Schweizer Franken aktuell - Eurokurs Prognosen 2015/16
+++ Euro steigt vor US-Arbeitsmarktbericht von 1,0795 auf 1,0865 Franken. 1 Schweizer Franken ist 0,9204 Euro wert. +++

EZB-Masterplan: Notenpresse finanziert Schattenhaushalte

Mario Draghi ist kein Abwarter und Teetrinker. Der Italiener greift in die Gruselkiste. Wachstum und Inflation im Euroraum sind auf dem absteigenden Ast. Alles was der Europäischen Zentralbank (EZB) dazu einfällt, ist eine noch engere Umarmung der Notenpresse. Die von den Euroländern bei der EZB geführten Schattenhaushalte könnten schon bald von einem europäischen Finanzminister verwaltet werden. Geht der Masterplan der EZB auf?

Der Eurokurs purzelt von 1,09 Franken auf 1,08 Franken. Den Rückgang führen Marktbeobachter auf die erste von vielen neuen Lockerungsübungen des Mario Draghi zurück. Statt bisher maximal 25 Prozent, kann die EZB künftig bis zu 33 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen eines Eurolandes kaufen. Hat Draghi einmal mit seiner scheibchenweise Lockerungspolitik begonnen, dann hört er damit nicht so schnell auf, wie man zwischen Mai 2014 und März 2015 beobachten konnte.

"In jüngerer Zeit sind erneut Abwärtsrisiken für den Wachstums- und Inflationsausblick entstanden", sagt Draghi. "Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist." Damit deutet der oberste Währungshüter eine Verlängerung des Kaufprogramms von Staatsanleihen an. Eigentlich sollte im September 2016 mit den Käufen, die die Inflation anheizen und den angenehmen Nebeneffekt haben eine massive Staatsfinanzierung über die Notenpresse zu sein, Schluss sein.

Weiterlesen: Erste Schweißperlen auf der EZB-Stirn

Daraus dürfte nichts werden, weil die Inflation noch lange unter der angepeilten Zweiprozentmarke liegt. Die volkswirtschaftliche Abteilung der EZB senkt ihre Teuerunsprognose für 2016 von 1,5 Prozent auf 1,1 Prozent. Das Wachstum im Euroraum werde im nächsten Jahr nicht wie im Juni noch prognostiziert bei 1,9 Prozent, sondern bei 1,7 Prozent liegen. Die aktuellen Entwicklungen in China und anderen Schwellenländern hätten das Potenzial das globale Wachstum zu bremsen, so die Einschätzung der EZB.

Weil die EZB durch den Ankauf von Staatsanleihen ihre Unabhängigkeit verliert, versucht man Verantwortung abzugeben. Draghi ließ über sein Direktoriumskollegen Benoit Coeure wissen, dass er ein Finanzministerium für den Euroraum mit eigenem Etat unterstütze. Das sei ein interessanter Schachzug, sagen EZB-Beobachter.

Ein solcher Finanzminister wäre für die EZB, die nach Einschätzung vieler Volkswirte eine aktive Haushaltspolitik betreibt, indem sie die Zinsen durch den Ankauf von Staatsanleihen für Länder wie Italien und Spanien massiv senkt, ein Blitzableiter. Es könnte darauf hinauslaufen, dass die Schulden der Euroländer bei der EZB auf den neuen Finanzminister umgewidmet werden. Draghi würde seiner Haushaltspolitik im Nachhinein einen demokratischen Anstrich geben.

Zum Thema:
EZB-Schaufelbagger hebt neues Loch für den Euro aus

1,10 oder 1,07? So geht es mit dem EUR/CHF weiter

Der Euro klettert auf ein 3-Wochenhoch bei 1,0905 Franken. Im Service-Sektor der Eurozone läuft es von Tag zu Tag besser. Die Dienstleister machen guten Geschäfte. In Griechenland zeichnet sich ein den Euroraum stärkender Machtwechsel ab. Alexis Tsipras droht die Abwahl. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) den Griff in die Gruselkiste unterlassen, könnte der Eurokurs über 1,10 Franken steigen.

In den Kassen der Dienstleister, die etwa zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmachen, klingelt es. Am besten ist die Stimmung in Spanien, wo der Einkaufsmanagerindex (PMI) mit 59,6 Punkten beinahe um 10 Zähler die bei 50 Punkten liegende Wachstumsschwelle überragt. Es folgt Deutschland mit 54,9 Punkten und Italien mit 54,6 Punkten. Frankreich bleibt das Sorgenkind. Aber auch hier liegt der PMI mit 50,6 Zählern im Wachstumsbereich.


Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass in Griechenland bald die der Reformpolitik wohlwollend gegenüber stehenden Konservativen das Sagen haben. Alexis Tsipras liegt mit seiner Syriza-Partei hinten. Die von ihm angestrebte absolute Mehrheit der Mandate ist inzwischen ein aussichtsloses Wahlziel. Aus der Sicht der Finanzmärkte wäre es für die Zukunft des Euroraums und des Euro eine positive Entwicklung, sollte der "Spaltpilz Tsipras" abgewählt werden.

Damit der Euro-Franken-Kurs seinen Anstieg fortsetzt, braucht es grünes Licht von der EZB in Frankfurt. Macht Mario Draghi eine Geldpolitik der ruhigen Hand, könnte der Euro das zum Anlass nehmen das 7-Monatshoch vom 12. August 2015 bei 1,0960 Franken anzugreifen. Sollte der Italiener eine Verlängerung der Käufe von Staatsanleihen in Aussicht stellen, wäre das hingegen ein triftiger Grund auf die Tiefstände der zweiten Augusthälfte bei 1,07 Franken abzutauchen.

Weiterlesen:
EUR/CHF-Kurs bei 1,13 oder 1,00? Ein Pro und Contra

Zauberlehrlingen droht Kaiser-ohne-Kleider-Schicksal

Weil die Arbeitslosenrate im Euroraum auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren sinkt, wittert der Euro-Franken-Kurs Morgenluft. Das Devisenpaar klettert auf 1,0870. Seit neuestem verbessern sich nicht nur die Konjunkturdaten im Euroraum, sondern auch in der Schweiz. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bringt das paradoxerweise in Bedrängnis. Sie bereitet den nächsten Paukenschlag vor.

Die Europäische Zentralbank (EZB) atmet auf. Der jüngste Rückgang der Arbeitslosenrate um 0,2 auf 10,9 Prozent kann sie als ihren Erfolg verkaufen. Dass so wenig Menschen ohne Arbeit sind wie zuletzt im Februar 2012, ist auf die gesteigerte Kreditvergabe zurückzuführen. Die EZB pumpt mit ihren Käufen von Staatsanleihen massenhaft Geld in die Wirtschaft.

Notenbankchef Mario Draghi ist immer noch sehr weit von einer Erfolgsgeschichte entfernt. Die Arbeitslosenrate betrug bei seinem Amtsantritt im November 2011 10,3 Prozent. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise- und Weltwirtschaftskrise hatte die Quote bei 7,1 Prozent gelegen. Damit steht die Entwicklung in Europa im starken Kontrast zu den USA, wo die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren erheblich zurückging.

Kaiser ohne Kleider

Die Stimmung in der Schweizer Industrie verbessert sich spürbar. Der Einkaufsmanager-Index (PMI) klettert im August um 3,4 auf 52,2 Punkte. Damit notiert er über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und auf dem höchsten Stand seit der Aufhebung des Mindestkurses. Die Wirtschaft steht kurz davor den Frankenschock abzuarbeiten. Es könnte sich herausstellen, dass die Schweiz imstande ist mit Eurokursen von 1,05 bis 1,10 Franken Wachstumsraten jenseits von einem Prozent zu erreichen.

Ein Einpendeln des Euros unter 1,10 Franken bei einer ordentlich laufenden Konjunktur ruft die Schweizerische Nationalbank auf den Plan. Sie würde auf denen von ihr während der Verteidigung der Stützgrenze angehäuften Euro-Reserven sitzen bleiben. Die Folge wäre ein Gesamtverlust von 100 Milliarden Franken und mehr. SNB-Chef Jordan braucht einen Eurokurs von mindestens 1,10 Franken, besser noch von 1,15 Franken, damit er vor dem Schweizer Steuerzahler nicht als Kaiser ohne Kleider dasteht.

Der Franken sei noch immer deutlich überbewertet. "Die Nationalbank ist nicht eingeschränkt bei den Interventionen", sagte Jordan am Dienstag im Anschluss an einen Vortrag. Auch beim Leitzins, der bei -0,75 Prozent liegt, habe man noch Platz nach unten. Diese verbale Intervention war ein erster kleiner Paukenschlag der SNB. Weitere dürften folgen.

Weiterlesen:
Schweizer Notenbank bereitet nächsten Paukenschlag vor

Wächst der Euro im September über sich hinaus?

