Der Ausblick für Franken-Kreditnehmer im Oktober 2020
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Der Ausblick für Franken-Kreditnehmer im Oktober 2020

Der Schweizer Franken legt seit Anfang Oktober zu. Für 1 Euro gibt es mit 1,0685 Franken so wenig wie letztes Mal im Juli 2020. Setzt sich die Flucht in den Franken fort? Ein Silberstreif am Horizont für den Euro steigt Anfang 2021. Sicher ist aber auch das nicht.

Gravierend ist die Aufwertung des Frankens bisher nicht. Er wurde 1% gegen den Euro stärker. Das ist vollkommen normal. Jedem war bewusst: Weil die Schweiz den Franken nicht fest an den Euro bindet, werden die Kursausschläge zunehmen.

In den Franken-Kredit-Hochburgen Ungarn und Polen sind die Ausschläge stärker. So hat der Schweizer Franken dem ungarischen Forint und polnischer Zloty in den letzten Wochen mehr als 2% abgenommen.

"Wegen der zweiten Corona-Infektionswelle bleibt EUR/CHF unter Druck", sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sollte es aber laut dem Experten gelingen ein Absturz zu verhindern.

Allgemeiner Tenor unter Devisenexperten: In den kommenden Wochen und Monaten wird es der Euro schwer haben sich gegenüber dem Schweizer Franken zu behaupten.

Hilfsgeld-Tsunami


Die Europäische Zentralbank (EZB) wird bei ihren Staatsanleihenkäufen noch einmal draufsatteln. Damit sie das tut, will sie aber erst Gewissheit, dass die 750 Milliarden Euro aus dem EU-Aufbaufonds Anfang 2021 beginnen zu fließen.

Mehrere EZB-Vertreter haben sich zuletzt besorgt über Verzögerungen bei der Auszahlung der Hilfsgelder gezeigt. Die derzeitige Verschärfung der Corona-Situation wird allerdings den Druck auf die Politik wieder erhöhen. Die Chancen stehen somit gut, dass die Gelder wie geplant fließen.

Voraussichtlich Anfang 2021 hat die Eurozonen-Wirtschaft dann das Schlimmste überstanden. Nun dürfte es zu einer recht langen wirtschaftlichen Erholung kommen. Aufgrund des EU-Aufbaufonds und aufgestockten EZB-Staatsanleihenkäufen wird so viel Geld im Finanz- und Wirtschaftskreislauf sein wie nie zuvor.

Mit diesen riesigen Summen lassen sich die strukturellen Probleme der Euroländer übertünchen. Einhellige Meinung unter den meisten Devisenexperten aus Österreich und Deutschland: Während dieser Zeit wird der Euro gegenüber dem Schweizer Franken um mindestens 3%, im besten Fall sogar um 5% zulegen.

Weiterlesen: Wo wird der Euro-Franken-Kurs in einem Jahr stehen?

Die Gretchenfrage: Von welchem Ausgangsniveau? 
  • Fällt der Euro erneut auf 1,05 Franken, so wie im Frühjahr, stünde er im nächsten Jahr mit einem Plus von 3% bei 1,08 Franken. Das wäre etwas höher als aktuell.
  • Könnte der Euro-Franken-Kurs schon bei 1,06 die Kurve kratzen und 2021 um 5% zulegen, hätte man einen recht hohen Kurs von 1,11.
Es gibt ein Restrisiko, dass sich der Euro-Franken-Kurs von dem Euro-Hilfsgeld-Tsunami nicht beeindrucken lässt. Er tritt stattdessen auf der Stelle, diesmal zwischen 1,05 und 1,06.

Oder EUR/CHF sinkt, weil Anleger aus der Eurozone wegen den vielen wirtschaftlichen Schwachstellen ihres Währungsraums und den daraus resultierenden mangelnden Investitionsmöglichkeiten so stark in der Schweiz investieren wie nie zuvor.