Ex-Vize: „SNB in kritischer Phase“
+++ Euro sinkt auf 1,1420 Franken +++
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Ex-Vize: „SNB in kritischer Phase“

Solange die Euro-Zone ihre politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit nicht zurück gewonnen habe, müsse man zufrieden sein, wenn die SNB die Untergrenze überhaupt verteidigen könne. Dies sagt der frühere Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Niklaus Blattner, im Gespräch mit cash.ch.

Der Eurokurs macht derzeit keine Anstalten gegenüber dem Schweizer Franken zu steigen. Kurz vor Handelsschluss fällt das Devisenpaar auf ein Zweiwochentief bei EUR/CHF 1,2007. Der Euro Kursverlauf zum Dollar setzt seinen langfristigen Abwärtstrend fort, indem er zwischen Dienstag und Freitag von 1,2440 auf 1,2260 (-1,5 Prozent) sinkt.

Derweil gesellt sich die Bank of New York Mellon in das Lager der Euro Pessimisten. Die Euro CHF Prognosen des Wertpapierverwahrers liegen vom dritten Quartal 2012 bis zum Ende des vierten Quartals 2013 durchgängig bei 1,20.

Wie reagiert die Schweizerische Nationalbank (SNB), wenn die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden Monaten noch weiter die Geldschleusen öffnet?

Der 3-Monats-Eubor Zins fällt auf 0,35 Prozent und markiert ein neues Rekordtief. Der viel beobachtete Geldmarktsatz spiegelt sowohl Zinserwartungen als auch die Bereitschaft der Banken sich gegenseitig Geld zu leihen, wider. Bis zur Finanzkrise 2008 war der angestammte Platz der Euribor Entwicklung knapp über dem Leitzins.

Dass der Euribor mittlerweile nicht einmal mehr halb so hoch ist wie der Schlüsselzins zeigt, dass die EZB Anfang September den Leitzins voraussichtlich von 0,75 auf 0,50 Prozent verringern wird. Dadurch würde sich der Aufwertungsdruck des Frankens wahrscheinlich erhöhen. Die Verteidigung des Mindestkurses könnte die Devisenreserven der SNB sodann auf 500 Milliarden Franken anwachsen lassen.

Die Schweizerische Nationalbank könnte mit Negativzinsen oder der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen bei ihrer Sitzung am 13. September 2012 reagieren. Man dürfe von diesen Maßnahmen nicht zu viel erwarten. Die SNB befinde sich momentan in einer kritischen Phase, meint Blattner.