Euro zwischen Leistungsbilanz und Sentiment-Falle hin- und hergerissen
+++ Euro vor EZB-Sitzung bei 1,0830 Franken +++
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Euro zwischen Leistungsbilanz und Sentiment-Falle hin- und hergerissen

Die Eurozone hat einen dicken Überschuss aus dem Export-Import-Geschäft und bei Vermögenseinkommen (Dividenden etc.). Der Leistungsbilanzüberschuss zusammen mit den Euro-Stützungskäufen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind automatische Stabilisatoren des Euro-Franken-Kurses. Überdies helfen dem Euro steigende Aktienmärkte. Doch genau an dieser Stelle beginnt es derzeit zu knistern. Tappt der Euro-Franken-Kurs in eine Sentiment-Falle?

Zwischen Mai 2015 und Mai 2016 kamen die Euroländer auf einen Leistungsbilanzüberschuss von 3,3% der Wirtschaftsleistung, teilt die Europäische Zentralbank (EZB) mit. Das waren 0,5% mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Überschuss ist das Trumpfass der Eurozone. Durch ihn wird sichergestellt, dass sich die hohen Staatsschulden vieler Euroländer unabhängig von ausländische Geldgebern finanzieren lassen.

Dass die Überschüsse von den Ländern, in denen sie am größten sind (Deutschland), in die Länder, mit den hohen Staatsschulden fließen (Italien, Frankreich, Portugal, Spanien), dafür sorgt die EZB. Bis zum Ausbruch der Finanzkrise waren die Deutschen dazu noch aus freien Stücken bereit. Inzwischen müssen sie von der EZB dazu gezwungen werden.

Sentiment-Falle

Der Anstieg des Leistungsbilanzüberschusses der Eurozone um 0,5% ist eine gute Nachricht für den Euro. Er steht kurz davor wieder über 1,09 Franken zu klettern, nachdem er mehrmals bei 1,0830-1,0840 nach oben zurückprallte. Hinzu kommt die gute Stimmung an den Aktienmärkten. In den USA gibt es Allzeithochs, während in Europa die ersten Wetten auf eine Erholung des Bankensektors abgeschlossen werden.

Die von Börsenprofis beobachtete Sentiment-Stimmung ist vielen schon wieder zu ausschwänglich. "Das Sentiment ist derzeit beinahe so nachteilhaft, wie es vorteilhaft war wenige Wochen zuvor", schreibt Mark Hulbert auf "Market Watch". Hulbert ist auf dem Gebiet der Sentiment-Forschung eine Koryphäe.

Gemäß Sentiment-Experten soll man Aktien kaufen, wenn die Stimmung an den Börsen auf einem Tiefpunkt ist (so wie nach dem Brexit-Votum) und aus den Märkten aussteigen, wenn die Stimmung zu euphorisch wird. Letzteres könnte für die US-Aktienmärkte derzeit der Fall sein, sagt Hulbert. Eine von der Wall Street ausgehende Korrektur würde auch die europäischen Märkte erfassen. Infolge sollte der Euro-Franken-Kurs in die Knie gehen.