Euro lässt sich von Merkels Untätigkeit nicht anstecken
+++ EUR/CHF-Kurs bei 1,1390 Franken +++
Euro hat Platz bis auf 1,1450 Franken...>
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Euro lässt sich von Merkels Untätigkeit nicht anstecken

"Der Euro-Franken-Kurs hat den 200-Wochen-Durchschnitt resolut gebrochen", berichtet der Finanzdienst Bloomberg. Mit seinem Anstieg auf 1,1525 Franken am Mittwochabend hat die Gemeinschaftswährung ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt. Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble verlieren an Einfluss in der Eurozone. Deutschland fällt hinter Frankreich, Italien und Spanien zurück.

Seit dem Beginn der EUR/CHF-Rallye vor acht Tagen war noch jeder Rücksetzer des Euros für Devisenhändler eine Kaufgelegenheiten. Daran dürfte sich erst einmal nichts ändern, sagt Goldman Sachs. Weil die Schweizerische Nationalbank (SNB) keinen Millimeter von ihrer ultralockeren Geldpolitik abweichen werde, sollte die Schwächephase des Frankens anhalten. (ℹ Financial Times).

Angela Merkel klagte unlängst im ARD-Staatsfernsehen, dass man zwar Geld für Investitionen habe, dies aber wegen langwierigen und komplizierten Planungsverfahren nicht ausgeben könne. Sie sei seit zwölf Jahren Kanzlerin und hätte das ändern können, sagen ihre Kritiker. "Wolfgang Schäuble gönnt den Menschen eigentlich keinen Cent", erklärte FDP-Chef Christian Lindner gegenüber der Zeitung mainpost.de.

Es geht bergab

"Die Abkühlung in Deutschland sorgte dafür, dass das Land erstmals seit über zwölf Jahren wieder Schlusslicht unter den vier größten Volkswirtschaften der Eurozone ist", berichtet das Institut IHS Markit bezugnehmend auf die Erhebung des deutschen Einkaufsmanagerindex (PMI). Weil Merkel und Schäuble außer dem Verpulvern von Draghis Notenpressen-Milliarden nicht fiel eingefallen ist, dürfte das so bleiben.

Der EUR/CHF-Kurs lässt sich von einer Abkühlung der deutschen Wirtschaft bisher nicht aus der Ruhe bringen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Europas größte Volkswirtschaft gemäß den PMI-Daten immer noch auf eine jährliche Wachstumsrate von 1,6-2% kommt. Allerdings neigt sich der Konjunkturzyklus dem Ende. Deutschland erfüllt die Bedingungen dafür wie kein anderes großes Industrieland:
  • Die deutsche Arbeitslosenrate lag laut Eurostat zuletzt bei 3,8%. Die deutsche Wirtschaft überhitzte im 1. Halbjahr 2017 mit eine jährlichen Wachstumsrate von etwa 2,4%. Das war doppelt so hoch wie das Potenzialwachstum, das bei einem normalen Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten erreicht wird.

  • Wegen des leergefegten deutschen Arbeitsmarktes steigen die Löhne, wodurch die Unternehmensgewinne sinken werden. Hinzu kommt: Allmählich steigende Zinsen führen zu höheren Kapitalkosten für Unternehmen, worunter deren Rentabilität leidet.

  • Der weiche Euro, von dem Deutschland als Exportnation in den letzten Jahren stark profitierte, neigt sich dem Ende. Gleiches gilt für den Umstand, dass sich Großunternehmen zu subventionierten Niedrigzinsen bei der EZB Kredite besorgen können, indem sie ihre Firmenanleihen dort abladen.