Argumente für und gegen einen stärkeren Schweizer Franken
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Argumente für und gegen einen stärkeren Schweizer Franken

Der Euro hat sich in den letzten zwölf Monaten 5% gegenüber dem Schweizer Franken abgeschwächt. Seit 2018 beträgt das Minus 12%. Im Oktober 2007 gab es für 1 Euro 1,68 Franken und die Verluste liegen gar bei 37%. Der Euro scheint sich in einer unaufhaltsamen Talfahrt zu befinden. Man darf ihn aber nicht abschreiben. Bekommt der Schweizer Franken so wie 2002-2007 und 2015-2018 eins auf den Deckel?

"Der Schweizer Franken bleibt deutlich überwertet", heißt es in einem aktuellen Währungskommentar der Deka Bank. "Gemäß Kaufkraftparität ist der Franken gegenüber dem Euro hoch bewertet", sagt die Landesbank Baden-Württemberg. Beide deutsche Banken rechnen bis Mitte 2021 mit einem Anstieg des Euros auf 1,09 Franken. Das wäre ein Plus von 3%. Aktuell notiert der Euro-Franken-Kurs bei 1,06.

Der faire Wechselkurs basierend auf der Kaufkraftparität liegt laut der UBS immerhin bei 1,19. Gemäß den Rechenmodellen der Erste Group ist er etwas tiefer: "Nach unserer Einschätzung liegt der Wert des Franken zum Euro basierend auf Kaufkraftparitäten derzeit in einer Bandbreite von rd. 1,14 bis 1,16." Das letzte Mal stimmten fairer- und tatsächlicher Wechselkurs im April 2020 überein. Damals stieg der Euro auf 1,20 Franken.

Ein Argument für einen stärkeren Euro ist der EU-Wiederaufbaufonds. Der deutsche Bundespräsident Steinmeier schaltet sich nun in die Diskussion ein. Er hoffe auf eine rasche Einigung auf den EU-Aufbaufonds für schwer von der Corona-Krise betroffene Staaten. Der SPD-Politiker hatte Ex-EZB-Chef Mario Draghi mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und dafür viel Kritik bekommen.

Mit einem unter Dach und Fach gebrachten EU-Aufbaufonds und der konjunkturellen Erholung der Eurozone im Rücken könnte der Euro merklich gegenüber dem Schweizer Franken steigen. Sollten die Emerging-Markets-Länder dann noch in der Lage sein wieder kräftig Industriegüter aus Europa zu kaufen und der US-Dollar gegenüber dem Euro an Boden verlieren, wären Euro-Franken-Kurse von 1,10-1,15 möglich.

Weiterlesen: Steigt der Euro 2021 zur Währung des Jahres auf?

Die Kurshistorie und das hohe Ansehen, das der Schweizer Franken auf der ganzen Welt genießt, sprechen gegen einen stärkeren Euro. Die eidgenössische Währung hatte bereits gegenüber der Deutschen Mark aufgewertet. Es ist daher nur logisch, dass sie auch gegenüber dem Euro, in dem italienische Lira, spanische Peseta und französischer Franc etc. stecken, stärker wird.

2002 bis 2007, als der Eurokurs von 1,45 auf 1,68 Franken kletterte, waren von Euro-Euphorie geprägte Ausreißer-Jahre. "Trotz Konstruktionsfehlern hat der Euro in den ersten zehn Jahren seines Bestehens erstaunlich gut funktioniert", sagt Yvan Lengwiler, Professor für Geldpolitik an der Universität Basel. In Krisenzeiten zeige sich jedoch die Schwachstelle. Das Fehlen einer gemeinsamen Fiskalpolitik.

Schieflage


Die Corona-Pandemie hat zu einer Beschleunigung eines Prozesses geführt, der unter EZB-Chef Draghi eingeleitet wurde: Umverteilung und Transfers werden höher gewichtet als die Bringschuld der Empfängerländer. Italien und Spanien pochen auf Schenkungen, wollen aber im Gegenzug keine Kontrolle über ihre Haushaltspolitik erlauben. Damit wird die Schieflage in der Eurozone größer.

Die Mittelmeerländer haben bereits eine Abmachung verletzt, in dem sie die Kontrolle über die Notenpresse der Europäischen Zentralbank (EZB) übernommen haben. Der Deal bei der Euro-Einführung war: Italien, Spanien und Co. geben das Recht an der Notenpresse zu kurbeln ab und bekommen dafür einen automatischen Ausgleich ihrer Leistungsbilanzdefizite über die Target-Salden.

Eine dauerhafte Geldpolitik per Notenpresse, wie sie jahrzehntelang vor der Euro-Einführung in Italien gemacht wurde, und eine Euro-Hartwährung sind zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen.

Fazit:
Der Euro kann von einer Euphoriewelle getragen auf 1,10 bis 1,15 Franken steigen. Ein solches Aufbegehren gegenüber dem Schweizer Franken ist aber nur vorübergehend. Überdies werden die Ausreißer-Jahre immer kürzer. Die letzte Euro-Rallye von 2015 bis 2018 und war bereits um zwei Jahre kürzer als die zwischen 2002 bis 2007.

Eine etwaige Euro-Rallye mit EU-Aufbaufonds und Konjunkturerholung im Rücken dürfte weniger als zwei Jahre dauern. Spätestens 2022 käme dann der Schweizer Franken zurück. Der Euro gibt seine Gewinne wieder ab. In einem zweiten Schritt kommt es zur Bildung eines Rekordtiefs unter einem Austauschverhältnis 1 Euro = 1 Schweizer Franken.