Schweizer Franken lässt Euro nicht vom Haken
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Schweizer Franken lässt Euro nicht vom Haken

Die Wahlen in Italien werfen ihren Schatten in Form steigender Risikoaufschläge voraus, und so sinkt der EUR/CHF-Kurs auf ein Allzeittief bei 0,9570. Weil das Vertrauen in den Euro den Bach runtergeht, stehen Schweizer Exporteure vor empfindlichen Wechselkursverlusten.

"Der Franken bleibt auch zu Beginn der neuen Woche gefragt", kommentiert awp Finanznachrichten. Die Thurgauer Kantonalbank sieht den EUR/CHF-Kurs im Sog des erneut unter Parität fallenden Euro-Dollar-Kurses. Diese Konstellation kündigte sich bereits vor einer Woche an.

Unterdessen stuft der Devisenoptionsmarkt den Euro als noch riskanter ein. Die Prämien für eine Euro-Absturzversicherung (Put-Optionen) ziehen ein weiteres Mal an. Schweizer Exporteure, die Waren im Euroraum absetzen, frisst die Frankenstärke die Gewinnmarge weg.

Beispiel:

  • Anfang Juni 2022, als es für 1 Euro 1,05 Franken gab, waren 10 Millionen Euro Umsatzerlöse für einen Schweizer Exporteur 10,50 Millionen Franken.
  • Zweieinhalb Monate später und bei einem EUR/CHF-Kurs von 0,96 sind es 9,64 Millionen Franken.
  • Verlust: 860.000 Franken (-8,1%)
Linienchart Wechselkurs Entwicklung Euro Schweizer Franken 2002-2022

Generell werden in der Schweiz stärkere Leitzinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation erwartet als in der Eurozone. Dies, zusammen mit einer bereits um 6% tieferen Inflation, verschafft dem Franken Vorteile.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird ihren Leitzins (aktuell: -0,25%) bis Mitte 2023 auf 1,50% anheben. Das erwartet ihr früherer Anlagechef und heute im Dienst der St.Galler Kantonalbank stehende Chief Investment Officer Thomas Stucki.

Demgegenüber fällt die Normalisierung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dürftig aus. Zum einen erhöht sie die Zinsen langsamer. Zum anderen hat sie bereits angekündigt, trotz Leitzinserhöhungen erneut Staatsanleihen zu kaufen. Ein Ende der Geldpolitik der weit geöffneten Geldschleusen ist nicht in Sicht.

Italien

Die nächste Geldschwemme, die den Euro noch weicher macht, ist möglicherweise näher als viele denken. Italiens 10-Jahreszins schiesst binnen einer Woche von 3% auf 3,6% hoch. Bei Sätzen über 4% wird ein Eingreifen der EZB zu Gunsten italienischer Staatsapapiere erwartet.

Die EZB kauft die am Ramschpapier-Status kratzenden Schuldscheine und lädt deren Ausfallrisiken zu einem großen Teil auf dem Rücken des bereits angeschwindelten DM-Blocks ab. Deutschland, Österreich und die Niederlande werden künftig stärker für Italiens Staatsschulden einstehen müssen.

Weil Italien im September wählt, steigen Unsicherheit und Risikoaufschläge. Die EZB steht bereit Geld aus dem Nichts zu drucken, mit dem dann letztendlich italienische Staatsschulden getilgt werden. Eine solche Vermengung von Geld- und Fiskalpolitik wird auch von der Türkei praktiziert. Mit katastrophalen Folgen für die türkische Lira.

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