Den Schweizer Franken erwarten EU-Nadelstiche
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Den Schweizer Franken erwarten EU-Nadelstiche

Der Euro hat wegen des gescheiterten Rahmenabkommen zwischen der EU und der Schweiz einen Joker in der Hinterhand. Hat der Berner Bundesrat mit dem Verlassen des Verhandlungstisches die Beliebtheit und Stabilität des Schweizer Frankens untergraben?

Aktuell steht der Euro-Franken-Kurs mit 1,0960 etwas höher als am 26. Mai 2021. An diesem Tag hat der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin die Verhandlungen über das EU-Rahmenabkommen offiziell beendet.

"Von der Schweizer Seite wünscht man sich den Status quo. Aber man muss sich bewusst sein, dass für uns der Status quo keine Option ist." Das sagt der EU-Botschafter in der Schweiz, Petros Mavromichalis, im Gespräch mit dem SRF.

Bisher lässt sich nicht bestimmen, ob das gescheiterte Rahmenabkommen einen Einfluss auf die Kursentwicklung des Euro zum Schweizer Franken ausübt.

Hätte die Schweiz das Abkommen unterzeichnet, gäbe es keine Unsicherheit für ihre Unternehmen und der Franken wäre vielleicht schon bei 1,08 per 1 Euro, sagen die einen.

Laut Christoph Mäder, Chef des größten Wirtschaftsverbandes Economiesuisse, werden die Unternehmen mit der Unsicherheit zurechtkommen. Auch das spricht gegen eine Abschwächung des Frankens.

Die Verfechter der Nadelstich-Theorie sind sich da nicht so sicher. Ihnen zufolge wird die EU die Zusammenarbeit mit der Schweiz in Bereichen wie der Forschung und Bildung beenden und überdies die bestehenden Abkommen nicht aktualisieren.

In der langen Sicht führt das dazu, dass die Schweizer Unternehmen das, was sie in der EU verkaufen wollen, auch immer stärker in EU-Ländern herstellen werden müssen. Investitionen gehen also verstärkt in die EU-Niederlassungen. Sie fehlen damit in der Schweiz.

Die Folge: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schweiz entwickelt sich weniger dynamisch als zwischen 2010-2020. Das wäre dann ein Steilvorlage für den Euro verlorenes Terrain gegenüber dem Schweizer Franken zurückzuerlangen.

Fazit:

Der von der Schweiz verhinderte Abschluss eines Rahmenabkommens mit der EU hat bisher kaum Auswirkungen auf den Wechselkurs des Euro zum Franken. Allerdings ist die Lage nicht stabil. Je länger der Bundesrat in Bern stur bleibt, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Schweizer Franken doch noch etwas abbekommt.

🔗 EU-Botschafter: «Diese Beziehung ist unfair», SRF, 22.06.2021
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