Wo steht der EUR/CHF-Kurs in einem Jahr, 5 und 10 Jahren?
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Wo steht der EUR/CHF-Kurs in einem Jahr, 5 und 10 Jahren?

Wechselkurs Diagramm Euro CHF mit Prognosen bis 2032

Im Jahr 2032 gibt es für 1 Euro 0,90 CHF, sagt die Bank J. Safra Sarasin. Nein, das wird bereits 2023 der Fall sein, widerspricht die ING Bank. Ähnlich sehen das UBS und die Deutsche Bank. Den Euro nicht abschreiben wollen Bank-Austria-Mutter Unicredit und die Erste Group.

"Bei den Währungen halten wir den Schweizer Franken weiterhin für attraktiv." Er sei eine der stärksten Währungen der Welt, erläutert die Bank Sarasin. "Angesichts der geringen Inflation in der Schweiz und aufgrund der höheren Anpassungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft dürfte er seine Position unseres Erachtens in den kommenden zehn Jahren behaupten."

Mit Blick auf die nächsten zwölf Monate legen immer weniger Banken das zwischen der Finanzkrise 2009 und Corona-Pandemie 2020 einstudierte Prognoseverhalten an den Tag: Dem Euro wird keine große Erholung gegenüber dem Schweizer Franken mehr zugetraut, ist neuer Grundkonsens.

  • Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) im September 2011 ihren Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken einzog, reichten die EUR/CHF-Prognose einiger Banken auf 1,30-1,35 hinauf.
  • 2015-2018 waren die Schwankungen extrem hoch. Nachdem die SNB den Mindestkurs aufhob, sank der Euro von 1,20 auf 0,84. Danach kletterte er bis April 2018 kurz auf 1,20 zurück.
  • 2019-2021 sah es so aus, als könne sich der Eurokurs in der Näher von 1,10 Franken befestigen. Daraus wurde wegen dem Hochschießen der Inflation in der Eurozone bekanntermaßen nichts.

Die nächsten 12 Monate

Fahne Österreich
Der Euro werde sich bei 0,97-1,00 Franken befestigen, erwartet Bank-Austria-Mutter Unicredit. Nahezu identisch gestalten sich die Schweizer Franken Prognosen der Erste Group. Österreichs größtes Geldhaus sagt für 2023 eine Handelsspanne zwischen 0,98-1,01 voraus.

Man sehe "wenige Argumente für eine Abwertung des Franken", meint hingegen die Volksbank in Wien. In die gleiche Kerbe schlägt die Raiffeisenbank: "Wir gehen davon aus, dass der Franken zum Jahresende um EURCHF 0,9500 gehandelt wird."

Fahne Deutschland
Die Deutsche Bank sieht den Eurokurs zu Ostern 2023 bei 0,93 Franken. Die Commerzbank erwartet 0,95-0,96. Deutschlands größte Landesbank ist optimistischer. Laut der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wird sich der Euro bei 0,98 Franken befestigen.

"Schweizer Franken legte nicht mehr zu und könnte mittelfristig gegenüber Euro nachgeben", meldet die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). In den nächsten Monaten sollte der Franken nur geringfügig nachgeben. "2023 dürfte der Euro-Franken-Kurs aber wieder oberhalb der Parität notieren."

Fahne Schweiz
Die größten Banken der Schweiz erwarten EUR/CHF-Kurse tief unterhalb der Parität. UBS, Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank (ZKB) rechnen für Anfang 2023 mit 0,92-0,94.

Danach werde es Raiffeisen Schweiz zufolge kaum besser für den Euro. Er leide unter der abschwächenden Konjunkturdynamik stärker als der Franken. "Unsere 12-Monatsprognose liegt bei 0,95 Franken."

Mit einer Inflationsrate von nur 3% sei die Geldentwertung in der Schweizer deutlich geringer als in Europa oder den USA. "Das heißt, mittelfristig dürfte der Euro sich eher auf 0,95 Franken abschwächen, als die Parität nachhaltig zu durchbrechen", meint die Schweizer Zeitung "Blick".

CHF Prognosen  2023 von 11 Banken grafisch dargestellt

2024-2027

Einen u-förmigen Verlauf der Euro-Franken-Rate prognostiziert die ING Bank. Demzufolge werde die Devisennotierung von aktuell 0,99 bis Mitte 2023 auf 0,90 runtergehen und sich dann bis 2024 auf 0,93 befestigen. Anschließend komme es zu einem Comeback des Euro in der Form eines Anstiegs auf 1,00 CHF bis Anfang 2025.

