Schweizer-Franken.eu - Eurokurs Prognosen 2016/17
+++ Eurokurs aktuell etwas leichter bei 1,1090 Franken +++

Schweizer Franken muss sich vor Merkel in Acht nehmen

Das Bigger Picture zeigt bei den Konjunkturdaten einen Vorteil für den Euroraum. Die deutsche Wirtschaft macht hier kräftig Dampf. In der Schweiz verschlechtert sich die Stimmung in der Exportwirtschaft. Für den Euro-Franken-Kurs müsste es demnach ein Kinderspiel sein, weiter zu steigen. Kanzlerin Merkel bekommt das, was sie will, ohne sich sonderlich ins Zeug zu legen.

Angela Merkel und Mario Draghi sind ein Traumpaar: Der Italiener facht mit seiner ultralockeren Geldpolitik das Wachstum in Deutschland an. Die Kanzlerin warnt zwar regelmäßig vor weit geöffneten Geldschleusen. Im stillen Kämmerlein in ihrem Kanzleramt dürfte sie sich aber sehr begrüßen, dass Draghi das deutsche Wirtschaftswachstum erhöht.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hebt seine Wachstumsprognose nun von 1,3% auf 1,5% an. Merkel fühlt sich bestätigt, rechnet doch ihre Bundesregierung mit 1,7%. In Berlin verlässt man sich auf die EZB als Wachstumsorganisator. Denn die wirtschaftliche Reformbilanz nach elf Jahren Merkel ist äußerst bescheiden und von großer Selbstzufriedenheit geprägt.

Aussitzen und Aussourcen

Merkel habe das Regieren outgesourct, sagen ihre Kritiker. In der Flüchtlingskrise ließ sie Österreichs Regierung die wirklich schweren Entscheidungen treffen. Von der Schließung der Balkan-Route profitierte dann sehr stark die deutsche Politik, die zuvor gebetsmühlenartig versprochen hatte, die Flüchtlingszahlen zu senken. Nichtsdestotrotz kritisierte die deutsche Politik vorwandshalber Österreich.

Aus der Schweizer Wirtschaft kommen anhaltende Schwächesignale. Die Exporte sanken im April 2016 um 0,6%, während die Importe um 3,2% stiegen, teilt die Zollverwaltung mit. Besonders stark gaben die Uhrenexporte nach. Der Handelsbilanzüberschuss schrumpfte auf 2,50 Milliarden Franken - nach 2,86 Milliarden Franken im April 2015.

Die Schweiz ist die Schablone dafür, was auf Euroland zukommt, wenn sich die Geldpolitik erschöpft hat. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beendete vor 16 Monaten eine über den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken betriebene ultralockere Geldpolitik. Den Entzug hat die Schweizer Wirtschaft bisher recht bravourös gemeistert, wofür sie zuletzt gewissermaßen mit einem Abschwächung des Frankens belohnt wurde.

In der Schweiz brodelt es: Euro-Rallye kann weitergehen

Anleger haben die Schweiz auf dem Kieker: Dort steigt die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit sechs Jahren. Die Wirtschaft hat den Frankenschock nicht so gut verdaut wie angenommen. Euroland ist hingegen auf Wachstumskurs, wobei sich die Dynamik der konjunkturellen Erholung auf Deutschland und Frankreich konzentriert. Der Euro hat gute Chancen seinen Anstieg auf 1,12 Franken fortzusetzen.

Die Arbeitslosenrate in der Schweiz kletterte im ersten Vierteljahr 2016 auf 5,1%, teilte das Bundesamtes für Statistik (BFS) vorherige Woche mit. Im Vorjahresquartal hatte sie lediglich bei 4,4% gelegen. Wovon die Nachbarn Italien und Frankreich nur träumen können, ist für Schweizer Verhältnisse eine besorgniserregende Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Abstiegskandidat

"Wir schauen uns die Schweiz und Schweizer Aktien gar nicht mehr an", zitiert Bloomberg Guillermo Hernandez Sampere von Vermögensverwalter MPPM in Eppstein bei Frankfurt. Die steigende Arbeitslosigkeit dürfte den Konsum dämpfen. Die Unternehmen leiden, weil sie wegen dem Negativzins auf ihre Bankeinlagen nichts mehr verdienen und der immer noch starke Franken die Exporte bremst.

