EUR/CHF-Ausblick 2021-2026
Home » » EUR/CHF-Ausblick 2021-2026

EUR/CHF-Ausblick 2021-2026

Der Euro sank in den letzten zwei Jahren von 1,20 auf 1,06 Franken. Damit hat er sich 12% gegenüber dem Schweizer Franken abgeschwächt. Hintergrund: Der stockende Wirtschaftsmotor der Eurozone und eine immer expansivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). 2020 kamen die konjunkturellen Erschütterungen der Corona-Krise hinzu. Sie sind in vielen Euroländern gravierender als in der Schweiz. Der Euro könnte sich noch das ein oder andere Jahre über der Parität halten, ehe es für 1 Euro weniger als 1 Franken gibt.

Der Schweizer Franken ist eine klassische Aufwertungswährung. In dieser Rolle kommt ihm eine besondere Verantwortung zu. Er muss dafür sorgen, dass die durch die Gelddruckprogramme der Notenbanken angestauten Kreditrisiken nicht in Vergessenheit geraten. Der Franken wird dem nachkommen, in dem er gegenüber Euro und US-Dollar über Jahre hinweg zur Stärke tendiert. Ihm wird dabei die traditionell niedrige Inflation in der Schweiz helfen.

4 Liniencharts zur Wechselkurs Entwicklung Euro -Schweizer Franken 2015 bis 2026

Laut den Chefökonomen von Credit Suisse und Raiffeisen Schweiz wird ein Austauschverhältnis 1 Euro = 1 Franken 2024/25 erreicht. Diese Prognosen stammen aus der Zeit vor dem Ausbruch der Corona-Krise und damit auch vor dem gigantischen EZB-Staatsanleihen-Kaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme, PEPP). Und so heißt es in einem aktuellen EUR/CHF-Ausblick der UBS:

Das größte Risiko seien sehr umfangreiche Lockerungen der EZB, die die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu brächten, eine weitere Aufwertung des Frankens zuzulassen.

Die SNB kann in der Theorie gegenhalten: Sie druckt für jeden von der EZB gedruckten Euro einen Franken und sorgt so dafür, dass dem Überangebot an Euros ein Überangebot an Schweizer Franken gegenübersteht. In der Praxis ist das aber nicht möglich. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken (Frankenschock) zeigt das sehr eindrucksvoll.

Der Euro konnte sich nach dem Frankenschock Anfang 2015 erholen. Er stieg von 0,98 auf 1,20 Franken (+22%) bis April 2018. Nachdem der Euro den Ausgangspunkt des früheren Mindestkurses bei 1,20 kurz zurückeroberte, wird es als nächstes auf einen Test des Frankenschock-Tiefs bei 0,98 hinauslaufen.

Dann stellt sich die Frage: Prallt der Euro ebenso kräftig zurück wie beim Erreichen von 1,20, dieses Mal allerdings nach oben und nicht nach unten? Die Antwort: Nein. Es ist nur ein kleiner Zurückpraller auf etwa 1,05 möglich. Mehr ginge nicht. Hintergrund ist die geringere Inflation in der Schweiz. Sie stärkt den Franken. Und so dürfte sich der Euro-Franken-Kurs spätestens ab 2026 dauerhaft unter der Parität einnisten.