Schweiz verjagt Inflationsgespenst - und dem CHF gefällt's
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Schweiz verjagt Inflationsgespenst - und dem CHF gefällt's

Die Schweiz kommt von der chronischen Sockelinflation schneller runter als Europa, und so sinkt der EUR/CHF-Kurs unter 0,99. Damit gewinnt sie als Niedriginflationinsel Vertrauen und Stabilität zurück.

Eines kann schon jetzt mit Gewissheit gesagt werden: Der Schweizer Franken wird wegen dem Debakel der Credit Suisse nicht zu einer Risikowährung.

Weiterlesen: Der längerfristige EUR/CHF-Ausblick bis 2024

Überdies ist unwahrscheinlich, dass die im Hintergrund schwelende Bankenkrise eine weiteres eidgenössisches Geldhaus trifft. Eine Bank aus der Eurozone wird sehr viel wahrscheinlicher das nächste Opfer.

Aktuell wird es eng für den Euro, nachdem es zuvor nach einer Abschwächung des Schweizer Franken aussah. Die jährliche Inflationsrate der Schweiz sinkt überraschend deutlich von 3,4% auf 2,9%. Ökonomen hatten für März mit einer Teuerung von 3,3% gerechnet.

Dass es nun deutlich weniger wird, liegt im europäischen Trend. In Deutschland sank die Inflation von 8,7% auf 6,9%. Kein Wunder, Aldi hatte seine Butterpreise Anfang Februar um merkliche 20% gesenkt. Damit kündigen sich Zweitrundeneffekte an, also rückläufige Preise auf breiter Flur, nicht nur bei Lebensmitteln.

Die niedrige Inflation können die Eidgenossen ihrem Franken verdanken: "Ein wichtiger Faktor ist die Stärke der Schweizer Währung gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung", analysiert Deutschlands Tagesschau.

Auf dem ersten Blick erschließt sich dem Devisenmarktbeobachter nicht, warum der Schweizer Franken aufwertet. Fakt ist: Die Inflation im Euroraum sank im März um 1,6% auf 6,9%. Der prozentuale Rückgang in der Schweiz war mit 0,5% geringer.

Niedriginflationinsel

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist ihrem Zielband für die Inflation (0-2%) wesentlich näher als die 2% anpeilende Europäische Zentralbank (EZB). Damit gelingt es der SNB die in der Post-Covid-Ära über das Ziel hinausgeschossene Teuerung rasch einzufangen. Sie wird ihrem Ruf als permanente Niedriginflationinsel gerecht.

Wenn SNB-Direktor Martin Schlegel aktuell noch einmal das "glasklare" Inflationsmandat der SNB betont, hat das einen höheren Wahrheitsgehalt als wenn Vertreter der EZB selbiges tun. Behaupten Notenbankpräsidentin Lagarde, Bundesbankchef Nagel oder OeNB-Gouverneur Holzmann, sich zuvorderst um stabile Preise zu kümmern, schmunzeln Zeitungsleser.

Die EZB wird zur Rettung von Euro-Staaten die Notenpresse anschmeißen. Sie hat wegen ihrer Rolle als Geldverleiher letzter und Gelddrucker höchster Instanz das 2-Prozent-Inflationsziel ausgehöhlt.

Länderkarte mit eingezeichneter Inflation Euroraum und Schweiz

Überschuldete Euro-Staaten solvent zu halten, ist das zweite (inoffizielle) Ziel der EZB. Da sie zwischen diesem Ziel und der Geldwertstabilität hin und her hüpft, ist die Inflation zu hoch. Zur Erinnerung: Frau Lagarde hatte nach der Covid-Pandemie viel zu lange mit Staatsanleihen-Käufen ihre schützende Hand über Italien und Co. gelegt.

Hätte man den Inflationsanstieg Ende 2021 mit entschlossenen Leitzinserhöhungen nach dem 📹Vorbild der deutschen EZB-Ära 2002-2007 bekämpft, wäre die Euroraum-Inflation heute schätzungsweise bei 4%. Die Tagesschau müsste nicht erklären, warum die Schweiz die Inflation besser im Griff hat und würde nicht mit dem Weglassen unangenehmer Wahrheiten das Bild verzerren.

Der "natürliche" Inflationsunterschied von 1,5% zwischen dem Euroraum und der Schweiz wäre gewährleistet. Statt unter der Parität zu notieren, stünde der Euro-Franken-Kurs schätzungsweise bei 1,05-1,10.

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