Skurriler geht's nicht
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Skurriler geht's nicht

Deutschlands Star-Ökonom Hans-Werner Sinn spricht von einer fehlgeleiteten Rettungspolitik und darf sich aufgrund eines deutlichen Zinsanstiegs in den Euro-Südstaaten bestätigt sehen. Auf der anderen Seite ist da ein deutscher Aktienmarkt in Partystimmung. Der TecDax jagt von Rekordhoch zu Rekordhoch. Gemäß Warren Buffett können Aktien immer weiter steigen, solange die Zinsen niedrig sind.

Den wirtschaftlichen Aufschwung, der in Südeuropa seit der Euro-Krise zu beobachten ist, sei ein Strohfeuer. Rettungspakete, Stützungsmaßnahmen, Zinssenkungen und EZB-Anleihenkäufe hätten eben nicht dazu geführt, dass Italien, Spanien, Portugal und Griechenland ihre Wettbewerbsfähigkeit verbesserten, zitiert die Frankfurter Allgemeine aus einem neuen Arbeitspapier von Sinn.

Es ist müßig zu analysieren, ob die Zinsen in Spanien und Portugal wegen Ansteckungseffekten aus Italien zuletzt gestiegen sind oder aber der Mittelmeerraum generell Probleme schwerer hat an Investorengelder zu kommen, um seine hohen Staatsschulden, aber auch die mitunter enormen Schulden der Privathaushalte und Unternehmen, zu überrollen.

Sollte das Gejammer über die Finanzmärkte in Madrid und in Lissabon wieder losgehen - in Italien ist es ja schon da - so kann man dem nur entgegnen: Das hättet ihr euch vorher überlegen sollen. Es gibt ja auch den Weg, dass man sich nicht von den Finanzmärkten abhängig macht und keine Schulden auftürmt. Und mit Ungarn und Russland gibt es auch Länder, die Ziehen diesen Kurs durch.

Derweil klettern deutsche Aktien trotz Konjunkturabkühlung immer weiter nach oben. Und das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Zinsen in Deutschland keine Aussicht haben zu steigen. Buffett sagt: Wenn man 15% Zinsen hat, mache es keinen Sinn Aktien von Unternehmen zu kaufen, die zwanzigmal so viel Wert sind wie der Gewinn eines Geschäftsjahres.

Anders sehe es bei anhaltend niedrigen Zinsen aus. Dann ginge selbst an Aktien mit hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen kein Weg vorbei. Entscheidend ist laut Buffet immer der Zins, den der Staat zahlt. Und der ist in Deutschland weiterhin extrem niedrig, was angesichts des späten Stadiums der Konjunktur, einer Inflation nahe 2% und den vom deutschen Staat abgegebenen Zahlungsversprechen (Rente etc.) ein Witz ist.


Der Zins auf 10-jährige Bundesanleihen sank seit Februar von 0,77% auf 0,57%. Die einzig erkennbare Strategie zur Wahrung des Fortbestands der Eurozone besteht darin, dass in Deutschland lauter Finanzblasen entstehen. Sie lässt man dann nacheinander platzen (erst bei Aktien, dann bei Immobilien und Staatsanleihen) in der Hoffnung, dass dadurch die Euro-Südstaaten relativ gesehen an Attraktivität gewinnen.

🔗 Sinn: Italien hat zehn Jahre nichts für Wettbewerbsfähigkeit getan
🔗 Buffett: Interest rates are the 'most important' thing in determining stock values