Schweizer Franken steht vor massiver Aufwertung
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Schweizer Franken steht vor massiver Aufwertung

Wechselkurs Diagramm Euro Schweizer Franken seit 2000

Der Euro hat sich seit seiner Einführung vor zwei Jahrzehnten um ein Drittel zum Schweizer Franken abgeschwächt. Aktuell läuft die zweite Euro-Blase. Im Gegensatz zur ersten verliert der Euro bereits während der Blasenbildung. Den nächsten Paukenschlag mit Frankenschock gibt es dann beim Platzen dieser zweiten Euro-Blase.

In den Anfangsjahren war die Euphorie groß. Als der Euro zu Beginn des Jahres 1999 im bargeldlosen Zahlungsverkehr eingeführt wird, gibt es für ihn 1,61 Schweizer Franken. Drei Jahre später, bei der in Spanien bejubelten Papiergeld-Einführung, ist die Euro-Franken-Rate bei 1,47. Aktuell sind es knapp 1,06 Franken.

Hintergrund

Die Europäische Gemeinschaft spielt seit den 1970er-Jahren mit dem Gedanken eine Gemeinschaftswährung einzuführen. Um die Chancen auszuloten, finden in den 1980er-Jahren zwei regelmäßig tagende Konferenzen statt. Die erste Konferenz beschäftigt sich mit einer Vereinheitlichung der Finanz- und Sozialpolitik. Die zweite mit dem Zusammenführen von Geldpolitik und Notenbanken.

Dann kommt die deutsche Einheit, von der Frankreich nicht sonderlich begeistert ist ("Ich mag Deutschland so sehr, dass ich zwei davon haben will", François Mitterrand). Deutschland gibt im Glück über seine Wiedervereinigung dem Drängen Frankreichs, die beiden Konferenzen zusammenzulegen, nach. Das ist der Punkt, an dem alle Probleme des heutigen Euro begraben liegen.

Die Kohl-Regierung versucht die Finanzpolitik und die Sozialpolitik in den künftigen Euroländern auf einen Nenner zu bringen. Sie scheitert, weil Paris und Rom auch unter dem Dach einer gemeinsamen Währung keinerlei Einmischung in ihre Ausgabenpläne dulden. Und so muss sich Deutschland mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt begnügen. Doch an diesen wird sich niemand halten...

Um die Deutsche Mark aufzugeben, wird Deutschland auch zugesagt, dass es für die Schulden anderer Länder nicht einstehen muss und keine Finanztransfers zu leisten hat. Alles Lüge.

1. Euro-Blase

Bis Herbst 2007 klettert der Euro-Franken-Kurs auf 1,68. Der Euro scheint eine Erfolgsgeschichte zu sein. Hintergrund: Die Zinsen in Südeuropa sind extrem niedrig. Leistungsbilanzüberschüsse werden über das vereinheitlichte Notenbanksystem automatisch ausgeglichen ("Das ist eine riesige Solidaritätsleistung des Nordens", Jean-Claude Trichet, früherer EZB-Präsident).

Von den niedrigen Zinsen und der damaligen Hartwährung Euro gönnen sich Italien, Spanien, Portugal und Griechenland immense Lohnerhöhungen. Man will so leben wie die vermeintlich reichen Nordeuropäer. Der damalige spanische Ministerpräsident Luis Zapatero verspricht seinen Landsleuten höhere Pro-Kopf-Einkommen als Deutschland.

Der spanische Staat lässt Flughäfen bauen, auf denen nie ein Flugzeug landen wird. Griechenland fälscht seine Finanzlage. In Sizilien werden vom Staat mehr Förster eingestellt als es Bäume gibt.

Kartenhaus fällt zusammen

Mit der Finanzkrise 2008 und der bereits ein Jahr später in Griechenland beginnenden Euro-Schuldenkrise platzt die Blase. Etwa die Hälfte der Euroländer hat extrem unsolide gewirtschaftet. Um sich Wählerstimmen mit höheren Löhnen zu erkaufen, opferten Zapatero und Co. die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe.

Die erste Reaktion auf die Misere ist die Richtige: Die aufgeblähten Staatsapparate werden verkleinert. Mit Reformen wird versucht, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Dann kommt in Frankreich der Sozialist Francois Hollande an die Macht. Die Führung der Europäischen Zentralbank (EZB) übernimmt Mario Draghi.

Der kurze Reformfrühling in den runtergewirtschafteten Euroländern endet. Draghi hinterlegt mit Whatever-it-Takes die deutschen Geldvermögen von fünf Billionen Euro als Faustpfand an den Finanzmärkten. Sein Ziel: Er will so rasch wie möglich wieder niedrige Zinsen in Südeuropa. Hollande durchlöchert den Stabilitäts- und Wachstumspakt wie Schweizer Käse.

