Schweizer-Franken.eu - Eurokurs Prognosen 2017/18
+++ Euro steigt auf 1,1380 Franken (16:51 Uhr)
Der Euro ist bei Spekulanten sehr begehrt...>

Klettert der Euro aus freien Stücken auf 1,14 Franken?

Der Euro setzt gegen den Schweizer Franken die Rekordjagd fort, und so steigt der EUR/CHF-Wechselkurs auf 1,1395. Damit weiten sich seine Gewinne auf 3,5% aus. Noch vor vier Tagen kostete 1 Euro 1,1010 Franken. Ist der Anstieg der wirkliche Wille des Devisenmarktes? Für einen Einwand der Commerzbank, wonach die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Wechselkurs gepusht haben könnte, gibt es keine Beweise.

Gestützt wird der Euro von Spekulanten am Devisenoptionsmarkt. Dort favorisiert man einen stärkeren Euro. Wer sich gegen einen steigenden EUR/CHF-Kurs absichert (z. B. deutsche Maschinenbauer, die in die Schweiz exportieren), muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine wichtige Kennzahl, das so genannte 25-Delta Risk Reversal für einmonatige EUR/CHF-Optionen, schießt von 0,20% auf 0,75% hoch.

Die Zeiten als das Risk Reversal negativ war und Exporteure aus der Eurozone günstig davon kamen sich gegen einen Anstieg des EUR/CHF-Kurses abzusichern, sind vorbei. Zum Vergleich: Als der Euro am 20. Februar 2017 auf 1,0630 Franken absackte, sank das Risk Reversal für EUR/CHF-Optionen auf -1,2%. Am 21. April 2017, unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich war die Stimmung mit einem Wert -3,8% extrem Euro-negativ.


Die Commerzbank hält es für möglich, dass die SNB mit Euro-Anschubkäufen die jüngste Aufwärtsbewegung des EUR/CHF-Kurse mit herbeigeführt hat. Dafür gibt es aber keine Anhaltspunkte. Zudem würde sich die SNB als wahrhaftiger Devisenspekulant entpuppen, was sie in Erklärungsnot brächte. Es wäre, wie wenn ein Dax-Unternehmen mit Umsatzerlösen in US-Dollar willkürlich und nach Tageslaune auf einen schwächeren Euro wetten würde.

"Der bärische Franken-Trade ist eine Alternative bessere Perspektiven für die Euro-Währungsunion und politische Stabilität zu traden", erläutert Morgan Stanley (ℹ Reuters). In der Tat ist es so, dass die Aktienmärkte der Eurozone seit zweieinhalb Monaten am sinken sind, während an der Wall Street dieser Tage neu Allzeithochs erreicht wurden.

Einige Vermögensverwalter, die sich verzockt haben, weil sie zu Jahresbeginn sagten, Europa würde die USA 2017 outperformen, bedienen sich dann oft einer Ausrede. Sie sagen: Rechnet man in US-Dollar um, hätten die Aktienmärkte der Eurozone tatsächlich stärker zugelegt. Das erinnert daran, wenn sich Fondsmanager am Ende des Jahres auf die Schulter klopfen, weil der Dax ein Minus 10% gemacht hat, sie aber nur auf ein Minus von 5% kommen.

Sommermärchen EUR/CHF-Kurs: Das sagen die Experten

"Wir glauben, der Ausverkauf wird weitergehen. Wir bevorzugen den Euro gegenüber dem Schweizer Franken mit einem 6-Monats-Kursziel für den EUR/CHF bei 1,14. (...) Der Schweizer Franken als sicherer Hafen ist weniger gefragt, zumal Risiken wie die französischen Wahlen abgebaut sind und geopolitische Risiken bei Investoren kaum Besorgnisse hervorrufen."