In Deutschland fiel das Wirtschaftswachstum im Mai 2016 so stark aus wie zuletz Ende 2015, meldet das Forschungsinstitut Markit. Frankreich verzeichnete dank eines florierenden Dienstleistungssektors die höchste Wachstumsrate seit sieben Monaten. Hätte sich im Rest des Euroraum die Konjunktur nicht etwas abgekühlt, wäre der Euro wahrscheinlich auf 1,12 Franken gestiegen.

Dem Euro-Franken-Kurs bleibt jedoch vorerst der höchste Stand seit der Aufhebung des Mindestkurses vor 16 Monaten verwährt. Sollte sich die Schweizer Konjunktur weiter abkühlen, worauf die schwache Entwicklung des Schweizer Aktienindex SMI hindeutet, sähe das anders aus.

10 nigelnagelneue Schweizer Franken Prognosen

Aktuell ist 1 Euro 1,1110 Schweizer Franken wert. Den Wechselkursprognosen von 10 Banken zufolge wird der Eurokurs bis Jahresende auf 1,0995 Franken sinken.


1) Euro steigt auf 1,12 Franken (Erste Group)
"Eine Analyse der fundamentalen Faktoren zeigt eine Überbewertung des Frankens", sagt die Erste Group. Mit dem Beginn der zweiten Jahreshälfte dürfte sich der Schweizer Franken leicht abschwächen.

2) Euro steigt auf 1,12 Franken (Danske Bank)
Auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten gehe man davon aus, dass die für den Wechselkurs zentralen Fakten einen Anstieg des Euro-Franken-Kurses herbeiführten. Die Europäische Zentralbank (EZB) sei dabei ihre Politik der Zinssenkungen und Euro-Schwächung ad acta zu legen.

3) Euro stagniert bei 1,11 Franken (Deka Bank)
Der Schweizer Franken dürfte vorerst überbewertet bleiben. Voraussetzung für einen nachhaltig schwächeren Franken sie die wirtschaftliche Erholung des Euroraums. Mit einer Erhöhung des EZB-Einlagenzinses (aktuell: -0,40%) sei nicht vor Herbst 2018 auszugehen.

4) Euro stagniert bei 1,11 Franken (UBS)
"Wir erwarten keine Veränderung der Negativzinsen (in der Schweiz) und somit einen vergleichsweise stabilen EURCHF", teilt die UBS mit. Nach größeren Kursbewegungen im Jahr 2015 rechne man 2016 mit weniger starken Ausschlägen des Euro-Franken-Kurses.

5) Euro sinkt auf 1,1050 Franken (Credit Suisse)
Das nachhaltige Erholungspotential des Euro-Franken-Kurses werde von der engen Zinsdifferenz zwischen Euroland und der Schweiz begrenzt. Für die Devisennotierung zeichne sich eine Seitwärtstendenz ab.

6) Euro sinkt auf 1,10 Franken (Deutsche Postbank)
Wegen der unterschiedlichen geldpolitischen Entwicklungen in Euroland und den USA rechne man mit einer "trendmäßigen Abschwächung des Euro gegenüber dem US-Dollar, die den Euro auch im Vergleich mit anderen Währungen unter Druck setzen dürfte."

7) Euro sinkt auf 1,10 Franken (Landesbank Hessen-Thüringen)
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte notfalls mit Zinssenkungen oder mit Devisenmarktinterventionen den Euro bei 1,10 Franken stabilisieren. Wegen der expansiven EZB-Politik und solider Schweizer Wirtschaftsdaten sei ein Anstieg des Wechselkurses eher unwahrscheinlich.

8) Euro sinkt auf 1,10 Franken (Raiffeisen Zentralbank)
Die SNB dürfte abwarten die Zinsen weiter zu senken, da der Negativzins in der Schweiz (aktuell: -0,75%) nicht unumstritten sei. Der Euro-Franken-Kurs werde voraussichtlich übers Jahr gesehen in einem engen Band um die 1,10 pendeln.

