Schweizer Franken aktuell - Eurokurs Prognosen 2016/17
+++ Eurokurs aktuell bei 1,1010 Franken. In der Schweiz muss man für 1 Franken umgerechnet 0,9083 Euro hinlegen. +++

Das Schlimmste für Eurokurs und Eurozone kommt erst noch

Der Euro schiebt sich zurück in die Gewinnzone, nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) Spekulationen über eine Zinssenkung ins Kraut schießen lässt. Der EUR/CHF-Kurs steigt schnell von 1,0950 auf 1,1042. Er fällt anschließend auf 1,1010. Portugals Regierung dreht Reformen zurück und wird dafür mit einem saftigen Risikoaufschlag bestraft. Wäre die EZB nicht im Markt und würde die von allen drei großen Ratingagenturen mit Ramsch bewerteten portugiesischen Staatsanleihen kaufen, sähe es so richtig düster aus.

Negativzinsen sind für Zentralbanken 2016 das Maß aller Dinge. Um sie einzuführen, nehmen die Notenbanker einen Anstieg des Goldpreises, der ihre Glaubwürdigkeit untergräbt, in Kauf. Die schwedische Riksbank hat ihre Zinsen in dieser Woche noch tiefer ins negative Terrain verschoben, nachdem die Bank von Japan den diesjährigen Reigen mit den Strafzinsen vor zwei Wochen eröffnete. Auch die US-Notenbank (Fed) denkt laut über negative Zinsen nach. SNB-Präsident Thomas Jordan erwägt noch tiefere Zinsen, die Franken-Kreditnehmer mehr bares Geld in die Kassen spülen würden.

"Wir sind mit den Negativzinsen recht weit gegangen. Jetzt beobachten wir die Situation genau. Wir schließen nichts aus", sagt Jordan über eine mögliche Zinssenkung von aktuell -0,75% auf -1,00% im Interview mit dem Schweizer Wirtschaftsportal "Bilanz". Was der oberste Schweizer Währungshüter allerdings ausdrücklich ausschließt, ist die Einführung eines neuen Mindestkurses: "Wir sind aus dem Mindestkurs ausgestiegen, weil er nicht mehr nachhaltig war, und es macht keinen Sinn, gleich wieder in ein sehr rigides Konzept einzusteigen."


Portugals neue Links-Regierung hat den von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgehandelten Burgfrieden zwischen Finanzmärkten und klammen Euroländern aufgekündigt. Lissabon will Lohnkürzungen im öffentlichen Sektor der Vorgängerregierung zurücknehmen. In Sachen Wirtschaftspolitik hat sie außer Konjunkturprogrammen auf Pump nichts zu bieten. Investoren ziehen die Notbremse und steigen aus portugiesischen Staatsanleihen aus (bzw. laden diese bei der EZB ab). Im Gegenzug steigen die Zinsen bei den Zehnjährigen auf 4,11% - nach 2,27% im Dezember 2015. Portugal ist mit 135 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet.

"Portugal wird gut beraten sein, das sehr sorgfältig zur Kenntnis zu nehmen und nicht weiter die Märkte zu beunruhigen, indem man die Vermutung schürt, dass man von dem eingeschlagenen Weg zurückgehen will. Das wäre sehr gefährlich für Portugal."

Wolfgang Schäuble, Finanzminister Deutschland

Weil auch in Griechenland wegen Nichteinhaltung von Reformversprechen mal wieder die Hütte brennt, hat der Euro auf kurz oder lang ein Problem. Die Politik der Hilfspakete flankiert mit viel Billiggeld aus Frankfurt ist nicht nachhaltig. Die Geberländer und die EZB steigen nach Griechenland nun auch in Portugal zu den mit Abstand größten Gläubigern auf. Es scheint nur eine Frage von Wochen oder Monaten zu sein, bis alle Beteiligten sagen: "Auch Portugal wird seine Schulden niemals zurückzahlen können."

Banken-Crash oder Franken-Cash? Vor CoCo-Krise schützen

Noch glänzt der Schweizer Franken nicht so sehr wie Gold. Doch das könnte sich schon bald ändern. Das gelbe Edelmetall wird von Anlegern derzeit händeringend gesucht. Denn von Banken ausgegebene Papiergeld-Aktien und Papiergeld-Anleihen verlieren rasant an Wert. Im Fokus stehen riskante Geschäfte mit Zwangsanleihen (CoCo-Anleihen). Sie erinnern wegen ihrer Komplexität an die US-Hypothekenpapiere der letzten Finanzkrise. Wie kann man sich davor schützen? Euros in Franken umtauschen und ab damit ins Schließfach.