Frankenschock - Schwarzer Donnerstag

Als das Whatever-it-Takes-Versprechen den Finanzmärkten nicht mehr ausreicht, beginnt Draghi massenhaft Staatsanleihen mit Geld aus der Notenpresse aufzukaufen. Es kommt zum Frankenschock. Der Euro verliert am Schwarzen Donnerstag (15.01.2015) gegenüber dem Schweizer Franken 20 Prozent.

Die Nachfolgerin des Italieners, Christine Lagarde, bläht die Bilanzsumme der EZB per Staatsanleihenkäufe in nur 18 Monaten von 4,7 Billionen Euro auf 8,5 Billionen Euro auf.

Die EZB kauft schwerpunktmäßig Staatsanleihen aus dem Süden. Auch das eine geldpolitische Sünde. Die Ratingagenturen honorieren es aber. Denn mit jedem Schuldschein, den Italien und Spanien bei der EZB platziert, haften die Euroländer mit soliden Staatshaushalten (Deutschland, Niederlande, Österreich) für deren Ausfall mit.

Den Weg über wirtschaftliche Reformen und einer Verringerung der Arbeitslosigkeit die Staatsausgaben zu senken und die Bonität zu stärken, schließen Hollande und Draghi kategorisch aus. Draghi zeigt sein wahres Gesicht in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. In diesem bestreitet er, dass eine zu laxe Geldpolitik Reformen verhindert. Spätestens jetzt weiß jeder: Wenn der Italiener nach einer EZB-Sitzung in den einleitenden Bemerkungen die Euroländer zu Reformen auffordert, dann ist das überhaupt nichts wert.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht dem Ganzen zu. Ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble ist etwas kritischer. Das deutsche Bundesverfassungsgericht macht sich wichtig. Die Richter laufen aber dann wie ein Hund mit eingezogenem Schwanz davon.

2. Euro-Blase

Der Euro ist aktuell in seiner zweiten Blase. Anders als in der ersten schlägt sie sich bereits in einem immer weicher werdenden Eurokurs nieder. Aus der Sicht von Frankreich und den Südeuropäern ist extrem ärgerlich, dass es einen Schweizer Franken gibt. Denn hier zeigt sich, wie schlecht es um den Euro in Wahrheit bestellt ist. Im Euro-Dollar-Kurs wird das nicht so deutlich.

In der Schweiz leben Menschen, die deutsch, französisch und italienisch sprechen. In der Eurozone sprechen die meisten Menschen auch diese Sprachen. Der Euro und der Schweizer Franken sind daher Verwandte. Allerdings wird der Euro nicht durch eine Konföderation zusammengehalten.

Die Eurozone ist ein loser Staatenbund. 20 Jahre hat sie sich mit diesem Konstrukt durchgemogelt. Das ist durchaus ein Erfolg. Denn die Uhr tickt gegen das Fortbestehen der Währungsunion.

Wäschekorb voll mit Euros

Um aus dem Corona-Abschwung rauszukommen, ruft die EU einen schuldenfinanzierten Aufbaufonds von 750 Milliarden Euro ins Leben. Das meiste Geld aus diesem Fonds bekommen Italien und Spanien. Die EZB bläht ihre Bilanzsumme per Staatsanleihenkäufen von 4,7 Billionen Euro auf 8,5 Billionen Euro (+81%) auf.

Dank dieser Maßnahmen hat die Eurozone 14 Monate Wirtschaftswachstum bekommen. "Die Nach-Corona-Erholung ist mit dem dritten Quartal vorläufig beendet", hat gerade die VP Bank aus Liechtenstein festgestellt.

Trotz immer höherer Summe wird das Wachstum stets kleiner. Das sieht man recht gut in den USA. 2008 gab es im US-Kongress Grabenkämpfe um ein Rettungspaket von 750 Milliarden US-Dollar für die Banken. Das erste Konjunkturpaket der Obama-Regierung war etwa 1,5 Billionen Dollar. Die Biden-Regierung hat bereits sechs Billionen US-Dollar ausgegeben – und es ist noch nicht einmal Halbzeit der Regierungsperiode.

Beim nächsten Mal braucht die Eurozone einen Aufbaufonds von 1,5 Billionen Euro und eine EZB-Bilanzaufblähung auf knapp 14 Billionen Euro. Sie bekommt dafür dann eine siebenmonatige Konjunkturerholung.

Die, die keine Debitkarten mögen, fahren jetzt mit einem Wäschekorb voll mit Euro-Papiergeld im Kofferraum zum Tanken, um fürs Benzin zu zahlen. Danach sind drei Billionen Euro Aufbaufonds und eine EZB-Bilanzaufblähung auf knapp 30 Billionen Euro für ein Wachstumsstrohfeuer von ca. drei bis vier Monaten erforderlich.

Wegen den enormen volkswirtschaftlichen Schäden, die jahrzehntelange Notenpressen- und Verschuldungspolitik angerichtet haben, führt kein Weg mehr vorbei den Euro aufzubrechen. Es ist an der Zeit für den nächsten Frankenschock.

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