Schweizer-Franken.eu - Prognosen EUR/CHF-Kurs

Euro bleibt trotz hoher Risikobereitschaft bei 1,13 kleben

Der Euro kann sich erst etwas absetzen, und so steigt er im Hoch auf 1,1340 Franken. Anschließend geht es wieder runter. Ein Wochenschlusskurs von 1,1300 ist unter dem Strich enttäuschend, zumal die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten aktuell eine Renaissance erlebt. Springt der Funke auf den EUR/CHF-Kurs doch noch über, könnte der Anstieg auf 1,20, wie in Credit Suisse und UBS für 2019 voraussagen, kommen.

Deutschlands Außenminister Heiko Maas sagt, man könne die Brexit-Austrittsvereinbarung noch einmal aufschnüren. "Letztlich geht es ja darum, ob der Vertrag nochmal aufgemacht werden soll", so Maas im ZDF. "Darüber wird man jetzt reden müssen." In einem Brief an die britische Zeitung "The Times" schreiben die deutschen Parteichefs von CDU, SPD und Grünen: "Unsere Tür wird immer offen bleiben."

Redebereitschaft signalisiert auch die Trump-Regierung. Die von den USA auf chinesische Waren verhängten Zölle könnten wieder abgeschafft werden, bietet US-Finanzminister Steve Mnuchin laut dem Wall Street Journal an. Darüber hinaus signalisiert der einflussreiche Chef der New Yorker Notenbank, John Williams, es mit geldpolitischen Straffungen künftig vorsichtiger angehen zu lassen.

EUR/CHF-Ausblick bis März 2019

Die Bodenbildung droht ein Rohrkrepierer zu werden. Zur Erinnerung: Der Euro prallte im September 2018 und gleich Anfang 2019 bei 1,1180 Franken nach oben zurück. Da die beiden Zurückpraller vier Monate auseinander liegen, sprechen Charttechniker von einer lehrbuchartigen Bodenbildung, die Ausgangspunkt für einen Anstieg des Euros auf 1,15-1,20 Franken sein kann. Doch daraus wird bisher nichts. Das Problem: Die Euro-Gegner schaffen es den Wechselkurs auf Distanz zu halten.

Ein großes Hindernis für den Euro sind niedrige deutschen Zinsen. 10-jährige Bundesanleihen rentieren bei lediglich 0,21%. Als der Euro im April 2018 auf 1,20 Franken stieg, war der deutsche Referenzzins dreimal so hoch. Auf der anderen Seite gilt es hervorzuheben: Die Zinsen in Euroländern mit sehr hohen Staatsschulden (Italien und Portugal) sind ebenfalls deutlich gesunken. Das ist eine gute Nachricht für den Euro. Sinkende Sätze in Italien bedeuteten auch, dass der Teufelskreis aus schwachen Bankenbilanzen und hohen Staatsschulden am pausieren ist.

Debasing the Currency: Euro wird weiter 2019 verwässert

Aktuell kommen für den 1,13 Franken kostenden Euro die Probleme aus dem Inneren der Währungsunion. Italiens Banken geraten unter Druck. Das Wirtschaftswachstum der Eurozone ist dabei sich auf seinem Normalpegel bei etwa 1% einzupendeln. Die Vorgaben aus den USA und China, den wichtigsten Exportkunden der Eurozone, sind hingegen positiv. Peking kündigt Steuererhöhungen an. An der Wall Street sind Kurse und Risikobereitschaft seit Weihnachten am steigen.

"2019 sehen sich Italiens Banken ohne EZB-Hilfe einer Finanzierungskrise gegenüber", berichtet Reuters. Das italienische Finanzsystem sei schlecht gerüstet, um ein Abtauchen der Wirtschaft in eine Rezession zu verhindern. "Italiens Banken kämpfen nach wie vor mit den faulen Krediten des letzten Abschwungs und bei einem erneuten (Abschwung) bestünde die Gefahr, dass neue faule Kredit hinzukämen."

Alle warten nun darauf, dass die EZB ein neues Langfristkredit-Programm (TLTRO) auflegt, damit Banken und Wirtschaft nicht schon in diesem Jahr absaufen. Für die Beobachter des Euro-Franken-Kurses dreht geht es um zwei Fragen:
  1. Wann kommt der Notenpressen-Bailout für Italien?
  2. Profitiert der Euro oder der Schweizer Franken??
zu 1)
Schmeißt Draghi bereits jetzt die Notenpresse zur Rettung der von ihm früher beaufsichtigten Geldhäuser an, geht es sich bis zum Ende seiner Amtszeit womöglich nicht aus. Die Rettungsgelder könnten Ende 2019 verpulvert sein und viele Banken Italiens erneut vor dem Problem stehen, dass sie nur von staatlichen Akteuren Geld bekommen. Auf der anderen Seite gilt: Je tiefer die Aktienkurse von Unicredit und Co. purzeln, umso teurer wird die Rettungsaktion.

zu 2)
In der Eurozone schmeißen sie bei Problemen stets die Notenpresse an. Das sei an sich nicht weiter tragisch, Japan mache doch mit seinem dauerhaften Tiefstzins und dem Ankauf von Staatsanleihen dasselbe, sagen die Befürworter dieser Politik. Japan hat aber sehr viel höhere Ersparnisse im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsleistung. Die Unternehmen haben weltweit die höchsten Barreserven und Arbeitslosigkeit gibt es keine. Japan ist damit ungleich robuster als die Eurozone, in der sich neben Wackel-Banken auch sehr viele schwache Unternehmen tummeln.