Schweizer-Franken.eu - Eurokurs Prognosen 2017/18
+++ Euro steigt auf 1,0686 Franken (3-Wochenhoch) +++
Der Euro braucht nicht länger ein Schweizer Stützkorsett...>

Teufel steckt im Detail: Euro freut sich auf März

Die Euro-Skeptiker sind schiefgewickelt, und so steigt der EUR/CHF-Kurs Richtung 1,07. Wegen einer irreführenden Interpretation über die Devisen-Statistiken der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat der Euro Platz nach oben. Die SNB muss allen Anscheins nach weitaus weniger den Euro stützen als viele meinen.

Deutsche Bank und Commerzbank rechnen mit 1 Euro = 1 Franken (Parität). Beide Geldhäuser sehen die SNB mit ihren Interventionen am Devisenmarkt an ihre Grenzen stoßen. Schaut man sich die Statistiken der SNB, die Aufschluss über ihre Euro-Stützungskäufe geben, genauer an, interveniert die Notenbank kaum.

Die Sichtguthaben der Banken und des Bundes bei der SNB erhöhten sich im Januar von 530 Milliarden auf 535 Milliarden Franken. Weil diese Statistik eine Richtschnur ist, wie stark die SNB den Euro gestützt hat, ging die Börsenpresse davon aus, dass die Devisenreserven der SNB um etwa 5 Milliarden Euro angewachsen sind. Tatsächlich fielen sie aber um 1 Milliarde Franken.


Die Sichtguthaben setzen sich aus den Giroguthaben der inländischen Banken und übrigen Guthaben auf Sicht zusammen. Bei letzteren handelt es sich hauptsächlich um Guthaben staatlicher Pensionsfonds.

Um die Entwicklung der Devisenreserven abzuschätzen, sind die Giroguthaben der Banken entscheidend. Interveniert die SNB, kauft sie Banken Euros ab und schreibt den Gegenwert in Franken den Giroguthaben gut. Wer die Guthaben des Bundes miteinbezieht, arbeitet ungenau, zumal zu Jahresbeginn die kleine Säule der Sichtguthaben, unabhängig von Devisenmarktinterventionen, oft vermehrte Zuflüsse verzeichnet.

Im Januar fielen die Giroguthaben der inländischen Banken um 4,5 Milliarden Franken auf 463 Milliarden Franken. Die Devisenreserven sanken um 1,5 Milliarden auf 644 Milliarden Franken. Die 3 Milliarden Unterschied lassen sich dadurch erklären, dass der Franken gegen den US-Dollar im Januar aufgewertet hat. Wäre das nicht passiert, wären die Devisenreserven der SNB um 4,5 Milliarden Franken gefallen.

Die Börsenpresse macht im Februar nun den gleichen Fehler. Weil die gesamten Sichtguthaben der SNB von 535 Milliarden auf 548 Milliarden Franken gestiegen sind, glaubt sie zu wissen, die SNB hätte für 13 Milliarden Franken interveniert. Die Giroguthaben der inländischen Banken stiegen allerdings nur um 7 Milliarden auf 470 Milliarden Franken.

Berücksichtigt man Wertberichtigungen von Wechselkursen dürften sich die Devisenreserven der SNB im Februar um etwa 8-9 Milliarden Franken erhöht haben. Das wäre deutlich weniger als viele erwarten und könnte daher den Euro steigen lassen. Der Moment der Wahrheit ist am 7. März. Dann informiert die SNB über die Höhe ihrer Devisenreserven per Ende Februar und gibt damit dem EUR/CHF-Kurs womöglich einen Schub deutlich über 1,07.

Fallbeispiel: Tilgungsträgerkredite brauchen langen Atem

Im Jahr 2007 wird ein Tilgungsträgerkredit in Schweizer Franken für 100.000 Euro aufgenommen. Der EUR/CHF-Kurs liegt bei 1,60. Dadurch hat der Kreditnehmer einen Offenstand von 160.000 Franken. Nach 20 Jahren soll der Kredit auf einen Schlag zurückgezahlt werden. Um die Tilgung zu stemmen, wird eine Lebensversicherung abgeschlossen.

Der Garantiezins für die Lebensversicherung ist 2007 zwar nur 2,25%. Die Rendite auf österreichische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegt allerdings bei 4,10%. Der Kreditnehmer schlussfolgert, deutlich mehr als den Garantiezins aus seiner Lebensversicherung herauszubekommen. Damals gilt noch die Faustformel auf Spareinlagen risikolos 4% Zinsen zu erhalten.


Es folgen Finanzkrise und Euro-Schuldenkrise. Die Leitzinsen in der Eurozone werden von der Europäischen Zentralbank (EZB) massiv gesenkt. Dadurch fällt die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen von 4,1% in 2007 über 2,9% in 2011 auf 0,4% Anfang 2017.

