Euro hat 1,05er-Marke fest im Blick
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Euro hat 1,05er-Marke fest im Blick

Der Euro nimmt den Fuss vom Gaspedal. Nach einem Anstieg auf 1,09 Franken und einem Rückfall auf 1,0650 Franken geht es seitwärts. "Der Euro pendelt zum Schweizer Franken derweil lustlos im aktuellen Range hin und her", kommentiert die Berner Kantonalbank. Der Schein trügt. Die Risiken einer Talfahrt steigen. Der Euro kann aus recht starken Konjunkturdaten kein Kapital schlagen und trägt obendrein einen Mühlstein um den Hals.

Die Wirtschaft in der Eurozone hat sich im Juni schneller erholt als erwartet. Einkaufsmanager-Indizes für Industrie und Dienstleistungssektor fehlen nur noch wenige Punkte bis zur Wachstumsschwelle. Dass es so schnell ging, damit war noch vor wenigen Wochen nicht zu rechnen. Der Euro will auf die Daten allerdings nicht "anbeißen" und Richtung 1,10 Franken steigen.

Daraus muss man schlussfolgern: Sämtliche guten Nachrichten von der Konjunkturfront sind bereits eingepreist. Ferner lässt sich sagen: Es braucht etwas Neues. Der EU-Wiederaufbaufonds kommt nicht in Frage. Auch er ist eingepreist. Aus der Sicht des Euros ist mit Blick auf ihn sogar eher mit einem Rückschlag zu rechnen.

"In der EU stehen mühsame und zermürbende Diskussionen über die Verteilung der Hilfsgelder an. Wie die Ausgestaltung der Parameter aussehen wird, ist derzeit noch nicht absehbar", sagt die Berner Kantonalbank. Fallen die Schenkungen an Südeuropa wegen Einwänden der "Sparsamen Vier" (Österreich, Niederlande, Schweden, Dänemark) geringer aus, dürfte sich der Verkaufsdruck auf den Euro intensivieren.

Notenpressen-Mühlstein


Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat zwischen Anfang März und Ende Mai 2020 etwa 50 Milliarden Franken gedruckt und damit hauptsächlich Euros gekauft. Die Europäische Zentralbank (EZB) ging im selben Zeitraum mit ihrer Bilanzsumme aufgrund des Ankaufs von Staatsanleihen um 900 Milliarden Euro auf 5,6 Billionen Euro hoch.

Kreisdiagramm Devisenreserven Schweizerische Nationalbank nach Währungen

"Die SNB wird weiterhin versuchen, eine signifikante Aufwertung des Frankens mit Negativzinsen und Fremdwährungskäufen zu verhindern. Die Marke von CHF 1,05 je Euro bleibt kritisch", sagt die Bank Linth. Neue Maßnahmen, wie eine Absenkung des Leitzinses (aktuell: -0,75%), wären bei einem Unterschreiten der Parität zu erwarten, meint das Schweizer Geldhaus.

Das Verhältnis 50 Milliarden Franken aus der SNB-Druckerpresse zu 900 Milliarden Euro aus der EZB-Druckerpresse wird dem Euro noch zu schaffen machen. Es handelt sich hier um etwas Permanentes. Die gedruckten Euros lassen sich nicht wieder zurück in die Zahnpastatube drücken. Das Überangebot an Euros im Vergleich zu Schweizer Franken ist wie ein Mühlstein um den Hals des Euro-Franken-Kurses.

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