Schweizer-Franken.eu - Prognosen EUR/CHF-Kurs

Holprige EUR/CHF-Prognosen 2020

Die Schaffhauser Kantonalbank (SHKB) rechnet für den Rest des Jahres 2019 und 2020 mit EUR/CHF-Kursen von 1,14-1,15. Sie weist darauf hin, dass in der Schweiz verschiedene wirtschaftspolitische Akteure ein Ende der Negativzinspolitk fordern, vertritt aber den Standpunkt, dass man dieses Experiment nicht wagen sollte. Damit wird sie bei Österreichs Franken-Kreditnehmern auf Zustimmung stoßen.

"Zwar wird verschiedentlich argumentiert, die Zinsdifferenz zur Eurozone spiele für das Währungspaar EUR/CHF im aktuellen Umfeld keine wesentliche Rolle und die SNB habe den Spielraum für Zinsanhebungen. Belegen ließe sich diese Aussage allerdings erst, wenn das Experiment durchgeführt würde. Indes sind Experimente bekanntlich nicht die präferierte Lösung, um Geldpolitik zu machen."

Österreichs verbleibende Franken-Kreditnehmer würden einen doppelten Schaden davontragen. Zum einen müssten bei einem Anstieg des CHF 3-Monats-Libor (aktuell: -0,72%) auf oder über 0% viele wieder Zinsen auf ihre Kredite bezahlen. Sollte die SNB tatsächlich vor der EZB beginnen die Zinsen zu erhöhen, bestünde zum anderen die akute Gefahr, dass der Euro deutlich unter 1,10 Franken absackt.

Der Euro wird sich nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bis Ende 2019 auf 1,11 Franken abschwächen. 2020 werde er ein Comeback feiern und auf 1,15 steigen. Dabei weist die größte deutsche Landesbank auf das Verhalten der Schweizer Währungshüter hin: "Die SNB bekundet ihre Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zur Schwächung des Franken zu intervenieren."

Chancen und Risiken für den Euro

"Kurzfristig fehlen die positiven Impulse für einen höheren Euro und eine Seitwärtsbewegung (1,13-1,15) ist wahrscheinlich", steht im aktuellen EUR/CHF-Ausblick der Graubündner Kantonalbank. "Mittelfristig sollte EUR/CHF zulegen können, sobald sich eine Zinserhöhung der EZB abzeichnet." Doch was passiert, wenn die Notenbanken als Reaktion auf den Trumps Handelskriege die Geldschleusen weiter aufdrehen?

Der EUR/CHF-Kurs pendelt seit neun Monaten in einer Handelsspanne zwischen 1,1160 und 1,1480. Aktuell zeichnet sich eine Abwärtsbewegung an die untere Begrenzung ab. Der Euro kostet 1,1280 Franken. Das sind zwei Rappen weniger gegenüber Ende April, als er auch dank der hohen Risikobereitschaft und der Aktienrallye 1,1480 Franken wert war.

Es gibt erste Signale, dass Chinas Notenbank und die amerikanische Fed auf konjunkturelle Abkühlungen hervorgerufen durch den Handelskrieg mit Lockerungen der Geldpolitik reagieren. Werden die beiden Wirtschaftskolosse expansiver, ist kaum vorstellbar, dass die EZB forsch auftritt, restriktiver wird und die Zinsen erhöht.

"Bei dem Treffen von geldpolitischen Entscheidungen ist es oft besser "Safe than Sorry" zu sein", sagte unlängst der Chef der finnischen Notenbank und Draghi-Nachfolger-Anwärter, Olli Rehn. Damit stehen die Chancen auf eine EZB-Leitzinserhöhung als Antriebsfeder für einen steigenden Euro-Franken-Kurs ziemlich schlecht.

Euro lachender Dritter?

Einige hoffen darauf, dass bei einem offenen Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China die Vormachtstellung des US-Dollar schwindet und der Euro an Bedeutung zurückgewinnt. Bevor Draghi, Griechenland und die anderen Weichwährungsspezialisten die Gemeinschaftswährung zerrieben, war er auf dem aufsteigenden Ast. Viele ausländische Zentralbanken hatten ihre Euro-Bestände in den 00-Jahren deutlich aufgestockt.

Letztes Wort nicht gesprochen, Swissie gefragt

"Der Schweizer Franken als sicherer Hafen scheint weiterhin gesucht", stellt die Thurgauer Kantonalbank fest. Nachdem der Eurokurs in den letzten Tagen unter 1,14 und 1,13 Franken gesunken ist, sieht es nach Stabilisierung aus. Die Lage bleibt aber zerbrechlich. Die Finanzmärkte werden nicht so schnell in den Risikomodus zurückkehren, sagt ein renommierterer Experte.

Griechenland wühlt mit Ausgabenplänen die Euro-Finanzminister auf. Damit geraten die Haushatsziele in Gefahr. "Wir sind zudem über die Zusammensetzung der Maßnahmen besorgt, die mittel- und langfristig nicht wachstumsfreundlich sind", sagt der ESM-Rettungsschirm-Chef Klaus Regling, der Griechenland gerne als Reform Champion feiert.

"Die derzeitige Risk-Off-Stimmung an den Märkten steigert derzeit die Schweizer Franken Nachfrage", erklärt die St.Galler Kantonalbank. In diesem Zusammenhang gibt es aktuell eine erwähnenswerte Entwicklung: Die Aktienkurse haben sich zuletzt recht deutlich von den Trump-Handelskrieg-Verlusten erholt. Der Euro konnte die aufkeimenden Risikobereitschaft aber nicht in Kursgewinne kanalisieren.

Man hätte durchaus einen Anstieg des Euro-Franken-Kurses zurück auf 1,14 erwarten können. Stattdessen ist er weiter gefallen. Das ist ein Warnsignal, dass die "Buy-the-Dip-Aktienkäufer" womöglich zu früh zugeschlagen haben und die Risikobereitschaft bald wieder weichen wird.

Eine Analyse des renommierten Charttechnikers Ralph Acompora bestätigt diesen Ausblick. Er sehe in der nächsten Zeit keine neuen Rekordhochs an der Wall Street, zitiert das Börsenportal MarketWatch Avompora (Spitzname: Godfather der CharttechniK), der den Jahresende-Crash 2018 korrekt vorausgesagt hatte.

🔗 Godfather’ of chart analysis says Wall Street shouldn’t bet on stock-market records anytime soon