Neuer Aufwertungslauf des Schweizer Franken eingeleitet
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Neuer Aufwertungslauf des Schweizer Franken eingeleitet

Der Franken sei plötzlich eine Risikowährung. Sein Superstar-Status wegen der Zwangsehe von UBS und Credit Suisse in Gefahr, warnt die deutsche Zeitung Welt. Die Zinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zusammen mit dem Verkauf ungeliebter Euro-Bestände demonstriert jedoch, worauf es wirklich ankommt. Der Franken wird stärker, und zwar noch lange.

Die Euro-Franken-Rate zeigt auf die Anhebung der SNB um 0,50% eine typische Reaktion auf einen großen Zinsschritt. Die von der SNB eingespeiste Volatilität führt zunächst zum einem Ausreißer des Euro auf 1,00 CHF. Danach kommt die Wirkung höherer Schweizer Zinsen zum tragen, und den EUR/CHF-Kurs wirft es auf 0,99 zurück.

Die SNB warnt in ihrer Lagebeurteilung vor "grösserem inflationären Druck aus dem Ausland". Neben Zinserhöhungen stünden Devisenverkäufe auf der Agenda, um die Inflation (aktuell: 3,4%) unter 2% zu bringen. Wegen diesen Verkäufen, bei denen die SNB Euro aus ihren Währungsreserven abbaut und im Gegenzug Franken kauft, taugt der Schweizer Franken kurzfristig nicht als Risikowährung.

Flächendiagramm Inflation Entwicklung Schweiz und Euroraum 2023

Auch mittelfristig und langfristig ist der Franken keine Risikowährung. Die Schweiz ist auf dem Weg zu positiven Realzinsen: Subtrahiert man die dortige Inflation von der Rendite auf eine zweijährigen Schweizer Bundesobligation (0,9%), ergibt sich ein Realzins von -2,5%.

Der neuen Inflationsprognose der SNB zufolge wird die Teuerung bis 2024 auf 2% sinken. Zusätzliche Zinserhöhungen seien nötig, um "die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten", streicht die Notenbank in ihrer Lagebeurteilung (Link unten) heraus. Das bedeutet: Die Kapitalmarktzinsen der Schweiz werden weiter steigen und könnten bereits nächstes Jahr die Inflation übertreffen.

Demgegenüber ist die Eurozone von positiven Realzinsen so weit entfernt wie vom Mond. Bei -6,5% sind die Realzinsen in Deutschland und Österreich aktuell. Anders als die SNB kann die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins nicht so sehr anheben, damit die Realzinsen positiv werden. Dann würde etwas im Finanz- und Bankensystem der Eurozone kaputt gehen. Und/oder die hochverschuldeten Euro-Südstaat kämen ins Taumeln.

Ergebnis:

Wenn die Schweizer Behörden oder das Stimmvolk Entscheidungen treffen, die man in der EU nicht nachvollziehen kann oder will, führt das nicht zu einer Abschwächung des CHF. Weder der Volksentscheid gegen Masseneinwanderung, noch das Platzenlassen des EU-Rahmenabkommens haben dem Franken geschadet.

Auch die unrühmlichen Vorfälle bei der Credit Suisse werden daran nichts ändern. Saudi-Arabien hat zwar mehr als eine Milliarde Franken verloren, weil es letzten Herbst der Credit Suisse frisches Eigenkapital gab. Allerdings hätte es auch schlimmer kommen können. Normalerweise wäre das Eigenkapitel, das Saudi-Arabien in Form von Credit-Suisse-Aktien erhielt, nun 0,- CHF wert.

Der Schweizer Franken taugt nicht zu einer Risikowährung. Mit Blick auf den kolportierten Verlust seines Superstar-Status, lässt sich Folgendes sagen: Es ist deutlich wahrscheinlicher, dass die Axel-Springer-Verlagsgruppe in finanzielle Schieflage gerät. Der Franken bleibt ein Fels in der Brandung.

Quellen:
🔗 SNB-Lagebeurteilung, 23.03.2023
🔗 Sicherste Währung der Welt? Schweizer Franken jetzt ein Risiko, Welt, 22.03.23
🔗 Saudi National Bank loses over $1 billion, CNBC, 20.03.23