Ein Damm nach dem anderen bricht
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Ein Damm nach dem anderen bricht

Weil die Unsicherheit an den Finanzmärkten spürbar sinkt, wäre für den Euro an der Zeit eine Zwischen-Rallye einzulegen. Bisher tut sich trotz Brexit-Verschiebung durch das britische Parlament, neu anberaumte Handelsgesprächen zwischen den USA und China und und kräftigen Kursgewinnen an den Aktienmärkten nicht viel. Der Euro notiert aktuell bei 1,0845 Franken und ist kaum höher gegenüber dem Vortag, als er mit 1,0810 Franken auf den tiefsten Stand seit April 2017 abrutschte.

Die Schweizer Wirtschaft hat zwischen April und Juni ein ordentliches Wachstum hingelegt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich um 0,3%. Im ersten Quartal lag das Plus bei 0,4%. In der Eurozone fiel der Dynamikverlust größer aus. Hier sank die Wachstumsrate von 0,4% im ersten Quartal auf 0,2% im zweiten Quartal. Damit der Euro gegenüber dem Franken steigt, müsste die Eurozone stärker wachsen als die Schweiz. Weil das nicht der Fall ist, ist der Rückgang des EUR/CHF-Kurses von 1,13 auf 1,11 in der ersten Hälfte 2019 nachvollziehbar.

Der Euro Stoxx 50, ein wichtiges Aktienbarometer für die Eurozone, kletterte in den vergangenen drei Wochen um 5%. Auch der Wall Street und in Asien sind die Bullen am Drücker. Anders als in früheren Zeiten, bekommt der Euro-Franken-Kurs von der steigende Risikobereitschaft an den globalen Finanzmärkten bisher keinen Wind unter die Flügel. Der Bedarf an Sicheren Häfen bleibt recht hoch. Neben dem Schweizer Franken sind der Japanische Yen und Gold gut gefragt.

"Die Inflation ist zu niedrig. Ich stimme dem EZB-Rat zu, dass eine Verlängerung der lockeren Geldpolitik nötig ist", sagt die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde bei einer Anhörung im Europaparlament. Ob sie auch vorhabe das Helikoptergeld umzusetzen, fragte der deutsche Finanzpolitiker Markus Ferber (CSU). Lagarde antwortete ausweichend. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass das Helikoptergeld, das der Vermögensverwalter gerade die Bezeichnung Standing Emergency Fiscal Facility zugewiesen hat, früher oder später kommen wird.

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Charttechnisch ist der Euro weiterhin angeschlagen. Der Abwärtstrend drückt ihn seit Monaten nach unten. Für einen Ausbruch aus dem Trendkanal in Verbindung mit einem Anstieg über 1,10 Franken gibt es derzeit keine Anzeichen. Man sollte daher davon ausgehen, dass die Tiefstmarke bei 1,0810 in den nächsten Tagen und Wochen unterboten wird.