Frankenkredit-Schock: AT kommt mit blauem Auge davon
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Frankenkredit-Schock: AT kommt mit blauem Auge davon

Abschwächung Euro, Forint, Zloty gegen Schweizer Franken 2020 per Geo-Diagramm illustriert

Wer ein Franken-Kredit in Österreich am laufen hat, steht besser da als Bankkunden in den Fremdwährungskredit-Hochburgen Polen und Ungarn. Hintergrund: Der Euro hat sich von der Corona-Pandemie nicht so stark einschüchtern lassen wie Forint und Zloty. Dafür fällt in Polen die Abschwächung der Landeswährung wegen einer den Franken-Kreditnehmern gewogenen Justiz nicht so sehr ins Gewicht.

Premier Viktor Orbán lässt die Schlagbäume ständig rauf und runter. Er macht es für Wirtschaft und Währung des Landes schlimmer als es sein müsste. Ungarn ist stark auf den freien Personen- und Güterverkehr des EU-Binnenmarktes angewiesen. Mit ihrem Hin und Her untergräbt die Regierung in Budapest die Planungssicherheit der Unternehmen. Seit Jahresbeginn verlor der Forint zum Schweizer Franken 10%.

Die polnische Zloty hat 6% gegenüber dem Schweizer Franken eingebüßt. Wie so viele andere Haushalte in der EU haben sich auch die polnischen in den 00-Jahren wegen der tiefen Zinsen im Schweizer Franken verschuldet. Man sei über das aktuelle Wechselkursniveau der Zloty nicht besorgt, beschwichtigte gerade Premierminister Morawiecki im Gespräch mit Bloomberg. Die Zloty habe laut Polens Regierungschef das Potenzial aufzuwerten.

Anders als in Österreich klagen Polens Franken-Kreditnehmer äußerst erfolgreich gegen die Banken. Sie gewinnen neun von zehn Prozessen, wenn sie den Banken vor den Gerichten vorwerfen, nicht hinreichend über die Risiken ihres Fremdwährungskredits aufgeklärt worden zu sein, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das Ergebnis ist die Rückabwicklung des Kredits zu einem sehr viel besseren Wechselkurs.

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Der Euro verlor lediglich 1% auf den Schweizer Franken. Der Finanzmarktaufsicht (FMA) ist auch das noch zu viel: Sie warnt: "Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten, wie wir sie derzeit durchleben, sind in der Regel von hoher Volatilität der Märkte und starken Schwankungen der Wechselkurse begleitet." Die FMA will möglichst viele Bankkunden vor der Fälligkeit ihrer Franken-Kredite in Euro-Abstattungskredite lotsen. Sie hält das zur Bewahrung der Finanzstabilität für erforderlich.



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