Euro-Inflation brodelt, Schweizer Preise stabil
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Euro-Inflation brodelt, Schweizer Preise stabil

Der optimistische Ausblick für 2021 herrührend aus der erfolgreichen Impfstoff-Entwicklung hat den Euro-Franken-Kurs in den letzten Wochen von 1,0660 auf 1,0830 (+1,6%) nach oben geführt. Die Corona-Pandemie geht, hunderte Milliarden Euro Konjunkturhilfen kommen erst noch: Damit klopft unweigerlich die Inflation an.

Sollte sich der Euro bis Jahresende bei 1,08 Franken befestigen, wäre das ein Achtungserfolg. Im langjährigen Mittel schwächt er sich jedes Jahr um 1,5% zum Franken ab. Anfang 2020 notierte der Euro-Franken-Kurs bei 1,0850 Franken. Der "natürliche" Wechselkurs für Ende 2020 liegt also um 1,5% tiefer, bei 1,07 Franken.

Der EU-Aufbaufonds mit seinen 750 Milliarden Euro wird pünktlich zum Jahreswechsel aktiv. Gegenwärtig blockieren Polen und Ungarn zwar dieses Mammut-Konjunkturhilfen-Programm.

Die beiden EU-Neulinge dürften aber dem Druck der alteingesessenen Länder Deutschland, Frankreich und Italien nicht mehr lange standhalten. Die Wirtschaftsleistung Polens und Ungarns zusammen ist kaum größer als die der Schweiz.

Inflationsdynamik


"Lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit", sagte Helmut Schmidt 1972. Der deutsche Kanzler ging davon aus durch höhere Inflationsraten in der Lage zu sein, die Arbeitslosigkeit zu verringern. Mit diese Annahme hatte der Intellektuelle Schmidt ausnahmsweise einmal falsch gelegen.

Die offiziellen Statistik einer Inflation von 0-1% spiegelt nur sehr eingeschränkt die Lebenswirklichkeit in den Euroländern wider. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele Zwei davon:
  1. Mietpreissteigerungen fließen in den harmonisierten Verbraucherpreisindex der Eurozone nur mit 6,5% ein. Das ist angesichts der stark gestiegenen Mieten eine Farce.

    💡Hauseigentümer vermieten in der Regel nur, wenn die monatliche Mietbelastung ein Drittel (besser weniger) des Nettoeinkommens beträgt. Wer nicht genug verdient, muss sich etwas günstigeres suchen.

    Beispiel:
    Eine Familie mit einem Nettoeinkommen von 3.000 Euro wohnt in einer Mietwohnung in München. Die monatliche Warmmiete beträgt 1.000 Euro. Der Hauseigentümer hat die Miete erhöht. Zusammen mit den gestiegenen Nebenkosten steigt die Warmmiete auf 1.300  Euro (keine Seltenheit in den letzten Jahren, oft war es sogar noch mehr).

    Die Preiserhöhung für das Gut "Mieten" beträgt damit 30%. Und sie tut Verbrauchern richtig weh, da sie keine Auswahlmöglichkeit haben (wenn die Kartoffelpreise um 30% steigen, kann man auf Nudeln und Reis ausweichen). In der Eurostat-Inflationsstatistik landet wegen der geringen Gewichtung von Mietpreissteigerungen nur ein Bruchteil der 30%. Das trägt dazu bei, dass die Inflation laut den Statistikern so niedrig ist.

  2. Die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum fließen bisher überhaupt nicht in die Inflationsmessung ein.

Die gefühlte Inflation in der Eurozone dürfte seit Jahren wesentlich höher sein als die offiziellen Zahlen suggerieren. Mit dem sich abzeichnenden Konjunkturaufschwung im nächsten Jahr wird die Teuerung weiter zulegen. Mehr Geldentwertung steht einem stärkeren Euro zum Franken dann entgegen.

Schweiz: Stabile Preise


In der Schweiz gibt es keine Geldentwertung. Die Inflation wird Prognosen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zufolge in den nächsten Jahren nahe der Nulllinie sein. Die Inflationsgefahren sind also deutlich geringer.

Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) druckt die SNB keine Franken, um die öffentlichen Haushalte zu finanzieren. Die Gefahr, dass das Geld aus der Notenpresse schlussendlich doch noch aus dem Finanzsystem in den Wirtschaftskreislauf einsickert und einen Inflationsanstieg herbeiführt, ist in der Schweiz deutlich geringer.

In der Eurozone ist diese Gefahr gestiegen. Ein Beispiel: Die EZB verschafft dem italienischen Staat per runtermanipulierten Niedrigzinsen Geld, um Alitalia zu retten. Diese Fluggesellschaft war bereits vor der Corona-Pandemie pleite.

Staatliche Subventionierungspraktiken einflussreicher Wählergruppen (z. B. aus dem Bereich der Personenbeförderung) führen oft zu deutlichen Preisanstiegen. Verbraucher können wegen monopolartigen Strukturen nicht ausweichen. Sie bezahlen dann mit überhöhten Preisen die Wahlgeschenke der Politiker. Oft geht das jahrelang so, bis der Staat vor der Pleite steht und ein Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) braucht.


🔗 "Bundesbank hört zu" - Gewerkschaften fordern andere Inflationsmessung, Reuters, 13.11.2020