Die Schweiz hat mit dem Euro ein Riesenproblem
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Die Schweiz hat mit dem Euro ein Riesenproblem

In der Furcht vor einer dovishen EZB-Chefin Lagarde hat der Euro einen Anstieg gegenüber dem Schweizer Franken bei 1,08 abgebrochen. Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bleibt nichts anderes übrig, als in der Spur der EZB zu bleiben. Anders als Norwegen hat sich die Schweiz zu abhängig vom Euro gemacht.

Es war ein robuster Measured Move, der Appetit auf mehr machte: Der EUR/CHF-Kurs kletterte zwischen 24. August und 26. August von 1,0700 auf 1,0808. Dann kam mit der auf die künftige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sehr stark ausstrahlenden Powell-Rede die Wende. EUR/CHF purzelte auf 1,0740.

Richtschnur für die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Wahrung günstiger Finanzierungsbedingungen sein, kündigte Chefvolkswirt Lane im Gespräch mit Reuters an. Zusammen mit der Powell-Rede ist das  eine Steilvorlage für Madame Lagarde auf der Sitzung am 9. September die Erwartungen der Finanzmarktteilnehmer an eine Drosselung der Staatsanleihenkäufe in das Jahr 2022 nach hinten zu verschieben.

Karte Leitzinsen Schweiz, Eurozone, Skandinavien, UK

Mit zwei eiserner Fäusten herrscht die EZB über die Zinsen. Bei den kurzfristigen Zinsen ist der negative Einlagenzins von -0,50% ihr Folterwerkzeug. Die langfristigen Zinsen werden durch überbordende Staatsanleihen-Käufen mit Schwerpunkt auf hochveschuldeten südeuropäischen Emittenten niedrig gehalten.

Duo Infernale


Der Devisenmarkt hat längst durchschaut: Die EZB geht mit ihren beiden Folterinstrumenten durch dick und dünn. Deswegen steht der Euro-Franken-Kurs vor dem nächsten, lang anhaltenden Abwärtstrend. Gibt es genügend Wirtschaftswachstum (so wie das derzeit der Fall ist) gönnen Frau Lagarde und Herr Lane dem Euro noch nicht einmal eine klitzekleine Normalisierung der Geldpolitik.

Schwächt sich die Konjunktur ab (womit man spätestens Ende 2021/Anfang 2022 rechnen muss) zieht dieses für den Außenwert des Euro so desaströs agierende französisch/irische Duo Infernale die Daumenschrauben weiter an.

In der Schweiz schaut man neidisch nach Norwegen. Die norwegische Notenbank wird im September ihren Leitzins anheben. Eine Zinserhöhung seitens der Schweizerischen Nationalbank (SNB) würde die Bevölkerung wohl mehrheitlich befürworten. Die negativen Auswirkungen des SNB-Negativzinses von -0,75% auf den Schweizer Immobilienmarkt und die Vorsorgesystem sind bereits jetzt erheblich.

Weil sich die Schweiz aber zu abhängig vom Euro gemacht hat, wird und kann die SNB den Leitzins nicht anheben. Es ist ein Teufelskreis. Die SNB muss nun wieder Euros kaufen, um der Frankenstärke Einhalt zu gebieten. Die Aufhäufung von Euro-Devisenreserven macht die SNB dann noch abhängiger vom Duo Infernale der EZB.