Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im Juli 2020
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Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im Juli 2020

Der Euro kraxelte Anfang Juni 2020 auf ein 6-Monatshoch bei 1,0915 Franken. Wer zu diesem Zeitpunkt in einen Euro-Kredit umschuldete, hat einen guten Konvertierungskurs erwischt. Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte gibt es für 1 Euro 1,06 Franken. Österreichs Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) sind keine große Hilfe für Fremdwährungskreditnehmer.

Wer in der Hoffnung auf einen Anstieg des EUR/CHF-Kurses über 1,10 an seinem Franken-Kredit festhielt, schaut in die Röhre. Die Lage ist vergleichbar mit der im April/Mai 2018. Damals stieg der Euro auf 1,20 Franken. Unter den Devisen-Auguren machte sich Euphorie breit. Viele rechneten mit einer Fortsetzung der Euro-Rallye. Bis zu 1,30 wurde seinerzeit prognostiziert.

Bei einem Franken-Kredit im Gegenwert von 150.000 Euro, aufgenommen zur Boomzeit 2006, hat sich die Restschuld in den letzten drei Wochen von 213.010 Euro auf 218.721 Euro (+5.711 Euro) erhöht. Das ist ist Wasser auf die Mühlen von Österreichs Finanzmarktaufsicht (FMA). Sie formuliert in einer Pressemitteilung vom 25. Juni 2020 deutlich wie nie zuvor. Ziel der Behörde sei es,

"die hochspekulativen Fremdwährungskredite als Produkt für Endverbraucher aus dem Markt zu nehmen."

Banken seien laut der FMA bei bestehenden Fremdwährungskrediten angehalten, attraktive Angebote zum Umstieg in eine Euro-Finanzierung zu machen. An der Umsetzung hapert es. Die verbleibenden Franken-Kreditnehmer zahlen wegen einer variablen Zinskonstellation und den tiefen Schweizer Sätzen in der Regel keine Zinsen. Wer in einen Euro-Kredit umschuldet, muss hingegen mit 1% pro Jahr rechnen.

So günstig wie der der Staat Österreich, der gerade eine 100-jährige Anleihen für einen Zins von 0,85% begeben hat, kommen private Haushalte selbstverständlich nicht zum Zug. Sie müssen etwa 1% bezahlen, und das für eine Laufzeit von zehn Jahren. Euro-Zinsen lassen sich durch das Aussitzen eines Franken-Kredit umgehen, zumal es sich beim Wechselkursminus um ein Buchverlust handelt.

"Die Nationalbank belässt den SNB-Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben bei der SNB bei −0,75% und ist angesichts des hoch bewerteten Frankens weiterhin bereit, verstärkt am Devisenmarkt zu intervenieren", kommunizierte die Schweizerische Nationalbank (SNB) nach ihrer vierteljährlichen Sitzung am 18. Juni 2020.

Ein explizites Kursziel nennt die SNB nicht. Es ist aber kein Geheimnis, dass die SNB ein Absinken des Euros unter 1,05 Franken bisher verhindert hat. Die Bereitschaft diesen inoffiziellen Mindestkurs auch künftig zu verteidigen, nimmt auf der Zeitachse ab. Man wird sehen müssen, ob die SNB bereits in der zweiten Hälfte 2020 oder aber erst 2021 Eurokurse unter 1,05 Franken zulassen wird.

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