Schweiz driftet ab, der Franken zum Euro auch

Linienchart zeigt Anstieg des Euro zum Franken um 1,7%
Fahne der Schweiz

Es geht weiter nach oben, und so klettert der Euro-Franken-Kurs auf 0,9430. Der höchste Stand seit sechs Wochen wird nach einer Meldung über ein geplantes Treffen von Trump, Putin und Zelensky erreicht. Ferner wiegen die US-Strafzölle auf der Schweiz schwerer als gedacht, auch weil da wohl noch etwas nachkommt.

Der Ausblick auf Fortschritte bei der Beilegung des Kriegs in Europa ist gut für die Gemeinschaftswährung. Darüber hinaus entwickeln sich die hohen US-Zölle zu einem ernsten Problem für den Schweizer Franken.

Die USA haben entschieden, Einfuhrzölle von 39 Prozent auf Importe von Schweizer Waren zu erheben. Das ist zweieinhalb Mal so viel wie US-Importeure künftig für Waren aus der EU bezahlen müssen und damit ein klarer Wettbewerbsnachteil.

Industriefirmen aus der EU, vor allem aus Deutschland und Italien, können ihre Erzeugnisse in den USA künftig deutlich günstiger anbieten als ihre Schweizer Konkurrenten. Wirtschaftsvertreter warnen bereits vor Arbeitsplatzverlusten und einem Schlag für den Standort Schweiz.

Als die Schweiz im Mai 2021 die Verhandlungen zum EU-Rahmenabkommen abbrach, waren ebenfalls negative Auswirkung auf das Wachstum befürchtet worden. Diese hielten sich aber in Grenzen.

Die Aussicht künftig weniger in den USA zu verkaufen, wo die Wirtschaft dynamischer ist und schneller wächst als in Europa, könnte sich zu einem dauerhaften Problem für die Schweiz auswachsen.

Laut Industrieverband Swissmem gefährdeten die hohen US-Zölle in der Industrie mehrere Zehntausend Stellen. Die USA sind für die Schweiz ein wichtigerer Exportmarkt als Deutschland.

Darüber hinaus will Trump offenbar hohe Zölle auf die Produkte der Pharmaindustrie verhängen. Die ist bisher noch ausgenommen. Auch dies würde die Schweizer Wirtschaft empfindlich treffen.

EUR/CHF steigt weiter

Der Euro baut seine Kursgewinne nach unverhältnismäßigen Inflationsdaten aus der Schweiz aus, und so steigt der EUR/CHF-Kurs auf 0,9360. Wechselt die Schweizerische Nationalbank (SNB) nun die Spur?

Entgegen den Erwartungen der Finanzwelt entwickelt sich die Inflation in der Schweiz leicht nach oben. Die monatliche Teuerung lag im Juli bei 0,0%. Ökonomen hatten mit -0,2% gerechnet. Die jährliche Teuerung stieg von 0,1% auf 0,2%.

SNB-Präsident Martin Schlegel dürfte das dazu veranlassen, von einer weiteren Leitzinssenkung auf der nächsten Sitzung im September Abstand zu nehmen.

Die Notenbank war in die Kritik gekommen, weil sie sich nach Ansicht einiger Schweizer Star-Ökonomen zu früh auf den Zinssenkungspfad begab. So begann die SNB bereits im März 2024 die Zinsen zu senken, obwohl die Konjunktur damals noch völlig in Ordnung war.

Euro profitiert

Der Euro-Franken-Kurs reagiert auf den stabilen Zinsausblick für die Schweiz mit Kursgewinnen. Im Vordergrund steht die Verkleinerung des Inflationsunterschieds zur Eurozone.

So war die Schweiz zu Beginn des zweiten Quartals 2025 bei der Geldwertstabilität noch klarer überlegen. Seinerzeit betrug die jährliche Inflation in der Eurozone 2,2%, in der Schweiz 0,0%.

Flächendiagramm Inflation Entwicklungen Schweiz Euroraum Vergleich

Laut den neuesten Zahlen hat sich der Inflationsunterschied auf 1,8% verkleinert. Hier ist also ein leichter Trend erkennbar, der den Eurokurs gegenüber dem Schweizer Franken etwas stärkt bzw. stabil hält.

Dieser Trend wird von den Finanzmärkten im aktuellen Umfeld höher eingestuft als das wahrscheinliche Ausbleiben einer weiteren SNB-Zinssenkungen. Denn man könnte genauso gut argumentieren, dass der Franken zum Euro stärker werden müsste, weil die SNB die Zinssenkung streicht.

Der nächste Zinsschritt wäre nicht irgendeiner: Die SNB würde mit ihm die bei den Banken ungeliebten Negativzinsen wieder einführen.

Schweiz bekommt eins auf den Deckel: Euro steigt

Weil die Schweiz zweieinhalb Mal so hohe Strafzölle bezahlen muss wie Europa, steigt der Euro-Franken-Kurs in die neutrale Zone. Dem ging ein Rückgang der Devisennotierung auf ein ein 4-Monatstief bei 0,9270 voraus.

Die USA werden ab 7. August Einfuhrzölle von 39 Prozent auf Schweizer Waren erheben. Die Schweiz werde bei den durch die USA angekündigten Zölle "besonders schlecht behandelt", kommentiert Wirtschaftsminister Guy Parmelin im Interview mit dem Fernsehkanal RTS.

Die EU kommt besser weg. Sie hat sich auf Einfuhrzölle von 15 Prozent geeinigt. Kapital aus der Situation schlagen, kann der Euro allerdings kein großes. Er steigt zwar um 0,6% auf 0,9330 CHF und ist damit zurück in der Handelsspanne (neutrale Zone) zwischen 0,9300 und 0,9420.

Das Momentum nach oben ist allerdings dabei zu schwinden. Die Benachteiligung der Schweiz reicht nicht aus, um den Franken deutlicher gegenüber dem Euro abzuschwächen. Der Jahreshöchsstand bei 0,9660 CHF, den der Eurokurs am 14. März 2025 setzte, bleibt recht weit weg.

EUR/CHF Linienchart zeigt bärischen Breakout mit Pullback

Aus charttechnischer gilt festzuhalten, dass der Rückgang des EUR/CHF-Kurs auf 0,9270 das untere Ende der Handelsspanne deutlicher unterbot als vergleichbare Anstiege das obere Ende überboten hatten.

Ferner ist der Breakout aus der Handelsspanne plus Rückgang auf 0,9180 trotz der Gegenreaktion noch nicht gescheitert. Der Anstieg auf 0,9330 hat gute Chancen ein Pullback zu sein. Bleibt der Pullback bei 0,9330-0,9350 hängen, setzt sich die Abwärtsbewegung mit neuen Tiefs unter 0,9270 fort.

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