweiz brach im Februar 2015 auf -0,8 Prozent ein. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnte sich nun gezwungen sehen ihre Leitzinsen tiefer ins negative Terrain zu verschieben, um eine Deflationsspirale zu bekämpfen.

Dies dürfte dazu beitragen, dass Anleger noch mehr Geld aus der Schweiz abziehen. Darüber hinaus würden Franken-Kreditnehmer mit etwas höheren Zinsaufschlägen profitieren.

Schweiz hat ihre Liebe für den Euroraum neu entdeckt

Der Euro-Franken-Kurs reagiert auf neue Vorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB) mit einem Anstieg. Die Devisennotierung klettert von 1,0630 auf 1,0750 (+1,13 Prozent). Von einem Absturz des Euros auf ein 11-Jahrestief bei 1,0987 Dollar lässt sich das EUR/CHF-Währungspaar nicht beeindrucken. Hintergrund dürften Schweizer Vermögensverwalter sein, die enorme Barmittel in die Aktienmärkte des Euroraums pumpen.

Die EZB werde ab dem 9. März 2015 mit dem Kauf von Staatsanleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro pro Monat beginnen. Das teilte Notenbankchef Mario Draghi nach der EZB-Ratssitzung, die diesmal in Nikosia auf Zypern stattfand, mit. Man werde die Käufe solange fortsetzen, bis die Inflation wieder auf knapp zwei Prozent gestiegen ist.

Ferner verlas der Italiener neue Wachstumsprognosen für den Euroraum. Für das laufende Jahr hebt EZB-Chefökonom Peter Praet den zu erwartenden Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,0 Prozent auf 1,5 Prozent an. Für 2016 rechnet man mit 1,9 Prozent Wachstum (bisher 1,5 Prozent). Die gerade neu erstellte Prognose für 2017 liegt bei 2,1 Prozent.

Die deutlich erhöhten BIP-Prognosen dürften der zentrale Grund sein, warum der Euro gegenüber dem Schweizer Franken derzeit steigt. In Anbetracht des rosigen Konjunkturbildes kommen Schweizer Vermögensverwalter nicht mehr daran vorbei, Geld in die Aktienmärkte des Euroraums zu pumpen. Die Kapitalflüsse dürften, anders als die den Euroraum erreichenden Zuströme aus den USA, nicht währungsabgesichert sein, weshalb der Euro-Franken-Kurs steigt.

Auch die Amerikaner sind dabei große Summen in die europäischen Märkte zu investieren. Sie sichern sich aber gegen eine Euro-Abwertung mit Gegengeschäften ab, so dass die Zuflüsse den Euro nicht stützen. Der Euro-Dollar-Kurs fällt sogar, weil am Rentenmarkt Euro-Staatsanleihen verkauft werden und der Erlös und in höher verzinsliche US-Anleihen gesteckt wird.

Schweizer Vermögensverwalter haben hingegen keinen Grund sich vor einem Absturz des Euros gegenüber dem Franken abzusichern, weil es einen solchen vor knapp zwei Monaten durch die Aufhebung des Mindestkurses gerade erst gegeben hat. Konsensmeinung unter Anlegern ist, dass der Euro auf seinem aktuellen Niveau bei 1,07 Franken unterbewertet ist.

Ein Schweizer Fondsmanager, der Aktien aus dem Euroraum kauft, hat damit drei lukrative Einnahmestränge:

1) Kursgewinne:
Trotz des Anstiegs auf über 11.500 Punkte ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax mit derzeit 15 noch nicht einmal halb so hoch wie beim Platzen der New-Economy-Blase Anfang 2000.

2) Dividenden:
Die europäischen Konzernchefs könnten es den amerikanischen gleichtun, in dem sie die ihnen zur Verfügung stehenden enormen Barmittel über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückführen.

3) Wechselkursgewinne:
Wenn der Fondsmanager seine Aktien aus dem Euroraum wieder verkauft und die Euros zurück in Franken tauscht, stehen die Chancen gut, dass der Euro-Franken-Kurs höher steht als 1,07.

Schweizer Politik will Mindestkurs-Renaissance

In Anbetracht seiner massiven Kursverluste zum US-Dollar hält sich der Euro wacker gegenüber dem Schweizer Franken. Der EUR/CHF notiert aktuell bei 1,07. Die Stabilität dürfte in Zusammenhang mit Gerüchten über einen neuen Mindestkurs stehen. In der Schweizer Politik will man sich mit der gegenwärtigen Situation nicht abfinden, weil zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

"Allenfalls könnte auch ein neuer Mindestkurs erwogen werden. Dieser wäre allerdings nur dann durchführbar, wenn die SNB entsprechend glaubwürdig wäre", heißt es in einem Positionspapier von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Verantwortlichen in der Schweiz die Akzeptanz eines neues Mindestkurses in der Öffentlichkeit abklopfen.

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Als ein Regierungssprecher zu dem Thema befragt wird, weigert er sich die Mindestkurs-Ausführungen in dem Positionspapier zu kommentieren. Ferner lässt er wissen, dass die Berner Regierung keine Forderungen an die Schweizerische Nationalbank (SNB) über die Einführung eines neuen Mindestkurses gerichtet habe.

Hinter den Kulissen nimmt es man mit der gesetzlichen verankerten Unabhängigkeit der SNB offenbar nicht so genau.

Der zentrale Faktor für die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft sei und bleibe die Geldpolitik der SNB. Alle anderen Instrumente hätten bestenfalls zweitrangig mildernde Wirkung, schlussfolgern Ammann und Widmer-Schlumpf, die sich damit zu glühenden Verfechtern eines weiteren Mindestkurses machen.