9) Euro sinkt auf 1,07 Franken (Commerzbank)
Die EZB wird voraussichtlich die Geldpolitik im späteren Verlauf des Jahres erneut lockern, wodurch der Euro unter Druck geriete. Hintergrund sei die Inflation im Euroraum, die aus der Sicht der Währungshüter zu niedrig bliebe.

10) Euro sinkt auf 1,06 Franken (Morgan Stanley)
Der Schweizer Franken tendiere bei hohen Kursschwankungen stärker zu werden. Man gehe davon aus, dass das Auf und Ab am Devisenmarkt zunehme und es infolge zu einem Rückgang des EUR/CHF-Kurses komme.

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Fremdwährungskredite: So gut war Ausblick lange nicht

Banken beginnen Schuldnern Zinsen zu zahlen. Der Euro steigt nach einem Treueschwur der Briten auf die EU auf 1,15 Franken. Die Aktienmärkte starten durch und helfen nicht nur Kreditnehmern mit einem Aktienfonds als Tilgungsträger ihre Deckungslücke zu schließen. In den nächsten Wochen könnte sich die Lage für Franken-Fremdwährungskreditnehmer dramatisch verbessern.

Ein typischer Franken-Kreditnehmer in Österreich, dessen Zinszahlungen an den CHF 3-Monat-Euribor (aktuell: -0,74%) gekoppelt sind und der in seinem Kreditvertrag einen Aufschlag von 0,50% stehen hat, müsste eigentlich ein Viertelprozent Zinsen verdienen. Die Banken wollen von dieser Rechnung allerdings nichts wissen und ziehen in der Praxis bei 0,01% eine Linie in den Sand.

Höchstrichterlich ist noch nicht abschließend geklärt, ob Banken negative Zinsen an ihre Kunden weitergeben müssen. Der Oberste Gerichtshof (OGH) wird darüber nun abschließend entscheiden. Das Urteil wird für Juni/Juli erwartet.

Die Briten werden sich am 23. Juni 2016 voraussichtlich für die EU entscheiden, wie Umfragen zeigen. Ist der Brexit vom Tisch, ist auch die Gefahr, dass die Schweiz mit Fluchtgeldern aus der EU überflutet wird, vom Tisch. Der Euro könnte seinen Anstieg auf 1,15 Franken fortsetzen. Im Lichte der steigenden Zahl von Brexit-Ablehnern konnte der Euro in den letzten Wochen bereits von 1,0840 Franken auf 1,1130 Franken klettern.

Ade Deckungslücke

"Es ist frustrierend für die Bullen, es ist frustrierend für die Bären, es ist frustrierend für alle." So beschreibt der führende Markttechniker Ari Wald von der US-Investmentbank Oppenheimer die Lage an den Aktienmärkten. "Wir gehen davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte wieder nach oben geht", sagt der renommierte Experte im Gespräch mit dem Finanzsender CNBC.

Von steigenden Aktienmärkten würden vor allem Franken-Kreditnehmer profitieren, die mit dem Besparen eines Aktienfonds oder Mischfonds beabsichtigen, ihre Kredite zurückzuzahlen. Aber auch jene, die eine Lebensversicherung mit Garantiezins haben, würden nicht leer ausgehen. Eine neue Börsen-Hausse wäre mit einem besseren Ausblick für die Weltwirtschaft verbunden. Infolge käme es zu einem Zinsanstieg.

Die Versicherungskonzerne wären früher als es derzeit viele erwarten in der Lage neben dem Garantiezins wieder eine Überschussbeteiligung zu erwirtschaften. Für Franken-Kreditnehmer mit einer Lebensversicherung als Tilgungsträger würde das höhere Zinserträge bedeuten. Auch sie würden leichter ihr Ziel erreichen, mit dem Tilgungsträger den Kredit zur Gänze zurückzuzahlen. Vorhandene Deckungslücken würden sich schließen.
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