Der Eurokurs sinkt mit 1,0950 Franken auf den tiefsten Stand seit drei Wochen. Es gibt jede Menge Krisenherde: 1.) Chinas Wirtschaftsabkühlung und der schwache Yuan. 2.) Aufgrund des tiefen Ölpreises droht Förderländern der Staatsbankrott. Venezuelas Regierung ist bereits dazu übergangen riesige Mengen ungedecktes Papiergeld zu drucken. Das südamerikanische Land bestellte zuletzt zehn Milliarden in Geldscheinen, die mit 36 Flugzeugen vom Typ 747 eingeflogen werden mussten. Der IWF rechnet nun mit einer Inflationsrate von 750%. 3.) Inzwischen kann auch ein harte Landung der US-Wirtschaft wegen einer Pleitewelle von Öl/Gas-Fracking-Unternehmen nicht mehr ausgeschlossen werden.

Weiterlesen: Euroraum-Banker nehmen Steuerzahler in Schwitzkasten

4.) Im Euroraum gibt es Probleme mit faulen Krediten (vor allem in Italien) und mit CoCo-Anleihen. CoCo steht für Contingent Convertible (Zwangsumwandlung). Sie wurden von Geldhäusern wie der Deutschen Bank ausgegeben. Viele Großanleger stürzten sich auf die Papiere, weil sie mit herkömmlichen Anleihen wegen der EZB-Niedrigzinspolitik kaum noch etwas verdienten. Das Risiko bei CoCo-Anleihen besteht darin, dass sich der Geldgeber einer Bank im Grunde genommen vollkommen ausliefert. Die Bank darf CoCo-Anleihen in Aktien umwandeln, was einen Teufelskreis in Gang setzen kann.

Auslöser eines Umwandlungs-Events ist oft der Aktienkurs. Wenn er stark fällt, sinkt die Kernkapitalquote der Bank (also das Verhältnis Eigenmittel zu gewährten Kundenkrediten). Wird eine gewisse Kernkapitalquote unterschritten, speist die Bank ihre CoCo-Geldgeber mit Aktien ab (die ja bereits am fallen sind). Dadurch gibt es plötzlich noch mehr Aktionäre. Der Aktienkurs wird verwässert - ähnlich wie bei einer Kapitalerhöhung - und sinkt immer weiter. Die Deutsche Bank ist inzwischen das Synonym der CoCo-Krise. Anleger fürchten sich vor einem Umwandlungs-Event. Der Aktienkurs droht nach 32 Euro im Juli 2015 auf unter 10 Euro abzutauchen.


Der Schweizer Franken verhält sich zum Euro in etwa so, wie normale Anleihen zu CoCo-Anleihen. Die Gemeinschaftswährung ist kompliziert und mit vielen Risiken behaftet. Zwar ist auch der Franken eine Papiergeldwährung. Allerdings gilt er als sehr viel solider. Wenn es schon Papiergeld sein muss, dann besser der Franken, sagen sich immer mehr Privatanleger. Die Geldaufwertung gibt ihnen recht. In der Schweiz lag die jährliche Inflation im Januar bei -1,3%. Wer seine Euros in Franken umtauscht und in ein Schließfach legt, profitiert von der negativen Inflation (Geldaufwertung) und schirmt sich vor einer Finanzkrise ab.

Dunkle Gewitterwolken ziehen über dem Euro auf

Der Pessimismus ist im Euro-Franken-Kurs neu verankert. Händler nutzen jeden noch so klitzekleinen Kursanstieg zum Verkauf des Euros. Das Ergebnis: Der Euro sinkt von 1,1198 Franken auf 1,0955 Franken (-2,17%). Die Euroländer haben in den letzten Jahren nichts gelernt. Banken können immer noch die Steuerzahler nach allen Regeln der Kunst erpressen. Zum zweiten Mal tappt man auch in die Falle mit den Target-Salden. Das Fieberthermometer für den Euro ist wieder am steigen.

Anleger seien jetzt auf ein Eingreifen der Zentralbanken angewiesen, um eine Rallye an den Aktienmärkten herbeizuführen, sagt Unicredit-Chef Federico Ghizzoni im Gespräch im Bloomberg. Die Unicredit-Aktie sank in den vergangenen dreieinhalb Monaten von 6,15 Euro auf 2,80 Euro (-54,47%). "Eine Zentralbank ist nicht genug, weshalb eine Koordination zwischen den wichtigen (Notenbanken) in den USA, Europa, Japan und vielleicht auch China erforderlich ist", meint Ghizzoni.

In Anbetracht solcher Aussagen des Vorsitzenden eines der größten Geldhäuser des Euroraums fühlen sich Kritiker bestätigt. Banken hätten nichts gelernt, das gelte vor allen für die italienischen. Wenn die Geldhäuser Gewinne machten, steckten sie die in die eigene Tasche. Bei Verlusten pochten sie darauf, dass sie von den Zentralbanken und den Steuerzahlern herausgehauen werden.

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Er erwarte, dass die italienische Regierung ihre Anstrengungen verstärke, die Banken von faulen Krediten zu befreien, so Ghizzoni. Italiens Banken sind vom Börsencrash besonders stark betroffen, weil sie sich weigern, ihre faulen Kredite abzuschreiben bzw. verkaufen. Irische und spanische Banken haben beim Ausmisten ihrer Bilanzen hingegen sehr viel mehr Fortschritte gemacht.

