Hase-und-Igel-Spiel: EUR/CHF muss sehen, wo er bleibt
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Hase-und-Igel-Spiel: EUR/CHF muss sehen, wo er bleibt

Investoren meiden die defensive Schweiz. Sie kaufen stattdessen vermeintlich günstige Aktien aus Euroland. Sind Brexit und Grexit erst einmal vom Tisch, seien für die europäischen Märkte 20% drin, sagt ein Hedgefonds-Manager. Er möchte sich nicht die Börsenweisheit "Sell in May und go away" zu eigen machen möchte. Der Euro klettert derweil auf 1,10 Franken, wohl wissend, dass für ihn nun der gefährliche Teil des Hase-und-Igel-Spiels beginnt.

"Unglücklicherweise müssen wir über den Sommer arbeiten", zitiert CNBC den Schweizer Hegdefonds-Manager Rudolf Bohli. Einmal die Gefahren eines Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) und eines Rausschmiss Griechenlands aus dem Euro (Grexit) überwunden, könnten Europas Aktienmärkte eine Rallye von 20% hinlegen, sagt Bohli. Die Schweiz sei zu defensiv, in Deutschland werde der Dax hingegen eine gute Performance hinlegen, prognostiziert der Gründer und Chef von RBR Capital Advisors AG.

Nicht alle sind so optimistisch: Das Hase-und-Igel-Spiel der Europäischen Zentralbank (EZB) mit den Finanzmärkten geht gerade in die zweite Hälfte. Die Ähnlichkeiten zum letzten Mal sind frappierend. Als die Aktienmärkte im August und September 2015 einbrachen, reagierte die EZB darauf im Herbst mit einer Lockerung der Geldpolitik. Daraufhin stabilisierten sich Dax & Co. Als die Wirkung der Billiggeld-Salven nachließ, klappten die Aktienmärkte Anfang 2016 wieder zusammen. Der Euro war bereits Mitte Dezember 2015 auf ein Tief bei 1,0755 Franken gesunken.


Inzwischen hat die EZB ein weiteres Konjunkturpaket mithilfe ihrer Notenpresse aufgelegt. Dieses entfaltet gerade seine Wirkung, bevor es dann im Sommer voraussichtlich nachlassen wird. Sodann ginge es mit den Märkten wieder nach unten, bis die EZB im Spätsommer die Geldschleusen noch weiter aufreißt. Tatsächlich rechnen 60% der Ökonomen mit einer weiteren Lockerung im September, wie eine Umfrage des Finanzdienstes Bloomberg zeigt.

Das Hase-und-Igel-Spiel zwischen den Märkten und der EZB kann noch über Jahre so weiter gehen. Solange die Inflation im Euroraum deutlich unter 2% liegt, kann EZB-Chef Mario Draghi immer wieder nachlegen. Aber selbst wenn die Inflation wegen höheren Ölpreisen im nächsten Jahr unerwartet über 2% steigen sollte, dürfte Draghi weitermachen. Er könnte auf die mehrjährigen tiefe Teuerungsphase verweisen und sagen, dass es nun eine über dem Ziel liegende Inflation brauche, um im Schnitt auf 2% zu kommen.

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