UBS Wealth Management


"Der Schweizer Franken schwächte sich gegen die meisten Währungen weiter ab. Der EUR/CHF konnte die Marke von 1,1100 deutlich überschreiten (...) Die Hoffnung auf mehr Stabilität im Euroraum dämpft die Nachfrage nach dem Schweizer Franken als „sicheren Hafen“. Kurzfristig sieht es eher danach aus, dass das Währungspaar noch weiter steigen könnte."

Thurgauer Kantonalbank

Euro über 1,12 Franken: Nächste Kursziele 1,13 und 1,17

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Der Eurokurs steigt mit 1,1270 Franken auf den höchsten Stand seit dem Schwarzen Donnerstag. An jenem 15. Januar 2015 hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Euro-Stützgrenze bei 1,20 Franken auf. Weil Angela Merkel bald ihre Brieftasche aufmachen dürfte, sind die nächste Kursziele der Credit Suisse bei 1,13 und 1,17 Franken erreichbar.

Nachdem der Euro in der letzten Wochen die Marke bei 1,10 Franken geknackt hatte, folgten in dieser Woche 1,11 und 1,12. Anleger sehen die Eurozone durch eine rosarote Brille. Neben dem Wirtschaftsaufschwung spielt die Aussicht auf die Fortentwicklung der Eurozone zu einer gemeinsamen Haftungsunion eine wichtige Rolle.

Der Chef des ESM-Rettungsschirms, Klaus Regling, will eine zweite Schutzschicht für schwache Euroländer. 100-200 Milliarden Euro soll sie dick sein und Gelder an Griechenland und Co. bereits auszahlen, wenn sich die Konjunktur eintrübt. Wahrscheinlich fordern große Vermögensverwalter diesen Fonds, weil sie sich sonst von ihren südeuropäischen Staatsanleihen trennen würden.

Wenn Angela Merkel wiedergewählt ist, könnte sie versuchen in die Fußstapfen von Helmut Kohl zu treten und Reglings Schlechtwetterfonds sowie eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung für den Euroraum durchzuwinken. Im Gegenzug bekäme sie von Mario Draghi eine nicht mehr ganz so lockere Geldpolitik und könnte sich als große Europäerin feiern lassen.


Der Sprung des Euros über 1,1201 Franken ermögliche eine Aufwärtsbewegung auf 1,1328 Franken, sagt der Devisenstratege David Sneddon von der Credit Suisse (Bloomberg-Meldung). Gemäß Sneddons Prognose, die auf Fibonacci-Zahlen beruht, wäre danach sogar ein Anstieg auf 1,1681 Franken drin. Sollte es tatsächlich so kommen, hätte der EUR/CHF-Kurs knapp 40% seiner zwischen 2007 und 2015 erlittenen Verluste wettgemacht.

Der Euro ist völlig aus dem Häuschen

Die Aufholjagd des Euros geht in die nächste Runde. Er kostet bis zu 1,1190 Franken (18-Monatshoch). Das ergibt einen auf zwei Nachkommastellen gerundeten Wechselkurs von 1,12. Gegen den US-Dollar geht es auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Während der Euro in immer luftigere Höhen steigt, werden die Gefahren einer Korrektur größer. Der Aufwärtstrend ist am Überschießen.

Thomas Jordan will von einer Normalisierung des EUR/CHF-Kurses nichts wissen. Der Franken bleibe nach wie vor deutlich überbewertet, sagt der Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB) der französischen Zeitung "Le Temps". Man habe auch noch Spielraum bei der Bilanz. Damit signalisiert Jordan die bereits sehr hohe Bilanzsumme seiner Notenbank durch Euro-Stützungskäufe weiter aufblähen zu wollen.

Wenn Kurse übermäßig und eintönig steigen, ist das Rückschlagpotential umso größer. Markttechniker erinnern Devisenhändler an die Dow Theorie: Aufwärtstrends haben drei Phasen. Der EUR/CHF-Kurs ist aktuell in der dritten Phase. Früher oder später wird es ein Rückgang von der steilen Trendlinie auf die mittlere Trendlinie geben müssen.