Schweizer-Franken.eu - Eurokurs Prognosen 2016/17
+++ Euro prallt bei 1,09 Franken zurück +++

Kommt die Eurozone noch auf einen grünen Zweig?

Börsianer haben ihr Urteil gefällt: Der Verlierer der Brexit-Tage ist nicht etwa Großbritannien, sondern die Eurozone. Im Zentrum des Bebens stehen die Banken. Der Einbruch ihrer Aktienkurses zeigt, dass etwas nicht stimmt. Die Bankenaufseher tappen im Dunkeln. Hinzu kommt: Frankreich und Italien satteln nur bei den Wachstumsraten ihrer Staatsschulden drauf. Die Regierungen erweisen sich alles völlig unfähig ein vernünftiges Umfeld für mehr Wachstum und Beschäftigung zu entwerfen.

Der wichtigste Aktienindex von Großbritannien, der FTSE-100, klettert auf 6.360 Punkten. Damit steht das umgangssprachlich Footsie genannte Börsenbarometer um 22 Punkte höher als vor dem Brexit-Votum. Der Benchmark-Index für die Eurozone, der Euro Stoxx 50 notiert aktuell bei 2.837 Zählern. Das sind 200 Punkte weniger als vor Großbritanniens EU-Austritt.

Wegen horrender Kurseinbrüchen bei Geldhäusern wie Unicredit und Deutscher Bank fragen sich Börsianer: Wer ist das kleinere Übel? Unfähige Banken CEO's und ihre Aufsichtsräte, die eine Ausrede nach der anderen abliefern, oder die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte Bankenaufsicht? Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble soll Pläne in der Schublade haben, die Bankenaufsicht aus der EZB wieder herauszulösen.

Trotz niedrigsten Zinsen sind Frankreichs Staatsschulden im ersten Quartal 2016 noch einmal spürbar gestiegen. Die Schuldenquote beträgt 97,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Italiens Neuverschuldung lag zum Jahresauftakt bei 4,7% der Wirtschaftsleistung bei einer Schuldenquote von 135%. Der in den Euro-Verträgen vorgesehene 3-Prozent-Deckel bleibt für die Regierung in Rom ein unerreichbares Ziel. Den hohen Schuldenzuwächsen stehen in beiden Ländern kleine Wachstumsraten (1,1-1,4%) und hohen Arbeitslosenraten (10-12%) gegenüber.


Die Finanzmärkte hätten 2008 sehr viel früher als die Bankenaufseher verstanden, dass die Investment Bear Stearns ein Problem habe. Im Falle der US-Bank Wachovia, wo auch der Aktienkurs kräftig gefallen war, bevor die Hiobsbotschaften kamen, sei es genauso gewesen, sagte der US-Ökonom und frühere Präsidentschaftsberater Larry Summers im Gespräch mit CNBC. Das Problem ist laut Summers folgendes: Wartet man zu lange, sind die Banken nicht mehr in der Lage ohne Staatshilfe frisches Kapital einzusammeln.

An dieser Stelle kommt die Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Danièle Nouy, ins Spiel. Sie hätte schon beim letzten Crash der Banken-Aktien zu Jahresbeginn handeln und die Geldhäuser zu höheren Kapitalpolstern zwingen müssen. Sie beließ es seinerzeit aber bei unverbindlichen Warnungen. Nun, da die Kurse der Banken noch einmal tiefer sind als im Februar 2016, wird es ungemein schwierig, für einige Banken in der Eurozone wohl schon unmöglich, sich ohne Garantien des Steuerzahlers frisches Kapital zu besorgen.

Weiterlesen:
Eurozone ist Banken-Bananenrepublik (20.02.16)

EUR/CHF-Kurs wieder so fit wie vor dem Brexit

Die Lage beim Euro-Franken-Kurs ist besser als vor dem Brexit. Der Euro kletterte seit Wochenbeginn um 1,6% auf 1,0885 Franken. Die Devisennotierung steht höher als vor einer Woche, als sie bei 1,0805 gelegen hatte. Die Wall Street macht mächtig Dampf. In Europa sind die Banken wieder einmal der Flaschenhals, der stärkere Kursgewinne verhindert.

