Dollarkursentwicklung: Euro steigt langsam, dann schnell

Flächendiagramm historische EUR/USD-Kurs Entwicklung

Der US-Dollar macht eine durchwachsene Figur. Während ein Euro-Dollar-Kurs von 1,17 noch Stabilität vorgaukelt, zeigen sich in seinem Fundament die ersten Risse. Es ist ein beunruhigendes Bild für die amerikanische Leitwährung.

Die Dollarkursentwicklung dümpelt seit über einem halben Jahr zwischen 1,15 und 1,18 vor sich hin. Die Zeiten, in denen der Greenback von der Parität zum Euro stand, sind vorbei.

Im Januar 2025 war der Euro-Dollar-Kurs kurz auf 1,02 gefallen. Damals standen Leitzinssenkungen der Europäische Zentralbank (EZB) auf der Agenda. Gleichzeitig waren der US-Notenbank (Fed) wegen einer Inflation von vier.Prozent die Hände gebunden.

Devisenexperten sehen den Dollar zwar schwach. So erwartet die Deutsche Bank einen Anstieg des Euro auf 1,20 bis Juni 2026. Doch die Realität sieht anders aus. Der US-Dollar dürfte sich deutlich stärker abschwächen. Hintergrund: Die Fed macht Tabula Rasa.

Trügerische Ruhe

Ein Blick auf die Webseite usdebtclock.org zeigt, warum. Der amerikanische Staat steht mit 38,6 Billionen Dollar in der Kreide. Dem steht eine Wirtschaftsleistung (BIP) von 30 Billionen Dollar gegenüber. Die Staatsverschuldung liegt damit bei 127 Prozent.

US-Finanzminister Scott Bessent hat ein ureigenes Interesse daran, weniger Zinsen auf diese hohen Schulden zu bezahlen. Momentan sind es 4,2 Prozent, wenn er sich Geld auf zehn Jahre leiht. Der Zins auf zweijährige US-Staatsanleihen ist mit 3,5 Prozent ebenfalls ungemütlich hoch.

Gelänge es über kräftige Zinssenkungen der Fed eine Reduktion um ein Prozent hinzubekommen, würde der US-Staat 380 Milliarden Dollar pro Jahr an Zinsen sparen. Eine Menge Geld, das im Gesundheitssystem und anderen Ressorts gut gebraucht werden kann.

Die US-Notenbank hat in den letzten Monaten immer wieder Abwertungsdruck vom US-Dollar genommen. Sie kommunizierte, die Zinsen nur allmählich zu senken. Doch der Schein trügt. Alsbald US-Präsident Trump einen neuen Fed-Vorsitzenden ernennt, werden die US-Zinsen erheblich sinken.

Die Trump-Regierung braucht Geld, als das staatliche Haushaltsdefizit wegen denen im Sommer 2025 gemachten Steuersenkungen und den militärischen Engagements mit einer jährlichen Rate von neun Prozent zunimmt.

Das Schuldenwachstum ist zu hoch. So hat selbst der scheidende Fed-Chef Powell von einem "unsustainable Path" gesprochen.

Charttechnik

Der Abstand zum bisherigen Hoch der Aufwärtsbewegung bei 1,1850 ist nicht weit. Der Euro steht bereit diese Marke im ersten Quartal 2026 zu knacken. Die technischen Signale deuten auch danach auf eine weitere Schwäche des Dollars mit steigenden Euro-Notierungen hin.

Ist die Hürde bei 1,1850 genommen, kommen Wechselkurse von 1,20 und mehr. Die Hochs vom Januar 2021 und Januar 2018 bei 1,2350 und 1,25 kommen als nächstes in Reichweite.

Gut möglich, das anschließend zwischen 1,20 und 1,25 ein Konstrukt ensteht, das sich als Verschnaufpause entpuppt. Der Euro könnte dann im nächsten Jahr seinen Anstieg auf 1,30 Dollar fortsetzen.

Was tun?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat signalisiert, dass die mit Euro-Kursen bis 1,20 Dollar Leben kann. 1,25 ist den meisten Währungshütern in Frankfurt zu viel, da dies die Exporte des Währungsblocks zu sehr belasten könnte. Ein Eurokurs von 1,30 Dollar gilt gar als Tabu bei der EZB.

Aber was kann EZB-Chefin Christine Lagarde tun, wenn ein neuer Fed-Chef mit Zinssenkungen um ein halbes Prozent von Sitzung zu Sitzung geht? Sie kann versuchen den Euro ebenfalls mit Zinssenkungen unattraktiver zu machen. Allerdings ist der Spielraum der EZB, die Zinsen zu senken, geringer.

Der Euro-Dollar-Kurs stand das letzte Mal im August 2014 bei 1,30. Das der Wechselkurs erneut auf dieses Niveau steigen wird, klingt aus heutiger Sicht abenteuerlich. Schaut man sich die Kursentwicklung auf dem langfristigen Chart an, wären 1,30 gerade einmal in die Mitte der langfristigen Range.

Darüber hinaus gilt es im Hinterkopf zu behalten, dass Kursbewegungen um zehn oder 15 Cents in wenigen Monaten in der Vergangenheit regelmäßig vorfielen. Nachdem die ersten fünf Cents gelaufen sind, wollen viele nicht wahrhaben, dass noch mehr nachkommt.

Sie sagen, die Schmerzgrenze sei ausgereizt. Doch am Devisenmarkt gibt es keine solche Schmerzgrenze. Lang anhaltende Trends, die übertrieben erscheinen, weil sie auf Computerbildschirmen dargestellt an die obere rechte Ecke laufen, entwickeln sich weiter nach oben. Schließlich muss der User den Chart runterzoomen.