Die Europäische Zentralbank (EZB) leitet offiziell eine Geldpolitik der ruhigen Hand ein. Damit sind Annahmen einer Zinssenkung nicht länger haltbar. Der Euro stabilisiert sich wegen des neuen Ausblicks des einflussreichen EZB-Chefvolkswirt Philip Lane bei 0,93 CHF.
Wer ein neues Rekordtief in der EUR/CHF-Entwicklung sehen will, muss sich gedulden. Oder aber man muss der Auffassung sein, dass ein externer Schock oder die Geldentwertung die Gemeinschaftswährung heimsuchen wird. Der Eurokurs sank am 14. November 2025 ein Rekordtief bei 0,9180.
Solange sich Wirtschaftswachstum im Euroraum und Konjunkturprognosen der EZB in Einklang entwickeln, werde man nicht über Änderungen des Leitzinses diskutieren, sagt Lane der italienischen Zeitung La Stampa.
Damit ändert er seine Postion. Im Oktober erklärte der Ire, der die Zinsentscheide für Notenbankchefin Christine Lagarde vorgibt: Wenn eine Entscheidung anstehe, sei die potenzielle Wahl nur zwischen "Zinsen senken“ oder "halten“ (aber nicht "erhöhen").
Die größte Bedrohung für die Geldpolitik der ruhigen Hand verortet Lane in den USA. Der dortige Konflikt zwischen der Notenbank (Fed) und Präsident Trump könnte dazu führen, dass die US-Inflation nicht auf die Zielvorgabe von zwei Prozent runtergeht.
Konkret ist man bei der EZB besorgt, dass sich die Differenz zwischen langfristigen Zinsen und kurzfristigen Zinsen in den USA vergrößert. Wegen der Dominanz der US-Finanzmärkte würde dieser Effekt dann auf Europa übergreifen.
Das würde bedeuten, dass hochverschuldete Euroländer wie Frankreich und Italien höhere Zinsen bezahlen müssten.
Gefahrenzone Frankreich
Der französische Notenbankchef, EZB-Ratsmitglied Villeroy de Galhau, warnt: Frankreich könne unter Investoren als "Gefahrenzone" eingestuft werden, sollte das Budgetdefizit über fünf Prozent bleiben.
Bekommen die USA ihre Inflation und Frankreich seine Neuverschuldung nicht runter, müsste die EZB die Zinsen senken. Eine solche Zinssenkung hätte im engeren Sinne nichts mit dem Inflationsziel der EZB zu tun und wäre eine Maßnahme, um hochverschuldeten Euroländern unter die Arme zu greifen.
Angesichts des damit verbundenen Glaubwürdigkeitsverlust der EZB würde der Euro nun gegenüber dem Schweizer Franken abwerten.
Nicht in Vergessenheit geraten sollte, dass die Inflation in der Eurozone zwei Prozent höher ist als in der Schweiz. Das heißt: Der Euro muss auch bei einer Geldpolitik der ruhigen Hand um etwa zwei Prozent runter im Gesamtjahr 2026. Es gilt also mit einem Absinken auf 0,91 CHF zu rechnen.