"Ich erwarte, dass die Nationalbank auch künftig alle Mittel nutzen wird, um die Aufwertung des Frankens in der Größenordnung von 1,08 bis 1,10 Fr. halten zu können", sagte Economiesuisse-Verbandspräsident Heinz Karrer in einem Interview mit der Zeitung "NZZ am Sonntag". Die Schweizer Unternehmen können aufatmen. Der aktuelle Wechselkurs liegt in der Mitte der von ihnen geforderten Range.


Aufatmen können auch die besonders aktienaffinen US-Anleger. Der S&P 500 hat bereits 70 Punkte seit dem Brexit-Schock aufgeholt. Damit fehlen nur noch 50 Punkte zum Hoch bei 2.113 Zählern unmittelbar vor dem Brexit. Danach wäre es nur noch knapp 10 Zähler und das Börsenbarometer, das die 500 größten US-Unternehmen beinhaltet, hatte sein Rekordhoch vom Mai 2015 bei 2.123 Punkten übertroffen.

Europäische Anleger können von solchen Rekordständen nur träumen. Das liegt zum einen daran, dass die Loser-Länder mit den hohen Arbeitslosenraten das Kommando in EU und Eurozone übernehmen. Zum anderen wackeln mal wieder die Banken. Deutsche Bank, Unicredit aber auch so ein Vorzeigeinstitut wie die Credit Suisse sind regelrecht am zerbersten.

Wie lässt sich das Ruder herumreißen?

Repariert endlich eure Banken und schafft vernünftige Bedingungen, damit eure Leute unternehmerisch tätig werden und Arbeitsplätze schaffen. Wenn das zu kompliziert ist, macht einfach das nach, was die Iren vorgemacht haben. Davon wollen die PIGS (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) aber nichts wissen. Frankreichs Sozialisten und die EZB bestärken sie in ihrer Blockadehaltung.

Mehr als eine Floskel? Eurozone will Beschäftigung stärken

Am vierten Handelstag nach dem Brexit-Votum steigt der Euro auf 1,0875 Franken. Der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs macht Sozialromatikern und Verweigerern ökonomischer Realitäten das Leben schwer. Wer aber darauf setzt, dass die Eurozone jetzt etwas Vorzeigbares liefert, dürfte enttäuscht werden. Die großen Drei bewegen sich erst, wenn es die Briten geschafft haben. Bis dahin geben die Loser mit den hohen Arbeitslosenraten den Ton an.

Weil die EU jetzt zum ersten Mal in ihrer Geschichte kleiner wird, ist es mit der Selbstgefälligkeit von Angela Merkel, François Hollande und Matteo Renzi vorbei. Die Staatschefs der Gründungsmitglieder der EU gaben am Montag folgende gemeinsame Erklärung ab:

"Für die Länder, die den Euro als Währung nutzen, werden weitere Schritte nötig sein, um Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Konvergenz zu stärken, einschließlich im Bereich der Sozial- und der Steuerpolitik."

François Holland und Matteo Renzi wollen also Wachstum und Beschäftigung fördern. Wenn das dann so aussieht, wie sie es in den vergangenen Jahren in ihren Ländern vorgemacht haben, dann gute Nacht. Es fehlen nur noch die Unterschriften der Ministerpräsidenten von Griechenland und Spanien, die in ihren Ländern Arbeitslosenraten von über 20% zu verantworten haben, und die Erklärung könnte als Satire durchgehen.

Dass Merkel etwas Vernünftiges beisteuert, damit die Eurozone die große Kluft zwischen Wachstumsraten und Neuverschuldung verkleinert, ist sehr fraglich. Nutzt sie doch die sprudelnden deutschen Exportüberschüssen und Niedrigzinsen, um ihre Wähler mit Rentenerhöhungen und Ausgabenprogrammen zu beglücken. Bei der Kompetenz auf dem Feld der Wirtschafts- und Steuerpolitik ist die deutsche Bundesregierung weit hinten, wie eine viel beachtete Studie der Schweizer Business School IMD unlängst zeigte.

