Der Ausblick für Franken-Kreditnehmer im Dezember 2020
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Der Ausblick für Franken-Kreditnehmer im Dezember 2020

2020 ist eines der besseren Jahre für Franken-Fremdwährungskreditnehmer: Der Euro steht zum Schweizer Franken genauso hoch (oder tief) wie zu Jahresbeginn. Zinsen zahlen die meisten keine. Sie sparen damit Monat für Monat bares Geld im Vergleich zu Euro-Schuldnern. Setzt sich dieser Trend 2021 fort? Haben sich die Risiken eines Franken-Kredits tatsächlich in Luft aufgelöst?

Für die meisten Franken-Kreditnehmer Österreichs ist es ein Plus-Minus-Null-Geschäft. Zwar wird der Euro gegenüber dem Schweizer Franken jedes Jahr im Schnitt um 2% schwächer. Dafür bezahlt man jedoch keine Zinsen, und holt so den Wechselkursverlust wieder rein.

Österreichs Banken offerieren Wohnbaukredite aktuell für rund 2% Jahreszins. Das ist die Bezugsgröße für einen Franken-Kreditnehmer. Er steht vor der Wahl in seinem Franken-Kredit zu bleiben und weiterhin keine Zinsen zu bezahlen. Oder aber er konvertiert in einen Euro-Kredit.
  • 2015-2020 waren Wechselkursverluste deutlich höher als Zinsersparnis.
  • 2017 war das einzige Jahr, in dem es beim Wechselkurs vernünftig für einen Franken-Kreditnehmer gelaufen ist. Der Euro legte kräftig zu.
Vorausblickend kommt es aufs Timing an. Darüber hinaus gilt es sich stets vor Augen zu führen: Das Aussitzen eines Franken-Kredit hat auch etwas von einem Gang ins Casino.

Ein Beispiel: Das Darlehen eines Franken-Kreditnehmers wird Ende 2021 fällig:

Hat der Kreditnehmer Glück, wertet der Euro nächstes Jahr 3% auf 1,11 Franken auf. 2022 verliert der Euro dann 5% und erreicht damit wieder seine durchschnittliche jährliche Abwertungsrate von 2%. Das kann dem Franken-Kreditnehmer aber egal sein, weil er zu einem Euro-Franken-Kurs von 1,11 ausgestiegen ist.

Hat er Pech, fällt der Euro bis zur Fälligkeit seines Kredits überdurchschnittlich um 5% auf 1,03 Franken. Die dreiprozentige Gegenbewegung des Euro auf 1,06 Franken setzt erst ein, nachdem er seinen Kredit zurückgezahlt hat.

Wichtige Überlegungen


Niemand kann vorhersagen, welchen Verlauf der Euro-Franken-Kurs in den nächsten Jahren nimmt. Sicher ist nur, dass er bis 2025/2030 jedes Jahr im Schnitt um 2% runtergeht.

Wenn die Bank den Kredit vertragsgemäß fällig stellt, ist es Aus mit der Zinsersparnis. Keine Bank in Österreich wird dem Schuldner noch einmal ein zinsloses Darlehen gewähren.

Kalenderjahre, in denen der Euro gegen den Franken aufwertet, sind selten. Für einen Kreditnehmer ist daher die Chance bei der Fälligkeit seines Darlehens eine Situation vorzufinden, in der er 2% bei den Zinsen spart und obendrauf noch einen stärkeren Euro zum Franken bekommt, niedrig.

Schafft es der Euro in den kommenden Wochen oder Monaten auf oder über 1,10 Franken, sollte man daher dem Drängen von Banken und Finanzmarktaufsicht (FMA) nachgeben, und einen Schlussstrich unter seinen Franken-Kredit ziehen.

Selbst der aktuelle Eurokurs von 1,08 Franken ist ein akzeptabler Ausstiegskurs. Man hat die 2% Zinsen p. a.  gespart und bleibt von einem Wechselkursverlust gegenüber dem Vorjahr verschont.

Es wäre keine Überraschung, würde der Euro in den letzten Wochen des Jahres auf 1,06 Franken runtergehen. Momentan sieht es zwar nicht danach aus. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Rückfalls liegt bei etwa 40%. Das kann sich aber binnen wenigen Tage ändern.

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