Schweizer-Franken.eu - Eurokurs Prognosen 2017/18

Franken-Kreditnehmer: Das Lächeln wird breiter

Für Häuselbauer oder Immobilienkäufer, die einen Schweizer-Franken-Kredit am laufen haben, hellt sich die Lage auf. Momentan findet die lang herbeigesehnte Trendumkehr beim EUR/CHF-Kurs statt. Hinzu kommt: Die spekulativen Schuldner, also jene, die ihren Kredit mit einem Aktienfonds oder Mischfonds als Tilgungsträger verbandelten, holen besonders viel auf.

"Die Haushalte spekulieren offenbar gerne." Das sagte unlängst der Vizerektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Stefan Pichler, mit Blick auf die Situation der Fremdwährungskredite auf einer Veranstaltung zusammen mit OeNB-Chef Ewald Nowotny. Knapp ein Drittel der Franken-Kreditnehmer in Österreich war ein Darlehen in ausländischer Währung nicht genug. Sie gingen zusätzlich noch in Aktien und werden jetzt doppelt belohnt.

Zum einen hilft ihnen, wie Franken-Kreditnehmern mit Lebensversicherung und Garantiezins als Tilgungsträger, der Anstieg des Euros von 1,0650 auf 1,09 Franken. Zum anderen profitieren sie von der Entwicklung des ATX. Der österreichische Aktienindex hat in den letzten elf Monaten die beste Performance im internationalen Vergleich hingelegt. Der ATX kletterte von 1.988 Punkten Ende Juni 2016 auf 3.161 Zähler Ende Mai 2016.


Franken-Kreditnehmer mit einem aktienbasierten Tilgungsträger und ATX-Exposure können sich demnach im Idealfall über Kursgewinne von 59% freuen. Damit lässt es sich gleich viel leichter zur Bank gehen. Denn die muss nach neuer Verordnung der Finanzmarktaufsicht (FMA) Schuldner, deren Fremdwährungskredite in den nächsten sieben Jahren fällig werden, zu einem persönlichen Gespräch einladen.

Mit einem netten Plausch ist es aber nicht getan: "Überdies ist anhand von zumindest zwei unter realistischen Annahmen erstellten Szenarien eine etwaige prognostizierte Deckungslücke auf Laufzeitende darzustellen", heißt es in einer Aussendung der FMA. Wegen den Wertsteigerungen aktienbasierter Tilgungsträger und des Euros gegen den Franken verkleinern sich die Deckungslücken.

Dadurch sinkt der Anreiz eine Konvertierung in einem festverzinslichen Euro-Kredit (einen Kredit, wie ihn die Deutschen lieben, weil er keinerlei Spekulationselement enthält) anzugehen. An dieser Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn die im ATX gelisteten Banken würden ihre Ertragskraft steigern, könnten sie möglichst viele Konvertiten anwerben.

Für Franken-Kredite müssen Banken mehr Eigenkapital vorhalten als für Euro-Kredite. Dies mindert wiederum ihre Ertragskraft und verhindert einen noch steileren Anstieg der Aktienkurse. Allerdings haben die Papiere von Erste Group und Raiffeisen in den letzen zehn Monaten mit Kursgewinnen von 78-119% den ATX bereits in den Schatten gestellt.

Zum Thema:
Viel geschmähte Franken-Kredite bloß nicht abschreiben

Beginnt jetzt die Dezimierung des Frankens?

Anleger betteln schon fast, damit sie Geld in der Euro stecken dürfen. Der auf dem Euro lastende Kaufdruck wird größer. Deftige Gewinne an den europäischen Aktienmärkten erhöhen die Risikobereitschaft. Das führt dazu, dass der Schweizer Franken momentan ebenso wenig gebraucht wird wie der Internationale Währungsfonds (IWF) im Vorlauf der Finanzkrise.

Das Trump-Gewitter konnte den EUR/CHF-Kurs nur wenige Stunden aus der Bahn werfen. So zuckte der EUR/CHF-Kurs wegen eines im Raum stehenden Amtsenthebungsverfahrens und kräftigen Tagesverlusten an den Aktienmärkten (die sich wie die Frankenstärke als vorübergehend herausstellten) kurz auf ein 2-Wochentief bei 1,0865 zurück.

Momentan ist der Gleichlauf zwischen dem EUR/CHF-Kurs und dem Dax besonders ausgeprägt. Steigen die europäischen Aktienmärkte weiter, wofür die Chancen laut 🔗 diesem Ausblick sehr gut stehen, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn der Euro davon nicht profitieren sollte. Gegen den US-Dollar ist die Gemeinschaftswährung gerade auf 1,12 förmlich hochgeschossen.


