Die Herrin über den Schweizer Franken taumelt
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Die Herrin über den Schweizer Franken taumelt

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich am Euro verspekuliert, was ihr ein Rekordverlust von 132 Milliarden Franken einbrockt. Der Franken verliert jetzt an Glaubwürdigkeit und schwächt sich ab, liebäugelt die Anhängerschaft des Euro. Tatsächlich gelingt dem Euro ein guter Jahresauftakt am Devisenmarkt.

2022 ging für der Schuss für die 115-jährige SNB nach hinten los: Sinkende Aktien- und Anleihenkurse sowie die Franken-Aufwertung war für das Wertpapierportfolio der Notenbank zu viel. 132 Milliarden Franken Verlust bei einer Wirtschaftsleistung (BIP) von 800 Milliarden Franken ist auch für die reiche Schweiz kein Pappenstiel.

Die Kantone müssen auf die Nationalbankgewinne verzichten. Das sei "unerfreulich", kommentieren die kantonalen Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren (FDK). Bleiben die SNB-Milliarden aus, müssten einige Kantone Sparmaßnahmen vornehmen oder Steuersenkungen zurückstellen, meldet der SRF.

Während das Image der SNB als Herrin über den Schweizer Franken leidet, tritt der Euro in eine Stärkephase ein. Zum US-Dollar steigt er mit 1,0750 auf den höchsten Stand seit sieben Monaten. Der Euro-Franken-Kurs befestigt sich bei 0,99 und bestätigt damit seine Ambitionen.

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Nachdem die SNB die Kantone auf Nulldiät gesetzt hat, könnte sie auch der Euro-Anhängerschaft einen Strich durch die Rechnung machen. Man müsse mit Interventionen am Devisenmarkt "zugunsten des Franken" rechnen, zeigt sich die Deutsche Bank alarmiert. Ferner heißt es in dem aktuellen Research-Papier:

"Frankenstärke wird wegen der dämpfenden Wirkungen auf die Inflation weiterhin toleriert bzw. von der SNB gar unterstützt."

Bei einem Anstieg des Eurokurses über 1,00 CHF könnte sich die SNB also von Euros trennen und diese auf den Markt werfen. Sollte am Devisenmarkt tatsächlich ein so großer und permanenter Verkäufer wie die SNB zugegen sein, wird die Luft für den Euro dünn. Für jeden Euro der SNB muss erst einmal ein Käufer gefunden werden.

Entwicklung Devisenreserven Schweiz Flächendiagramm 2010-2023

Potenzielle Käufer werden dann versuchen, die Euro der SNB möglichst günstig zu erwerben, also zu Kursen unter Parität. Das spricht dafür, dass dem Eurokurs nur ein kurzfristiges Aufbäumen gegenüber dem Schweizer Franken gelingen wird, ehe er sich gegen Mitte 2023 dauerhaft unter Parität einnistet.

Quelle:
Markteinschätzung für Unternehmenskunden, Deutsche Bank, 06.01.2023

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