Schweizer Franken aktuell - Eurokurs Prognosen 2015/16

Putscht sich Tsipras weg oder gibt's den großen Knall?

Weil für den Euroraum vielleicht alles auf dem Spiel steht, geht der Euro vor dem griechischen Volksentscheid in Deckung. Anleger und Devisenhändler bevorzugen es, in dem als sicheren Hafen wahrgenommenen Schweizer Franken die Ereignisse des Wochenendes auf sich zukommen zu lassen. Dann kommt noch eine Hiobsbotschaft vom IWF. Der Eurokurs sinkt von 1,0525 auf 1,0450 Franken. 1 Franken ist knapp 0,96 Euro wert.

In Brüssel nehmen die Politiker die Boxhandschuhe ab und gehen auf Alexis Tsipras los. Der Griechen-Premier sei unberechenbar und manipuliere die Menschen, sagt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz dem "Handelsblatt". Das habe fast schon demagogische Züge. Der Parlamentschef war einer der wenigen, die Tsipras vielleicht von Anfang an durchschauten. Bereits im Januar, als der Linkspopulist an die Macht kam, sagte Schulz, er habe "keinen Bock" auf ideologische Debatten mit der griechischen Regierung.

Denn genau aus ideologischen Gründen habe Tsipras die Verhandlungen vor einer Woche mit den Geldgebern platzen lassen, stellt EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker fest. "Wir waren sehr nahe an einer Einigung", so Juncker. Die Positionen hätten nur 60 Millionen Euro auseinander gelegen. Tsipras sei mit einer Armee von 60 Leuten bei den Verhandlungen erschienen. "Immer, wenn einer davon die Vorschläge der EU für akzeptabel gehalten habe, habe ihn Tsipras ausgetauscht. "Es war ein Zirkus", resümiert Juncker in der "Bild"-Zeitung.

Wer bei englischen Buchmachern auf den Ausgang des griechischen Volksentscheides 10 Euro wettet, bekommt bei einem Ja für die Reformauflagen 3,50 Euro. 6,50 Euro gibt es bei einem Nein. Dies deutet darauf hin, dass die Tage von Tsipras gezählt sind. Allerdings versucht die griechische Regierung durch Maßnahmen wie eine tendenziöse Webseite zum Referendum und die kostenlose Benutzungen der Fernstraßen die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen.

Die meisten Beobachter rechnen damit, dass die Griechen mit Ja stimmen, um wieder genügend Geld zu haben, um ihre Familien und sich zu versorgen. Sollten sie entgegen den Erwartungen mit Nein stimmen, wäre der Euro in Gefahr. Tsipras müsste einen tragfähigen Kompromiss mit den Geldgebern finden. Das scheint unmöglich, zumal der Internationale Währungsfonds (IWF) nun festgestellt hat, dass Athen bis 2018 50 Milliarden mehr braucht als erwartet. Die Summe wird immer größer, weil durch Kapitalverkehrskontrollen, Bargeldbeschränkungen und nun erste Knappheiten von Lebensmitteln auf einigen griechischen Inseln die Wirtschaft abgewürgt wird.

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Kein Englisch, keine Auslandserfahrung, nie was gearbeitet

Wie lange ist Alexis Tsipras noch Ministerpräsident von Griechenland? Der Linksaktivist hat einen fast schon spießbürgerlichen Blick auf die Welt. Ferner gilt er als beratungsresistenz, ist außerhalb Griechenlands vollkommen verloren und hat noch nie in seinem Leben etwas gearbeitet. Ein griechischer Politikwissenschaftler deckt auf, wer da Europa in den letzten Monaten aus den Angeln heben wollte.

"Er war nie besonders kosmopolitisch", sagt der Politikwissenschaftler Dimitris Papadimitriou von der Universität Manchester im Gespräch mit dem Portal GMX. Vielmehr sei Tsipras "das typische Produkt von linkem Aktivismus". Weil der 40-Jährige keine Auslandserfahrung hat und noch nie in der Privatwirtschaft einen Job hatte, habe er einen sehr beschränkten Blickwinkel auf die Welt. Englisch hat Tsipras erst für sein Amt gelernt, obwohl er ein studierter Bauingenieur ist.