Wo steht die Euro-Franken-Rate in 10 Jahren?

Mit einer durchschnittliche jährlichen Abschwächung des Euro von weniger als einem Prozent kalkuliert die Bank J. Safra Sarasin. Die Schweizer Privatbank trifft eine 10-Jahresprognose für den Euro-Franken-Kurs von 0,90.

Langfristige Schweizer Franken Prognosen mit einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren sind selten. Die meisten Banken beschränken sich auf die nächsten zwölf Monate. In der Vergangenheit dürfte das mit dazu beigetragen haben, dass die Auguren ihre EUR/CHF-Ausblicke zu ansetzten.

Dadurch wurde die strukturell niedrigere Inflation der Schweiz nicht ausreichend gewürdigt. Sie drückt den Euro gegenüber dem Schweizer Franken nach unten. Die Geldentwertung in der Eurozone war bereits vor dem massiven Inflationsschub im Schnitt um 1-1,5% höher als in der Schweiz. Aktuell beträgt der Inflationsunterschied sage und schreibe 8%.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine Herkulesaufgabe vor sich: Sie muss die Inflation von 12% auf 2% bringen. Ob ihr das gelingt, darf bezweifelt werden. Die anhaltend hohe Inflation führt zu einer Zerstörung der Nachfrage, als Volkswirtschaften ohne Preisstabilität mehr schlecht als recht funktionieren.

Ergebnis

Mit der Bank-Austria-Mutter Unicredit, Erste Group und Landesbank Hessen-Thüringen kann man die Banken, die einen Anstieg des Euro gegenüber dem Schweizer Franken erwarten, an einer Hand abzählen. 2023 sehen die meisten Banken den Euro unter 1,00 CHF.

2024ff traut dem Euro mit Ausnahme niemand ein Miracle zu. Zwischen 2015 und 2018 war der Eurokurs von 0,98 auf 1,20 Franken gestiegen. Dieser Anstieg wurde aufgrund des übertriebenen Kursverfalls am Tag der Mindestkurs-Aufhebung begünstigt. Im Fachjargon spricht man von Mean Reversion, also Rückkehr zum Mittelkurs.

Kommentar: 3 Fliegen mit einer Klappe

Überdies war 2015-2018 die Zeit, in der großer Optimismus herrschte. Die Europäer hatten gedacht, ein goldenes Ei gelegt zu haben. Urplötzlich war man in der Lage mit Geld aus der EZB-Notenpresse das Wachstum anzukurbeln, Zweifel an der Schluldentragfähgikeit von Euroländern wie Italien auszuräumen und die Inflation unter 2% zu verankern.

Eine fatale Fehlannahme, der Deutschland, Frankreich und Italien auch noch während der Corona-Pandemie aufsaßen. Dadurch wurden die Exzesse noch größer. Der Ukraine-Krieg war dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Die Finanzkrise 2008 und Euro-Schuldenkrise 2011/12 haben gezeigt: Für jedes Jahr Exzess und Blasenbildung sind etwa zwei Jahre Aufräumarbeiten mit Einschnitten verbunden. Dies ist erforderlich, damit die Waage wieder im Lot ist. Wer sich dem verweigert, bekommt wirtschaftliche Verhältnisse wie in Lateinamerika oder eine dauerhaft hohe Inflation wie die Türkei.

Die Aufräumarbeiten haben für die Eurozone gerade erst angefangen. Aus Frankreich, Italien und Spanien werden sie bereits blockiert. Wie lange die nordeuropäischen Euroländer die Zerstörung der Kaufkraft ihrer Bürgerinnen und Bürger noch achselzuckend zusehen, ist die spannendste Frage.

Zum Thema: Schweizer Franken positioniert sich für Gegenschlag

Nicht auszuschließen, dass in Deutschland, Österreich und den Niederlanden auch die Mainstream-Politik zu dem Schluss kommt, das es so nicht weitergeht. Man muss also damit rechnen, dass die Gemeinschaftswährung in irgendeiner Form aufgebrochen wird, weil die Inflation wegen blockierten Aufräumarbeiten nicht auf 2% zurückkehrt.

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