Hinzu kommt eine steile Abwärtsbewegung des EUR/CHF-Kurses auf 1,06, die einen erheblichen Wechselkursverlust nach sich zieht. Rechnet man den Offenstand von 160.000 Franken zum EUR/CHF-Kurs von 1,06 zurück, ergibt sich eine Kreditschuld von 151.000 Euro: -51.000 Euro

Ansparlücke

Bei einer Verzinsung von 4% hätte der Franken-Kreditnehmer jeden Monat 274 Euro* einzahlen müssen, um nach 20 Jahren 100.000 Euro im Tilgungsträger zu haben. Er bekommt die 4% wegen der Finanzkrise und ihren Folgen aber nur für zwei Jahre. Von 2010-2013 gibt es etwa 2,75% Zinsen. 2014 geht es auf den Garantiezins runter. Bleibt es bis 2027 bei 2,25%, sind im Tilgungsträger 83.350 Euro: -16.650 Euro.


Falls sich der EUR/CHF-Kurs bis 2027 bei 1,33 einpendelt, also in der Mitte zwischen dem Hoch bei 1,68 im Herbst 2007 und dem Tief bei 0,98 Anfang 2015, läge der Wechselkursverlust bei 20.000 Euro. Entsprechend müssten 120.000 Euro getilgt werden. Um diese Summe mit dem Garantiezins von 2,25% zu erreichen, ist von 2014-2027 eine monatliche Ansparleistung von 421 Euro erforderlich.

*ohne Kosten und Spesen der Lebensversicherung von etwa 3.000 Euro

Zeit des schwachen Euro neigt sich dem Ende

Der EUR/CHF-Kurs könnte das Schlimmste überstanden haben. 5% büßte der Euro in den zurückliegenden zwölf Monaten auf den Schweizer Franken ein. In Anbetracht des Brexit, Trumps Wahlsieg und einem gescheiterten Verfassungsreferendum in Italien hat sich die Gemeinschaftswährung recht gut gehalten. Als nächstes geht es für sie darum Aufwärtspotenzial auszuloten.

"Wegen den politischen Schlagzeilen ist der Euro unter Druck gewesen", sagt Georgette Boyle von ABN Amro. "Aber ich denke, dass der Euro ziemlich belastbar ist, besonders gegenüber dem Dollar. Aufgrund der politischen Schlagzeilen hätte ich ihn (den Euro) sogar noch tiefer gesehen", so die Währungsexpertin. ABN Amro rechnet bis September 2018 mit einem Anstieg den EUR/CHF-Kurses auf 1,14.

Wer sich die Gemengelage genauer ansieht, entdeckt vielversprechende Signale. Am Devisenoptionsmarkt hat sich das Sentiment für die nächsten vier Wochen aufgehellt. Das einmonatige Risk Reversal für den EUR/CHF-Kurs kletterte am Donnerstag überraschend von -1,3% auf -1,0%. Es könnte der Beginn einer Trendwende sein.

Auf Sicht von drei Monaten ist das Risk Reversal zwar mit -3,85% noch sehr negativ und signalisiert eine Abwärtsbewegung des EUR/CHF-Kurses. Das hat allerdings mit den politischen Schlagzeilen in Frankreich zu tun. Die Finanzmärkte könnten überbesorgt sein. Denn die Wechselstimmung ist nicht stark genug, um einen Wahlsieg von Marine Le Pen zu ermöglichen.


Der Schweizer Franken dürfte sich in den nächsten Monaten gegenüber dem Euro in der Defensive befinden, sagt die DZ Privatbank. Auf Sicht von zwölf Monaten sieht das Geldhaus den EUR/CHF-Kurs bei 1,10. Damit wäre der Euro zwar noch etwas unter seinem Höchststand vom Februar 2016 bei 1,12 Franken. Gegenüber dem aktuellen Niveau von 1,06 hätte er ab vier Prozent zugelegt.

Alsbald die EU die politischen Ereignisse bewältigt habe und die wirtschaftliche Erholung Eurolands voranschreite, wird "der Aufwertungsdruck auf den Franken langsam abnehmen", meint die Deka Bank. Sie rechnet auf Jahressicht mit einem Anstieg des EUR/CHF-Kurses auf 1,11. Die Landesbank Hessen-Thüringen sieht den Euro bereits im Herbst bei 1,10 Franken.

Festhalten an Franken-Kreditverträgen: Ein Pro und Contra

Pro:
  • Die EZB beginnt ab Jahresmitte einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik zu diskutieren. Das wäre ein triftiger Grund für den Euro auf 1,10 Franken zu steigen. Der Anfang ist bereits gemacht. EZB-Direktor Yves Mersch hält die Forward Guidance, wonach die Zinsen auf dem aktuellen Niveau oder tiefer sein sollen, nicht mehr für angemessen.