Im Juni klettert der Euro-Franken-Kurs leicht, im Juli etwas stärker und im August erheblich. Der Euro profitiert von der Konjunktur. Deutschland und Spaniens Wirtschaft machen kräftig Dampf. Italien nimmt Fahrt auf, Frankreich ist auf dem Weg der Besserung. Die Schweiz stellt unmissverständlich klar, dass sie die Letzte sein wird, die die Zinsen erhöht. Geht jetzt das Spiel mit den Franken-Krediten von vorne los?

Eines ist so gut wie sicher: Das Auf und Ab an den Finanzmärkten (Volatilität) wird im September hoch bleiben. Anleger müssen aufgrund der sich abzeichnenden Zinswende in den Vereinigte Staaten riesige Summen umschichten. Hinzu kommt die Furcht vor einem weiteren China-Beben sowie Konjunktureinbrüche in den großen Schwellenländer Brasilien, Russland und Türkei.

Die Volatilität könnte sich der Euro-Franken-Kurs zu nutze machen, um endlich den von vielen herbeigesehnten Anstieg über 1,10 zu schaffen. Auf zwei Nachkommastellen gerundet hat der Euro diese Marke bereits am 12. August 2015 berührt. Seinerzeit erreichte die Gemeinschaftswährung ein 7-Monatshoch bei 1,0960 (1,10) Franken.

Erstaunlicherweise hat der Schweizer Franken in den letzten Monaten nicht die Rolle eines sichern Hafens eingenommen. Aus der Sicht eines Top-Down-Anlegers wird er das auch in Zukunft nicht tun. Die Weltwirtschaft ist nicht so schwach, wie sie von Christine Lagardes Internationalen Währungsfonds (IWF) stets gemacht wird.

Weiterlesen: Lagardes IWF will Schweiz zu Staatsanleihenkauf verdonnern

Indien wächst inzwischen mit einer Rate von sieben Prozent so stark wie China. Die größte Demokratie der Welt dürfte das Reich der Mitte in Sachen Wirtschaftswachstum bald hinter sich lassen und damit zum neuen Motor der Weltkonjunktur werden. Darüber hinaus kommen vereinzelte Wachstumsimpulse aus Afrika, wo die Ebola-Epidemie inzwischen unter Kontrolle ist.

In Anbetracht der recht guten weltwirtschaftlichen Großwetterlage haben Anleger keinen Anreiz in den Franken zu flüchten. Vielmehr leihen sie sich Geld in der Schweiz und verteilen es nach dem Gießkannen-Prinzip in den wachstumstarken Regionen der Welt. Die Gefahr, dass sie von einem plötzlichen Zinsanstieg in der Schweiz überrumpelt werden, ist nicht vorhanden.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) machte zuletzt deutlich, dass man auf eine Normalisierung der Geldpolitik im Euroraum warten werde. Erst dann könnten auch in der Schweiz die Zinsen wieder steigen, signalisiert SNB-Präsident Thomas Jordan. Die SNB will erreichen, dass Schweizer Anleger ihre Zurückhaltung aufgeben und sich stärker im Euroraum engagieren.

Ferner hofft man darauf, dass Spiel mit den Franken-Fremdwährungskredite neu zu starten. Ausländern wird ein Anreiz gegeben sich im Schweizer Franken zu verschulden und das Geld anderswo anzulegen. Es kommt zu Kapitalabflüssen aus der Schweiz, die eine Abschwächung des Frankens herbeiführen. Hintergrund sind die Zinsen in der Schweiz: Sie werden auf absehbare Zeit die tiefsten (die negativsten) der Welt bleiben.

Schweizer Notenbank verrät wie der EUR/CHF durchstartet

Der Euro wertet gegenüber dem Franken um mehr als sechs Prozent auf. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erklärt nun, warum dies geschieht. Darüber hinaus stellt SNB-Chef Thomas Jordan eine weitere Abschwächung des Schweizer Frankens in Aussicht. Auslöser dafür soll eine Normalisierung der Geldpolitik in den großen Währungsräumen sein.

Zwischen dem 29. Juni und 11. August 2015 kletterte der Eurokurs von 1,0312 auf 1,0960 Franken (+6,28 Prozent). Diese Frankenabschwächung habe mit der gesunkenen Unsicherheit in Europa zu tun, weil die Krise um Griechenland entschärft worden sei, sagt Jordan in Interview mit "NZZ am Sonntag".

Ferner sei die Abschwächung auf die negativen Zinsen in der Schweiz zurückzuführen. Von den tiefen Zinsen in der Schweiz profitieren Franken-Kreditnehmer in Österreich.

