Euro braucht Vitamin B - SNB zögert Geldspritze hinaus
+++ Euro purzelt auf 1,0725 Franken +++
Der Franken bleibt deutlich überbewertet ;-)
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Euro braucht Vitamin B - SNB zögert Geldspritze hinaus

Wie weit darf der Euro gegen den Franken fallen? Wo liegt die Schmerzgrenze der Schweizerischen Nationalbank (SNB)? Das sind derzeit die zwei spannendsten Fragen, die routinierten Beobachtern des Euro-Franken-Kurses unter den Nägeln brennen. Die Frage, ob die Schweiz dem Vorschlag von Christine Lagardes Weltwährungsfonds folgt, in dem sie die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kopiert, steht nicht auf der Tagesordnung.

Der Devisenberg der Schweizerischen Nationalbank kletterte zwar von 509,25 Milliarden Franken im Februar 2015 auf 522,32 Milliarden im März 2015. Mit Euro-Stützungskäufen dürfte der Anstieg aber nicht in Verbindung stehen. "Wir gehen nicht davon aus, dass die SNB am Devisenmarkt interveniert hat", zitiert die Schweizer Zeitung Blick Thomas Flury, Leiter Devisenstrategie bei der UBS. Die Zunahme der Devisenreserven gehe auf Bewertungseffekte zurück und nicht auf die Notenpresse.

Das Thema Euro-Stützungskäufe ist aber keinesfalls vom Tisch. Hintergrund ist die lethargische Talfahrt der Gemeinschaftswährung der vergangenen Wochen. Der Euro-Franken-Kurs sank zwischen dem 20. Februar und 2. April 2015 von 1,0812 auf 1,0388 (-3,92 Prozent). Wenn es in diesem Tempo weiter geht, dürfte spätestens im Mai 2015 die Parität ( 1 Euro = 1 Franken) erreicht sein.

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"Die SNB dürfe erst intervenieren, wenn sich der Euro-Franken-Kurs wieder näher zur Parität bewegt", meint Flury, der den Euro in diesem Jahr bei etwa 1,05 Franken sieht. Die Prognosen der UBS haben sich zu Zeiten des Mindestkurses bewährt. Der Branchenprimus war im Gegensatz zu anderen Banken stets vorsichtig in Bezug auf eine mögliche Aufwertung des Euros und machte Vorhersagen nahe bei EUR/CHF 1,20.

Dass die SNB eine Idee des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgreift und ausländische Staatsanleihen kauft, um die Lockerungspolitik der EZB zu kopieren, wird derweil immer unwahrscheinlich. Christine Lagardes IWF beißt bei der Schweizerischen Nationalbank auf Granit. Die Französin hatte sich bereits darüber enttäuscht gezeigt, dass sie von SNB-Präsident Thomas Jordan über die Mindestkurs-Aufgabe nicht unterrichtet wurde.

Das seien interessante Vorschläge, die man sich anschauen werde, sagte SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg mit Blick auf die Empfehlung ausländische Schuldverschreibungen anzukaufen. "Es ist die Rolle eines unabhängigen Gutachters, Vorschläge zu unterbreiten." Ferner sagte Zurbrügg an die Adresse des IWF: "Und ich denke, damit hat es sich auch."

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