Drei Dinge, die den Euro aus der Reserve locken
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Drei Dinge, die den Euro aus der Reserve locken

Der Euro steigt kurz auf 1,1030 Franken. Das ist der höchste Stand seit anderthalb Monaten. Auslöser ist die Parlamentswahl in Großbritannien. Ersten Hochrechnungen zufolge darf Boris Johnson mit einer absoluten Mehrheit rechnen. Der Euro-Pfund-Kurs sinkt mit 0,8280 auf den tiefsten Stand seit dem Brexit-Volksentscheid im Juni 2016.

Für den Euro-Pfund-Kurs ist die sich jetzt abzeichnende "weiche" Brexit-Lösung mit Austrittsvereinbarung ein Game Changer. Für den Euro-Franken-Kurs nicht. Den Nachrichten aus dem Vereinigten Königreich fehlt es an der Durchschlagskraft. Die Devisennotierung kann weder die 200-Tage-Linie noch den Trendlinien-Widerstand überwinden.

EUR/CHF-Analyse der Kursentwicklung mit 200-Tage-Linie und Trendlinien-Widerstand

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) teilt nach ihrer Sitzung mit: "Der Franken ist damit weiterhin hoch bewertet, und die Lage am Devisenmarkt bleibt fragil. Negativzins und Interventionsbereitschaft wirken der Attraktivität von Anlagen in Franken entgegen und verringern dadurch den Aufwertungsdruck."

Die Schweiz tut gut daran, unter dem Radarschirm von Trumps Finanzminister Steven Mnuchin zu fliegen. Der hatte sie im Mai 2019 als "Währungsmanipulator" eingestuft. Die Devisenmarktinterventionen zielten nicht darauf ab den Franken auf Kosten anderer Volkswirtschaften abzuschwächen, stellte danach SNB-Chef Thomas Jordan im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" klar.

Ein Handelsabkommen zwischen den USA und China könnte beim Euro-Franken-Kurs mehr Aufwärtspotenzial freisetzen als die guten Brexit-Nachrichten. "Wir sind SEHR nahe an einem GROßEN DEAL mit China. Sie wollen ihn, wir wollen ihn!", twittert US-Präsident Trump. Kommt der Deal, müsste man mit einem Anstieg des Euros zur 200-Tage-Linie und zur Abwärtstrendlinie auf etwa 1,1080 Franken rechnen.

Aber auch hier gilt: Gute und schlechte Nachrichten über den sino-amerikanischen Handelskrieg sind weitgehend im Euro-Franken-Kurs eingepreist. Das Einzige, was zu einem nachhaltigen Anstieg des Euro-Franken-Kurses führen kann, sind positive Überraschungen aus der Eurozone.

Es gilt drei Entwicklungen im Auge zu behalten:


1. Die Eurozone einigt sich auf eine Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung. Deutschlands Finanzminister Olaf Scholz hatte zuletzt Entgegenkommen signalisiert. Warum wäre das so wichtig?

"In Europa schuldet beispielsweise Italien Deutschland und anderen Ländern viel Geld, aber außerhalb der Eurozone ist das Land kaum verschuldet. Nach außen ist die Eurozone ein hermetischer (undurchdringlicher) Kapitalmarkt", erklärt der Chefstratege Christian Gattiker von Julius Bär gegenüber der "Neuen Zürcher Zeitung".

Würde Deutschland für die Schulden Italiens einstehen, sänken die von Marktteilnehmern eingepreisten Risikoprämien auf italienische Aktien und Anleihen. Das gäbe dem Euro gegenüber dem Franken auf Sicht von 12-24 Monaten Auftrieb.

Das Grundproblem lässt sich so aber nicht lösen. Es würde sich sogar verschärfen. Italien hätte neben der QE-Politik der EZB einen weitern formidablen Anreiz sich Strukturreformen zur Steigerung seines ohnehin schon winzigen Potenzialwachstums zu verweigern.



2. Ein stärkeres Wirtschaftswachstum in der Eurozone von etwa 1,5%. Dies überträfe die Erwartungen der Marktteilnehmer. Nun würde die Politik wieder jenen Ökonomen, die sagen, man müsse nur die Nachfrage der Verbraucher mit Geld aus der Notenpresse und Konjunkturprogrammen auf Pump ankurbeln, nacheifern.



3. EZB-Chefin Christine Lagarde hat gerade gesagt, sie sei weder eine geldpolitische Taube (so wie Draghi) noch ein Falke (so wie OeNB-Chef Robert Holzmann). Die Finanzmärkte haben allerdings ein Elefantengedächtnis. Als IWF-Chefin drängte Lagarde einst Draghi noch mehr Geld zu drucken.

Lagarde müsste also eine geldpolitische Handlung unternehmen (z. B. Inflationsziel runterschrauben), die ihren Anspruch keine Taube zu sein, beweist. Darauf wird man vergeblich warten.

"Wie viele französische Politiker glaubt Christine Lagarde an den Primat der Politik über Recht und Regeln. Wie der IWF wird folglich auch die EZB unter ihrer Führung zu einer durch und durch politischen Institution werden", schreibt der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen".

Eine politisierte, nicht-unabhängige EZB, die auf Zuruf der Politik Staatsanleihen kauft oder Geld für Öko-Bonds druckt, führt dazu, dass die Kaufkraft des Geldes schwindet.
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