"Selbstverständlich gibt es immer noch viele Risiken in der Welt, die dazu führen können, dass der Franken immer wieder die Rolle des sicheren Hafens übernimmt."
SNB-Präsident Thomas Jordan

Aktuell notiert der Euro bei 1,08 Franken. Damit der er die Schwelle bei 1,10 Franken überspringt, reicht die bessere Verfassung des Euroraums offenbar nicht aus, zumal wegen den jüngsten Entwicklungen in China und anderen Schwellenländern der Euro-Franken-Kurs weiterhin einsturzgefährdet ist. Es braucht eine Normalisierung der Geldpolitik.

"Man spricht davon, dass die amerikanische Zentralbank unter Umständen mit der Normalisierung der Geldpolitik beginnt und danach möglicherweise auch Grossbritannien die Zinsen etwas anhebt. Es gibt Anzeichen, dass sich die Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum erholt. Dann könnte sich dort die Geldpolitik normalisieren. Das würde uns erlauben, von den negativen Zinsen wegzukommen", spekuliert Jordan.

Es ist eine Binsenweisheit, dass die SNB von den negativen Zinsen erst abrücken wird, wenn sich der Schweizer Franken nachhaltig zum Euro abgeschwächt hat. Davon kann bisher keine Rede sein. Denn obwohl die Gemeinschaftswährung in den vergangenen zwei Monaten einen Zahn zulegte, ist der Franken nach Einschätzung Jordans immer noch "deutlich überbewertet".

Zum Thema:
UBS hebt EUR/CHF-Prognose in luftige Höhe

Euro mit neuem Versuch 1,10 Franken zu überqueren

Die Schweiz schrammt an einer Rezession vorbei, so dass der jüngste Anstieg des Euros bei 1,0870 Franken eingefangen wird. Die Gemeinschaftswährung gibt sich aber nicht geschlagen. Aus dem Euroraum kommen erfreuliche Konjunkturdaten. Banken steigern ihre Kreditvergabe an die Realwirtschaft. Die Kritik an Mario Draghis arbeitsplatzkillender Geldpolitik wird dennoch lauter.

Trotz einem auf der Exportwirtschaft wiegenden Frankenschock verbuchte die Schweiz im zweiten Quartal ein Wachstum. Das Bruttoinlandsproduktes (BIP) erhöhte sich um 0,2 Prozent. Die Widerstandsfähigkeit beeindruckt nicht nur Volkswirte, die mit einem Minus von 0,2 Prozent gerechnet hatten. Weil die Wirtschaft im ersten Quartal um 0,2 Prozent schrumpfte, wäre die Schweiz in einer Rezession gelandet. Dazu kommt es aber nicht.

Auch die Wechselkursentwicklung des Euro zum Franken ist von der Konjunktur in der Eidgenossenschaft beeindruckt. Der Eurokurs taucht kurz auf 1,0840 Franken ab, nachdem er zuvor im Lichte einer anziehenden Kreditvergabe im Euroraum von 1,0755 auf 1,0870 kletterte. Aktuell werden für 1 Euro Wechselkurse von 1,0860 Franken bezahlt.


Im Euroraum ansässige Banken steigerten im Juli ihre Kreditvergabe an Firmen außerhalb der Finanzbranche um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) mit. Auch die von den Währungshütern mit Argusaugen beobachtete Geldmenge M3 erhöhte sich mit 5,3 Prozent stärker als erwartet. M3 wird von der EZB genutzt, um Inflationsrisiken zu deuten. Steigt M3, wird es weniger wahrscheinlich, dass die EZB bei ihrem Anleihe-Kaufprogramm noch einmal draufsattelt.

Zentrale Konjunkturdaten hat Mario Draghis EZB nicht auf ihrer Seite. Die Arbeitslosigkeit im Euroraum sei nach wie vor viel zu hoch und das Wachstum trotz weichem Euro und tiefen Ölpreisen viel zu schwach, sagen Kritiker. Draghi nehme mit seinen Käufen von Staatsanleihen den Reformdruck von den Euro-Kolossen Frankreich und Italien. Seitdem Draghi die EZB leitet, ist die Arbeitslosigkeit am steigen. Er betreibe somit eine arbeitsplatzkillende Geldpolitik.

Befürworter des geldpolitischen Kurses von Mario Draghi entgegnen, dass die Arbeitslosigkeit der volkswirtschaftlichen Entwicklung stets hinterher hinke. Es sei deshalb nicht fair, Draghi bereits zum jetzigen Zeitpunkt an der Arbeitslosigkeit zu messen.
-->