Es steht Spitz auf Knopf
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Es steht Spitz auf Knopf

Die Kursgewinne des Euro sind die größten seit Mai 2020. Zum zweiten Mal binnen eines Jahres gerät der Schweizer Franken ins Taumeln. Dieses Mal hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit seiner Abschwächung nichts zu tun. Das zeigt: Der Euro hat an seinen inneren Wert gesteigert.

Aufgrund der aktuellen Erholung des globalen Wachstums lasse die Nachfrage für den Schweizer Franken nach. Das sagt Maxime Bottoron von der Credit Suisse. Von einem Vertrauensverlust zu sprechen ginge aber zu weit. "Der Schweizer Franken ist weiterhin eine sichere Hafenwährung", so der Devisenexperte auf nau.ch.

Zwischen dem 16. Februar und 4. März 2021 kletterte der Euro-Franken-Kurs von 1,0790 auf 1,1150 (+3,3%). Der prozentuale Anstieg fällt etwas geringer aus als zwischen Ende Mai und Anfang Juni 2020. Damals war die Devisennotierung von 1,05 auf 1,0915 (+3,9%) hochgeschossen.

Trotzdem ist die aktuelle Stärkephase des Euro höher zu gewichten. Vor zehn Monaten spielten Devisenmarktinterventionen eine große Rolle. Aktuell kommt der Euro ohne die Hilfe der SNB aus. "Griff die Nationalbank besonders im ersten Halbjahr 2020 noch mit großen Beträgen am Devisenmarkt ein, sorgt der höhere Eurokurs nun für Entlastung", kommentiert die St.Galler Kantonalbank.

Linienchart Euro Franken Kurs 2016-2021

Der Euro könnte laut dem Schweizer Vermögensverwalter Bantleon bis 1,16 Franken klettern. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet mit einer längeren Phase anhaltender Frankenschwäche. Für 1 Euro werde es Ende 2021 1,12 Franken und Mitte 2022 1,14 Franken geben, prognostiziert die größte deutsche Landesbank.

Devisenexperten hängen ihr Fähnchen oft in den Wind, alsbald der Euro-Franken-Kurs beginnt merklich zu steigen. Als der Währungskurs im April 2018 auf 1,20 kletterte, gingen einige Banken mit ihren EUR/CHF-Ausblicken auf 1,25-1,30 hoch. Noch mehr 1,30-Prognosen hatte es während der Mindestkurs-Zeit gegeben. Alsbald sich der Euro von 1,20 Franken etwas löste, wurden die Ausblicke hochgeschraubt.

Wer sich auf die hohen Euro-Prognosen der Banken eingelassen hatte, wurde bereits zweimal enttäuscht: (1) Mit der plötzlichen Aufhebung des Mindestkurses Anfang 2015. (2) Mit der Talfahrt des Euro-Franken-Kurses von 1,20 auf 1,05 zwischen April 2018 und März 2020.

EUR/CHF-Ausblick


Der Euro-Franken-Kurs fühlt sich zwischen 1,10 und 1,12 nicht sonderlich wohl. Dieser Bereich fungiert als Übergangsszone. Zwischen 1,07 und 1,09 oder zwischen 1,12 und 1,15 fühlt sich die Devisennotierung wesentlich besser aufgehoben.

Kann der Euro nach seinem steilen Anstieg der letzen Wochen noch eins draufsetzen? Das ist erforderlich, damit er er sich über den Sommer und Herbst zwischen 1,12 und 1,15 Franken einnistet. Keine leichte Aufgabe, aber mit genügend Eurozonen-Konjunktureuphorie wäre ein weiteres Hochschießen machbar.

Drückt im Euro-Gebiet an irgend einer Stelle der Schuh, wird sich der Devisenmarkt stärker dem Franken zuwenden. Die Konjunkturaussichten für die Schweiz sind ebenfalls glänzend. Darüber hinaus hat das Land die Pandemie im Vergleich zu den Nachbarstaaten relativ gut überstanden. Für den Euro-Franken-Kurs ginge es zurück in den Bereich 1,07 bis 1,09.