Das Kalkül von Italiens Banken, den Steuerzahler und die im Endeffekt auf Kosten der Steuerzahler agierende Europäische Zentralbank (EZB) heranzuziehen, könnte am Ende wieder einmal aufgehen. Italiens Industrieproduktion ist im Dezember 2015 überraschend gesunken. Die Banken drosseln vermutlich die Kreditvergabe an die Realwirtschaft, bis ihnen der Staat die faulen Kredite abnimmt.

Auch die französische Industrieproduktion erleidet einen empfindlichen Rückschlag. In Frankreich liegt es nicht an den Banken, sondern an einer Regierung, die Unternehmen aus ideologischer Überzeugung mit hohen Ausgaben und Bürokratie belastet. Weil Frankreich und Italien schwächeln, kommen sie in puncto Wachstum nicht an Deutschland heran, dessen Binnenkonjunktur derzeit regelrecht boomt. Die Kluft wird immer größer.


Das Fieberthermometer des Euroraums, die so genannten Target-2-Salden, weiten sich seit gut einem Jahr wieder zu Gunsten Deutschlands aus. Dieser Anstieg ist ein glasklares Indiz dafür, dass die Anstrengungen der Politik, den Euroraum stabiler zu machen, gescheitert sind.

Deutschland lässt mit seinen hohen Forderungen den anderen Euroländern quasi keine Luft mehr zum atmen, ist eine Interpretation. Italien und Frankreich haben es versäumt, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen zu erhöhen und verließen sich stattdessen auf das Billiggeld der Europäischen Zentralbank (EZB), ist eine andere Interpretation.

Merkel und der Euro: 2 Auslaufmodelle

Der Boomerang kommt zurück. Jetzt rächt es sich, dass der von Deutschland dominierte Euroraum bei der Behebung der Schuldenkrise immer nur gerade so viel getan hat, um den Fortbestand des Euros zu retten. Die Banken stehen auf der Abschussliste. Angela Merkels Politik führt zu ungelösten Dauer-Krisen. Das ist ein Riesenproblem für die Gemeinschaftswährung. Dabei hat ihr Vor-Vorgänger es doch vorgemacht: Der Euro braucht eine Roadmap.

Faule Kredite und Rekordverluste nähren die Furcht vor einer Pleitewelle in der europäischen Bankenlandschaft. Die Kosten für die Absicherung von Fremdmitteln für den Finanzsektor unter Zuhilfenahme so genannter Credit Default Swaps (CDS) steigen auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Der Schweizer Franken als sicherer Hafen ist wieder gesucht. Der Euro fällt in einem ersten Schritt von 1,12 Franken auf 1,10 Franken. Weitere könnten folgen.

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Aktuell murksen die Euroländer an einer gemeinsamen Einlagensicherung herum. Deutschland will diese Vergemeinschaftung von Risiken erst, wenn die auf wackligen Beinen stehenden Banken in Südeuropa ihre faulen Kredite abgeschrieben haben. Die Südeuropäer wollen hingegen schon jetzt die Guthaben von Sparern innerhalb eines europäisches Systems. Sie versprechen sich davon mehr Stabilität für den Bankensektor. Niemand weiß, wie es weiter geht.

Auch eine Roadmap für gemeinsame Staatsanleihen (Eurobonds) würde der Gemeinschaftswährung blendend zu Gesicht stehen. Berlin könnte beispielsweise der Schaffung einer Schuldenagentur bis zum Jahr 2025 zustimmen, die dann unter strikten Bedingungen Eurobonds ausgibt. Im Gegenzug müssten Franzosen, Italiener und Spanier in den sauren Apfel beißen, ihre die Haushaltsdefizite künftig nicht mehr von der laxen EU-Kommission, sondern von einer neu zu schaffenden, wirklich unabhängigen, Institution prüfen zu lassen.

Ferner wäre es aus der Sicht der Währungsraums wichtig, eine Harmonisierung der Regeln auf dem Arbeitsmarkt hinzubekommen. Hier weigern sich Länder wie Frankreich und Spanien. Sie zahlen länger Arbeitslosengeld und gewähren sehr viel nachlässiger Sozialhilfe. Für alle Euro-Europäer sollten aber die gleichen Regeln gelten. Dadurch würde die Arbeitsmobilität steigen. Sie ist für die Gemeinschaftswährung extrem wichtig, weil es im Euroraum keinen Ausgleich mehr über Wechselkurse gibt.

Deutschlands Altkanzler Helmut Kohl hätte eine Roadmap für einen Euroraum 2.0 sicherlich hinbekommen. Nicht so Angela Merkel. Die deutsche Kanzlerin hat bisher nicht das geringste Interesse an einer Weiterentwicklung des Euros gezeigt. Sie hält wohl auch aus Machtkalkül am Status quo fest. Dass die Euroländer momentan nicht über eine Verbesserung der Gemeinschaftswährung reden, dafür trägt auch die Europäische Zentralbank (EZB) eine Mitschuld. Sie legt mit dem Kauf von Staatsanleihen einen Mehltau über die Modernisierung des Euros.
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