Erholung des Euro bleibt unvollendet
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Erholung des Euro bleibt unvollendet

Der Euro geht gerade ab wie eine Rakete: Gegenüber dem US-Dollar steigt er mit 1,17 auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Auch Japanischer Yen und Britisches Pfund haben keine Chance. Der Anstieg beim Euro-Franken-Kurs bleibt hingegen unvollendet. Die Schweiz macht gerade den größten Sprung nach vorne. Im Euro-Währungsgebiet hat man die Corona-Ängste instrumentalisiert. Österreich legt den Finger in die Wunde.

In Europa stehen der Investment-Beratungsfirma Sentix zufolge Österreich und die Schweiz am besten da. Hier ist die konjunkturelle Erholung am weitesten fortgeschritten. "Den größten Sprung nach vorne machen die Werte für die Schweiz", stellt Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner fest. Im Euro-Währungsgebiet ex Österreich geht es zwar auch nach oben. Die Dynamik ist aber nicht so hoch wie in der Schweiz.

Angesichts der Spitzenreiterrolle seines Landes ist die Kritik von Österreichs Kanzler an den südlichen Nachbarn nachvollziehbar. Kurz spricht mit Blick auf Euroländer wie Italien von Staaten, die in ihren System kaputt sind. Damit zog er den Zorn von Präsident Macron auf sich. Französische Unternehmen haben sich in der zweiten Hälfte der Amtszeit von EZB-Chef Mario Draghi sehr hoch verschuldet, um in Italien und Spanien auf Einkaufstour zu gehen.

Wie das in Frankreich üblich ist, wurde diese Einkaufstour von der Regierung unterstützt. Da will sich Macron nun natürlich nicht anhören, dass die Franzosen "kaputten Mist" gekauft haben. Und so hat sich Macron über Kurz auf dem EU-Gipfel mokiert: "Seht ihr? Es ist ihm egal. Er hört den anderen nicht zu, hat eine schlechte Haltung."

Strukturelle Problemen wollen Macron und seine südlichen Kollegen nicht einräumen. Die Reformen, um sie zu beheben, würden sie ihre Ämter kosten. Man hat das bei dem deutschen Kanzler Schröder gesehen. Von konjunkturellen Problemen können die Besagten aber gar nicht genug bekommen. Und so stellt sich nun heraus, dass man die Corona-Pandemie vor den Karren gespannt hat, um möglichst viele neue Schulden zu machen.

Ängste schüren


Die Europäische Zentralbank (EZB) macht mit: Sie ist bei den Konjunkturprognosen zu schwarzmalerisch. Damit hat sie den Druck auf die Politik, den größtmöglichen Wiederaufbaufonds zu beschließen, erhöht. Ein Minus von 8,7% hat die EZB für dieses Jahr angesetzt. Von der Notenbank befrage externe Ökonomen rechnen mit 8,3%. Auch die Erholung der Eurozone im nächsten Jahr wird laut den Externen schneller gehen als die EZB einräumt.

Aktuelle Konjunkturdaten untermauern den schrecklichen Verdacht: Die Corona-Ängste wurden instrumentalisiert. Die Eurozonen-Wirtschaft hat sich im Juli schneller erholt als erwartet. Sie verzeichnete laut den Einkaufsmanager-Daten von IHS Markit das stärkste Wirtschaftswachstum seit zwei Jahren.

Der Euro-Franken-Kurs möchte, dass die strukturellen Probleme im Süden zumindest teilweise angegangen werden. Dann würde auch er merklich steigen. Der jetzt gefundene Kompromiss, mit einem Wiederaufbaufonds nur die konjunkturellen Probleme in der Eurozone zu adressieren, dürfte ihm nicht reichen.

Viele Analysten sind anderer Meinung: Der mit dem Wiederaufbaufonds verbundene Einstieg in eine gemeinsame Verschuldung werde ausreichen, um den Euro-Franken-Kurs nach oben zu bekommen. Wegen der Transformation der Eurozone in eine Schuldenunion falle die Euro-Auseinanderbrechen-Risikoprämie weg. Diese Versicherungsprämie habe den Euro seit seiner Einführung zurückgehalten, so die Argumentation.