Der Schweizer Franken ist plötzlich eine Risikowährung
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Der Schweizer Franken ist plötzlich eine Risikowährung

Die Kursgewinne des Euro in der ersten Juniwoche sind die größten seit zwei Jahren. Die Euro-Käufer haben klar die Oberhand. Der Schweizer Franken ist eine Risikowährung mit Abwertungscharakter. Entsprechend hoch sind die Chancen für einen EUR/CHF-Kurs mit einer eins als erster Nachkommastelle. Diesen Schritt sollte der Eurokurs aber möglichst schnell machen. Eine Tändelei kann er sich nicht leisten.

Plötzlich ist der Schweizer Franken die riskantere Währung: Am Devisenoptionsmarkt sind Call-Optionen, mit denen sich beispielsweise Schweizer Importeure gegen einen steigenden Euro absichern, teurer als Put-Optionen. Das gab es zuletzt vor drei Jahren. Es unterstreicht einen dramatischen Stimmungswechsel zu Gunsten des Euro. Er ist ein Indiz dafür, dass der Euro-Anstieg weitergehen wird.

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1,10 ist für den EUR/CHF-Kurs in Reichweite, nachdem er eine langfristige Abwärtstrendlinie, die bei 1,20 im April 2018 ihren Ursprung hat, überrannte. Was sich nicht prognostizieren lässt: Stellt sich Euro bereits mit einem höheren Hoch bei 1,0960 Franken zufrieden? Oder marschiert er bis 1,1040 durch. Danach muss man mit einer Gegenbewegung rechnen.

EUR/CHF-Kurs Wochenchart im Kerzenformat (1 Kerze = 1 Woche) 2018-2020

"Auf eine Fortsetzung der Euro-Erstarkung ist langfristig kein Verlass", meint die Neue Zürcher Zeitung. "Solange Brüssel nur darauf setzt, die strukturellen Probleme der Einheitswährung mit stets noch mehr Geld zu überdecken, bleibt der Euro krisenanfällig – und der Franken eine begehrte Alternative", heißt es in 🔗dem Artikel.

Die Devisenexperten von Raiffeisen Schweiz schlagen in die gleiche Kerbe. Die Schweiz sei besser aufgestellt als die Eurozone. "Die breite wirtschaftliche Diversifikation und der solide Staatshaushalt bilden eine gute Ausgangslage für eine rasche wirtschaftliche Erholung des Landes." Raiffeisen Schweiz rechnet bis Anfang Oktober 2020 mit einem Rücklauf des Euro-Franken-Kurses auf 1,06.

Die Akteure am Devisenoptionsmarkt, die gerade ihre Fähnchen für den Euro in den Wind hängen, werden nicht zögern zurück in den Franken zu gehen, sollten die "alten" Probleme der Eurozone wieder zum Vorschein kommen. Soweit ist es aber noch nicht. Einstweilen dominieren die Euro-Käufer. Damit das so bleibt, muss der Euro bis Mitte Juni auf mindestens 1,0940 Franken steigen und sich dort dann auch befestigen.

Umgekehrt wäre es bei folgender Kursentwicklung Zeit Alarm zu schlagen: Der Euro steigt in den kommenden Tagen in den Bereich 1,0960-1,1040 Franken. Dann geht ihm die Luft aus und er fällt bis Wochenschluss auf etwa 1,09. Nun wäre ein Rücklauf auf 1,07 bis Ende Juni 2020 angezeigt.