Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im Oktober 2015
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Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im Oktober 2015

Bei Franken-Kreditnehmern macht sich im Herbst etwas Unmut breit. Hauptursache ist die jüngste Kursentwicklung. Der Schweizer Franken wertet etwas auf, wodurch die Kreditschuld ansteigt. Wegen vielversprechenden Wechselkursprognosen und eines enormen Zinsvorteils haben Banken allerdings große Schwierigkeiten ihre Kunden in Euro-Kredite zu lotsen.

1 Euro ist aktuell 1,09 Franken wert. Der Wechselkurs stand schon einmal höher. Anfang September 2015 klettert die Gemeinschaftswährung auf knapp 1,11 Franken. Die Restschuldentwicklung eines typischen Franken-Kreditnehmers bewegt sich zu diesem Zeitpunkt auf einem 8-Monatstief.

Beispiel:
  • Ein Kreditnehmer verschuldet sich im Jahr 2000 im Gegenwert von 100.000 Euro.
  • 1 Euro ist seinerzeit 1,50 Franken wert.
  • Das Franken-Kredit-Abenteuer startet.
Entgegen den Prognosen vieler Kreditvermittler hat sich der Euro in den vergangenen 15 Jahren erheblich gegenüber dem Schweizer Franken abgeschwächt. Von der oft beworbenen stabilen und risikolosen Wechselkursentwicklung kann keine Rede sein. Stattdessen setzt mit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 eine massive Aufwertung des als sicheren Hafen wahrgenommenen Schweizer Frankens ein.

Die Situation eskaliert im Januar 2015, als die Schweizer Notenbank ein dreieinhalb Jahre währende Stützungsaktion des Euros aufgibt. Der Eurokurs erleidet erdrutschartige Verluste. Er sinkt von 1,20 Franken auf 1,00 Franken. Plötzlich beläuft sich die Restschuld des Kreditnehmers nicht mehr auf 100.000 Euro, sondern auf 150.000 Euro.

Aussitzen

Der Euro kann sich anschließend trotz Käufen von Staatsanleihen der Europäischen Zentralbank (EZB) und einem Beinahe-Rauswurfs Griechenlands aus der Eurozone erholen. Als 1 Euro acht Monate nach dem Wegfall der Stützgrenze 1,1050 Franken wert ist, liegt die zu tilgende Restschuld bei knapp 136.000 Euro. Der Kreditnehmer steht mit 36.000 Euro unter Wasser. Tatsächlich liegt der Reinverlust bei etwa 20.000 Euro, berücksichtigt man die Zinsersparnis.

Mit ihrem Versprechen kaum Zinsen zu zahlen, haben die Kreditvermittler recht behalten. Die Zinsen sind sogar niedriger als angenommen, weil die Notenbanken seit dem Ausbruch der Finanzkrise massiv die Zinsen senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Schweizer Notenbank geht mit ihrem Leitzins tief ins negative Terrain. Dies führt dazu, dass viele Franken-Kreditnehmer inzwischen gar keine Zinsen mehr zahlen müssen.

Zum Thema: Das A und O der Fremdwährungskredit-Zinsaufschläge

Weil es von Seite der Zinsen überhaupt keinen Grund gibt einen Franken-Kredit in ein Euro-Abstattungskredit zu konvertieren, warten viele Kreditnehmer in der Hoffnung eines weiter steigenden Euros ab. Ein aktuelles Research-Papier von Morgan Stanley ermutigt sie an der Aussitzen-Strategie festzuhalten. Sollte der Euro auf 1,15 Franken steigen, wäre die Restschuld des obigen Kreditnehmers bei 130.000 Euro. Der zinsbereinigte Reinverlust wäre auf 14.000 Euro abgeschmolzen.