1,30 oder Parität? Ausblick austariert wie lange nicht
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1,30 oder Parität? Ausblick austariert wie lange nicht

Beim Euro-Franken-Kurs ist alles offen: Er kann auf 1,30 steigen oder auf 1,00 fallen. Das Gerede über Zinsen und vermeintlich, aktuelle Konjunkturdaten, die längst eingepreist sind, lässt sich getrost beiseiteschieben. Ein wöchentlicher Blick auf den Wechselkurs-Chart reicht vollkommen aus. Man braucht nur zwei Linien, und alles ist klar.

Die deutschen Zinsen bewegen sich etwas nach oben. So klettert der Zins auf 10-jährige Bundesanleihen von 0,27%% auf 0,37%. Der Euro profitiert bislang nicht. Er steigt zwar kurz auf 1,1715 Franken, fällt dann aber auf 1,1630 zurück. Der deutsche Zinsanstieg ist konjunkturell nicht unterfüttert wie in den USA.

Das Wirtschaftswachstum in Europas größter Volkswirtschaft hat seinen Zenit Ende 2017/Anfang 2018 überschritten. Eine Chance, dass die EZB die Leitzinsen in absehbarer Zeit erhöht, gibt es nicht, und dass, obwohl die deutsche Inflation zuletzt bei 2,1% lag und damit über der Zielmarke der EZB. Daher ist der deutsche Zinsanstieg bisher wertlos für den Euro.

Ausblick

Megafon-Formationen und die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken kommen gut miteinander aus: Das charttechnische Muster tauchte bereits mehrmals bei Dax und anderen Aktienindizes auf, nun hat es auch der Euro-Franken-Kurs für sich entdeckt. Es lassen sich folgende EUR/CHF-Ausblicke ableiten:


1. Euro klettert auf bis zu 1,30 Franken
Der Euro-Franken-Kurs steigt in den nächsten sechs bis zwölf Monaten auf 1,22 und tritt in Kontakt mit der oberen Megafon-Linie. Jetzt kommt es entweder zu einem Durchbruch der Megafon-Line, was den Weg für Kurse von 1,25-1,30 freimachen würde oder aber zu einem Rücksetzer. Letztgenanntes würde den Euro deutlich unter 1,20 zurückwerfen.

Weiterlesen: Euro auf 1,22 Franken, sagt UBS

2. Rückfall auf 1 Euro = 1 Franken
Der Euro sinkt auf 1,12 und nimmt Tuchfühlung mit der unteren Megafon-Linie auf. Reißt die Linie, intensiviert sich die Talfahrt, es geht runter auf 1,06 (an dieser Stelle hatte der Anstieg des Euro-Franken-Kurses Anfang 2017 begonnen). Der Rückfall setzt sich fort, bis schließlich ein Kursverhältnis von 1 Euro = 1 Franken (Parität) erreicht wird. Hält die untere Megafon-Linie, geht 1,15-1,20 rauf.

Ergebnis:
Für Franken-Kreditnehmer in Österreich wird es in den nächsten sechs bis zwölf Monaten einfacher, den Euro-Franken-Kurs einzuschätzen. Solange sich der Euro zwischen 1,12 bis 1,22 Franken aufhält, ist nichts Entscheidendes passiert. Was die Banken in ihren Prognosetabellen abtragen, ist daher in der Regel unbrauchbar.

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