Erste Bank empfiehlt Häuselbauern Franken-Kredit-Ausstieg
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Erste Bank empfiehlt Häuselbauern Franken-Kredit-Ausstieg

"...daher raten wir den Kreditnehmern, ernsthaft zu überlegen, zum jetzigen Zeitpunkt den Schweizer-Franken-Kredit zur Gänze (oder wesentliche Teile davon) in Euro zu konvertieren", heißt es in einer Stellungnahme der Erste Bank Hintergrund: Die Erste sieht kaum Chancen für eine Fortsetzung der Abschwächung des Schweizer Franken.

Als die Einschätzung am Dienstag (17.04.18) in der Zeitung Der Standard steht, ist der Euro bei 1,19 Franken. 1,20 ist noch nicht geknackt. Dass man nicht abwartet, wie das Tauziehen um 1,20 ausgeht und was die EZB auf ihrer anstehenden Sitzung sagt, macht Österreichs größte Bank sicherlich nicht seröser.

Das Vorgehen lässt sich mit Gewinnmaximierungszielen, die man ganz offenbar auf dem Rücken der Franken-Kreditnehmer erreichen will, erklären. Die anstehende EZB-Sitzung ist wegen neuen Leitzinsplänen von Österreichs Notenbankchef Nowotny, zu denen Draghi Stellung beziehen muss, äußerst interessant.

Sollte Nowotny ins Lager der Zinsfalken um Bundesbank-Chef Weidmann wechseln, und einige Ratsmitglieder mitnehmen - Nowotny ist der dienstälteste EZB-Banker, seine Meinung hat Gewicht - darf man ganz sicher sein, dass der Devisenmarkt davon Wind bekäme. Draghi verlöre seine Mehrheit, der EUR/CHF könnte auf 1,25 hochschießen.

Trojanisches Pferd

Franken-Kreditnehmer, die in den Euro konvertieren, könnten eine Laufzeitverlängerung bekommen, was zu einer Verringerung der monatlichen Zahlungsverpflichtungen führe, steht in 🔗dem Artikel. 75,2% der Fremdwährungskredite sind allerdings laut Daten des Wirtschaftsblatt und Finanzmarktaufsicht (FMA) endfällig mit Tilgungsträger.

Darüber hinaus kann man in den meisten Fällen nicht von einer monatlichen Zahlungsverpflichtung sprechen, weil die CHF-Zinsen quartalsweise angepasst werden und tief negativ sind, so dass viele Franken-Kreditnehmer überhaupt keine Zinsen zahlen. Wohl gibt es oft eine Verpflichtung an den Tilgungsträger, wenn dieser nicht stillgelegt ist, Zahlungen zu leisten.

Beim Tauschhandel Laufzeitverlängerung gegen geringere monatliche Zahlung ist aus zwei Gründe Vorsicht geboten:
  1. In der Praxis führt eine Konvertierung in einen Euro-Kredit zunächst einmal dazu, dass der Kreditnehmer wieder Zinsen zahlen muss.
  2. Die angebotene Laufzeitverlängerung ist ein trojanisches Pferd. Die Tilgung des Kredit verzögert sich, die Restschuld fällt langsamer, die Bank verdient mehr an Zinsen.

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