Euro mit Kneifzange oder đŸ§€Samthandschuhen anfassen
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Euro mit Kneifzange oder đŸ§€Samthandschuhen anfassen

Der Schweizer Franken hat in den letzten vier Wochen ein Rappen eingebĂŒĂŸt, und so steigt der EUR/CHF-Kurs auf 1,0750 (+0,9%). GrĂ¶ĂŸer sind die Gewinne auf Sicht von drei Monaten. Ausgehend vom Jahrestief bei 1,05 kam es zu einen Anstieg um 2,4%. Auf den ersten Blick liegt der Euro gut im Rennen. Schweizer Exporteure und Franken-FremdwĂ€hrungskreditnehmer mĂŒssen laut der UBS aber aufpassen.

Nimmt man die Höchstmarke bei 1,0915 vom 5. Juni 2020, den Wechselkurs von Anfang 2020 bei 1,0850 und den von Juli 2019 bei 1,1115 zum Maßstab, ergibt sich ein anderes Bild. Hier dominieren Minuszeichen. Der Euro schwĂ€chte sich im Durchschnitt um 2% gegenĂŒber dem Schweizer Franken ab. Auf den zweiten Blick steht der Euro als Verlierer da.

Wechselkursdiagramm Euro - Schweizer Franken Mitte 2019 bis Mitte 2020 mit Pivot-Linien

Der EU-Wiederaufbaufonds von 750 Milliarden Euro ist nach harten Verhandlungen in trockenen TĂŒchern. Die ZuschĂŒsse liegen mit 390 Milliarden Euro unter den ursprĂŒnglich geplanten 500 Milliarden Euro. DafĂŒr steigt der Anteil der Hilfskredite von 250 Milliarden Euro auf 360 Milliarden Euro. Es ist gehupft wie gesprungen: Wird es eng mit der RĂŒckzahlung, greift die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) den Schuldnern unter die Arme.

Aus der Sicht des frĂŒheren Chefs des deutschen ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, handelt es sich beim Aufbaufonds um ein Instrument zur Konkursverschleppung: "Die Mittel werden vor allem fĂŒr Verstaatlichungen von nicht mehr wettbewerbsfĂ€higen Unternehmen und fĂŒr die Rettung der GlĂ€ubigerbanken verwendet werden. Von Wiederaufbau kann nicht die Rede sein", sagte Sinn unlĂ€ngst dem Magazin "Fonds Professionell".

EUR/CHF-Stakeholder


Die UBS mahnt heimische Unternehmenskunden mit Exposure zum Euro-WĂ€hrungsgebiet zur Vorsicht: "Die Absicherung von Euro-Engagements erscheint uns weiter angebracht." FĂŒr die Zeit ab Herbst 2020 gibt sie dann Entwarnung: "Wir gehen jedoch nach wie vor davon aus, dass sich der Euro im 4. Quartal 2020 und im 1. Quartal 2021 erholen wird, sobald die Weltwirtschaft wieder anzieht."

Die Empfehlung der grĂ¶ĂŸten Bank der Schweiz richtet sich indirekt auch an Österreichs Franken-Kreditnehmer. Sie haben, wie die Schweizer Exporteure, ein großes Interesse an einem möglichst hohen Euro-Franken-Kurs. ZusĂ€tzlich Orientierung geben Wechselkursprognosen basierend auf dem Jahreshoch bei 1,0915 und dem Jahrestief bei 1,0498.

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