EUR/CHF-Kurs sackt stark ab - wie weit geht die Talfahrt?
Home » , » EUR/CHF-Kurs sackt stark ab - wie weit geht die Talfahrt?

EUR/CHF-Kurs sackt stark ab - wie weit geht die Talfahrt?

Die Kursgewinne des Schweizer Franken sind die größten seit siebeneinhalb Jahren. In den letzten vier Wochen wurde der Euro von der heftigsten Verkaufswelle seit Anfang 2015 heimgesucht. Druck kommt von den Zinsen. Charttechnisch steht die Tür für ein Rekordtief bei 0,96 offen. Geht der EUR/CHF durch sie? Bis wann?

In den letzten 17 Monaten hat sich der Euro um 11% gegenüber dem Schweizer Franken abgeschwächt. EUR/CHF sank von 1,1150 am 4. März 2021 auf 0,9910 am 6. Juli 2022. Wer angesichts des rapiden Wertverfalls auf eine Erholung der Gemeinschaftswährung setzt, hat laut Wellershoff & Partners schlechte Karten.

Trotz der rapiden Aufwertung sei der Schweizer Franken aktuell immer noch um 15% unterbewertet, rechnet das Wirtschaftsberatungsunternehmen aus der Schweiz vor. "Seit Jahren gilt der Franken als überteuert. Nun ist alles anders", heißt es in einem Blogeintrag der Schweizer Zeitung "Finanz und Wirtschaft".

Die Gründe, warum es den EUR/CHF-Kurs gerade jetzt so nach unten drückt, sind mannigfaltig. Zuvorderst ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu nennen. Sie ist dabei den Leitzins in drei Monaten um 1% heraufzusetzen.

Weiterlesen: Schweizer Notenbank vor nächstem Paukenschlag

Die Europäische Zentralbank (EZB) weigert sich hingegen mit deutlichen Leitzinserhöhungen das Inflationsfeuer auszutreten. Notenbankchef Lagarde spricht von einem graduellen Ansatz (Gradualism) geprägt von kleinen Zinsschritten:

Die Zeit zwischen den Zinsschritten wird sich wie Kaugummi ziehen. Man will stets die Prognosen der volkswirtschaftlichen Abteilung abwarten, diese bewerten, um danach möglicherweise eine weitere, kleine Zinserhöhung vornehmen. Unter den wichtigen Notenbanken steht die EZB mit dieser Vorgehensweise alleine auf weiter Flur.

Zaudern die Geldpolitik im Euroraum zu normalisieren, veranlasst Anleger dazu ihr Euro abzustoßen. Ziel sind Währungsräume, in denen die Notenbanker nicht Zaudern, sondern klassische Leitzinserhöhungen vornehmen. Dazu zählt neben der Schweiz die USA. Und so verwundert es wenig, dass der Eurokurs kurz davor steht auch zum US-Dollar seine eins vor dem Komma zu verlieren.

Der weiche Euro heizt die importierte Inflation an. Wegen Gradualism verteuern sich fossile Energieträger und viele weitere Importgüter für private Haushalte und Unternehmen über Gebühr.

Zinsblockade

Schritte die EZB mit klassischen Leitzinserhöhungn zur Tat, wäre der Euro fester und die Inflation tiefer. Es gäbe auch keinen "Schock der steigenden Lebenshaltungskosten", wie ihn die Eurozone derzeit heimsucht. Klassische Leitzinserhöhungen passen allerdings nicht in die Ideologie der meisten EZB-Mitglieder.

Zum anderen sind sie in der Praxis nicht möglich, weil sich Italien querstellt. Es wird von Frankreich, dessen Unternehmen und Haushalte mit am höchsten in der Eurozone verschuldet sind, unterstützt.

Die Zinsblockade hochverschuldeter Euroländer macht den Euro zum Schweizer Franken immer weicher. Aktuell ist eine sehr akute Schwächephase in Gang. Aus charttechnischer Sicht steht der Breakout des EUR/CHF-Kurses unter das Tief des Ukraine-Kriegs bei 0,9970 im Fokus. Es sieht so aus, dass dieser Breakout gelingt.

EUR/CHF-Ausblick


EUR/CHF-Entwicklung fällt unter Parität im Juli 2022

Der Eurokurs fällt dann bis zum 4. Quartal 2022 per Measured Move auf 0,96. Der kurze Rücksetzer auf 0,97 vom Schwarzen Donnerstag am 15.01.2015 wäre unterboten und der Euro auf einem weiteren Rekordtief. Der Schweizer Franken hätte sich seit der Einführung des Euro um 38% aufgewertet.

Nichtsdestoweniger ist der Aufwertungsdrang des Schweizer Franken nicht vorbei. Bis 2030 dürfte er den Außenwert des Euro um 50% dezimiert haben.

Zum Thema:
Wo wird der Euro-Franken-Kurs in 10 Jahren stehen?