Euro gegen CHF: Schuldenpolitik als unterschätzter Faktor

Der Rückgang der Inflation ist ein zweischneidiges Schwert für den Euro-Ausblick. Die hinzugewonnene Geldwertstabilität macht den Schweizer Franken weniger attraktiv. Auf der anderen Seite wird es jetzt Druck aus Frankreich und Italien geben, die Zinsen zu senken.

Frankreichs jährliche Inflationsrate sank im Dezember um 0,1 Prozent auf 0,8 Prozent. Damit liegt die Teuerung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone 1,2 Prozent unter der Zielvorgabe der Europäischen Zentralbank (EZB).

Italien, die drittgrößte Wirtschaft, hat 1,2 Prozent Inflation. In Deutschland fiel die Teuerung um 0,5 Prozent auf 1,8 Prozent und liegt damit ebenfalls unter dem Notenbankziel. In Österreich bleibt die Inflation mit 3,9 Prozent weiterhin überdurchschnittlich hoch.

Der Euro hatte sich Anfang Dezember auf 0,94 CHF aufgewertet, nachdem Isabel Schnabel eine Leitzinserhöhung ins Spiel gebracht hatte. Die Inflation tendiere zu höheren Werten, hatte die EZB-Direktorin dem Finanzdienst Bloomberg gesagt.

Diese Aussage ist nicht länger haltbar. Ihren Kollegen, EZB-Chefvolkswirt Philip Lane und Frankreichs Notenbankchef François Villeroy de Galhau, erfahren hingegen Zuspruch. Beide hatten letztes Jahr erklärt, dass man den nächstes Schritt beim EZB-Leitzins wahrscheinlich nach unten machen werde.

Der Euro hat sich gegenüber dem US-Dollar, Japanischen Yen und Britischen Pfund in den letzten zwei Wochen abgeschwächt. Dies dürfte auf die geänderte Erwartungshaltung bei den EZB-Zinsen zurückzuführen sein.

Zum Schweizer Franken hat sich der Euro hingegen stabil bei 0,93 gehalten. Einige Marktakteure rechnen damit, dass die Inflation in der geldwertstabileren Schweiz ins Negative rutscht. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) müsste dann von ihrer Linie , keine Negativzinsen 2026 einzuführen, abrücken.

Bisher gibt es aber keine Anzeichen dafür. Die Inflation in der Schweiz lag im Dezember bei 0,1 Prozent. Im November war die Rate 0 Prozent. Der bedingten Inflationsprognose der SNB zufolge wird die Teuerung in der Schweiz 2026 auf 0,3 Prozent steigen.

Vergleich Entwicklung Inflation Euroraum und Schweiz Flächendiagramm

Fazit

Frankreich und Italien haben ein Interesse an niedrigeren Zinsen, weil ihre Staatsfinanzen bereits stark belastet sind. Beide Länder weisen hohe Schuldenquoten auf, sodass schon moderate Zinsniveaus die laufenden Refinanzierungskosten deutlich erhöhen.

Steigende Zinsausgaben engen den fiskalischen Spielraum ein und erschweren die Einhaltung der Defizitregeln. Niedrigere Zinsen würden dagegen die Schuldentragfähigkeit verbessern, den Haushaltsdruck mindern und kurzfristig finanzielle Stabilität gewähren.

Mit dem Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Milliarden Euro im Zuge der Covid-Pandemie hat die EU erstmals in großem Umfang gemeinsame Schulden aufgenommen. Hinzu kommen die gerade beschlossenen finanzielle Hilfen für die Ukraine von 90 Milliarden Euro.

Diese neuen Verpflichtungen erhöhen die Zinslast des EU-Haushalts und machen ihn sensibler für das allgemeine Zinsniveau. Ein Umfeld sinkender Leitzinsen würde die Finanzierung dieser Programme erleichtern und das Risiko steigender Beiträge der Mitgliedstaaten begrenzen.

Vor diesem Hintergrund entsteht politischer Druck auf die EZB, die Zinsen zu senken. Das erklärt, warum der Rückgang der Inflation den Euro zwar fundamental stützen kann, gleichzeitig aber die Debatte über niedrigere Zinsen ihn schwächt.

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