Verzweifelter Hilferuf des Euro
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Verzweifelter Hilferuf des Euro

Der Euro schlägt mit seinem Rückfall unter den Gleichstand (Parität) zum Schweizer Franken Alarm. Österreichs Notenbankchef Holzmann spricht von "reichlich Platz" die Zinsen zu erhöhen. Der Euro winkt ab. Wieder so ein Lippenbekenntnis...

Schafft mir diese Wirtschaftsregierung vom Hals! Das ist die Kernforderung des Euro. Gemeint ist die Europäische Zentralbank (EZB). Frankreich hat sie zu einer Wirtschaftsregierung umgebaut. Deutschland sah dabei tatenlos zu.

Eine Wirtschaftsregierung für die Eurozone zu etablieren, ist eine uralte Forderung der Franzosen. Sie hatte bereits Ex-Präsident Sarkozy formuliert. EZB-Chefin Lagarde war Finanzministerin von Sarkozy. Insofern schließt sich der Kreis nun.

Die EZB steht kurz davon ein neues Instrument einzuführen, um stark verschuldeten Euroländern zu helfen. Im Kern handelt es sich dabei um einen staatlichen Eingriff die marktwirtschaftliche Zinsfindung zu unterbinden.

Für den Euro wäre es besser, würden sich die hochverschuldeten Länder selbst helfen, indem sie die Steuererhebung verbreitern, Dienstleistungssektoren modernisieren und neue Jobs schaffen.

Die Zinsen auf Staatsanleihen aus Italien, Spanien und Portugal würden dann von alleine sinken. Man bräuchte kein Geld aus der EZB-Notenpresse und könnte die hohe Inflation mit deutlichen Leitzinserhöhungen bekämpfen.

Zinspfad

Nach den bereits angekündigten Anhebungen für Juli und September habe man noch viel Raum für weitere Leitzinserhöhungen, sagt OeNB-Chef Holzmann im Gespräch mit CNBC.

Devisenmarktakteure sind nicht naiv: Holzmann hat keine Chance sich mit seiner Forderung nach einem steilen EZB-Leitzinspfad durchzusetzen. Das steht im starken Kontrast zur Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Die SNB ist auf einem steilen Zinspfad. Sie hat bereits eine "große" Leitzinserhöhung um 0,50% vorgenommen und signalisiert im September nachzulegen. Die EZB will nur in kleinen Schritten von 0,25% rauf.

Ergebnis

  • Die EZB ist eine Wirtschaftsregierung. Sie stellt Geld aus der Notenpresse bereit und erlaubt es so den Südländern Reformen, die ihre Schulden tragbar machen würden, zu unterlassen.
  • Man kann nicht gleichzeitig Wirtschaftsregierung und Inflationswächter sein: Wegen der Vernachlässigung die Inflation mit merklichen Zinserhöhungen auf 2% zu drücken, wird der Euro immer weicher.
  • Die SNB hat einen glaubwürdigen Plan vorgelegt, wie sie die Teuerung in der Schweiz auf 2% zurückbringt. Der Devisenmarkt honoriert das mit einem starken Franken.
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