Der Ausblick für Franken-Kreditnehmer im Dezember 2021
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Der Ausblick für Franken-Kreditnehmer im Dezember 2021

2021 ist eines der schlechteren Jahre für Franken-Fremdwährungskreditnehmer in Österreich. Der Euro hat sich zum Schweizer Franken deutlich abgeschwächt. Geht das Dilemma 2022 weiter? Oder öffnet sich ein Anstiegsfenster für den Euro?

Am Devisenmarkt sinkt die Euro-Inflationswährung immer tiefer. Sie gibt es aktuell zum Schleuderpreis von 1,0375 Franken. Das ist so wenig wie das letzte Mal im Juli 2015.

Damals steckten in der Kursentwicklung noch die Schockwellen der plötzlichen Aufhebung der Euro-Stützgrenze bei 1,20. Überdies war Griechenland dabei aus der Eurozone zu fliegen, was die Flucht in den Schweizer Franken forcierte.

Auf einen 20-jährigen Franken-Fremdwährungskredit im Gegenwert von 150.000 Euro mit Rückzahlungstermin 2025 hat sich die Schwächephase des Euro wie folgt ausgewirkt:

  • Anfang 2021, als es für 1 Euro 1,0850 Franken gab, lag die Restschuld bei 214.286 Euro.
  • Mit dem aktuellen Kurs von 1,0375 sind es 224.096 Euro.

Ergebnis:
Die Rückzahlung des zu einem Eurokurs von 1,55 aufgenommen Franken-Fremdwährungskredit hat sich um knapp 10.000 Euro erhöht.

Der Euro steckt in einem Dilemma, das sich auch 2022 nicht auflösen wird. Die beste Medizin für ihn wäre eine Straffung der Geldpolitik. Allerdings sind der Europäischen Zentralbank (EZB) die Hände gebunden.

Die Zinsen würden bei einer Beendigung der Staatsanleihenkäufe und natürlich bei einer Leitzinserhöhung steigen. Das brächte jedoch die hochverschuldeten Peripherieländer, allen voran Italien, in arge Bedrängnis.

Umgekehrt bringt das Festhalten an der ultralockeren Geldpolitik trotz einer Inflation von 5% den Euro in Bedrängnis. In der Schweiz ist die Teuerung bei 1,5%. Der Franken kann sich daher zum Euro allein inflationsbedingt ohne weiteres um 3,5% aufwerten.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat Franken-Fremdwährungskreditnehmer nach Anfang 2015 ein weiteres Mal enttäuscht. Die SNB ließ zuletzt die Euro-Franken-Rate unter 1,05 sinken. Dieses Niveau hatte sie noch im Frühjahr 2020 massiv verteidigt.

Kartenvergleich EUR/CHF-Kurs Österreich Schweiz

Insgesamt sieht es für den Euro also ziemlich schlecht aus. Er wird aller Voraussicht nach gegenüber dem Schweizer Franken auch im Jahr 2022 nicht bestehen können, es sei denn...

2022: Globale Erholung

Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone zieht kräftig an. Die Freunde einer Weichwährung verweisen in diesem Zusammenhang gerne auf sprudelnde Außenbeiträge über die Exportschiene.

Tatsächlich besteht die Möglichkeit, dass sich die unter dem Virus ächzenden Absatzmärkte in Asien und Lateinamerika kräftig erholen. Sie würden dann wieder mehr Waren aus den Euroländern abnehmen.

Zusammen mit einer niedrigeren Inflation herrührend aus tieferen Rohstoffpreisen (der Ölpreis stürzte in den letzten Wochen 20% ab) hätte der Euro nun ein Zeitfenster von drei bis sechs Monaten, um gegen den Franken zu steigen.

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