Ein Gespenst spukt: Euro sinkt ohne Not auf 1,08 Franken
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Ein Gespenst spukt: Euro sinkt ohne Not auf 1,08 Franken

Der Euro sinkt aus heiterem Himmel auf 1,0816 Franken. Das ist der tiefste Stand seit drei Wochen. Eigentlich ist doch alles in Ordnung: An den Aktienmärkten geht es nach oben, Deutschlands Konjunktur zeigt sich sehr widerstandsfähig. Die für die Eurozone so wichtigen Absatzmärkte in den Schwellenländern sind im Aufwind. Italiens Banken werden von den USA gebauchpinselt. Was die Vertreter von IWF, OECD und all den anderen Instituten behaupten, hat mit der Wirklichkeit mal nichts zu tun.

Die Kurse machen die Nachrichten - nicht umgekehrt. Diese alte Börsenweisheit kommt derzeit beim Euro-Franken-Kurs zum tragen. Auf der Suche nach den Gründen für die Talfahrt lässt sich außer der Kaskade Öl - Deflation - Papiergeld nichts finden. Das Ifo-Geschäftsklima für Deutschland fällt besser aus als erwartet. Von einer brexitbedingte Abkühlung kann keine Rede sein.

Noch widerstandsfähiger als Europas größte Volkswirtschaft präsentieren sich derzeit die Schwellenländer. Sie mussten neben dem Brexit auch den türkischen Putschversuch überstehen. Darüber hinaus bringt sie der jüngsten Rückfall des Ölpreises nicht in Bedrängnis. Zu Jahresbeginn war das nach vollkommen anders.

Dass große Summen in Länder wie Brasilien, Südafrika und Russland fließen, lässt sich auf die US-Notenbank (Fed) zurückführen. Ihre Mitglieder legen beim Spekulieren über Leitzinserhöhungen eine Pause ein. Während die US-Notenbanker bis Juni noch regelmäßig zwei bis drei Leitzinssenkungen für 2016 ankündigten, sind sie in den letzten Wochen dazu übergangen, einfach mal die Klappe zu halten.

Rosarote Brille

Die Nummer zwei des Internationalen Währungsfonds (IWF), David Lipton, geht nicht davon aus, dass es in Italien zu einer Banken-Krise kommt. Es gebe aber einige Banken (gemeint sein dürfte Monte dei Paschi), die Probleme hätten, sagt Lipton auf CNBC. Für den Rest der Geldhäuser gelte jedoch, dass sich für ihre faulen Kredite "signifikante Rückstellungen" gemacht hätten.

Zum Thema: Krisenland Italien, Mayers Weltwirtschaft, FAZ, 23.07.16

Angesichts dieser Einschätzung dürfte sich der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, die Augen reiben. Er sagt: Italien habe wegen seiner Wachstumsschwäche ein strukturelles Bankenproblem, weshalb sich die Bildung von faulen Krediten auch in der Zukunft nicht einfach abstellen lasse.

Fazit:
Die Vertreter von IWF, Weltbank, Notenbanken und Think Tanks, wie dem Peterson Institute for International Economics (PIIE), reden ständig auf irgendwelchen Konferenzen miteinander. Sie sind seit Jahren auf dem Trip, dass Länder wie Deutschland, die ihre Staatsschulden in Ordnung bringen und mehr exportieren als importieren, die Bösewichte sind. Die USA und Frankreich, die sehr stark obige Institute beeinflussen, würden hingegen alles richtig machen.