Eine weitere Variable in der EUR/CHF-Gleichung ist die Häuserpreisentwicklung in der Schweiz. Laut einer neuen Studie von Goldman Sachs, die Bloomberg vorliegt, gibt es ernstzunehmende Anzeichen einer Überhitzung des Immobilienmarktes. Das wäre aus der Sicht jener, denen ein stärkerer Euro am Herzen liegt, eine schöne Sache.

Im Falle eines Preisrutsches der Schweizer Häuserpreise wäre die logische Konsequenz, dass sich viele Schweizer nach aussichtsreicheren Anlagemöglichkeiten im benachbarten Euroraum umsehen. Dies würde wiederum dazu beitragen, dass auf dem Devisenmarkt die Frankennachfrage sinkt und die des Euros steigt.

Fazit:
Den Schweizer Franken als sicheren Hafen braucht es nicht. Es sieht danach aus, als ob die Notenbanker mit dem Drucken von Unmengen an Zentralbankgeld alles richtig gemacht hätten. Die Fed hat ihre Bilanz auf etwa 25% der US-Wirtschaftsleistung aufgebläht. Die EZB ist auf dem Weg zu 50%. Aber: Den IWF wollten vor zehn Jahren auch schone einige abschaffen, weil damals scheinbar alles super lief.

So zündet der EUR/CHF-Kurs den Schweizer Turbo

"Der Franken ist immer noch überbewertet", sagt Thomas Jordan der Zeitung Corriere del Ticino. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) spricht diese Worte, als der EUR/CHF-Kurs bei 1,09 notiert. Er will ganz offenbar noch etwas herauskitzeln, um den Euro nicht nur über 1,10 Franken, sondern auch über 1,12 Franken zu schieben, was ein neues Post-Mindestkurs-Hoch wäre.

Ausblick für den Euro hellt sich gerade schlagartig auf

Für Franken-Kreditnehmer, und allen, denen ein Stärkerwerden des Euros gegenüber dem Schweizer Franken am Herzen liegt, sind das ausgezeichnete Neuigkeiten: Die geldpolitischen Tauben der EZB zanken sich.

Der EZB-Vizepräsident und frühere Generalsekretär der sozialistischen Partei Portugals, Vitor Constancio, will an der lockeren Geldpolitik länger festhalten als sein Direktoriumskollege Benoit Coeure.

Constancio sagte vor einer Woche zu Reuters: "Es ist weniger riskant, länger eine lockere Linie zu fahren, als den geldpolitischen Impuls vorzeitig zu entziehen."

Coeure erklärt nun gegenüber selbiger Nachrichtenagentur: Die EZB solle nicht zu lange abwarten. Zu viel Klein-Klein beim Rückbau der ultralockeren Geldpolitik berge die Gefahr, dass es zu einem größeren finanziellen Rückschlag komme.

Der Portugiese will also mit der ultralockeren Geldpolitik so weiter machen wie bisher und Konjunkturaufschwung und Inflationsanstieg kleinreden. Der Franzose will den Marktteilnehmer zeigen, dass die EZB auch etwas anderes als ultralockere Geldpolitik kann.


Coeure kann sich in der Theorie ferner vorstellen, dass die EZB die Zinsen erhöht, bevor sie die Anleihekäufe einstellt. Für Constancio und die südeuropäischen Tauben im EZB-Rat gilt das als ein absolutes No-Go.

Warum ist diese Neuigkeit so gut für den EUR/CHF-Kurs?
Coeure ist der engste Vertraute von Mario Draghi. Was der Franzose sagt, hat somit mehr Gewicht als die Aussagen des EZB-Vizepräsidenten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB auf ihrer Sitzung am 8. Juni ihre Kommunikation weniger taubenhaft gestaltet, steigt.

Für den EUR/CHF-Kurs wäre das ein triftiger Grund auch zu steigen. Bleibt abzuwarten, wo sich der Wechselkurs bis zur EZB-Sitzung einpendelt. Aktuell ist 1 Euro knapp 1,09 Franken wert:
  • Sollte er sich bis zur EZB-Sitzung in drei Wochen dort halten, wäre ein Anstieg deutlich über 1,10 möglich.
  • Käme es hingegen zu einem Rücksetzer auf 1,07-1,08, wäre wohl nicht mehr als 1,09-1,10 drin.