Damit liegt die ganze Hoffnung bei den Briten. Sie haben einen schmerzlichen Anpassungsprozesses vor sich. Sollte sie den meisten, wofür die Chancen ganz gut stehen, wären sie ein großes, erfolgreiches Land, das nicht in der EU ist. Diesem Beispiel könnten Länder wie Tschechien, die aus Brüssel Neid und Missgunst erfahren, folgen. Jetzt müssten auch Deutschland, Frankreich und Italien endlich die ökonomischen Realitäten akzeptieren.

Es wäre nicht das erste Mal, dass der Kontinent in Sachen Wirtschaftspolitik von den Briten abkupfert. Anfang der 90er-Jahre hat Großbritannien als erstes den Faktor Arbeit durch Senkung direkter Steuern entlastet. Im Gegenzug wurden indirekte Steuern (Mehrwertsteuer, Mineralölsteuern etc.) angehoben. Es sollte 10-20 Jahre dauern, bis sich diese einfache, aber erfolgreich Steuerpolitik auch in Deutschland, Italien und Spanien durchsetzte.

Euro bereitet Rückkehr auf 1,10 Franken vor

Viel fehlt nicht mehr und der Euro ist wieder genauso viel wert wie vor dem Brexit-Votum. Aktuell notiert er bei 1,0850 Schweizer Franken. Die Tendenz ist steigend, weil die Notenbanken das Prinzip "Think globally, act locally" über Bord werfen. Bleibt die Frage: Werden die Engländer in der Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) vorstellig, nachdem sie im Fußball gegen das EFTA-Land Island verloren haben?

Die Börsen erholen sich am dritten Handelstag nach dem Brexit. Für den einen oder anderen sind das jetzt Einstiegskurse. Man erhofft sich, dass die Eurozone auf den EU-Austritt der Briten mit einer tieferen Integration reagiert. Für die USA rechnen die Bullen mit einem Rebound am Arbeitsmarkt und einer leichten Überhitzung der Inflation vor dem Hintergrund, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen nicht anheben will/kann.

Das kann doch nicht so schwer sein: Hiermit trete ich aus der EU aus und in die EFTA ein. Mit dem EFTA-Beitritt wäre der Zugriff der britischen Wirtschaft auf den riesigen EU-Binnenmarkt gesichert. EFTA und EU bilden den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), eine sich von Island bis zum Mittelmeer erstreckende Freihandelszone.

London drückt aber auf die Bremse. Denn es würde auf einen Schlag die seit seinem EU-Beitritt 1973 herausgehandelten Sonderrechte verlieren. Darüber hinaus steht die territoriale Integrität auf dem Spiel. Bei einem überhasteten EU-Austritt dürfte Schottland zügig ein zweites Referendum über seine Unabhängigkeit abhalten.

Das alles sind aber innerbritische Probleme und für den großen Rest der Welt unbedeutend, lautet die Botschaft der Finanzmärkte. Sie haben die von der wirtschaftlichen Abkühlung Großbritanniens ausgehende Bremswirkung auf die Weltwirtschaft am Freitag und Montag hinreichend gewürdigt. Mehr Schadwirkung können die Briten nicht verursachen, dafür ist ihre Volkswirtschaft dann doch zu klein.

Am Donnerstagabend vor dem Brexit war 1 Euro 1,1015 Franken wert, am Freitagmorgen nur noch 1,0620 Franken (11-Monatstief). EZB-Chef Mario Draghi gibt den Bullen an der Börse bereits Zucker. Der Italiener spricht sich am Tag drei nach dem Brexit für eine engere Koordination der großen Zentralbanken aus. In der Praxis läuft das darauf hinaus, dass man noch stärker interveniert, um Aktien- und Anleihekurse hoch zu halten.
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