Wie stabil ist der Schweizer Franken?
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Wie stabil ist der Schweizer Franken?

Der Fluchtwährung Schweizer Franken geht es an den Kragen. 2021 schlägt die Stunde des Euro. Hintergrund: Die kräftige Erholung der Weltwirtschaft zusammen mit einer stärkeren Nutzung des Euro als globale Transaktionswährung. Was ist dran an diesem Ausblick? Wird der Franken geschmäht?

So hat sich der Euro-Franken-Kurs entwickelt:
  • Er stieg von 1,05 auf 1,08 (+2,9%) zwischen Mai und November 2020.
  • Er sank von 1,0850 auf 1,08 (-0,5%) seit Jahresbeginn.
  • Er sank von 1,10 auf 1,08 (-1,8%) in den vergangenen zwölf Monaten.
Devisenstrategen der Banken müssen oft um die Ecke denken. Was mit dem Euro-Franken-Kurs passiert, hängt nicht zur Gänze von der Eurozone und der Schweiz ab. Der Zustand der weltweiten Reservewährung US-Dollar entscheidet mit darüber, ob sich der Euro im nächsten Jahr permanent über 1,10 Franken einsortieren kann.

"Die Dollarschwäche ist in einem guten Szenario der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung für den Schweizer Franken gar nicht so dramatisch, weil der Schweizer Franken als sicherer Hafen auch nicht mehr so gefragt sein würde." Das sagt Christian Gattiker, Research-Chef bei der Bank Julius Bär im Interview mit cash.ch. Er fügt hinzu:

"Wir gehen in diesem Fall vielmehr davon aus, dass sich der Euro massiv aufwerten würde. Die Dollarschwäche würde dann vielmehr gegenüber dem Euro als gegenüber dem Schweizer Franken zu sehen sein."

Beispiel


Aktuell notiert der Euro-Dollar-Kurs (EUR/USD) bei 1,1880 und der Dollar-Franken-Kurs (USD/CHF) bei 0,91.

Der Euro-Franken-Kurs (EUR/CHF) ist ein so genanntes Währungs-(Cross). Er ergibt sich, in dem EUR/USD mit USD/CHF multipliziert wird:

1,1880 mal 0,91 = 1,0811

Ergebnis: Für 1 Euro gibt es aktuell 1,0811 Franken.

2021 wertet der Euro auf 1,25 Dollar auf. Dem Franken bleibt eine ebenso hohe Aufwertung zum US-Dollar wegen der kräftigen Erholung der Weltwirtschaft versagt.

Anleger, und auch Spekulanten, haben einen weitaus geringeren Bedarf den Franken als Fluchtwährung zu halten als im Corona-Jahr 2020. USD/CHF landet bei 0,88.

1,25 multipliziert mit 0,88 = 1,10

Ergebnis: 2021 gibt es für 1 Euro 1,10 Franken.


Devisen Weltkarte Kapitalströme Schweizer Franken, Euro, US-Dollar


Tatsächlich liegen die ersten belastbaren Daten vor, dass der Euro auf Kosten des US-Dollars zulegt. Er war im Oktober die am meisten genutzte Währung für globale Transaktionen, berichtet Bloomberg. Zuletzt war das dem Euro 2013 gelungen.

💡 Mitte 2013 kletterte der Euro-Franken-Kurs untermauert vom Mindestkurs der Schweizerischen Nationalbank (SNB) auf 1,27.


Es gibt jedoch gewichtige Gründe, die dagegen sprechen, dass der Euro zum Superstar des Devisenmarktes avanciert:
  • Die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren tiefen Negativzins und der nicht mehr wegzudenkenden Staatsfinanzierung per Notenpresse ist ein großes Makel. Ferner attackiert die EZB den Euro: Sie macht ihn mit dem Ausblick auf noch mehr Gelddrucken weicher, alsbald ein Niveau zum Dollar von 1,20 erreicht wird.

  • Die EU hat sich vom Leistungsprinzip verabschiedet. Die 2020er-Jahre stehen im Zeichen von Umverteilung und Dauer-Subventionierung. In der EU, mehr noch in der Eurozone, versuchen sie es mit einem Sozialismus-Experiment, zumal die auf Freihandel erpichten Briten weg sind.

  • Die USA können sich einen solchen Schlendrian nicht leisten, als sie mit China konkurrieren müssen. Machen die Amerikaner etwas Neues und werden innovativer, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Attraktivität. Da spielt es dann eine untergeordnete Rolle, dass die US-Notenbank (Fed) sogar noch mehr Geld druckt als die EZB.

Fazit und Ausblick


Ein Aufstieg des Euro beruht auf Zahlenspielen und isolierten Kurs-Szenarien. Das Bigger Picture bleibt außen vor. Die Überlegenheit des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro ist eine Permanente Größe des Devisenmarktes.


🔗 Euro übetrifft Dollar im globalen Zahlungsverkehr, investrends.ch, 20.11.2020
🔗 Mehr Dollarschwäche zum Euro als zum Franken, Julius Bär, cash.ch, 19.11.2020
🔗 In Europa setzt man auf den Förderverein, boerse-online, 19.11.2020
🔗 Zukunft Schweizer Franken, Baake, Hüning, Straubhaar, Vöpel, HWWI, 2016