Zur Lage von Franken-Kreditnehmern in Österreich im September
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Zur Lage von Franken-Kreditnehmern in Österreich im September

Das ist eine Mammutaufgabe: Rund 140.000 Franken-Kreditnehmer in Österreich gilt es noch aus ihren Darlehen hinauszubegleiten. Alle Beteiligten hoffen, dass hier nicht der Notausgang genommen werden muss. Ein Anstieg des Euros bestärkt sie darin. Die Kreditschulden gehen zurück. Weil der Euro Anfang September bei 1,10 Franken und nicht mehr wie Mitte August bei 1,08 Franken steht, verbessert sich die Lage österreichweit.

Bei einem seit 2002 laufenden Franken-Kredit im Gegenwert von 150.000 Euro führt der jüngste Anstieg des Euro-Franken-Kurses zu einem Rückgang der Kreditschuld auf dem Papier um 4.000 Euro. Dem Franken-Kreditnehmer mag das auf den ersten Blick wurst sein. Er oder Sie denkt sich: Abgerechnet wird zum Schluss. Die meisten Kredite werden erst 2020-2030 fällig (Abreifungsspitze).

Für Österreichs Gesamtwirtschaft sind Veränderungen des Euro-Franken-Kurses Fluch oder Segen. Das inländische Wachstum lag im 2. Quartal 2016 gemäß dem Wifo-Institut bei 0,3% - nach 0,4% im 1. Quartal 2016. Grundsätzlich gilt: Je höher der Euro-Franken-Kurs ist, umso besser sind die Wachstumsperspektiven:
  • Franken-Kreditnehmer fühlen sich bei einem höheren Euro-Franken-Kurs sicherer. Dieses Gefühl von Sicherheit verleitet sie gemäß Wirtschaftspsychologen dazu, mehr Geld auszugeben. Dadurch wird die Konjunktur über die Konsumschiene angeschoben. Ein Beispiel: Kreditnehmer stecken ihre massive Zinsersparnis in den Konsum.

  • Ein Teil der 140.000 Franken-Kreditnehmer dürften den Anstieg des Euro-Franken-Kurses ausnutzen, um in eine Euro-Finanzierung zu konvertieren. Dadurch wird noch mehr konsumkillende Unsicherheit abgebaut. Ferner hilft es den Banken. Sie bekommen Franken-Kredite, für die sie sehr viel mehr Eigenkapital vorhalten müssen als für Euro-Kredite, aus ihren Bilanzen. Infolge erhöhen die Institute die Kreditvergabe an die Wirtschaft.

Leider gibt es in Österreich bisher keine gewieften Statistiker, die einmal ausrechnen, wie der Euro-Franken-Kurs und die Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) zusammenhängen. Die stastikverbliebten Amerikaner hätten das längst getan. Könnte der Euro beispielsweise bis Jahresende auf 1,20 Franken steigen, würde das jährliche Wachstum in Österreich deutlich über den bisherigen Prognosen von 1,5-1,7% liegen.

Bei einem Eurokurs von 1,20 Franken hätte der durchschnittliche Franken-Kreditnehmer 18.000 Euro aufgeholt. 18.000 Euro multipliziert mit 140.000 Franken-Kreditnehmern ergibt eine Summe von 2,52 Milliarden Euro, die Österreichs Wirtschaft dank obiger Effekte zuflössen. Das wäre (grob überschlagen) ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,6%. Österreich hätte mit 2,3% Wachstum nach Irland und Spanien die höchste Wachstumsrate in der Eurozone.