In den Medien wurde in den letzten Monaten immer wieder darüber spekuliert, dass Tsipras Griechenland insgeheim aus dem Euro herausführen wolle. Dies sei aber nicht der Fall, erläutert Papadimitriou. Tatsächlich wolle er Griechenland in der EU halten, weil er wisse, dass die Leute sonst noch mehr litten. Tsipras selbst sei nicht pro-europäisch. Dies werde an seinem mangelnden Verständnis, wie die EU-Institutionen funktionieren und welche Regeln die EZB habe, deutlich.

Wer eins und eins zusammenzählt, kommt zu dem Ergebnis, dass ein Grexit unwahrscheinlich ist. Zum einen will ihn Tsipras nicht, sonst wäre er schon früher auf Konfrontationskurs gegangen und hätte nicht bis vor kurzem die Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) bezahlt. Zum anderen wird sich die EU die Kirchturmspitze der europäischen Einigung, nämlich das ist der Euro, nicht von einem 40-Jährigen Griechen kaputtmachen lassen, der keine Ahnung von Europa hat und möglicherweise von seiner Lebensgefährtin indoktriniert wird.

Wenn all das wahr ist, könnte es wie folgt weitergehen:
  • Tsipras verliert sein Referendum, das augenscheinlich aus einer Kurzschlussreaktion entstand. Ein erfahrener Politiker hätte über die Sache sicherlich eine Nacht geschlafen. Nicht Tsipras. Der setzte sich letzten Freitag in Brüssel ins Flugzeug und kündigte acht Stunden später im Fernsehen die Volksabstimmung an.
  • Tsipras tritt zurück. Die Nachfrage nach dem als sicheren Hafen wahrgenommenen Schweizer Franken sinkt, was dem Eurokurs Anstiegspotential Richtung 1,08 Franken eröffnet. Die Geldgeber einigen sich mit dem Nachfolger von Tsipras in Windeseile auf ein Reformpaket. Langwierige Pokerspiele kann sich die griechische Politik aufgrund der Kapitalverkehrskontrollen nicht leisten.

Ade Alexis - Willkommen Euro bei 1,05 Franken

Geht Alexis Tsipras sang und klanglos unter? Eine neue Umfrage deutet das an. Es zeichnet sich eine klare Zustimmung der Bevölkerung zu den Reformauflagen ab. Mit jedem Tag, an dem die Banken geschlossen und die Geldautomaten in Griechenland nur 60 Euro je Abheber ausgeben, wird das Lager der Befürworter der Reformauflagen größer. Und der Euro wird zum Franken immer fester.

Die ersten politischen Beobachter sprechen bereits von einer politischen Klatsche sondergleichen, die sich Alexis Tsipras am kommenden Sonntag abholen könnte. Mit seinem plötzlich einberufenen Volksentscheid habe er den Bogen überspannt. Die Beteuerungen der griechischen Regierung, wonach gleich am Montag nach der Abstimmung die Geldautomaten "normal" funktionieren werden, glaube niemand.

Eine von der konservativen Zeitung "Eleftheros Typos" in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, dass 47,1 Prozent der Wähler "Ja" zu den Reformauflagen der Euro-Finanzminister und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagen. 43,2 Prozent wären dagegen. Damit wird eine vorherige Umfrage, die das Lager der Gegner klar vorne sah, auf den Kopf gestellt.

Neue Prognosen

Der Eurokurs steigt gegenüber dem Schweizer Franken den vierten Tag in Folge. Bis zu 1,0515 Franken werden für den Euro bezahlt nach 1,0312 zum Wochenauftakt. Die Furcht vor einem Austritt Griechenlands aus dem Euroraum (Grexit) schwindet. Gemäß einer neuen Prognose der Scotiabank wird der Euro bis September auf 1,06 Franken und bis Dezember auf 1,07 Franken steigen.