Der Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank hält eine Mindestkurs-Renaissance für aussichtslos."Ein neuer Mindestkurs würde als Einladung an jeden spekulativen Devisenhändler dieser Welt verstanden werden, erneut gegen die SNB zu wetten", so Leuchtmann.

Gemäß den aktuellen Schweizer Prognosen der Commerzbank wird der Euro bis Ende März 2015 auf 1,01 Franken und bis Ende Dezember 2015 auf 0,98 Franken sinken.

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10 nigelnagelneue Schweizer Franken Prognosen

Das A und O der Fremdwährungskredit-Zinsaufschläge

Österreichische Franken-Kreditnehmer schauen derzeit auf den Referenzzinssatz der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Ihre Kreditzinsen sind an den 3-Monats-Libor (oder an den 1-Monats-Libor) der SNB gekoppelt. Der 3-Monats-Libor liegt aktuell bei -0,85 Prozent. Je nach Höhe des Risikoaufschlages kommt es nun darauf an, ob man etwas etwas zahlen muss oder nicht.

"Viele Franken-Kredite sehen vor, dass die Kreditnehmer jährlich Zinsen in Höhe dieses Libors plus 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte Aufschlag bezahlen müssen", heißt es im 4. Absatz eines Artikels von "Die Presse" über die Thematik der Negativzinsen.

Nimmt man beispielsweise einen Zinsaufschlag am oberen Ende der angegebenen Spanne von 0,7 Prozent, dann müsste ein typischer Franken-Kreditnehmern keine Zinsen bezahlen. (-0,85% + 0,7% = -0,15%). Die Bank würde einen symbolischen Sollzins von 0,00001 Prozent berechnen.

Freilich gibt es auch Kreditnehmer, die einen höheren Zinsaufschlag in ihren Kreditverträgen stehen haben. Wer beispielsweise 1,1 Prozent zuzüglich 3-Monats-Libor mit seiner Bank vereinbart hat, für den geht es sich nicht ganz aus. Zählt man 3-Monats-Libor und Kreditaufschlag zusammen (-0,85% + 1,10% = 0,25%), bleibt ein Zinsspanne zu Gunsten der Bank von einem Viertelprozent.

Zum Thema: Franken-Kreditnehmer profitieren vom Zinsspektakel

Einen allgemein verbindlichen/durchschnittlichen Risikoaufschlag für österreichische Franken-Kreditnehmer gibt es nicht. Jede Bank hat bei der Kreditvergabe die Bonität des Kreditnehmers im Rahmen einer so genannten Kreditwürdigkeitsprüfung individuell ermittelt. Dabei gilt: Je besser die Bonität, umso niedriger ist der Risikoaufschlag.

Die Bonität kann man neben der Vorweisbarkeit eines regelmäßigen Einkommens durch zusätzliche Sicherheiten, wie Grundstücke oder einen Bürgen, verbessern.

In der heutigen Praxis füttert ein Bankberater ein spezielles Computerprogramm mit den Daten des Kreditnehmers (Einkommen, Alter, Beruf, Familienstand, Sicherheiten etc.). Der Computer rechnet sodann den Risikoaufschlag aus. Wer jetzt gut verhandelt, kann den Aufschlag noch ein wenig drücken

Als Verhandlungsmasse nach der Ausrechnung des Risikoaufschlages könnte man den Bankberater mit der Aussicht auf weitere Geschäfte (z.B. Aktiensparen, Schließfach anmieten etc.) dazu bewegen, den Risikoaufschlag etwas zu senken.

EUR/CHF sinkt nach Merkels Säbelrasseln auf 1,06

Über dem Euro-Franken-Kurs ziehen dunkle Wolken auf. Die Devisennotierung sinkt von 1,0760 auf 1,0630 (-1,21 Prozent), nachdem Angela Merkel neue Sanktionen gegen Russland ins Gespräch bringt. Am Devisenmarkt keimt eine generelle Euro-Schwäche auf. USA-Reisende müssen so tief in die Tasche greifen wie seit mehr als elf Jahren nicht mehr.

Man sei gut vorbereitet schärfere Sanktionen gegen Russland zu verhängen, sollte das Abkommen von Minsk scheitern, sagte Merkel bei einem Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. Das Säbelrasseln kommt dem als sicheren Hafen wahrgenommen Schweizer Franken zu Gute.

1 Euro ist inzwischen nur noch 1,1060 US-Dollar wert. Das ist der niedrigste Stand seit September 2003. Während sich der Euro-Dollar-Kurs nicht von seiner Talfahrt abbringen lässt, kommt es zu einer Achterbahnfahrt beim Euro-Franken-Kurs. Die Devisennotierung klettert in wenigen Augenblicken von 1,0635 auf 1,0725 und taucht danach auf 1,0630 ab.

Weil die Chancen gut stehen, dass spekulative Markteilnehmer und computergesteuerte Handelssystemen den Euro nun unter die psychologische Marke von 1,10 Dollar bugsieren, dürfte es der Euro zum Schweizer Franken schwer haben.

Sollte der Eurokurs an einer charttechnischen Unterstützung bei 1,0600-1,0610 Franken keinen Halt finden, wäre da immer noch die Schweizerische Nationalbank (SNB). Thomas Moser, stellvertretendes Mitglied des SNB Direktorium, ließ letzten Freitag in St. Gallen verlauten, dass die SNB den Franken bei Kursen unter 1,04 als massiv überbewertet sieht.

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