ūüĒ• Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im Juni 2022
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ūüĒ• Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im Juni 2022

Die Schweiz d√ľpiert mit einer pl√∂tzlichen Zinswende Franken-Kreditnehmer in √Ėsterreich. Zum einen steigert der Franken seinen Wert zum Euro, so dass sich die Kreditschulden erh√∂hen. Zum anderen verursacht die erste Leitzinserh√∂hung seit einem Vierteljahrhundert Trouble beim Zinsaufschlag.

Der Abw√§rtstrend des Euro-Franken-Kurses, der 2007 bei 1,68 begann, hat sich erneut fortgesetzt: Aktuell gibt es f√ľr 1 Euro 1,0180 Franken. Einen Tag vor der Leitzinserh√∂hung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) waren es 1,0480.

Weiterlesen: Schweizer Franken ab sofort noch stärker gefragt

Im Jahr 2007 hatte die SNB das letzte Mal ihren Leitzins erh√∂ht. Das war f√ľr den Euro seinerzeit √ľberhaupt kein Problem. Die Europ√§ische Zentralbank (EZB) hatte in den 00er-Jahren ihren Leitzins deutlicher und stets vor der SNB raufgesetzt. Allerdings sind diese Zeiten inzwischen l√§ngst vorbei.

"Absolut haften noch € 9,4 Mrd. in fremder W√§hrung aus", teilte die Finanzmarktaufsicht (FMA) letzte Wochen mit. "97,2% der Fremdw√§hrungskredite entfallen auf Schweizer Franken, der Rest fast zur G√§nze auf japanische Yen."

Die meisten der Franken-Kredite haben die Banken in √Ėsterreich zwischen 2002 und 2008 zu Eurokursen von 1,40 bis 1,65 Franken vergeben. Im Schnitt wurden H√§uselbauer Franken-Kredite im Gegenwert von 150.000 Euro gew√§hrt. 

  • 9,4 Milliarden Euro Gesamtvolumen in fremder W√§hrung (FMA) geteilt durch 150.000 Euro = 62.667 Fremdw√§hrungs-Kreditnehmer
  • 97,2% von 62.667 = 60.912 Franken-Kreditnehmer

Knapp 61.000 Haushalte in √Ėsterreich haben also noch Franken-Kredite am laufen. In der Regel handelt es sich um endf√§llige Kredite mit Laufzeiten von 15 bis 20 Jahren und variabler Verzinsung.

Zinspolster

Die meisten Kreditnehmer in √Ėsterreich zahlen seit 2015 keine Zinsen. Hintergrund: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte den Leitzins in den letzten sechseinhalb Jahren bei -0,75% gehalten.

Infolge waren die f√ľr Franken-Kreditnehmer ma√ügeblichen Schweizer S√§tze ebenfalls tief im Minus. Der Zinsaufschlag (Marge) der Bank wurde mehr als egalisiert. In der Praxis bedeutete das:

  • CHF 1-Monats Libor und CHF 3-Monats Libor waren bei -0,70% bis -0,80%.
  • Der Zinsaufschlags eines Franken-Kreditnehmers war bei etwa 0,40% bis 0,60%
  • -0,70% Schweizer Zins plus 0,40% Zinsaufschlag = -0,30%

Aufgrund dieser kuriosen Situation h√§tten Franken-Kreditnehmer sogar an ihren Krediten etwas verdienen k√∂nnen. √Ėsterreichs Gerichte haben sich allerdings auf die Seite der Banken geschlagen und dem ein Riegel vorgeschoben.

Der CHF-Libor wurde zu Jahresbeginn durch den Saron ersetzt. "Beim Wechsel auf einen neuen Basiszinssatz darf kein Nachteil f√ľr Kreditnehmer entstehen", informiert die Arbeiterkammer.

Der Saron kletterte nach der plötzlichen Leitzinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von -0,70% auf -0,50%. Folge: Das Zinspolster von Franken-Kreditnehmern verkleinert sich.

Bei Franken-Kreditnehmern mit guter Bonit√§t, die in einem niedrigen Zinsaufschlag zum Ausdruck kommt, war das Verh√§ltnis fast 2 zu 1: Der f√ľr sie relevante Schweizer Zins (-0,70%) war (ohne Minuszeichen) doppelt so hoch wie der Zinsaufschlag (0,35%).

Jordan leint CHF ab

SNB-Präsident Jordan hat signalisiert, dass es mit einem einmaligen Zinsschritt nicht getan ist. Er wird auf der nächsten Notenbanksitzung im September aller Voraussicht nach eine weitere Zinserhöhung vornehmen.

Wechselkurssysteme inkl. Free Float grafisch dargestellt

F√ľr die etwa 61.000 Franken-Kreditnehmer in √Ėsterreich ist Jordan problematisch. Der SNB-Chef erh√∂ht nicht nur die Zinsen. Er hat auch gesagt, dass der Schweizer Franken nicht mehr hoch bewertet sei. Damit wird dem EUR/CHF-Kurs erlaubt k√ľnftig im "Freien Floating" weiter zu sinken.

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