Bei der Credit Suisse ist man weniger optimistisch. Die Devisenexperten der zweitgrößten Bank der Schweiz sehen den Euro bei 1,05 Franken auf der Stelle treten. Die Commerzbank rechnet mit einem Abtauchen der Gemeinschaftswährung unter 1,00 Franken.

Euro macht sich wieder auf den Weg Richtung 1,08 Franken

Der Euro steigt mit auf 1,0470 Franken auf den höchsten Stand seit einer Woche. Weil Griechenland nicht Russland ist, knickt die Wirtschaft in der Eurozone nicht ein. Es gibt keine Anzeichen eines Rückgangs der Wirtschaftsaktivität, wie bei der Einführung der Sanktionen gegen Russland vor einem Jahr. Vielmehr ist Stimmung der Fabrikanten so gut wie seit 14 Monaten nicht mehr.

Die Griechenland-Krise lässt den Euro zunehmend kalt. Ein von dem Forschungsinstitut Markit erhobener Einkaufsmanagerindex, der auf der Befragung von 3.000 Fabrikanten beruht, kletterte im Juni auf 52,5 Punkten nach 52,2 Zählern im Mai. Indexstände über 50 Punkten bedeuten, dass die Wirtschaft expandiert.

"Dass es mit der Industrie auch im gesamten zweiten Quartal 2015 aufwärts ging, zeigen die Durchschnittswerte für Wachstum, Produktion und Auftragseingang, die allesamt so gut ausfielen wie seit einem Jahr nicht mehr", erläutert Markit-Chefökonom Chris Williamson. Bis auf Griechenland verzeichnen alle von der Umfrage erfassten Euroländer Wachstum.

Untermauert wird der jüngste Anstieg des Euros gegenüber dem Franken von schwachen Konjunkturdaten aus der Schweiz. Das KOF-Konjunkturbarometer sank im Juni um 3,0 Punkte auf 89,7 Punkte. "Entsprechend sind die Aussichten für die Schweizer Konjunktur dem Barometer zufolge in den kommenden Monaten negativer geworden", schreibt die Konjunkturforschungsstelle in Zürich.

Aus charttechnischer Sicht muss der Euro über eine hartnäckigen Widerstandszone bei 1,0540-1,0560 Franken steigen, um die Aufwärtsbewegung Richtung 1,08 fortzusetzen. Denn seit Ende April 2015, als der Wechselkurs ein Tief bei 1,0232 Franken markierte, geht es kontinuierlich nach oben. Problematisch für den Euro wird es bei dem Bruch einer bei 1,0285-1,0300 liegenden Unterstützung.

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Griechenlands Referendum wackelt - EUR/CHF fester

Beim Euro-Franken-Kurs beginnt es zu knistern. Das Devisenpaar klettert auf 1,0450 nach 1,0315 am Vortag. Die Finanzmärkte zweifeln an der Entschlossenheit der griechischen Regierung. Alexis Tsipras schreibt einen Bettelbrief nach dem anderen, um an frische Hilfsgelder zu gelangen. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt, dass Griechenland auch bei einem Nein beim Referendum in der Eurozone bleibt, worauf der Euro positiv reagiert.

Den ersten Bettelbrief schickte Tsipras am Sonntag an die Staats- und Regierungschef. In dem Schreiben rechtfertigt er sich für die aus heiterem Himmel anberaumte Volksabstimmung. Gleichzeitig bittet er darum, dass am 30. Juni endende Hilfsprogramm um eine Woche zu verlängern. Das einzige Land, das bereit war, das Hilfegesuch zu prüfen, war Zypern.

Nun hat die griechische Regierung ein weiteres Hilfegesuch bei der Eurogruppe eingereicht. Weil das alte Hilfsprogramm um Mitternacht ausläuft und es keine Chance auf eine Verlängerung gibt, will Tsipras ein neues Programm. Zwei Jahre soll es dauern und 29,15 Milliarden Euro schwer sein. Die griechische Regierung wünscht sich ein Sponsoring zur Deckung ihres Finanzbedarfs sowie eine Restrukturierung der Staatsschulden.


Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt klipp und klar, dass man erst nach nach dem Referendum in neue Verhandlungen mit Griechenland eintreten könne.

Mittlerweile liegt es sogar im Bereich des möglichen, dass Tsipras die bizarre Volksabstimmung absagt. "Das Beste wäre, Herr Tsipras würde das Referendum absagen", erklärt der deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel in Berlin. Der jüngste Anstieg des Euros gegenüber dem Schweizer Franken ist für Devisenhändler ein erstes Indiz dafür, dass es vielleicht doch noch zu einer Lösung ohne Volksabstimmung kommt.

Das Referendum ist für beide Seiten gefährlich. Die Geberländer könnten bei einem Nein der Griechen zu den Sparauflagen keine Hilfsgelder locker machen. Das gilt insbesondere für Euroländer, in denen die Parlamente zustimmen müssen (Deutschland, Niederlande). Die griechische Regierung müsste bei einem Nein die Kapitalverkehrskontrollen aufrecht erhalten. Im Falle eines Ja hat Tsipras seinen Rücktritt in Aussicht gestellt.

Wie lange kann Europa Tsipras und Varoufakis ertragen?

Der Countdown läuft: In sechs Tagen ist die Eurozone nicht mehr so, wie sie einmal war. Griechenlands Ministerpräsident knüpft seine politische Zukunft an das Ergebnis der Volksabstimmung. Herr Tsipras ist sich im Zweifel zu fein dafür, den Willen des Volkes umzusetzen. Somit geht auch bei einem Ja zu den Reformauflagen die Geisterfahrt Griechenlands weiter.

"Wir werden aber nicht diejenigen sein, die sie (die Reformauflagen) ausführen. Sollte ein Ja herauskommen "bin ich nicht für alle Zeiten Ministerpräsident", sagt Tsipras im griechischen Fernsehen. Im Klartext heißt das: Tsipras will des Volkes Willen nur umsetzen, wenn dieser mit seinem Syriza-Parteibuch identisch ist.

Im griechischen Parlament geht ohne Syriza gar nichts. Es ist kaum anzunehmen, dass sich bei einem Ja zur Volksabstimmung Konservative mit Kommunisten und Nationalisten sowie den zwei eurofreundlichen Parteien zusammentun, um die Reformauflagen umzusetzen. Und bei einem Nein dürfte es ohnehin so richtig krachen.

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Tsipras erpresse die EU, und man dürfe ihm nicht erlauben, so einfach davon zu kommen, sagt der sich für die französische Präsidentschaftswahl warmlaufende Nicolas Sarkozy bei einem Spanien-Besuch bei seinem konservativen Parteifreund Mariano Rajoy. Ließe man Tsipras davon kommen, wäre das ein Ansporn, für andere Linkspopulisten das gleiche zu tun, so Sarkozy.

Derweil droht der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis bei einem Grexit vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu ziehen. "Die EU-Verträge machen keine Vorgaben für einen Euroaustritt und wir lehnen es ab, ihn hinzunehmen", zitiert die britische Zeitung "The Daily Telegraph" Varoufakis. "Unsere Mitgliedschaft ist nicht verhandelbar."

Die gutmütigen Euro-Retter in Brüssel bei der EU und in Frankfurt bei der EZB dürften am längeren Hebel sitzen. Denn die von der griechischen Regierung eingeführten Kapitalverkehrskontrollen lassen sich de facto nur wieder aufheben, wenn die EZB frische Milliarden in das griechische Finanzsystem pumpt.

Damit stellt sich die Frage, wie viel Porzellan Tsipras und Varoufakis noch zerschlagen, bevor sie jemand vor die Tür setzt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass beide wegen der katastrophalen Finanz- und Wirtschaftslage und der außenpolitischen Isolation, in die sie das Land geführt haben, bald die Flucht ergreifen.