Schweizer-Franken.eu - Prognosen EUR/CHF-Kurs

EUR/CHF-Analyse: Im Vorstadium des Ausbruchs

Der Euro verlangsamt seine Talfahrt gegenüber dem Schweizer Franken etwas, und so sinkt der EUR/CHF-Wechselkurs von 1,1270 auf 1,1220 (-0,45%). In der Woche davor fiel er von 1,1370 auf 1,1270 (-0,9%). Kommt es jetzt zu einer Bodenbildung? Nein, dazu kommt es nicht, sagt der Devisenoptionsmarkt. Die Ende April 2019 bei 1,1450 begonnene Talfahrt geht weiter.

"Was wir erwarten ist einen leichten Rebound der Eurozonen-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte und dann zusätzliches Wachstum 2020", sagt der Chef der slowenischen Zentralbank, EZB-Ratsmitglied Bostjan Vasle, im Gespräch mit Bloomberg. Weil die Eurozone eine sehr offene Volkswirtschaft ist, sei man anfällig gegenüber internationalen Handelsstreitigkeiten.

Am Devisenoptionsmarkt findet zwar derzeit keine Fluchtbewegung aus dem Euro in den Schweizer Franken statt. Die Stimmung gegenüber dem Euro trübt sich aber zunehmend ein. Man kann von so etwas wie der Vorstufe einer Fluchtbewegung sprechen. Das einmonatige EUR/CHF Risk Reversal sinkt auf -0,9% und sagt damit: "Macht euch bereit für einen Test der wichtigen Unterstützung bei 1,1160."

Der Euro seilt sich weiter ab: Gründe dafür vielschichtig

Der Euro sinkt unter 1,12 Franken und kostet damit so wenig wie seit zwei knapp Monaten nicht mehr. Man kann schon fast von einem Teufelskreis sprechen, in dem sich der Euro befindet. So geht die jüngste Schwächephase nicht nur auf externe Faktoren zurück. Der Euro büßt das letzte bisschen Deutsche Mark, das noch in ihm steckt, ein.

Laut abgegebenen Prognosen müsste der Euro-Franken-Kurs jetzt bei 1,17-1,20 sein. Dass die Devisen-Auguren der Banken falsch liegen, kann nur zum Teil auf die Eskalation des Handelskrieges durch US-Präsident Trump, das Brexit-Schmierentheater und den damit einhergehenden steigenden Bedarf an dem als Sicheren Hafen wahrgenommenen Schweizer Franken zurückgeführt werden.

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Der Euro ist in einem Teufelskreis: Druckt die EZB Notenpressen-Geld und kauft damit Staatsanleihen oder pumpt das Geld in Form von Langfristkrediten (TLTRO) in die Banken, verhindert das zwar das Abgleiten in eine Rezession. Gleichzeitig wird jedoch der Euro verwässert. Legt die EZB mit dem Gelddrucken eine Pause ein, so wie aktuell, gibt es kaum Wachstum und auch dann schwächt sich der Euro ab.

Zu allem Überfluss und zum Leidwesen jener, die einen stärkeren Euro zum Franken sehen wollen, ist da noch die Inflation. Hierbei handelt es sich um ein langfristiges Phänomen. Die Inflation ist in der Schweiz im Schnitt 1% niedriger. Die geringere Geldentwertung führt dazu, dass der Euro stets gegen den Strom schwimmen muss.

Gegenbewegung lässt auf sich warten

Das Polster wird immer kleiner, womit sich die Gefahr erhöht, dass der Euro auf 1,10 Franken durchgereicht wird. Aktuell steht die Devisennotierung bei 1,1240. Ende April waren es noch 1,1480. Die Talfahrt dürfte sich bis 1,1160 fortsetzen. Dann wird man sehen, ob es sich für einen Gegenanstieg auf knapp 1,15 ausgeht oder der Damm bricht und es zu einem Rückfall auf 1,10 kommt.

Zwar kann der Euro gegenüber dem Britischen Pfund kräftig aufwerten. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich sei Monatsbeginn um 4%. Dahinter stecken allerdings die chaotischen Verhältnisse in London. Premierministerin Theres May wird aller Voraussicht nach zurücktreten. Ihr Nachfolger könnte einen handfesten Streit mit der EU vom Zaun brechen.

Und dann hätte man eine Situation, in der die Briten die EU/Eurozone von innen heraus attackieren, zumal sie an den Europawahlen teilnehmen und viele extrem eu-kritische Parlamentarier nach Straßburg entsenden werden. Die USA mit Trump reitet gegen die Eurozonen-Wirtschaft mit dem Handelskrieg gegen China und der in der Schwebe befindlichen Verhängung von EU-Autozöllen eine Attacke von außen.

Die Eurozonen-Wirtschaft bleibt auf wackligen Beinen, zeigen neue Einkaufsmanager-Daten (PMI). Im Dienstleistungssektor läuft es zwar recht gut. Das so wichtige Produzierende Gewerbe ist allerdings auf Schrumpfkurs. "Aufgrund der anhaltenden Nachfrageflaute blieb das Eurozone-Wirtschaftswachstum im Mai schwach", meldet PMI-Herausgeber, das Beratungsunternehmen IHS Markit.