Euro mit Free-Float-Anstieg ins überbewertete Terrain
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Euro mit Free-Float-Anstieg ins überbewertete Terrain

Die Crash-Gefahr beim Wechselkurs Euro - Schweizer Franken ist wegen eines verbesserten Wachstumsausblick für die Eurozone gebannt. Sollte der Euro auf 1,07 Franken steigen, wäre er plötzlich überwertet.

Die Wirtschaft in den Euroländern erholt sich schneller als erwartet. Die EU-Kommission hebt ihre Wachstumsprognose für 2021 von 4,8% auf 5% an. 2022 sollen dann noch einmal 4,3% hinzu kommen.

"Die Erwartungen der Finanzmarktexperten und Finanzmarktexpertinnen an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone steigen im November zum ersten Mal wieder seit Mai", heißt es in den aktuellen ZEW-Konjunkturerwartungen.

Am Devisenmarkt kommt von dem besseren Ausblick für die Eurozone bisher kaum etwas an. Der Euro-Franken-Kurs notiert bei 1,0550 und damit sehr nahe eines zuvor markierten 18-Monatstiefs bei 1,0535-1,0540.

"Der Support um 1,0540 hielt jedoch Stand. Hierfür dürfte wohl die SNB stützend eingegriffen haben", kommentiert die Thurgauer Kantonalbank.

Wechselkurssysteme inkl. Free Float grafisch dargestellt

Wechselkurssysteme

Wie eine Wand steht die Schweizerische Nationalbank (SNB) dieser Tage nicht hinter dem Euro. Vor 20 Monaten war das noch anders. Damals wollte die SNB die Euro-Franken-Rate unbedingt über 1,05 halten.

Das war seinerzeit eine Mammutaufgabe. Zwei Monate und die umfangreichsten Euro-Stützungskäufe seit der Aufhebung des Mindestkurses Anfang 2015 waren erforderlich. Die SNB setzte sich schließlich per Schmutzigen Floating durch.

Aktuell ist die Lage anders. Sollte sich der Verkaufsdruck auf den Euro plötzlich wieder erhöhen, ist ein Abtauchen unter die Marke von 1,05 Franken möglich.

Hintergrund ist die Entwicklung des auf der Kaufkraftparität basierenden fairen Wechselkurses. Während der faire Wert der Euro beim Ausbruch der Corona-Pandemie noch weit über 1,10 Franken gelegen hat, beträgt er aktuell nurmehr 1,06.

Bei 1,07 bereits überbewertet

Wegen den besseren Wirtschaftsaussichten für die Eurozone könnte die Euro-Franken-Rate dieses Mal auch ohne SNB-Hilfe die Kurve bei 1,05 kratzen. Das entspräche dann einem Free-Float-Zurückpraller.

Sollte sich der Euro über 1,05 Franken halten, dürfte es zu einem Anstieg Richtung 1,07 kommen, sagen die Devisenexperten der Société Générale.

Euro-Erholungsprognosen hat es jedoch im Laufe der Talfahrt von 1,0940 auf 1,0535 in den letzten Monaten immer wieder gegeben. Überdies wäre der Euro bei einem Kurs von 1,07 Franken überbewertet.