Euro sagt Ade zum Sommerblues
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Euro sagt Ade zum Sommerblues

Vor einer Woche sah es danach aus, als ob der Euro den Sommerblues nicht loswird. 1 Euro war lediglich 1,04 Franken wert. Inzwischen sind es 1,07 Franken. Einen so steilen Anstieg des Wechselkurses gab es zuletzt im Februar. Geht die Gemeinschaftswährung aufs Ganze und peilt die Marke bei 1,10 Franken an? Die Chancen stehen gut, weil die Schwarzmaler vom IWF oft falsch liegen.

Der Euro klettert binnen einer Woche von 1,0396 Franken auf 1,0690 Franken (+2,83 Prozent). Damit erreicht er den höchsten Stand seit dem 19. März 2015. Entscheidend für den rigorosen Anstieg ist der Bruch eines bei 1,0570 liegenden Widerstandes. Das nächste Ziel ist das Hoch vom 20. Februar 2015 bei 1,0812. Sollte auch dieser Widerstand brechen, wäre der Weg frei Richtung 1,10.


Devisenexperten reiben sich die Augen. Die meisten haben zwar eine Euro-Aufwertung prognostiziert. Keiner hat jedoch gedacht, dass es so schnell gehen könnte. Die gerade neu herausgegebenen Wechselkursprognosen der Erste Group sehen den Euro erst im September 2015 bei 1,07 Franken. Bei der Raiffeisen Zentralbank peilt man selbiges Niveau für Anfang 2016 an.

Spiel mit den Feuer

Warum der Euro-Franken-Kurs gerade jetzt so steil steigt, ist ein Rätsel. Es könnten die dünnen Handelsumsätze sein, die es Spekulanten und Euro-Käufern ermöglichen, mit vergleichsweise kleinen Ordergrößen den Wechselkurs anzuschieben. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Käufe von Staatsanleihen im Juli und August verringert.

Der Anstieg des Euros dürfte vor allem von den guten Wachstumsperspektiven gespeist werden. Dabei spielt es keine Rolle, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) der Eurozone nun noch einmal so richtig eins rein reibt. Christine Lagardes IWF fordert in einem neuen Bericht Konjunkturprogramme auf Pump und einen Hire-and Fire-Arbeitsmarkt nach dem Vorbild der USA.

Weil die Euroländer bisher keine Anstalten machen diesen Forderungen nachzukommen, warnt Lagarde vor Konjunkturrisiken. In den Augen vieler Marktteilnehmer ist die Strafpredigt wenig glaubhaft, wenn nicht sogar substanzlos.

Die Französin warnte vor einigen Jahren den britischen Finanzminister Osborne vor "einem Spiel mit dem Feuer", weil dieser an der Konsolidierung der Staatsfinanzen festhielt. Die Einschätzung von Christine Lagarde stellte sich als katastrophaler Irrtum heraus, denn die britische Wirtschaft legte anschließend entgegen den IWF-Prognosen beim Wachstum sogar noch einen Zahn zu.