Heat Map: Wer sich nicht ändert, hat schon verloren
+++ Euro purzelt auf 1,0725 Franken +++
Der Franken bleibt deutlich überbewertet ;-)
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Heat Map: Wer sich nicht ändert, hat schon verloren

Der Euro ist aktuell mit 1,09 Franken da, wo er zu Jahresbeginn war. Im Wechselkurs spiegelt sich die Zerrissenheit des Euroraums wider. Die einen sagen, alles werde wieder gut (so wie vor 2008). Die anderen sehen Ungemach, weil die Kluft zwischen den starken und den schwachen Ländern größer wird. Die Finanzindustrie rührt die Werbetrommel für Smart-Beta: Es ist das vermeintlich perfekte Anlageprodukt, um mit der Euro-Heatmap Geld zu verdienen.

Zwischen Anfang Januar und Anfang Februar kletterte der Euro von 1,09 auf 1,12 Franken. Anschließend kam es bis Ende Februar zu einem Rückfall auf 1,08, gefolgt von einer bis heute andauernde Pendelbewegung zwischen 1,09 und 1,10. Als nächstes werde es dank des entschlossenen Handelns der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder nach oben gehen, sagen die Optimisten.

Sie erwarten einen breiten Konjunkturaufschwung in Euroland, der dadurch zustande kommen soll, dass sich Verbraucher und Unternehmen immer stärker verschulden. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigt, was dann schließlich zu mehr Wachstum führt. Untermauert wird die wirtschaftliche Expansionphase von einer "guten" Konjunktur in den USA und einer Stabilisierung Chinas.

Die größten Anhänger des Euros findet man dieser Tage in London. Die dortige Finanzindustrie profitiert von Mario Draghis Geldspritzen. Sie ist sehr dankbar dafür, dass der Italiener das Finanzkarussell mit billigen Zentralbankgeld am laufen hält, liegt doch über Großbritannien wegen des Brexit eine große Unsicherheitswolke. Die erfindungsreichen Banker aus London schlagen Kapital daraus, dass die EZB mit ihrer Nullzinspolitik Anleger in immer riskantere Produkte treibt.

Der neue Trend heißt Smart-Beta. Es hört sich alles wieder so prima und risikolos an, wie damals mit denen in Tranchen servierten Hypothekenpapieren aus den USA. Mit Smart-Beta lassen sich Anleger in den Euroraum locken, weil es verspricht, starke Aktien von wettbewerbsfähigen Unternehmen (z. B. der deutschen Automobilindustrie) überzugewichten und schwache Aktien (z. B. italienische Banken) unterzugewichten.

Der Clou dabei: Es handelt sich um passiv gemanagte Indexfonds, so dass sich Anleger die mitunter sehr hohen Gebühren eines Fondsmanagers und seines Mitarbeiterstabes sparen. Das sorgt für Begeisterung. Anleger sind im Schnäppchen-Fieber und übersehen oft dabei, dass sie Aktien kaufen - eine der riskantesten Anlageklassen überhaupt.

Euroländer mit Bonität auf Ramschniveau bzw. Beinahe-Ramschniveau:
Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Zypern, Malta.

"Draghi macht den Euroraum mit seiner Bananenrepublik-Geldpolitik nicht besser, sondern schlechter", sagen die Pessimisten. Die EZB kaschiere, verschleiere und versteckte die Probleme. Deutschlands Wachstum ist weiterhin stärker als das Italiens und Frankreichs. Dadurch werden die Ungleichgewichte größer.

Wenn es in die nächste Rezession geht, wird Deutschland wahrscheinlich nicht so stark schrumpfen, wie das mit Billiggeld geflutete Südeuropa. Anleger drehen dann Italien, Spanien und Portugal wegen ihren antiquierten Wirtschaftsmodellen den Geldhahn als erstes zu. Man kann Deutschland ja vieles vorwerfen. Investoren schätzen aber an Deutschland, dass es seine Arbeitsmarktreformen aus eigener Überzeugung durchführte und auch mit seiner Flüchtlingspolitik zeigt, dass es zu Modernisierungen bereit ist.