Euro steigt wegen EU-Rettungsgeldern auf 1,07 Franken
Home » » Euro steigt wegen EU-Rettungsgeldern auf 1,07 Franken

Euro steigt wegen EU-Rettungsgeldern auf 1,07 Franken

Steiler Anstieg EUR/CHF-Kurs Ende Mai 2020

Der Euro steigt gegenüber dem Schweizer Franken dank eines 750 Milliarden Euro Rettungspakets auf den höchsten Stand seit drei Monaten. In Südeuropa purzeln die Zinsen in den Keller. Für den Euro-Franken-Kurs heißt das: Bei 1,07 muss mit dem Anstieg noch lange nicht Schluss sein.

750 Milliarden Euro will die EU-Kommission zur Bewältigung des von der Corona-Krise verursachten wirtschaftlichen Schadens mobilisieren. 500 Milliarden Euro sollen als Schenkungen an besonders hart getroffene Länder wie Italien und Spanien fließen. 250 Milliarden Euro über die Kreditschiene.

Mit diesem Plan hat die deutsche Kommissionschefin Ursula von der Leyen den Euro-Franken-Kurs quasi überrumpelt. Am Devisenmarkt rechnete man bislang mit einem 500 Milliarden Euro Wiederaufbaufonds. Den hatten Deutschland und Frankreich vor zehn Tagen über die Köpfe der kleineren EU-Länder Österreich, Niederlande, Schweden und Dänemark beschlossen.

Eurobonds-Automatismus


Auf den Merkel-Macron-Wiederaufbaufonds schlug der Euro bereits an. Er kletterte von 1,05 auf 1,0660 Franken. Der Plan sieht vor, dass die EU-Kommission zum ersten Mal in ihrer Geschichte Schulden macht. Dies wird als wichtiger Schritt hin zu gemeinsamen Staatsanleihen gesehen (Eurobonds).

"Die Initiative wurde als Durchbruch und historischer Schritt beschrieben, da Deutschland sich in früheren Krisen immer gegen die Idee gemeinsam begebener Schulden ausgesprochen hatte", kommentiert der US-Börsensender CNBC.

Nun sattelt die EU-Kommission noch einmal 250 Milliarden Euro drauf. Das kann der Euro nicht ignorieren, und so steigt er auf 1,07 Franken. Die Pläne der EU-Kommission werden vom Staatsanleihen-Markt honoriert. Es kommt es zu deutlichen Zinsrückgängen bei italienischen und spanischen Papieren. Die Rendite auf deutsche Bundesanleihen konvergiert mit Südeuropa und steigt etwas.

Einschätzung:
Die EU-Kommission wird also eine Vorstufe von Eurobonds ausgeben. Somit kann die zweite EUR/CHF-Blase doch noch kommen? Eher nicht. Berlin hat eine scharfe Trennlinie zwischen Schulden der EU-Kommission und 100-prozentigen Eurobonds gezogen. Ein Automatismus zu Eurobonds, wie man ihn an den Finanzzentren in New York und London sieht, gibt es keinesfalls.