Der Euro hat gegenüber den wichtigsten Währungen der Welt, US-Dollar, Yen und Pfund, deutlich aufgewertet. Zum Schweizer Franken blieb er stabil. Das ist ebenfalls ein Erfolg, da die Inflation in der Eurozone im Schnitt zwei Prozent höher ist als in der Schweiz. Zwischen 2000 und 2020 lag der Inflationsunterschied noch mit rund 1,3 Prozent um ein Drittel tiefer.
Nach Einschätzung des Chefvolkswirten der Europäischen Zentralbank (EZB), Philip Lane, wird sich die Konjunktur im Euroraum 2026 und 2027 spürbar erholen. Das stärkere Wirtschaftswachstum sollte dazu beitragen, die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar fortzusetzen. Gleichzeitig könnte es dem Euro gegenüber dem Schweizer Franken Auftrieb verleihen.
Der Euro stieg gegenüber dem US-Dollar zwischen Januar 2025 und Januar 2026 um 13 Prozent auf 1,16. Gegen den Japanischen Yen hat er um 14 Prozent auf 184 aufgewertet. Zum Britischen Pfund war das Plus 5 Prozent. Zu den so genannten Rohstoffwährungen Kanadischer Dollar und Australischer Dollar legte der der Euro um 10 Prozent bzw. 5 Prozent zu.
Gegenüber dem Schweizer Franken konnte der Euro die Kursgewinne nicht über die Ziellinie retten. Nach einem gelungenen Jahresauftakt stieg der Wechselkurs bis Mitte März 2025 auf 0,97. Dem folgte ein wellenförmiger Rückgang bis Mitte November 2025 auf 0,92. Der Euro versuchte es dann noch einmal und kletterte bis Anfang Dezember auf 0,94 CHF. Er konnte das kleine Plus aber nicht halten und sank auf 0,93.
Bremst die EZB den Euro?
"Der Euro legte im vergangenen Jahr deutlich gegenüber dem US-Dollar zu, da Investoren angesichts politischer Unsicherheiten Geld aus dem Dollarraum abzogen. Dies schwächte die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Exporte in einer Phase, in der günstige chinesische Produkte europäische Erzeugnisse bereits aus wichtigen Absatzmärkten verdrängen." (Reuters)
Weite Teil der EZB teilen die Besorgnis eines vermeintlich zu starken Euros. Der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB) und der Präsident der Deutschen Bundesbank, die EZB-Ratsmitglieder Martin Kocher und Joachim Nagel, dürften zwar keine Einwände gegen eine weitere Aufwertung des Euro haben. Ihre Kollegen, und das ist die große Mehrheit, aber schon.
Angeführt vom französischen Notenbankchef, EZB-Ratsmitglied Villeroy de Galhau, hat die EZB Sorge vor diesem Ablauf der Ereignisse:
Die US-Notenbank (Fed) senkt die Zinsen drastisch auf 1 Prozent, so dass der US-Dollar in 2026 scharf abwertet. Im Gegenzug steigt der Euro auf 1,25 Dollar, die inoffizielle Schmerzgrenze der EZB. Internationale Großanleger ziehen einen Teil ihrer Positionen aus dem Dollarraum ab und gehen damit in den Euro, da nur die Eurozone diesen Investoren genug Platz und Liquidität bietet.
Jetzt sieht sich die EZB in einer Situation, wie sie die Schweizerische Nationalbank (SNB) immer wieder heimsucht. Die Kapitalzuflüsse stärken die eigene Währung über das hinaus, was laut den Fundamentaldaten wie Zinsen, Inflation, Wirtschaftswachstum, Außenhandel und Staatsschulden angemessen ist. Anders als die SNB kann die EZB aber nicht mit Devisenmarktinterventionen dagegen halten, da es einen G7-Beschluss gibt, der ihr das untersagt.
Die EZB muss also die Zinsen senken, um den Euro unter 1,25 Dollar zu halten. Um das Wechselkursziel zu erreichen, bedient sich die Notenbank eines Kniffs. Sie sagt: "Der starke Euro drückt die Inflation über die Importschiene deutlich unter zwei Prozent. Wir müssen die Zinsen senken, um unser Inflationsziel (und Wechselkursziel) zu erreichen."
Den Mechanismus einen steigenden Euro-Dollar-Kurs über die fallende Inflation zu bremsen, führte der frühere EZB-Chef Mario Draghi ein. Seine Vorgänger, Jean-Claude Trichet und Wim Duisenberg, hatten diesen Zusammenhang nicht hergestellt, auch weil sie sonst auf Konfrontationskurs mit der volkswirtschaftlichen Abteilung gegangen wären, die zu ihren Amtszeiten von Deutschen geleitet wurde.
Nur zum Yen dürfte der Euro zu stark aufgewertet haben.
Ungünstige Kapitalströme und ungleiche geldpolitische Risiken könnten dazu führen, dass der Schweizer Franken 2026 seine Schutzwirkung als sicherer Hafen verliert, sagt George Saravelos, Global Head FX Research, Deutsche Bank. Zwar lässt sich nicht genau festnageln, was die Deutsche Bank mit "ungleichen geldpolitischen Risiken" meint (SNB-Negativzinsen?). Man sollte den Ausblick dennoch ernst nehmen. Die Deutsche Bank sieht dern Euro bis Jahresmitte von aktuell 0,93 auf 0,95 CHF steigen.
Die Banken prognostizieren den Euro-Franken-Kurs seit Jahrzehnten zu hoch. Dieses Mal könnte es aber mit einem Anstieg klappen. Der Euro ist dabei am Devisenmarkt Marktanteile, die er nach der Euro-Schuldenkrise verloren hatte, zurückgewinnen. Der US-Dollar wird nicht mehr die herausragende Stellung einnehmen wie noch vor wenigen Jahren. Ob ein höherer Euro-Anteil bei den globalen Währungsreserven am Ende ausreicht, um den Euro-Franken-Kurs wieder auf Parität steigen zu lassen, bleibt aber offen.
